Eingang zum
KZ Buchenwald

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Der brennende Reichstag

Freiburgs Geschichte in Zitaten

Das 3. Reich oder
wie aus geprahlten tausend Jahren nur gerade mal zwölf wurden

 

Ick kann jarnich soviel fressen, wie ick kotzen möchte

 

Auf den Trümmern der Weimarer Republik, zerrieben im Laufe der Jahre zwischen links- und rechtsradikalen Kräften, vollzieht sich Hitlers Machtübernahme zunächst ganz legal. Bei den Reichstagswahlen Anfang November 1932 erhält die NSDAP in Freiburg zwar nur 22,4%, während Zentrum 31,6%, SPD 15,5%, Deutsch-Nationale Gruppierungen zusammen 13% und die KPD 12% erzielen. Auf Reichsebene gesehen aber reicht es zu einer nationalsozialistisch-konservativen Mehrheit, so dass am 30. Januar 1933 der greise Reichspräsident von Hindenburg den vordem verächtlich als böhmischen Gefreiten* Geschmähten zum Reichskanzler ernennt.

*Hier irrt Hindenburg. Während seiner Militärakademieausbildung in der Habsburgischen Geschichte wohl nur bis zum Dreißigjährigen Krieg gekommen lässt er Adolf im böhmischen Braunau das Licht der Welt erblicken. Hitler wurde jedoch in Braunau am Inn geboren

Carl Zuckmayer beobachtet: Am Abend wälzte sich der endlose Fackelzug von SA- und SS-Formationen zur Reichskanzlei. von deren Balkon der neue Führer des deutschen Volkes seine Mannen grüßte [Salt08]. Als der Zug durch das Brandenburger Tor zieht, soll der greise Maler Max Liebermann, der in einem Seitenflügel des Tores sein Atelier hatte, die berühmten Worte: Ick kann jarnich soviel fressen, wie ick kotzen möchte gesprochen haben.

 

Nicht nur in Berlin, auch in Freiburg feiern SA und SS das Ereignis mit einem Fackelzug, dem eine Kundgebung auf dem Karlsplatz folgt. Viele Mitbürger meinen, dass Hitler in seinem Amt als Reichskanzler ohne parlamentarische Mehrheit, nur gestützt auf seine NSDAP und die Deutsch-Nationale Volkspartei, jedoch eingerahmt in einem Präsidialkabinett durch rechtskonservative Politiker wie dem Industriellen und Wirtschaftsminister Alfred Hugenberg, dem adeligen Wehrminister Werner von Blomberg und dem Rechtskatholiken und Vizekanzler Franz von Papen nun gezähmt sei. Papen tönt sogar: Es besteht überhaupt keine Gefahr. Wir haben ihn für unseren Auftritt eingestellt [Bull89]. Sie alle unterschätzen Hitlers brutalen Willen zur Macht.

 

 

Des letzten Reichstags Haus in Brand

 

Der Brand des Reichstages vom 27. Februar wird zum Fanal einer braunen Diktatur, die mit dem von Reichspräsident Hindenburg erlassenen Notverordnung zum Schutz von Volk und Staat und dem Ermächtigungsgesetz eingeleitet wird. Bert Brecht schreibt: Zu Berlin im Jahre neunzehnhundertdreiunddreißig stand dann an einem Montagabend des letzten Reichstags Haus in Brand.

 

 Das Freiburger St. Konradsblatt kommentiert das Ereignis recht markig: Der Reichstag steht in Flammen. Das sind die Methoden, die die kommunistische Internationale dem Proletariat der ganzen Welt für den Ernstfall anzuwenden empfiehlt ... Das Feuermeer, das sich dann ausbreitete ... war der Anfang einer kommunistischen Terroraktion, die über Trümmer und Ruinen, über Blut und Leichen zum Umsturz führen sollte. Zur Bekämpfung dieser kommunistischen Gefahr hat die Regierung vom Reichspräsidenten am Dienstag, 28. Februar, außergewöhnliche Vollmachten, durch eine Notverordnung zum Schutze des deutschen Volkes erhalten [Kauf89].

 

Ein Augenzeuge berichtet vom Brandherd, an den die Regierungsmitglieder geeilt waren: Erregt presste Hitler seine Fäuste an die Oberlippe und wiederholte ein ums andere Mal: Nun bekomme ich meine 51% [Kauf89]. Zum Reichstagsbrand meint Viktor Klemperer: Acht Tage vor der Wahl die plumpe Sache des Reichstagsbrandes - ich kann mir nicht denken, daß irgend jemand wirklich an kommunistische Täter glaubt statt an bezahlte Hakenkreuz-Arbeit. Dann die wilden Verbote und Gewaltsamkeiten. Und dazu durch Straße, Radio etc. die grenzenlose Propaganda [Klem06]. Und doch ist sich die Geschichtswissenschaft heute weitgehend einig, dass der Brandstifter Marinus van der Lubbe wohl ein Einzeltäter war.

 

 

Freiburg unter dem Hakenkreuz

 

In der lokalen Presse: Das Freiburger Münster und das Hakenkreuz auf dem Schlossberg im Flutlicht

 

 

 

 

 

 

 

 

 

5. März

 

 

Unter dem braunen Reichskanzler vollzieht sich die Machtübernahme der Nazis in Freiburg im Frühjahr 1933 so wie überall im Reich. Bei den sogenannten letzten freien Wahlen zum Reichstag am 5. März 1933 erhält die NSDAP in Baden 45,8% der Stimmen, verfehlt jedoch in Freiburg die von Hitler angepeilten 51% mit nur 35,8% beträchtlich. Zentrum, SPD und KPD bringen es auf 29,4%, 14,2% bzw. 7,2 %.

 

 

 

6. März

 

 

 

Da hissen ohne Zustimmung des Oberbürgermeisters Dr. Karl Benders die Nazis am 6. März die Hakenkreuzfahne am Rathaus, wobei der Herausgeber des Kampfblatts der Nationalsozialisten Oberbadens Der Alemanne und Kreisleiter Dr. Franz Kerber sowie SA-Oberführer Hanns Ludin vom Balkon aus Reden halten. Rasch lässt Bender die zwar größeren Fahnen Badens und Freiburgs aufziehen, doch dies hat nur noch symbolische Bedeutung, denn die Reichsregierung erzwingt im Zuge des Ermächtigungsgesetzes die Gleichschaltung von Ländern und Gemeinden [Ecke 08].

 

 

 

 

 

7. März

 

 

Schlag auf Schlag

 

Im Gewerkschaftshaus hinter dem Schwabentor findet die Polizei Waffen

 

8. März

 

Reichsinnenminister Wilhelm Frick setzt den Zellengenossen Hitlers aus Landsberger Zeit und NSDAP-Gauleiter Robert Wagner als Reichskommissar für das Polizeiwesen in Baden ein.

 

9. März

 

Die Polizei schließt das Gewerkschaftshaus.

 

10. März

 

 

 

Reichskommissar Wagner erlässt erste Maßnahmen für Sicherheit und Ordnung im Land Baden, verfügt ein Versammlungsverbot für SPD und KPD und ordnet Schutzhaft für marxistische Führer an. Am gleichen Tag verurteilt ein Schnellgericht in Freiburg den SPD-Parteifunktionär Seger wegen der Waffenfunde im Gewerkschaftshaus.

 

15. März

 

Nach Schutz-Verhaftungen von Kommunisten richtet die NSDAP in Meßkirch das erste Konzentrations-lager Deutschlands ein [Arbe83].

 

16. März

 

Bürgermeister Josef Hölzl und Stadtrat Franz Geiler, beide SPD, werden im Rathaus verhaftet.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

17. März

 

 

Die Menschen nehmen diese Maßnahmen widerstandslos hin. Gegenwehr scheint sinnlos, denn wie Gauleiter Wilhelm Murr im benachbarten Gau Württemberg verkündet: Wir sagen nicht: Aug' um Auge, Zahn um Zahn. Nein, wer uns ein Auge einschlägt, dem werden wir den Kopf abschlagen, wer uns einen Zahn ausschlägt, dem werden wir den Kiefer einschlagen [Böni08].

 

 

Die Affaire Nußbaum

 

Morgens zwischen 4 und 5 Uhr! soll der jüdische sozialdemokratische Landtagsabgeordnete und Stadtverordnete Christian Daniel Nußbaum verhaftet werden. Er weigert er sich, die Wohnung zu öffnen, weil er fürchtet, ein Mordkommando der SA steht vor der Tür. So schießt er und verletzt beide Polizeibeamten, einen davon tödlich.

 

Darüber schreibt sein Landsmann René Schickle ins Tagebuch: Vom Rechtsstandpunkt aus hätte er aus Notwehr gehandelt. Denn seine Immunität als Abgeordneter durfte nicht verletzt werden. Er war aber nur verrückt. Geheimrat Hoche von der Psychiatrischen Klinik hat erklärt, Nußbaum habe voriges Jahr einen Gehirnschlag gehabt und leide an Paralyse ... Nach dem Gehirnschlag hatte er eine Ohnmacht, die viele Stunden dauerte. Wenn danach etwas als krankhaft auffiel, dann war es sein phantastischer Optimismus gegenüber der nationalsozialistischen Gefahr. Er schwor, die Partei [die SPD] werde im Handumdrehn mit den Nazis fertig werden - im Ernstfall. Nun ist der arme Kerl auf seine Art mit ihnen fertig geworden. Alle sozialdemokratischen Führer in Freiburg sind verhaftet, darunter Stadtrat Grumbach und Bürgermeister Hölzl. Das waren auch zwei Optimisten, aber der negativen Art; sie glaubten nicht, daß es so schlimm würde mit den Nazis [Klei87].  

 

18. März

 

 

Nach diesem tragischen Ereignis werden sämtliche örtliche Organisationen der SPD und KPD  einschließlich ihrer Hilfs- und Nebenorganisationen mit sofortiger Wirkung aufgelöst. Das Gewerkschaftshaus bleibt bis auf weiteres geschlossen [Kauf89]. Wagner benutzt das furchtbare Marxistenverbrechen als Vorwand für die Ergreifung aller bisher noch nicht verhafteten KPD und SPD Abgeordneten des Reichs- und Landtags in Baden. In Freiburg werden sämtliche SPD-Mitglieder des Stadtrats und des Bürgerausschusses verhaftet und größtenteils in das Schutzhaftlager Ankenbuch bei Donaueschingen überstellt [Ecke08].

 

20. März

 

 

In einem unblutigen Putsch erklären fünf NSDAP-Abgeordnete und ein DNVP-Abgeordneter den Stadtrat für abgesetzt und setzen sich selbst als Kommissare ein, die mit Oberbürgermeister Bender zusammenarbeiten wollen. Diese Entwicklung passt weder Wagner noch seinem Schützling Kerber. So verfügt der Reichsleiter bereits am folgenden Tag die Absetzung der selbsternannten und die Einsetzung dreier ihm genehmer Kommissare darunter Kerber [Ecke08].

 

 

 

 

23. März

 

 

 

31.März 

 

Mit dem Vorläufigen Gesetz zur Gleichschaltung der Länder hört die parlamentarische Länder- und kommunale Selbstverwaltung auf zu bestehen.

 

 

 

 

 

1. April

 

 

 

Reklame in Emaille

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

7. April

 

 

 

Freiburg und seine jüdischen Mitbürger

 

Schon kurz nach der Machtergreifung versucht das Naziregime, den deutschen Juden die Lebensgrundlagen zu entziehen. Schon Ende März 1933 ruft Der Alemanne zu einem für den 1. April verordneten nationalen Boykott jüdischer Geschäfte auf. Das Freiburger St. Konradsblatt erklärt diese Maßname mit einer Reaktion auf die Verbreitung von Gräuelmeldungen in der anglo-amerikanischen Presse über die Hinmetzelung von Tausenden von Juden: Allerdings hat sich jetzt zur Strafe für diese Gerüchte des Auslands in Deutschland eine Bewegung gebildet, welche bezweckt, einen allgemeinen Boykott gegen die jüdischen Geschäfte durchzuführen und zugleich zu erreichen, daß die Zahl der jüdischen Rechtsanwälte und Ärzte beschränkt wird. Diese Abwehr trat unter der Leitung der NSDAP am Samstag, 1. April, vormittags um 10.00 Uhr in Kraft. Reichskanzler Hitler betonte, daß diese Abwehr organisiert werden mußte, weil die Abwehr aus dem Volke heraus von selbst gekommen wäre und sonst unerwünschte Formen angenommen hätte! [Kauf89]. Das Freiburger Volk allerdings befolgt den Boykott jüdischer Geschäfte nur mäßig.

 

 

Kein Deutscher kauft künftig bei Juden!
Denkt daran! Juda wollte Deutschland vernichten!

 

Auch andere Maßnahmen gegen jüdische Mitbürger laufen im Reich gleichgeschaltet ab. Bereits am 7. April tritt das Gesetz zur Wiederherstellung des Berufsbeamtentums in Kraft. Der Arierparagraph bestimmt: Beamte, die nicht arischer Abstammung sind, sind in den Ruhestand zu versetzen, aber auch politische Gegner des Nationalsozialismus werden aus dem Dienst entlassen. Die Nürnberger Rassengesetze vom September 1935 mit dem Gesetz zum Schutze des deutschen Blutes und der deutschen Ehre sowie das Reichsbürgergesetz folgen der primitiven Logik des Parteiprogramms der NSDAP aus dem Jahre 1920: Staatsbürger kann nur sein, wer Volksgenosse ist. Volksgenosse kann nur sein, wer deutschen Blutes ist, ohne Rücksichtname auf Konfession. Kein Jude kann daher Volksgenosse sein. Die deutschen Juden fallen jetzt unter die Fremdengesetzgebung. Somit ist ihnen der Staatsdienst verschlossen.

 

 

 

 

 

9. April

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

10. Mai

 

 

 

 

17. Mai

 

 

 

 

 

 

 

22. Mai

 

 

 

 

 

 

 

 

23. Mai

Stadtrat und Bürgerausschuss marxistenrein

 

Repressionen gegenüber dem in Freiburg traditionell starken Zentrum führen dazu, dass Oberbürgermeister Dr. Karl Bender am 9 April aus gesundheitlichen Gründen beurlaubt wird und den Posten frei macht für Dr. Franz Kerber. Von oben eingesetzt und nicht gewählt regiert Kerber anfänglich noch mit einigen wenigen sozialdemokratischen Stadträten und Stadtverordneten, bis er nach deren erpressten Mandatsniederlegungen Mitte Juni seinem Gauleiter nach Karlsruhe melden kann: Stadtrat und Bürgerausschuss marxistenrein.

 

 

Die Säuberung der städtischen und Privatleihbüchereien
 ist vorläufig zum Abschluß gebracht

 

Am 10. Mai hatte wie in vielen deutschen Städten in Berlin vor der Staatsoper Unter den Linden die spektakuläre Verbrennung undeutschen Schrifttums stattgefunden, auch der Werke Heines, der vorausgesehen hatte, wo man Bücher verbrennt, verbrennt man auch am Ende Menschen [Wern02].  

 

Die Parteileitung in Freiburg hatte das Datum versäumt. Deshalb soll in der Kampfwoche gegen Schmutz und Schund unter Federführung der Hitlerjugend das Ereignis am 17. Mai mit einer symbolischen Bücherverbrennung vor den Stufen des Münsters nachgeholt werden, wobei Pfarrer Albert aus Gundelfingen ausersehen ist, die Feuerrede zu halten. Anschließend soll ein großes Bücherfeuer auf dem Exerzierplatz mit einem Ausklang am Biwakfeuer folgen. Da kommt den Planern der Regen dazwischen  [Kirk08].  

 

Die ausgefallene Bücherverbrennung erwähnt Kerber in einem Brief an Erzbischof Gröber am 22. Mai mit keinem Wort. Stattdessen betont der Oberbürgermeister: Hochwürdigster Herr Erzbischof! Euer Exzellenz ... Dieser Tag ist die Vollendung einer wochenlangen schweren Arbeit für den christlichen Wiederaufbau Deutschlands und bringt Ihrer Bischofsstadt die gründliche Reinigung sämtlicher Bibliotheken, dazu noch vor allem der vielen Leihbüchereien ... Euer Exzellenz machen sich keine Vorstellung, aus wieviel Kloaken der literarische Unrat während der letzten Jahre sich in die Häuser christlicher Familien ergoß  [Kauf89].  

 

Die städtische Pressestelle meldet am 23. Mai Die Säuberung der städtischen und Privatleihbüchereien ist vorläufig zum Abschluß gebracht [Kirk08].  

 

 

Leider war der Vogel schon ausgeflogen

 

Noch gibt es die bürgerlichen Parteien. Da meldet Ende Juni Der Alemanne: Dieser Tage sollte in Verfolgung des großen Reinemachens in Deutschland der frühere Reichskanzler Dr. Josef Wirth in Schutzhaft genommen werden. Leider war der Vogel schon ausgeflogen. Wie verlautet nach der Schweiz ... Dieser Zentrumsführer unterscheidet sich in Wort und Tat seiner langjährigen unrühmlichen politischen Tätigkeit kaum von einem Marxisten [Kauf89].  

 

5. Juli 

 

 

Nach Abschluss des Konkordats zwischen der Reichsregierung und dem Vatikan, löst sich am 5. Juli  die Zentrumspartei, wie die Presse vermeldet, im Einvernehmen mit dem Reichskanzler auf. In Freiburg findet sich eine kleine Zahl der Zentrumsabgeordneten plötzlich parteilos, möchte aber, da frei gewählt, von ihren Stadtratsmandaten nicht lassen. Die Deutsche Gemeindeordnung vom 30. Januar 1934 entfernt auch diese Volksvertreter und schafft zudem Abstimmungen im Stadtrat ab [Ecke06]. Im Zuge der Gleichschaltung sind Bürgermeister nur noch Befehlsempfänger in der Kette: Führer, Gauleiter, Kreisleiter, Bürgermeister.

 

 

 

 

 

 

 

Prof. Heidegger in Freiburg 1934 mit Reichsadlerabzeichen

 

 

 

 

 

 

Dollfuß auf Gedenkbriefmarke

 

 

Gleichschaltung der Alberto Ludoviciana

 

Der Rektor der Freiburger Universität, der Medizinprofessor von Moellendorff, wird 1933 mit Naziterror aus seinem Amt gedrängt. Von ihm übernimmt der Philosoph Martin Heidegger das Rektorat, der als geistiger Führer der neuen Bewegung offen die nationalsozialistische Umwälzung begrüßt: Die Herrlichkeit aber und all die Größe dieses Aufbruchs verstehen wir dann erst ganz, wenn wir in uns jene tiefe und weite Besonnenheit tragen, aus der die alte griechische Weisheit das Wort gesprochen: Alles Große steht im Sturm. In seiner Antrittsrede ermahnt Heidegger die Studentenschaft zur Gefolgschaft und beschwört die bluthaften Kräfte als einzige Bewahrer deutscher Kultur [Rödl03].  Weiterhin führt er aus: Das Wesen der deutschen Universität kommt erst in Klarheit, Rang und Macht, wenn zuförderst und jederzeit die Führer selbst geführt sind - geführt von der Unerbittlichkeit jenes geistigen Auftrags, der das Schicksal des deutschen Volkes in das Gepräge seiner Geschichte zwingt [Crai82].

 

 

Spuren des nach dem Kriege nur notdürftig entfernten Reichsadlers mit Hakenkreuz am Hauptgebäude der Freiburger Universität

 

 

Der Anschluss

 

Als Kriegsverlierer hatte Österreich als Ergebnis der Friedensverhandlungen in St. Germain ein Friedensdiktat unterzeichnet, welches das Land auf die Grenzen seiner deutschsprachigen Bevölkerung reduziert. Die am 12. November 1918 ausgerufene Republik Deutsch–Österreich scheint nicht lebensfähig, doch ein Anschluss an Deutschland wird von den Siegermächten ausdrücklich verboten.

 

Die innenpolitische Entwicklung der Republik ist geprägt von Hunger, Not, Armut, und Inflation. So kommt es schließlich 1933 zur Auflösung des Parlaments und Ausrufung eines klerikalen Ständestaates mit einem Verbot aller Parteien. Während im März 1934 die Sozialdemokraten dagegen aufstehen, versuchen am 25. Juli die österreichischen Nationalsozialisten einen Putsch und ermorden den diktatorisch regierendem Bundeskanzler Engelbert Dollfuß. Ihm folgt als Regierungschef sein Innenminister Kurt von Schuschnigg, der den katholisch geprägten Austrofaschismus fortführt: Mein Name ist Österreicher, meine Heimat ist Österreich, mein Volk, dessen Sprache ich spreche, ist deutsch [Hani02].  

 

 

Bis in den Tod rot-weiß-rot!

 

 Schon in seinem Buch Mein Kampf hatte Hitler 1924 gefordert: Deutschösterreich muß wieder zurück zum großen deutschen Mutterlande. Eine Gelegenheit dazu bietet sich, als Schuschnigg 1937 die österreichischen Nationalsozialisten verbieten lässt. Darob zitiert ihn Hitler am  12. Februar 1938 zu einem Treffen auf den Obersalzberg und droht unverhohlen mit dem deutschen Einmarsch: Wir sind daran, die beste Wehrmacht zu schaffen, über die das deutsche Volk jemals verfügt hat. Es wäre unverantwortlich vor der Geschichte, dieses Instrument nicht zu gebrauchen [Mann89]. Der Führer verlangt nicht nur die Wiederzulassung der Nazipartei, sondern auch deren Beteiligung an der Regierung. Indem er am 16. Februar Arthur Seyß-Inquart als Innenminister in sein Kabinett aufnimmt, beugt sich Schuschnigg den Forderungen des Berchtesgadener Abkommens, bekennt sich aber am 24. Februar vor dem Bundestag zu einen österreichischen Staatspatriotismus: Wir bekennen uns feierlich vor aller Welt zu unserem Vaterland und schließt seine Rede mit dem theatralischen Ausruf: Bis in den Tod rot-weiß-rot! Österreich! Anschließend versucht er, die drohende Annexion mit einer für den 13. März anberaumten Volksabstimmung über die nationale Unabhängigkeit Österreichs abzuwenden, an der wegen der Beliebtheit des Nationalsozialismus bei jungen Wählern nur Bürger über 24 Jahre teilnehmen dürfen.

 

 

Sie haben mich mit einer solchen Liebe empfangen, wie ich sie noch nie erlebt habe

 

Das drohende Votum für ein freies und deutsches, unabhängiges und soziales, ein christliches und einiges Österreich unterläuft der Führer am 12. März um 8 Uhr früh mit dem Einmarsch von 65000 Mann der 8. Armee. Überall begrüßt in einem Blumenkrieg  die Bevölkerung die vorrückenden deutschen Soldaten nicht nur freundlich, sondern begeistert. Hitler selbst rollt um 15h50 in der Nähe seiner Geburtsstadt Braunau im Wagen über den Inn. Göring vermeldet per Telefon nach Berlin: Also in Österreich ist unglaublicher Jubel. Wir haben ja selber nicht geglaubt, daß die Anteilnahme so groß sein würde. Gegen Abend fährt der Führer in Linz ein. Im Rathaus mit stürmischen Sieg Heil! - Rufen empfangen trifft er dort mit Seyß-Inquart zusammen. Beide beschließen den sofortigen Anschluss, dem bereits am folgenden Tag ein Kabinettsbeschluss zum Gesetz über die Wiedervereinigung Österreichs mit dem Deutschen Reich folgt: Die Mitglieder der Bundesregierung. Erheben sich zur Feier der Stunde von den Sitzen und leisten den Deutschen Gruß [Hani02]. Bereits 48 Stunden später leisten die österreichischen Soldaten den Treueeid auf den Führer. 

 

 

 

Die dramatischen Er-eignisse im Spiegel der Freiburger Presse:

 

12. März: Seyß-Inquart bittet die deutsche Regierung zur Vermei-dung von Blutvergießen um die baldmöglichste Entsendung deutscher Truppen

 

 

 

 

 

 

 

 

 

13. März: Deutsche Truppen marschieren in Österreich ein

 

 

 

 

 

14. März: Man ist sich bereits ganz sicher: Die Ostmärker werden Großdeutschland bestätigen

 

 

 

So kann Hitler am 15. März vor über 100000 begeisterten Menschen auf dem Heldenplatz in dem von ihm ungeliebten Wien* vom Balkon der neuen Hofburg die größte Vollzugsmeldung seines Lebens abstatten: Als der Führer und Kanzler der deutschen Nation und des Reichs melde ich vor der Geschichte nunmehr den Eintritt meiner Heimat in das Deutsche Reich. Die Menge antwortet ihm mit minutenlangem ohrenbe-täubender Jubel und Heilrufen.

*wegen der dort lebenden Juden von ihm Stadt der Blutschande genannt [Krei89]  

 

Balkon der neuen Hofburg in Wien den Heldenplatz überschauend

 

Das Ausland nimmt diese Ereignisse mit Staunen und Skepsis zur Kenntnis und reagiert auf den Bruch des Versailler Vertrages ohne große Proteste. Ein recht seltsames Echo kommt dabei aus Prag, wenn die nationaltschechische Zeitung Narodny Politica schreibt: Alle Träume der Habsburger sind im Nichts zerronnen. Ein anderer Traum, die großdeutschen Pläne, haben sich verwirklicht. Bismarck ist übertroffen. Erst Adolf Hitler ist die Herstellung der Großdeutschen Nation gelungen. Er hat die Tschechoslowakei von der Habsburger Gefahr befreit. Die Tschechoslowakei braucht sich vor dem Anschluß Oesterreichs nicht zu fürchten. Strategisch hat sich nichts geändert. Welch ein Irrtum, brodelt es doch bereits gewaltig im Sudetenland, dessen deutschstämmige Bewohner auch heim ins Reich wollen und sollen.

 

 

Nie wieder Habsburg

 

Wenn man die Freiburger Presse der ereignisreichen Tage liest, so stellt man fest, dass auch hier die Gleichschaltung bereits voll durchgegriffen hat. Ob Freiburger Zeitung oder Der Alemanne, die Texte beider Blätter selbst im Kulturteil stimmen häufig wörtlich überein. Erwartet hatte ich, dass mit dem Anschluss die alte Anhänglichkeit der Freiburger an das Hause Habsburg in einem lokalen Leitartikel positiv erwähnt worden wäre. Im Gegenteil. In einem Leitartikel: Ein neues Europa im Werden kritisiert der Autor den Habsburger Familienstaat: ... Eine Leidensgeschichte, die mit der unglückseligen habsburgischen Hausmachtspolitk, die mit der Volksfremdheit einer Dynastie, die immer schon Verräter am Deutschtum gewesen ist, Ströme von Blut und Tränen über eines der deutschen Kernländer gebracht hat, ist durch die unwiderstehliche Gewalt einer Volkserhebung, die das Reich aus Ohnmacht und Schmach zu Kraft und Herrlichkeit geführt hat, abgeschlossen worden. Was alle deutschen Idealisten der Vergangenheit, was bis Adolf Hitler größte Realpolitiker der deutschen Geschichte, der eiserne Kanzler, nicht zu lösen vermochten, das hat die nationalsozialistische deutsche Freiheitsbewegung, das hat der Führer und Kanzler, als dieser Bewegung verantwortlicher Führer, in knapp fünf Jahren Staatslenkung und Verantwortung zur Erfüllung gebracht. Das Großdeutsche Reich ist entstanden. Das Deutschlandlied und seine Strophe: Von der Maas bis an die Memel, von der Etsch bis an den Belt! hat neuen Sinn und neue Vollendung erfahren und selten wurde schwülstigeres Deutsch geschrieben.

 

Auch in einem Geschichtsartikel wird kräftig auf das Haus Habsburg eingeprügelt, wobei der Autor sich ungeniert aus Mein Kampf bedient: Keine Dynastie hat dem deutschen Volk mehr geschadet als die Habsburger. Die Unterdrückung durch Habsburg hat aber dazu geführt, daß in habsburgischen Landen ein Deutschtum heranwuchs, das durch langen Kampf in seinem völkischen Denken und handeln vielfach weiter ist, als im übrigen Reich, wo die Unterdrückung nicht so stark war. So hat die Unterdrückungs-politik des Hauses Habsburg nun doch noch dem deutschen Volke Segen gebracht, weil heute der Führer dem Deutschen Reich Volksgenossen zurückführen kann, die in ihrem Glauben an Reich, Volk und Führer eins sind, und die neben ihrem Glauben an Deutschland nur eine Parole kennen: Nie wieder Habsburg.

 

 

Lebhafter Tausch von deutschen Menschen

 

Lediglich die Innsbrucker Zeitung beschwört die langjährigen positiven Beziehungen zwischen Freiburg und Innsbruck in der Vergangenheit: Der Breisgau und dessen Hauptstadt haben von 1368 bis 1805, also fast ein halbes Jahrtausend zu Oesterreich gehört. Zwischen Freiburg und Innsbruck bestanden in der ganzen langen Zeit nicht nur politische, sondern auch viele geistige und persönliche Beziehungen. Beamte und Kriegsleute, Schulmänner und Gelehrte. Schriftsteller, Dichter und Künstler sind zwischen beiden Städten hin- und hergegangen. Bis zur Gründung der Universität Innsbruck im Jahre 1677 war Freiburg mehr als Wien für die Tiroler die Landesuniversität und auch nachher gab es zwischen den Hochschulen zu Innsbruck und Freiburg einen ziemlich lebhaften Austausch an Professoren und Studenten. Freiburger Akademiker haben im Jahre 1809 als Freiwillige am Kampfe Oesterreichs und der Länder Vorarlberg und Tirol gegen Napoleon und dem Rheinbund teilgenommen …

 

Die Stadt Freiburg benennt zur steten Erinnerung an die Wiedervereinigung der Ostmark mit dem Reich eine Zufahrtsstraße zu den Schwarzwaldkasernen der Freiburger Friedensgarnison nach dem größten Feldmarschall Österreichs Conrad von Hötzendorf. In dem Artikel wird auch an weitere bereits damals und auch heute noch vorhandenen österreichische Straßennamen erinnert: Innsbrucker, Maximilian, Maria-Theresia, Prinz Eugen.  

 

Erst ein Jahr später findet sich im Jahrbuch der Stadt der Stadt Freiburg ein positiver Hinweis auf die alten Beziehungen zum Habsburger Fürstenhaus: Freiburg und Wien, die Stadt am Schwarzwald und die unter dem Kahlenberge, stehen räumlich am weitesten voneinander ab, und sie leben auch jede nach ihrer unvereinbarten Eigenart. Indessen zwischen ihnen hat es lange Zeit einen lebhaften Tausch von deutschen Menschen gegeben und Verbindungen durch das gleiche Fürstenhaus und die staatliche Verwaltung. All das, was einst bestand und schon verschollen war, ist nun auf das Reich übergegangen und zu neuer Bedeutung erwacht. Der wuchtige Turm des Freiburger Münsters und die zierliche Spitze des Wiener Domes ragen nun wieder geschwisterlich auf das Wahrzeichen gleicher Sendung: Westmark und Ostmark [Nadl39]. Was meint der Autor mit Westmark. Ist dies ein Hinweis auf das Elsass?

 

Stolz präsentiert damals die Freiburger Zeitung die Ausdehnung des Großdeutschen Volkreichs im Vergleich zum kleindeutschen 2. Reich Bismarcks. Fehlt da nicht noch Einiges? 

 

 

In die Ostmark zieht der Frühling ein

 

Am 25. März sagt Hitler in einer Rede in Königsberg: Gewisse ausländische Zeitungen haben behauptet, wir seien mit brutalen Methoden in Österreich eingefallen. Ich kann nur sagen, selbst im Tode verbreiten sie noch Lügen. Ich habe im Laufe meines politischen Kampfes viel Zuneigung von meinem Volk erfahren, aber als ich die frühere Grenze überschritt, haben sie mich mit einer solchen Liebe empfangen, wie ich sie noch nie erlebt habe. Nicht als Tyrannen sind wir gekommen, sondern als Befreier. Also singen markige Soldatenchöre und lassen es aus allen Lautsprechern des Großdeutschen Rundfunks schallen: In die Ostmark zieht der Frühling ein, und ein Volk wird glücklich sein …  

 

 

Die Deutschen Österreichs treten heute geschlossen ein in die deutsche Volksgemeinschaft

 

In die ganze Ostmark? Nein! Unbeugsame Bürger hören nicht auf, dem Naziregime Widerstand zu leisten*. Andere Österreicher vor allem Juden gehen freiwillig oder werden in die Emigration getrieben. Der Widerstand äußert sich betont österreichisch-national und richtet sich verstärkt gegen die Beherrschung und Ausbeutung der Ostmark durch das Altreich. In der Tat finden sich im Wirtschaftsteil der Freiburger Zeitungen schon bald Überlegungen über die gestiegene Wirtschaftskraft des Reiches nach dem Anschluss, wobei der bekannt geringe Beitrag der Ostmark schöngeschrieben wird.

*Die einst so unbeugsamen Gallier mögen mir dieses Plagiat verzeihen  

 

Der Schwenk der Kirche von der tragenden Kraft des Austrofaschismus der Herren Dollfuß und Schuschnigg zur bedingungslosen Unterstützung des Nationalsozialismus Seyß-Inquarts geschieht über Nacht, als nach dem Anschluss der Wiener Kardinal Innitzer folgenden Aufruf erlässt: Die Katholiken der Wiener Erzdiözese werden ersucht, Sonntag zu beten, um Gott dem Herrn zu danken für den unblutigen Verlauf der großen politische Umwälzung und um eine glückliche Zukunft für Österreich zu bitten. Selbstverständlich muß allen Anordnungen der Behörden gern und willig Folge geleistet werden. Weiter liest man in der Presse: Wir sehen in der Liebe zu unserem Volk den besten Dienst am Schöpfer und geben freudig dem Volke, was des Volkes ist und Gott, was Gottes ist. Der höchste Kirchenfürst unseres Landes hat die langersehnte Stunde der deutschen Einigung gesegnet. So dürfen wir, dem Führer offen ins Auge blicken, sagen: Die Deutschen Österreichs treten heute geschlossen ein in die deutsche Volksgemeinschaft. Da stattet der Führer dem Kirchenfürsten voller Dankbarkeit persönlich einen Besuch ab.

 

 

 

Für Österreich habet ihr alle geschworen

 

Doch nicht alle halten sich an die Vorgaben der Kirche. Im Jahre 1943 wird in Wien Im Namen des Deutschen Volkes die Franziskaner-Schwester Restitua (Helen Kafka) wegen der Verbreitung von Flugblättern, die zur Wehrzersetzung und zum Hochverrat aufrufen, zum Tode verurteilt und hingerichtet. In der Urteilsbegründung heißt es: Bei den Flugblättern … handelt es sich um eine Schmähschrift mit der Überschrift Soldatenlied sowie um eine mit den Worten Deutsche katholische Jugend beginnende Hetzschrift, welche die Tagesangabe 8. Juni 1941 trägt. Das Soldatenlied hat folgenden Wortlaut:

 

Erwacht, Soldaten und seid bereit,
Gedenkt eures ersten Eid.
Für das Land, in dem ihr gelebt und geboren,
Für Österreich habet ihr alle geschworen.
Da sieht ja schon heute jedes Kind,
Dass wir von den Preußen verraten sind.
Für die uralte heimische Tradition
Haben sie nichts als Spott und Hohn.
Den altösterreichischen General
Kommandiert ein Gefreiter von dazumal.
Und der österreichische Rekrut
Ist für sie nur als Kanonenfutter gut.
Zum Beschimpfen und Leuteschinden
Mögen sie andre Opfer finden.
Mit ihrem großen preußischen Maul
Sind sie uns herabzusetzen nichtfaul.
Dafür haben sie bis auf den letzten Rest
Die Ostmarkzone ausgepresst.
Unser Gold und Kunstschätze schleppten sie gleich
In ihr abgewirtschaftetes Nazireich.
Unser Fleisch, Obst, Milch und Butter
Waren für sie ein willkommenes Futter.
Sie befreiten uns und ehe man's glaubt,
Hatten sie uns gänzlich ausgeraubt.
Selbst den ruhmvollen Namen stahl uns die Brut
Und jetzt wollen sie auch noch unser Blut.  

Der Bruder Schnürschuh ist nicht so dumm,
Gebt Acht, er dreht die Gewehre um.
Der Tag der Vergeltung ist nicht mehr weit,
Soldaten gedenkt eures ersten Eids.
Österreich!
Wir Österreicher auf uns gestellt.
Hatten Frieden und Freundschaft mit aller Welt.
Die Welt vergiftet mit ihrem Hass,
Sie machet sich jedes Volk zum Feind,
Sie haben die Welt gegen sich vereint.
Die Mütter zittern, die Männer gegangen,
Der Himmel ist schwarz, mit Wolken verhangen.
Der schrecklichste Krieg, den die Menschheit gekannt,
Steht furchtbar vor unserem Heimatland.
Es droht uns Elend und Hungersnot,
Der Männer und Jünglinge Massentod.
Kameraden trotzt dem verderblichen Wahn,
Was gehen uns die Händel der Preußen an?
Was haben uns die Völker getan?
Wir nehmen die Waffen nur in die Hand
Zum Kampf fürs freie Vaterland.
Gegen das braune Sklavenreich,
Für ein glückliches Österreich. 

 

 

Hitlerjugend stört katholische Jugendkundgebung in Freiburg

 

Weiter heißt es in der Urteilsbegründung: In der Flugschrift Deutsche katholische Jugend wird eine angebliche Störung einer katholischen Jugendkundgebung in Freiburg im Breisgau zum Anlaß genommen, die Führung der Hitlerjugend in niederträchtiger Weise zu verdächtigen und zu beschimpfen und die katholische Bevölkerung gegen die nationalsozialistische Staatsführung aufzuhetzen … Die oben wörtlich wiedergegebene Flugschrift mit dem Titel Soldatenlied hat unzweifelhaft hochverräterischen Charakter. In diesem Hetzgedicht werden die ostmärkischen Soldaten aufgefordert, sich nicht länger für das nationalsozialistische Großdeutschland, dessen Führer in niederträchtiger Weise beschimpft und verleumdet wird, einzusetzen, sondern die Waffen umzukehren und für die Wiederherstellung eines selbständigen österreichischen Staates zu kämpfen [Zept05].

 

 

Nicht nur Kristall zerschlagen

 

Die Kampagne gegen jüdische Mitbürger findet überall im Reich ihren spektakulären Höhepunkt am 9. November 1938 in der Reichskristallnacht. Noch am 7. November hatte der unverdächtige Winston Churchill in der London Times geschrieben: I have always said that if Great Britain were defeated in war, I hope that we shall find a Hitler to lead us back to our rightful position among the nations* [Hoch89]. Als er am 10. November die Berichte aus dem Reich in der Times liest, hat er sicherlich gewünscht, der Bleistift wäre ihm drei Tage vorher abgebrochen.

*Ich habe immer gesagt, ich hoffe, wenn Großbritannien in einem Krieg besiegt worden wäre, dass wir einen Hitler finden werden, der uns an den uns zustehenden Platz unter den Nationen zurückführt.

 

In Freiburg wird die Synagoge angezündet und erst am folgenden Morgen zwischen drei und vier die Feuerwehr gerufen. Der Student der Jurisprudenz Wolf Middendorf berichtet nach dem Kriege: An der Brandstelle erkennt der begleitende Kriminalbeamte zwei hohe SS-Offiziere, die ihn barsch zurückweisen, so daß er seine Arbeit nicht aufnehmen kann. Ein Kollege, der zwischen fünf und sechs an der Brandstelle vorbeikommt, beobachtet, wie sich die Feuerwehr darauf beschränkt, die Nachbargebäude zu schützen. Er wird ebenfalls verjagt und macht daraufhin eine Meldung an die Freiburger Staatsanwaltschaft. Als diese die offensichtliche Brandstiftung an die Generalstaatsanwaltschaft nach Karlsruhe meldet, heißt es, der Brand der Freiburger Synagoge sei keine Neuigkeit. In ganz Deutschland brennen die Synagogen und der Generalstaatsanwalt fügt noch hinzu: Lassen Sie die Paragraphen zu Hause, das ist eine politische Angelegenheit [Midd79]. Trotz des strengen Photographierverbots schießt Middendorf von einem Fenster der Universität aus heimlich ein Bild der ausgebrannten Synagoge.

 

Die Freiburger Zeitungen verschweigen den Synagogenbrand und berichten dafür über Abwehrreaktionen gegen das jüdisches Verbrechertum: Die allgemeine Empörung über das ruchlose Verbrechen des Juden Grünspan* in Paris  machte sich da und dort in Zusammenrottungen Luft. Eine große Anzahl Juden mußte zu ihrer eigenen Sicherheit in Schutzhaft genommen werden.

*Herschel Grünspan hatte Anfang November den Legationssekretär der deutschen Botschaft in Paris durch Revolverschüsse so schwer verletzt, dass er seinen Verletzungen erlag

 

So werden 100 männliche Freiburger Juden über 18 Jahre als Schüblinge ins KZ Dachau nördlich von München verbracht. Nur 60 davon kommen nach einigen Monaten wieder heim, ausgehungert, krank und mit schweren Erfrierungen [Midd79]. Unter ihnen auch der 1874 geborene Häftling Nummer 23221 Professor a. D. Sigmund Fleischmann aus der Sternwaldstraße verhaftet am 11. November 1938, dem ich einen Stolperstein setzen ließ. Er stirbt 1939 in Freiburg an den Folgen der Internierung. Seine Frau Lina wird am 22. August 1942 nach Theresienstadt deportiert und im Mai 1944 in Auschwitz ermordet [Mec06b].

 

Im Jahre 1940 leben von ursprünglich 1138 jüdischen Mitbürgern noch etwa 600 in Freiburg. Sie werden am 22. Oktober zusammen mit anderen Juden aus Baden, der Pfalz und dem Saarland in den von Vichy aus regierten und von den Deutschen unbesetzten Teil Frankreichs in das Camp de Gurs in den Pyrenäen verschleppt. Viele Menschen überleben die Strapazen des drei Tage und vier Nächte dauernden Bahntransports nicht. Bereits am 23. Oktober kann Gauleiter Wagner seinem Führer voller Stolz melden: Der Oberrhein ist als erster Gau des Reiches judenrein.

 

 

Rechts: Mahnmal der verschleppten Juden am Platz der Alten Synagoge

 

*Das schlichte Mahnmal am Annakirchlein wurde von Andreas Meckel am 22. Oktober 2006 der Öffentlichkeit übergeben.

 

In Gurs, dieser Vorhölle von Auschwitz, sterben die Menschen an Typhus oder Schwäche; die, die es schaffen zu überleben, werden nach Osten in die Vernichtungslager Auschwitz und Majdanek transportiert [Kauf98].

 

 

Deportation 1943. Der nach Gurs verschleppte Kurt Löw fertigte diese Kohlezeichnung während seiner Haftzeit im Lager an. Auf dem Polizeilastwagen sind Gefangene zu erkennen, auch ein Junge wird abtransportiert.

 

 

Sudetenkrise

 

 Mit dem Anschluss Österreichs war Hitlers Expansionsdrang im Osten nicht befriedigt. So unterstützt das Deutsche Reich die Bestrebungen der deutschstämmigen und –sprachigen Sudeten in ihrem Kampf gegen die tschechische Herrschaft. Als die Krise sich zuspitzt, kommt es zur Münchener Konferenz. Darüber schreibt Stephen Clarke in seinem Buch 1000 Years of Annoying the French: The motive for the summit was that Hitler wanted international permission to repossess the Sudetenland, a mainly German-speaking region that had become part of Czechoslovakia after World War One* [Clar10].

*Der Grund für dieses Treffen war, dass Hitler eine internationale Zustimmung für die Wiedergewinnung des Sudetenlands, eines deutschsprachigen Gebiets, welches nach dem Ersten Weltkrieg Teil der Tschechesslowakei geworden war, wollte.

 

Die Reaktionen Frankreichs und Großbritanniens auf diese Forderung sind unterschiedlich: Britain was disturbed by France's eternal anti-German belligerence and felt rather guilty about the vengefulness of the Treaty of Versailles, while France was aghast at Britain's apparently short memory. Meanwhile, America wisely decided to stay out of all this old-fashioned European posturing - it was just recovering from the Depression and didn't need a war to bankrupt it again. All of which explains why the Munich Conference in September 1938, between France, Britain, Italy and Germany, was such a farce*.

*Das andauernde antideutsche Säbelrasseln Frankreichs verstörte die Briten, die sich wegen der im Versailler Vertrag ausgedrückten Rachgedanken ziemlich schuldig fühlten, während Frankreich über das scheinbar kurze Gedächtnis der Briten entzetzt war. Währenddessen entschied Amerika, sich aus all dem altbackenen europäischen Imponiergehabe herauszuhalten. Die USA erholten sich gerade von der großen Depression und hatten keinen Krieg nötig, umerneut pleite zu gehen. Alles das erklärt, warum die Münchener Konferenz zwischen Frankreich, Großbritannien, Italien und Deutschland im September 1938 zu einer Farce geriet.

 

The French Premier, Edouard Daladier, was all for saying non, and warned Britain's PM, Neville Chamberlain, that if the Western powers capitulate, they will only hasten the war they wish to avoid. Daladier even predicted that Hitler was aiming for a domination of the continent in comparison with which the ambitions of Napoleon were feeble. Quite something, coming from a Frenchman*.

*Der französische Premier, Edouard Daladier, war fest entschlossen, nein zu sagen, und er warnte den britischen Premierminister dass, sollten die Westmächte nachgeben, sie nur den Ausbruch des Krieges, den sie vermeiden wollten, beschleunigen würden. Daladier sagte sogar voraus, das Hitler die Herrschaft über Europa anstrebe, dem gegenüber der Ehrgeiz Napoleons verblasse. Für einen Franzosen ist diese Bemerkung recht außergewöhnlich.

 

Next morning Chamberlain had a private meeting with Hitler at which they co-signed a non-aggression pact … Chamberlain then flew home … where he famously waved his peace for our time letter, the scrap of paper signed by Hitler that morning. Pointedly excluding his supposed French allies, Chamberlain spoke to the assembled crowd: We regard the agreement signed last night... as symbolic of the desire of our two peoples never to go to war with one another again  … In archive film footage, Chamberlain looks like a nice old man who wants everyone to be friends ... On the other side of the Channel, Daladier, like Chamberlain, returned home from Munich to a hero's welcome. His reaction, though, was less rosy-eyed. Looking out at the cheering crowds, he apparently told an aide, Ah, les cons* [Clar10].

*Am nächsten Morgen hatte Chamberlain ein privates Treffen mit Hitler, bei dem sie gemeinsam einen Nichtangriffspakt unterzeichneten. Anschließend flog Chamberlain heim, wo er bekanntlich seinen Frieden für unsere Zeit Brief schwang, den Fetzen Papier, den Hitler eben unterzeichnet hatte. Seine sogenannten französischen Verbündeten bewusst ausschließend, sprach Chamberlain zu der versammelten Menge: Wir betrachten das in der letzten Nacht unterzeichnete Abkommen als symbolisch für den Wunsch unserer beider Völker, niemals wieder gegeneinander Krieg zu führen. In den alten Filmen sieht Chamberlain wie ein netter alter Mann aus,  der möchte, dass alle Freunde sind. Auf der anderen Seite des Kanals kehrte Daladier wie Chamberlain ebenfalls aus München zurück und wurde wie ein Held gefeiert. Seine Reaktion war jedoch weniger blauäugig. Als er die jubelnde Menge erblickte, sagte er augenscheinlich einem Mitarbeiter: Oh, diese Deppen.

 

Das Naziregime versinkt immer tiefer in Lügen und Leichen. So wird der Angriff auf Polen mit Übergriffen angeblicher polnischer Freischärler auf den Sender Gleiwitz begründet. Guttural verkündet der Führer am 1. September in der Krolloper vor dem versammelten Reichstag: Seit 5 Uhr 45 wird jetzt zurückgeschossen und so klingt es auch aus den Volksempfängern. Es ist der

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

La France a perdu une bataille! Mais la France n'a pas perdu la guerre!

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Das letzte Aufgebot 

 

 Der Beginn des 2. Weltkriegs,

 

nachdem die deutschen Truppen bereits um 4 Uhr 45 die polnische Grenze überschritten hatten. Erst neun Monate nach Kriegsausbruch am 11. und 13. Juni 1940 beschießen die Franzosen in alter Tradition Freiburg diesmal jedoch aus der Ferne. Ohne große Wirkung werden die südlichen Stadtteile getroffen.  Dann folgt der deutsche Blitzkrieg und Sieg. Doch anders als 1914 gibt es in Freiburg keine Euphorie, die sich auch nach der raschen Niederwerfung des Erbfeindes nicht einstellen will.

 

Französisches Propagandaplakat über den deutschen Expansionsdrang: Beim Wiener Kongress hatte Frankreich 1815 das im Frieden von Lunéville 1801 vom Kurfürstentum Trier abgetrennte Département de la Sarre an Preußen abtreten müssen. Elsass-Lothringen wurde 1871 Reichsland.

 

Im anschließenden Waffenstillstand mit Frankreich suchen die deutschen Besatzer vergeblich durch eine wohlwollende Kollaboration mit dem Vichy-Regime die Ruhe im Westen, um den Angriffsplan Barbarossa gegen die Sowjetunion im Osten (diesmal als Kreuzzug gegen den Kommunismus deklariert, doch ohne Ertrinken des Führers) ungestört durchführen zu können.

 

Die feierliche Überführung der Asche Napoleons II. 1940 in den Pariser Invalidendom, als eine versöhnliche Geste gedacht, mag die Franzosen jedoch nicht über den verlorenen Krieg und den erneuten Verlust des Elsass' hinwegtrösten. General De Gaulle im fernen London tönt: Frankreich hat eine Schlacht verloren, aber nicht den Krieg! so versichert General De Gaulle am 18. Juni 1940, es ist der 125. Jahrestag der Schlacht bei Waterloo, in einer Radioansprache aus dem fernen London.

 

 

Götterdämmerung

 

Der Pfarrer einer Gemeinde im Odenwald schreibt am 26. November 1944 in die Ortschronik: Wir gehen deutlich dem Zerfall entgegen.. Und immer weiter wird das Volk betrogen und vom Endsieg gesprochen, der unser sei. Nur totale Gewissenlosigkeit vermag ein solch verbrecherisches Spiel mit dem Volk und Vaterland zu treiben … [Ster09]. Als Anfang 1945 das Ende des Dritten und diesmal Großdeutschen Reiches naht, nützen alle Erinnerungen an den Alten Fritz, dessen Preußen ebenfalls von Feinden umringt war, und die Beschwörung des Mirakels des Hauses Brandenburg* nichts. Auch dauert Hitlers Krieg keine sieben, sondern nur knapp sechs dafür aber zu lange Jahre.

*Hier vergleichen die Nazis den Tod Präsident Roosevelts am 11. April 1945 mit dem Tod der erbitterten Feindin Friedrichs der Zarin Elisabeth im Januar 1762, der zu einer Kehrtwendung der russischen Politik gegenüber Preußen führte, bemüht

 

Friedenssehnsucht im benachbarten Schweizer Riehen zu Silvester 1944: Drum goh ins neui Johr getrost und froh und hoffe, das dä Chrieg emol geng z'End und 's wärd is wieder wohl. Im Norden erblickt man nur Stacheldraht und allierte Bomber.

 

Heine schreibt in seiner Schrift Zur Geschichte der Religion und Philosophie in Deutschland: Das deutsche Volk läßt sich nicht leicht bewegen, ist es aber einmal in irgend eine Bahn hineinbewegt, so wird es dieselbe mit beharrlichster Ausdauer bis ans Ende verfolgen [Hein34]. Franz Grillparzer hatte den unheilvollen Weg der Deutschen vorausgeahnt: Von der Humanität durch Nationalität zur Bestialität. Die Verdrängung der Erinnerung daran prangert Bert Brecht an mit den Worten: Was sind das für Zeiten, wo ein Gespräch über Bäume fast ein Verbrechen ist, weil es ein Schweigen über so vielen Untaten einschließt.

 

 

C'est sur le mur d'Ulm que flotte notre drapeau

 

Kurz vor Ende des Krieges auf der Konferenz von Jalta 1944 formulieren die Alliierten ihre Kriegsziele. Unter anderem wurde beschlossen, dass Frankreich, sofern es dies wünscht, von den drei Mächten eingeladen werden soll, eine Besatzungszone zu übernehmen und sich als viertes Mitglied an der Kontrollkommission zu beteiligen. Die Größe der französischen Zone wird von den vier interessierten Regierungen durch ihre Vertreter in der Europäischen Beratenden Kommission vereinbart [Lese89].

 

Die Franzosen wünschen nicht nur, sondern haben es gegen Kriegsende ganz besonders eilig. Französische Truppen stoßen, um vollendete Tatsachen zu schaffen, Anfang 1945 schnell in den Südwesten Deutschlands vor, was den Amerikanern  so gar nicht behagt. In der französischen Presse liest sich das Vordringen des Generals Jean-Marie Gabriel de Lattre de Tassigny wie folgt: A la surprise totale des Allemands et de l'état-major interallié le général de Lattre pousse ses forces vers le sud et s'empare de Freudenstadt, au pied de la Forêt-Noire, coupant en deux le dispositif ennemi. De là il revient vers le Rhin, entre Offenburg et Kehl, lance les offensives dans deux autres directions: au sud de Stuttgart, vers la frontière suisse et le Danube. Le 21 avril, Stuttgart est pris: le 24, c'est sur le mur d'Ulm que flotte notre drapeau. Le 26, nos chars entrent à Constance. Deux jours après, nos troupes franchissent la frontière autrichienne* [LeMo94]. Die Trikolore weht über den Mauern von Ulm, französische Truppen ziehen in Österreich ein: der Gedanke an Napoleon mag de Lattre bei seinem Vormarsch beflügelt haben.

*Zur allgemeinen Über-raschung der Deutschen und der alliierten Militärführung stößt General de Lattre mit seinen Truppen nach Süden vor, nimmt die Stadt Freudenstadt am Fuße des Schwarzwalds ein und treibt so einen Keil zwischen die feindlichen Kräfte. Von dort aus kehrt er zwischen Offenburg und Kehl an den Rhein zurück und startet Offensiven in zwei Richtungen: südlich von Stuttgart zur Schweizer Grenze und zur Donau. Stuttgart wird am 21. April genommen, am 24. weht unser Fahne auf den Mauern von Ulm und am 26. rollen unsere Panzer durch Konstanz. Zwei Tage später überschreiten unsere Truppen die österreichische Grenze.

 

Gern hätten die Franzosen nach dem Beschluss von Jalta ganz Baden und noch ein bisschen mehr als Besatzungszone genommen, doch nach dem Willen der Amerikaner wird Deutschlands Südwesten anders und völlig unhistorisch unter den Siegermächten aufgeteilt.

Der Dichter
Reinhold Schneider
auf 55 Cent

 

 

 

Auf dem Weg nach Europa

 

 

Zurück nach Weimar

 

 

 

 

 

 

Du wirst nicht fallen, mein geliebter Turm

 

Und Freiburg? Am 21. April 1945, einen Tag nach Führers Geburtstag, hatten die Franzosen bereits Freiburg nicht etwa zum fünften Mal erobert, sondern waren einfach mit dem 2. Regiment der Chasseurs d'Afrique in die Ruinen der Altstadt einmarschiert. Diesen Trümmerhaufen hatten die Engländer der Stadt beschert, als sie am 27. November 1944 mit der 3rd Bomber Group der Royal Air Force zum ersten Mal, aber dafür um so nachhaltiger in Freiburgs Geschichte eingriffen.

 

Freiburgs zerstörte Innenstadt

An den Turm der Freiburger Münsters

Sonett

 

 Steh' unerschüttert herrlich im Gemüte,
Du großer Beter glaubensmächtiger Zeit!
Wie Dich verklärt des Tages Herrlichkeit,
wenn längst des Tages Herrlichkeit verglühte.
 
  So will ich bitten, dass ich treulich hüte
das Heilige, das Du ausstrahlst in den Streit,
und will ein Turm sein in der Dunkelheit
des Lichtes Träger, das der Welt erblühte.
 
 Und sollt' ich fallen in dem großen Sturm,
so sei's zum Opfer, dass noch Türme ragen,
und dass mein Volk der Wahrheit Fackel werde.
 
  Du wirst nicht fallen, mein geliebter Turm.
Doch wenn des Richters Blitze Dich zerschlagen,
steig in Gebeten kühner aus der Erde!
 

Reinhold Schneider 1942 

 

This page was last updated on 01 September, 2010