Martin Luther
 auf Holz gemalt im
Musée international de la Réforme in Genf

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Albrecht von Brandenburg Erzbischof von Mainz, Erzkanzler und
Cardinal
Priester Tituli S. Chysogenis zu Rom 
von Albrecht Dürer

Freiburgs Geschichte in Zitaten

Wie Albrecht von Brandenburg wollt Erzkanzler werden
und dabei den Thesenanschlag Luthers provoziert

 

Vorreformatorische Zustände im Bistum Magdeburg

 

Anno Christi 1467. den 12 Januarii hat Ertzbischoff Johanni succediret Ernestus, ein Hertzog zu Sachsen, des Churfürsten Ernesti Sohn und zwar im 12. Jahr seines Alters, aus dispensation des Pabsts Sixti IV. darum er auch als Administrator des Ertz-Stiffts anfänglich eingeführet worden, biß er seine Jahre erreichet; Deme im vierdten Jahre hernach Bischoff Gebhardus das Halberstädtische Bistum resigniret. Ist ein lieber gewissenhafter und gottseeliger Herr gewesen. Er hat das Schlos zu Halle, die Moritzburg zu seiner Residentz und Hoffhaltung, weil es die damahlige Uneinigkeit zwischen den Rath und Pfännerschaft (Zunft der Salzsieder) also erfodert, und er den vierdten Theil der Saltzgüter überkommen, auff seine eigene Kosten Anno 1484. den 15. Maji. zu bauen angefangen, und nach diesen herrlich ausgeführten Gebäu gesagt: Wenn er wissen (erfahren) sollte, daß seine Untertahnen zu solchen Bau den geringsten Heller gegeben, oder einigen Dienst gethan, wollte er solches wieder einreissen, und auffs neue bauen … [Magd89].  

 

So liest es sich in einem Domführer aus dem Jahre 1689 über die vorreformatorischen Zustände im Bistum Magdeburg. Die obige Schilderung belegt drei Elemente kirchlicher Praxis, die neben dem Ablasshandel zum Unmut in der niederen Geistlichkeit und beim gemeinen Mann beitrugen und mit zur religiösen Umwälzung in deutschen Landen führten: Die Vergabe von hohen geistlichen Ämtern und damit auch Pfründen bevorzugt an nicht erbberechtigte Söhne der Fürstenhäuser (hier an den Wettiner Ernst), die Anhäufung von hohen geistlichen Ämtern durch einzelne Personen, auch wenn dies nach Kirchenrecht verboten ist, und die Errichtung von Prachtbauten durch die hohe Geistlichkeit mit dem Gelde und der Fronarbeit ihrer Untertanen. Dieses letzten Vergehens hat sich Ernst zwar nicht schuldig gemacht, doch lässt er die von ihm gebaute Moritzburg als Zwingburg ausführen. Das Verbot der Ämterhäufung umgeht Magdeburgs Erzbischof geschickt, ist er doch seit 1480 nur Administrator des Bistums Halberstadt, als der er 1491 den dortigen Dom fertigstellen lässt. Möge der Chronist weiter erzählen:

 

Umb selbige Zeit ist Martin Luther, damahls ein Knabe von 14. Jahren, gen Magdeburg zur Schule kommen, und das Brod, wie arme Currentschüler pflegen, gesuchet, hernach A. 1503. zu Erffurt Magister*, und A. 1512. Doctor** worden. Als dieser Ertzbischoff (Ernst) auff dem Todbette gelegen, und die Barfüsser Münche ihm alle ihre, und des gantzen Minoriten Ordens gute Wercke und Verdienst offeriret, mit Vertröstung, daß dadurch er gerecht vor dem Richterstuhl Christi würde bestehen können. Da hat der fromme Ertzbischoff geantwortet: Ich will mich nicht auff meine, noch auff eure gute Wercke, sondern allein auff die Wercke meines Herrn Jesu Christi verlassen, und ist darauff selig gestorben, den 3. Augusti 1513. nachdem er 37 Jahr 9. Monat 2. Tage regieret. Ernst als ein Vorläufer Luthers? So liest es sich in der Tat.

*Luther schließt das Magisterexamen im Jahre 1505 als Zweitbester seines Jahrgangs ab

** in Wittenberg

 

Dem frommen Wettiner folgt im Amt ein ehrgeiziger Brandenburger:  Anno Christi 1513. ist Albertus V. (1513-1545) ein Marggraff zu Brandenburg, Dom=Herr zu Magdeburg, Churfürstes Johannis zu Brandenburg Sohn, bey Regierung Kaysers Maximiliani I von E. Hochw. Dom Capitul zum Ertzbischoff erwehlet. Dieser Albrecht, Bruder des brandenburgischen Kurfürsten Joachim, war schon 1509 als 19-Jähriger und vier Jahre vor seiner Priesterweihe Domherr in Mainz. Mit seiner Wahl zum Erzbischof von Magdeburg ist der nun 23-Jährige wie sein Vorgänger ebenfalls Administrator des Bistums Halberstadt. Er residiert in der Moritzburg in Halle, möchte aber, um seinen Schäfchen näher zu sein, sich in Halberstadt eine ähnliche Zwingburg errichten, was der städtische Rat jedoch verhindert.

 

Erzbischof von Mainz

 

Die angehäuften Ämter sind ihm nicht genug, denn Albrecht will seinem älteren Bruder nicht nachstehen und strebt die Kurwürde des Erzbistums Mainz an, welche ihn zum Primas der deutschen Kirche und vor allem zum Erzkanzler des Reiches macht. Als im Februar 1514 der Erzbischof von Mainz Uriel von Gemmingen stirbt, wählt das Domkapitel den inzwischen 24-jährigen Albrecht zum Nachfolger. Den Posten gibt es aber nicht umsonst, denn ein neu gewählter Bischof benötigt die Zustimmung des Papstes, für die 20 000 Gulden Palliengeld an Rom zu entrichten sind. Üblicherweise wird diese Gebühr in den Bistümern erhoben, doch die ehemaligen Kollegen Albrechts vom Mainzer Domkapitels zieren sich. Da bietet der Kandidat an, die Summe selbst zu zahlen, und macht sich damit der Simonie schuldig.  

 

 

 

Sacrosancti Salvatoris et Redemptoris

 

Den Kauf geistlicher Ämter und Pfründen hatten schon die Konzilien von Chalkedon (451) und Nikaia (787) verboten. Will Albrecht also das Erzbistum Mainz erwerben, benötigt er zusätzlich zum Palliengeld einen Dispens des Papstes, für den weitere 10 000 Gulden fällig sind. All das sind willkommene Einnahmen, die Rom vorzüglich zum Bau eines neuen Petersdoms einsetzen möchte.

 

Der Papst als Ablasshändler: ... verkauft Dispensation, Ablaß, Pallia, Bisthum, Lehen, erhebt die Schätz der Erden, lost uf die Ehe, beschwert die Gewissen mit seinen Gesetzen, macht Recht, und umb Geld zureißt er das (zeitgenössisches Spottbild)

 

Bei soviel Geld kommt Albrecht in Zahlungsschwierigkeiten. Da macht ihm der Medicipapst Leo X. das Angebot, doch den 1515 in der Bulle Sacrosancti Salvatoris et Redemptoris gewährten und für den Bau der Peterskirche vorgesehenen Ablass in seinen Bistümern verkünden lassen. Die hohen Gnadengaben dieser indulgentia befreien Lebende aber auch bereits Verstorbene, die durch eine Beichte ihre Sündenschuld getilgt haben, von allen zeitlichen Sündenstrafen und vom Fegefeuer [Desc04]. Von den Einnahmen aus dem Verkauf der Ablasszettel darf Albrecht die Hälfte für seine Zwecke verwenden.

 

Jacob Fugger der Reiche von Dürer  

 

Da der Papst die 30 000 Gulden cash verlangt, schaltet Albrecht zur Zwischenfinanzierung das Bankhaus Fugger ein. So kommt es, dass der neue Erzbischof von Mainz von seinem Anteil des Petruspfennigs keinen roten Heller sieht, denn mit den Ablasspredigern zieht jeweils ein Beauftragter des Augsburger Handelshauses übers Land, um die zügige Rückzahlung des gewährten Kredits mit Zins und Zinseszins sicherzustellen [Scho03].

 

 

 

 

 

 

 

Medicipapst Leo X. mit den Kardinälen Guilio de Medici (dem späteren Papst Clemens VII.) und Luigi de Rossi. Gemälde von Raffael

 

 

 

 

 

So bald der Gülden im Becken klingt ...

 

Der Mensch des ausgehenden Mittelalters lebt in ständiger Angst vor der ewigen Verdammnis, welche ihm, des Lesens und Schreibens unkundig, so eindrücklich in der biblia pauvra, den bildlichen Darstellungen in den Fenstern und Skulpturen der Kirchen, vor Augen geführt wird. Auch die Leiden des Fegefeuers müssen unerträglich sein, wie Ablassprediger anschaulich zu berichten wissen. Einer der Erfolgreichsten in seinem Fach ist Johannes Tezelius im Dienste Albrechts, Domicaner Münch, mit seinen Römischen Ablaßkram, welchen er im Jahre Christi 1517 in Deutschenlanden zu marckt gebracht ... Mit Sprüchen wie: Laufet alle nach dem Heil eurer Seele. Seid bereit und sorgfältig für das Seelenheil, wie für zeitliche Güter, davon ihr weder Tag noch Nacht ablasset. Suchet den Herrn, weil er nahe ist, und man ihn finden kann, zieht Tetzel dem ärmsten Tagelöhner den letzten Heller aus der Tasche: So bald der Gülden im Becken klingt, Im huy die Seel im Himmel springt [Schi88].

 

Tetzel sammelt nicht in Becken, sondern in großen gesicherten Kästen, von denen im Jahre 1741 noch einer im Dom zu Magdeburg steht. Johann Andreas Silbermann beschreibt in seinem Reisetagebuch  die Sehenswürdigkeiten der Kirche und fertigt eine Zeichnung des Tetzelkastens an: An einer Seite ist Johann Tetzels eines Dominicaner Mönches von Pirna Ablas Kasten zu sehen, er ist sehr groß und wohl mit reichen Beschlagen verzier hier zu sehen [Silb41].

 

Kurfürst Friedrich der Weise von Sachsen ist dank seiner Einnahmen aus dem sächsischen Bergbau nicht nur der reichste, sondern auch der mächtigste Fürst in deutschen Landen. Weitere Gelder lassen Pilger in Wittenberg, die zur Erwerbung eines Ablasses Friedrichs reiche Reliquiensammlung in der dortigen Schlosskirche besuchen. Deshalb hatte der Kurfürst um seine Einnahmen bangend die römische Kollekte in Sachsen untersagt. So gehen seine Landeskinder über die Landesgrenzen nach Jüterbog ins Brandenburgische oder nach Zerbst in Anhaltinische, um den Tetzel zu hören und seine Geldkisten zu füllen [Breu05]. Es ist nicht die Sorge um die Finanzen seines Landesherrn, sondern der aggressive Verkauf dieser Ablassbriefe, der  Martin Luther auf den Plan ruft, muss er doch von seinen Beichtkindern erfahren, dass man fortan weder von Ehebruch, Hurerei, Wucher, ungerechtem Gut noch dergleichen Sünde ablassen müsse, denn auch die zukünftigen Sünden seien durch Ablass tilgbar. Wenn einer gleich die heilige Jungfrau Maria, Gottes Mutter geschwängert hätte, so könnte der Tetzel es vergeben, wenn man in den Kasten lege, was sich gebühre [Schi88]. 

 

Tetzel auf einem Esel reitend bietet Ablasskram an (Flug-schrift)

 

Da schreibt Luther in seinem kraftvollen Stil an Albrecht: Ablaß ist lauter Büberei und Trügerei, die die armen, einfältigen Christen um Geld und Seele bringet. Darum sei E.K.F.G.* endlich und schriftlich angesagt: wo nicht der Abgott wird abgetan, muß ich, göttlicher Lehre und christlicher Seligkeit zu gut, mir das lassen eine nötige, dringende und unvermeidliche Ursach sein, E.K.F.G. wie den Papst öffentlich anzutasten, solchem Vornehmen fröhlich einzureden, allen vorigen Greuel des Tetzel auf den Bischof von Mainz treiben und aller Welt anzeigen den Unterschied zwischen einem Bischof und einem Wolfe.

* Euer Kur Fürstlichen Gnaden

 

Als eine Reaktion Albrechts ausbleibt, prangert Luther am 31. Oktober 1517 in seinen 95 Thesen öffentlich den Ablasshandel an. Er bestreitet, dass per pape indulgentias hominem ab omni pena solui et saluari* und verkündet stattdessen in Artikel 36: Habet remissionem plenariam a pena et culpa, etiam sine literis venarium sibi debitam* [Desc04]. Er möchte mit seinen Thesen eine wissenschaftliche Disputation über die indulgentia erreichen.

*Luther bestreitet, dass durch Ablässe des Papstes der Mensch von allen Strafen ge- und erlöst wird und verkündet stattdessen: Jeder Christ, der bereut, hat die volle Vergebung der Strafen und Schuld auch ohne einen Ablassbrief.

 

Der Thesenanschlag in einer amerikanischen Darstellung

 

Albrecht von Mainz jedoch inzwischen vom Papst zum Kardinal ernannt will nicht mit einem hergelaufenen Augustiner aus Wittenberg diskutieren und schickt Luthers Ablasskritik nach Rom. Im Sommer 1518 wird dort der Prozess gegen den aufrührerischen Mönch eröffnet: Wenn die Ablasspraxis durch den Papst in Gang gesetzt und gebilligt wird, so ist sie nicht zu kritisieren [Maur99]. Am 7. August erhält Luther eine Vorladung wegen Ketzerei und Auflehnung gegen die Amtskirche. Er soll sich innerhalb von 60 Tagen in Rom einfinden.

 

 

 

 

Gravamina
(Lutherhaus Wittenberg)

Gravamina der deutschen Nation gegen den Stuhl zu Rom

 

Doch Luthers Dienstherr Friedrich der Weise schickt den jungen Professor seiner neuen Wittenberger Universität nicht in die Verliese des Vatikans, sondern 1518 zum Reichstag nach Augsburg. Dahin reist auch Albrecht in seiner Eigenschaft als Erzkanzler des Reiches begleitet von seinem Sekretär Ulrich von Hutten [Rose02]. Der im Dienstort Albrechts in Mainz im Vorjahr abgehaltene Reichstag hatte sich als unergiebig erwiesen, doch der von Augsburg steht ihm nicht nach. Hier erlebt der gebrechliche Maximilian seine letzte große Niederlage, bei dem Versuch, seine Nachfolge zu regeln, als die Kurfürsten sich weigern, seinen Enkel Karl zum römischen König zu wählen. Zwar werden in Augsburg die  Gravamina der deutschen Nation gegen den Stuhl zu Rom auf die Tagesordnung gesetzt, das die land und leut Teutscher nation nun etwevil iar merklich beschwerung und nachteil an leib und gut in mancherlei weyß emphangen ... durch Krieg und Aufruhr, Krankheiten und Missernten und wie grosse sum gelts durch gelegte curciat, indulgencien uns anders auus Teutschen landen verschiner zeit bracht weren und noch wurden, dardurch und anders Teutschland an gelt ganz erschopft weren und wurden ..., doch ein Beschluss wegen der Entführung des Gelds und Guts aus Teutscher Nation wird vertagt [Schm99].

 

Dem gemeinen Mann jedoch, sofern er denn von den Verhandlungen in Augsburg etwas erfährt, sind diese Gravamina zu abstrakt. Dafür hatten die Thesen des Augustinermönchs aus dem Sächsischen gegen Missstände in der Kirche und Ablasshandel die Stimmung im Volk getroffen. Man raunt sich zu: der in Augsburg anwesenden Martin Luther soll seine Thesen am Vorabend des Festes Allerheiligen 1517 eigenhändig an die Tür der Schlosskirche zu Wittenberg geheftet haben*.

*Eine lateinische Notiz gefunden 2006 in der Universität Jena im Handexemplar Luthers von Das Neue Testament Deutsch, Wittenberg, Hans Lufft, 1540  seines Sekretärs Georg Roerer  scheint dies zu bestätigen: Im Jahr 1517 am Vorabend vor Allerheiligen sind in Wittenberg an den Türen der Kirchen die Thesen über den Ablass von Doktor Martin Luther vorgestellt worden [Badi07].

 

 

 

Sola scripture, sola gratia, sola fide 

 

Kurfürst Albrecht von Mainz nimmt am Reichstag von dem Augustinermönch Luther keine Notiz. Statt seiner führt der päpstliche Legat Kardinal Thomas de Vio von Gaeta (Cajetan) am Rande der Tagung vom 13. bis 15. Oktober 1518 ein Streitgespräch mit dem Ketzer im Mönchsgewand.

 

Auch Luther als Mensch seiner Zeit lebt in der Furcht vor ewiger Verdammnis, doch schließlich hatte er sich in seinem Wittenberger Turmzimmer nach vielen Selbstzweifeln zur Einsicht durchgerungen, dass der Mensch Gottes Gnade nicht durch Beten, Fasten und gute Werke, sondern allein durch den Glauben erlangen kann. Kurz vor seinem Tod beschreibt er selbst seine exegetische Entdeckung: Bis ich durch Gottes Erbarmen - Tag und Nacht darüber meditierend - den Zusammenhang der Worte beachtete nämlich: Die Gerechtigkeit Gottes wird in ihm geoffenbart, wie geschrieben steht: Der Gerechte lebt aus Glauben [Röm 1,17]. Da begann ich Gottes Gerechtigkeit als die zu verstehen, durch die als durch ein Geschenk Gottes der Gerechte lebt, nämlich aus Glauben ... Hier fühlte ich mich geradezu neu geboren und durch die geöffneten Tore ins Paradies selbst eintreten. Da zeigte mir die ganze Schrift sogleich ein anderes Gesicht [Köpf01].

 

Eine Kirche, die die Freiheit der Entscheidung des allmächtigen Gottes durch Werke und Bußübungen beschränkt, ist für Luther eine Kirche ohne Gott. Deshalb schleudert er Cajetan voll Überzeugung seine drei solas entgegen: sola scripture, sola gratia, sola fide, denn nur in der Schrift, in der Gnade Gottes und im Glauben an Ihn liegt das Heil [Goer04]. Da ruft der Kardinal - das römische Axiom extra ecclesiam non est salus* fest im Hinterkopf - entsetzt aus: Das bedeutet eine neue Kirche bauen. Die hätte dann nicht mehr das Monopol eines Mittlers zwischen Gott und dem einzelnen Menschen. Konsequenterweise reduziert Luther die sieben Sakramente auf zwei und belässt nur Taufe und Eucharestie. Später wird er noch deutlicher, wenn er feststellt, dass der geistliche Stand ganz und gar unnütz geworden sei [Goer04].

*außerhalb der ist kein Heil

 

 

Buchdruckerkunst

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Sebstian Brant

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Huldrichus Zasius

Als wären die Engel selbst Botenläufer und trügen's vor aller Menschen Augen

 

Mit der Ausweitung des von dem Mainzer Hans Gensfleisch zum Gutenberg 1440 in Straßburg erfundenen Buchdrucks mit beweglichen Lettern bekommt das gedruckte Wort eine immer größere Bedeutung allerdings nicht so sehr durch Bücher, denn die sind für den gemeinen Mann weiterhin unerschwinglich, sondern in der Form von Flugschriften und Pamphleten. Übrigens bedienen sich auch die Päpste der Schwarzen Kunst, lassen sich in den vatikanischen Druckereien damit doch Ablassbriefe in großen Mengen, schnell und wohlfeil herstellen [Rose02].

 

So verbreiten sich Luthers Thesen gegen den Ablass in Deutschland innerhalb zweier Wochen, als wären die Engel selbst Botenläufer und trügen's vor aller Menschen Augen, wie der Autor überrascht vermerkt [Kata04]. Er hatte mit seiner Kritik der kirchlichen Missbräuche einfach die allgemeine Stimmung der Regierenden und besonders die des Volkes getroffen. Damit auch der gemeine Mann ihn wohl verstehe, reicht Luther in Frühjahr 1518 eine Kurzfassung seiner Thesen in deutscher Sprache nach: den  Sermon von Ablaß und Gnade.

 

Luther ist nicht der erste, der das Ablassunwesen kritisiert. Johannes von Wesel klagt in seiner Disputatio gegen den Ablasshandel bereits 1479 die Kirche an, über den Kanon der Heiligen Schrift hinaus Gottesgesetze zu erlassen. Man beschuldigt den schwerkranken von Wesel der Häresie. Zum Verhör betritt er von zwei Mönchen gestützt pallidus, silicernus, habens baculum in manu* das Mainzer Franziskanerkloster. Dort zwingt man ihn zum öffentlichen Widerruf, verbrennt seine Schriften, kerkert ihn ein. Er stirbt 1481 im Gefängnis [Ober03].

*bleich, greisenhaft, am Stock gehend

 

Auch Sebastian Brant geißelt 1494 in seinem Narrenschiff, dass der Ablass, dem Menschen jetzt nichts mehr wert ist, er ihm aber schließlich doch nachjagt:  

 

Der Ablaß ist so ganz unwerth,
Daß Niemand seiner mehr begehrt;
Niemand will mehr den Ablaß suchen,
Ja, Mancher möcht' ihn sich nicht fluchen,
Und Mancher gäb' keinen Pfennig aus,
Wenn ihm der Ablaß käm' ins Haus,
Und wird ihm einstmals doch nachjagen,
Müßt' er ihn holen auch zu Aachen
[Bran77].

 

Der doctor expertis et universalis Erasmus von Rotterdam verspottet 1509 in seinem Thomas Morus gewidmeten Buch Moriae encomium, id est, stulticiae laudatio* die Käufer von Ablassbriefen: Die bauen auf vermeintlichen Ablass ihre Sünden und fühlen sich dabei schon im Himmel; die Dauer des Fegfeuers berechnen sie wie mit der Uhr auf Jahrzehnt, Jahr, Monat, Tag und Stunde genau, wie nach der Rechentabelle, fehlerlos [Eras09].

*Lob der Torheit

 

 

Eine Pestepidemie sucht Freiburg 1519 heim

 

 Derweil haben in Freiburg Bürgermeister und Rath gefunden, daß die alten Satzungen der Herzöge von Zähringen an viel Orten unverständlich und mangelhaft seien und sich nach den gegenwärtigen Zeiten nicht mehr allenthalben zu Nutzen der Bürgerschaft und Einwohner ausgleichen wollen [Schr57]. Sie beschließen, sich ein neues Stadtrecht zu geben und beauftragen den Schreiber beim Stadtgericht und des ehrsamen Rates verpflichteter Doktor, den Juristen Huldrichus Zasius mit dem Entwurf.

 

Als er im Jahre 1519 an dem Nüwe Stattrechte und Statuten der loblichen Stadt Fryburg im Pryszgow gelegen schreibt, sucht eine Pestepidemie Freiburg heim. Er unterbricht seine Arbeit und berichtet einem Freund: Die Seuche hat uns so befallen, dass nicht einmal der Vogel in der Luft sicher ist. Gift atmen wir statt Luft, Luft für Gift. Reiche fallen wie Arme, nicht etwa einer nach dem anderen, sondern scharenweise, die letzten vier Tage haben Hunderte dahingerafft ... Überdrüssig würde ich Dir werden, wollte ich nur die Hälfte der Toten aufzählen. In Trauerkleidung gehen Frauen und Mädchen, Männer hängen sich Amulette um. Du glaubst, man feiere einen ewigen Karfreitag, mit so trüben Gesichtern schreiten sie einher. Hier Tränen und Klagen, dort Stöhnen und Geschrei. Draußen und daheim, an den Straßenecken und auf der Gerichtsbank, für uns allein und in Gesellschaft sprechen wir von den letzten Dingen [Kühb04, Schm12].

 

Hat er dabei wie die Freiburger Christen 1349 an die Juden als Urheber der Pest gedacht? Immerhin ist Zasius auch der Ansicht, dass Juden Sklaven der Christen seien, und empfiehlt, die sie nach Christenblut dürsten, ganz im Stile des späten Luther: so grimmige Bestien … auszustoßen … aus den Gebieten der Christen auszutreiben … Man muss jenen ekelhaften Auswurf in Finsternis versinken lassen … Auch wenn man diesen Pöbel von Beschnittenen unter Christen nicht mehr duldet, wird es immer noch vile von diesen Scheusalen geben, die sich unter den Heiden herumtreiben können [Schi01].  So hat Zasius auch im Neuen Stadtrecht Juden explizit diskriminiert. So dürfen sie in Rechtsangelegenheiten kein Zeugnis ablegen, bei der Durchreise nur in einem Haus in der Wiehre wohnen, mit Freiburger Bürgern keinen Handel treiben und keine Gemeinschaft haben [Schw13]. Eine Gemeinschaft war nach dem Beschluss des Stadtrats aus dem Jahre 1401 daz dekein Jude ze Friburg niemmerme sin sol eigentlich nicht möglich. Ein Verstoß wird nun im Stadtrecht mit zwei Silbermark und im Wiederholungsfall mit der Ausweisung des Bürgers bestraft.

 

 

Ulrich Zasius' Trauerrede auf Maximilian

 

 

 

Franciscus von Sickingen

Allein Got di er lieb den gemeinenucz beschirm di gerechtigkeit

 

 

 

François I

 

 

 

Standbild Karls V. am Freiburger Kaufhaus

 

Euer Stadtrecht klug zusammengestellt

 

Im Jahre 1519 stirbt auch Kaiser Maximilian. Die Freiburger Universität beauftragt Ulrich Zasius, der schon 1510 beim Tod der Kaiserin Bianca Marias die Trauerrede gehalten hatte, mit dem Nekrolog. Dabei schwingt viel Eigenlob mit, wenn Zasius als Autor des Nüwe Stattrecht ausruft: Wie sollte ich vergessen, dass er - Kaiser Maximilian - dafür gesorgt hat, dass euer Stadtrecht, zum vermehrten Wohl des Gemeinwesens klug zusammengestellt, erneuert, vermehrt, aufgerichtet und bekräftigt wurde [Scha98].

 

 

Im gleichen Jahr wird Karl V. zum deutschen König gewählt

 

 Als seinen Nachfolger im Amt hatte Maximilian im Vorjahr auf dem Augsburger Reichstag seinen Enkel Karl, den König von Spanien und Neapel, auserkoren, ihn jedoch nicht durchsetzen können. Nun melden sich noch zwei weitere Anwärter auf den römischen Königs- und damit auch auf den deutschen Kaiserthron: die Könige von England, Henry VIII (1509-1547) und Frankreich, François I (1515-1547). Da zieht Franz von Sickingen im Juni mit einer Söldnerbande vor die Stadt Frankfurt und droht den versammelten Kurfürsten Gewalt an, wenn sie nicht einen deutschen König wählen. Rasch bieten diese ihrem Kollegen Kurfürst Friedrich von Sachsen die Königskrone an, doch der lehnt weise ab [Rose02]. Die ausländischen Kandidaten aber drängen, versprechen den Wahlmännern Würden und Ämter und bestechen sie mit großen Geldsummen. Als die Einsätze zu hoch werden, gibt Henry das Rennen um den Titel auf. François dagegen macht sich weiter große Hoffnungen, zumal Papst Leo X. den französischen König ob seiner finanziellen Möglichkeiten und seiner militärischen Macht in seiner Kandidatur unterstützt.

 

Deshalb bemüht sich Rom um gute Beziehungen zu den Kurfürsten, ja Leo hält sich mit weiteren Schritten gegen Luther zurück, um seinen Dienstherren Friedrich nicht zu verärgern, in der Hoffnung, dass dieser bei der Kür für den Franzosen votiere. Albrecht von Brandenburg, als frischgewählter Erzbischof, Kurfürst von Mainz und Erzkanzler des Reiches steckt die Drohung Sickingens noch in den Knochen und gibt deshalb zu bedenken: Darumb ist von noten, daz man ein hern haben moge, der geforcht [gefürchtet]. - Item daz er frid und recht ufricht und halt. - Item daz er des vermogens sei, solchs zu erhalten und hanthaben. - Item der kirch und daz reich bei irem herkomen, herlickeiten und gerechtigkeiten hanthabe. - Item der den veinden und ungleubigen widerstand tun moge. - Item der dazjenige, so von dem reich von den feinden abgezogen, widerumb darzu brengen moge. - Item daz er fur sich selbs eins solchn vermogens sei, domit der arm gemein man sonder merklich ursach und not nit mit aufsetzen und schatzungen uberladen und beswert werde, dann daraus wurde nichts guts folgen, allein ein buntschuch. - Item vor allen dingen must je der konig, so man keinen Teutschen kurfursten oder fursten haben kan, von seinem stam und herkomen ein Teutscher sein, domit die ere von unser nacion nit entwendt, auch der gemein man derhalben gesetigt wurde, der dann itzonder zu entporungen und bosen ufrurn leichtlich zu bewegen ist ... [Köpf01].  Karl aus edelstem deutschen Blut, in Französisch und Flämisch erzogen, hat da vor allem sprachlich die Nase vorn, wenn er von sich sagt: Je parle espagnol à Dieu, italien aux femmes, français aux hommes et allemand à mon cheval*.

*Mit Gott spreche ich spanisch, mit den Frauen italienisch, mit Männern französisch und mit meinem Pferd deutsch.

 

 Schon 1518 hatte der alte Maximilian seinem Enkel in Spanien verkündet, nachdem er mit seinem Versuch beim Augsburger Reichstag gescheitert war, Karl zum römischen König wählen zu lassen, dass viel Geld, nach Möglichkeit bares Geld, erforderlich sein werde, um die französische Konkurrenz auszustechen [Rabe89]. Wie wahr: mit 851918 fuggerschen Dukaten gut geschmiert wählen die in Frankfurt versammelten Kurfürsten den erst 19-jährigen Enkel Maximilians einstimmig gegen den vom Papst unterstützten François I zum deutschen König und Erwählten Römischen Kaiser. Die feierliche Krönung Karls V. (1519-1556) findet im Oktober 1520 in Aachen statt.

 

 

 

 

 

Drob ist der Franzosenkönig nicht nur brüskiert, sondern fühlt sich zudem durch die Erwerbungen der Habsburger eingekreist, denn Carl der fünffte ist von Gottes Gnaden Römischer Kayser, zu allen Zeiten Mehrer des Reichs, König in Germanien, zu Castilien, Aragon, Leon, beyder Sicilien, Hierusalem, Hungarn, Dalmatien, Croatien, Navarra, Granaten, Tolleten, Valentz, Gallicien, Majorca, Hispalis, Sardinien, Corduba, Corsica, Murcien, Giennis, Algarbien, Algeziren, Gibraltar, der Canarischen und Indianischen Insulen und der Terrae firmae des Oceanischen Meeres etc, Ertz-Hertzog zu Oesterreich, Hertzog zu Burgundi, zu Lotterich, zu Braband, zu Steyer, zu Kerndten, zu Krain, zu Limburg, zu Lützenburg, zu Geldern, zu Calabrien, zu Athen, zu Neopatrien und Würtenberg etc. Karl besitzt somit ein Reich, worin die Sonne nie unterging.

 

Auf einer Gendenkmedaille des Jahres 1548 ist der Spruch Quod in celis sol/hoc in terra Caesar est zusammen mit Karls Motto: plus ultra* eingeprägt [Schr09].

*Was die Sonne am Himmel, ist der Kaiser auf Erden und: Darüber hinaus, d. h., über die Säulen des Herkules, die an der Straße von Gibraltar stehen, reicht das Reich der spanischen Habsburger

 

 

Standbild Ferdinands I. am Freiburger Kaufhaus

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Philipp Melanchton

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

  An den Christlichenn Adel deutscher Nation von des Christlichenn standes besserung

D' Martinus Luther
1521 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 Murner:  An den groszmechtigsten und Durchlüchstigten adel tütscher nation

 

 

 

 

 

 

 

Von der Babylonischen gefengknuß der Kirchen/ Doctor Martin Luthers.

Karls Bruder Ferdinand soll sich um das Deutsche Reich kümmern

 

In den deutschen Landen sind die reformatorischen Gedanken Luthers im Vormarsch, im Volk brodelt es gewaltig und doch (oder gerade deshalb?) gibt Karls Großkanzler der Piemontese Mercurino Gattinara dem 21-jährigen Kaiser folgenden unseligen Rat:  ... Und da Italien die wichtigste Grundlage ist für alles, was Ihr von diesem Kaiserreich gewinnen könnt, um es zu bewahren und zu mehren, Ansehen zu gewinnen, in allen Euren Angelegenheiten überlegen und jedem Zwang der Verhältnisse enthoben zu sein, so ist es vernünftig, zunächst die italienischen Dinge zu bedenken, bevor man sich einer anderen, schwierigeren Unternehmung zukehrt ... [Köpf01].

 

Somit entbrennt ein 300-jähriger erbitterter Kampf zwischen den Häusern Habsburg und Valois (später Bourbon), der aber zunächst noch nicht am Rhein, sondern in der Poebene ausgefochten wird. Der Kaiser ringt mit François I in vier Kriegen um die Vorherrschaft in Oberitalien. während der Glaubensstreit das Reich deutscher Nation immer tiefer spaltet. Da muss Karl einsehen, er kann nicht alles alleine machen und übergibt anno 1522 seinem jüngeren Bruder Erzherzog Ferdinand die Länder der österreichischen Hausmacht und die Sorge um die andere schwierige Unternehmung, die Überwindung der Glaubensspaltung.

 

Der Kaiser lässt sich erst 1530 wieder in Deutschland blicken und bei der Gelegenheit - wieder mit Hilfe fuggerscher Dukaten - seinen Bruder Ferdinand zum Römischen König wählen. In den Zwischenjahren schlägt sich Karl in Oberitalien wacker gegen die Franzosen und schickt François mit blutiger Nase wieder und wieder nach Hause, doch was bedeuten diese Siege angesichts des den inneren Frieden des Reiches zerstörenden Religionskonflikts und der ständigen Bedrohung der Grenzen im Südosten durch die Türken.

 

 

Causa Lutheri 

 

In den beiden Jahren zwischen dem Thesenanschlag und der Kaiserwahl hatte die römische Kirche, wie oben erwähnt, stillgehalten, doch nachdem Karl V. gewählt worden war, rückt die Causa Lutheri wieder in den Vordergrund. Inzwischen findet Luther seine sola fide, sola gratia Auffassung im Römerbrief 1,17 weiter bestätigt, sintemal darinnen offenbaret wird, die Gerechtigkeit, die für Gott gilt, welche kompt aus Glauben in Glauben, wie denn geschrieben steht: Der wird seines Glaubens leben [Schi88], und im Epheserbrief 2,8-9 liest er: Denn durch Gnade seid ihr gerettet auf Grund des Glaubens; und das nicht aus euch selbst, nein, Gottes Geschenk ist es; nicht aus Werken, damit keiner sich rühme.

 

 

Sie saßen allezeit neben Dr. Eckio und schliefen ganz sanft

 

In einer mehrtägigen Disputation vor Publikum diskutieren vom 27. Juni bis zum 15. Juli 1519 in Leipzig zunächst Andreas Bodenstein von Karlstadt über Abendmahlslehre und Dreifaltigkeit und ab dem 4. Juli Luther mit dem Ingolstädter Professor Johannes Eck. Eck kämpft bei der Auseinandersetzung über das Primat des Papstes und die Gewalt der Konzilien mit allen Mitteln. So versucht er, Luther in die Nähe von Jan Hus zu rücken und überzieht ständig seine Redezeit. Wütend ist er besonders auf Melanchton, der hinter Luthers Katheder sitzt, ihm zuflüstert oder Zettel zusteckt. Auch Eck wird solche Unterstützung zuteil, die ausgewählten Leipziger Theologen sind ihm jedoch wenig Hilfe, denn sie saßen allezeit neben Dr. Eckio und schliefen ganz sanft [UniL08]. Johannes der gefürchtete Vielredner spricht Latein mit seinem schwäbischen Akzent [Rose02]. Martin mit seiner sächsisch gefärbten Diktion hält kräftig dagegen, als er die Autorität der Kirche noch mehr in Frage stellt:  Nicht nur der Papst, sondern auch Konzile können irren, wie das von Konstanz, welches einige Sätze des Jan Hus verurteilt habe, obwohl diese in der Heiligen Schrift begründet sind [Rabe89]. Nach dieser Feststellung Luthers ruft Eck entsetzt aus: Lass dein Gewissen fahren Martinus, du bist im Irrtum! [Dema00].

 

Viele Theologen sehen mit der Leipziger Disputation den Bruch zwischen den Katholiken und Lutheranern als vollzogen an, nicht so ein Zeitgenosse der Herzog des albertinischen Teils von Sachsen Georg der Bärtige (1500-1539), der beschwichtigend meint: gar vil disputacion zcu leipczig ghalten de trinitate, de sacramento ewcaristie vnd von an dern artikeln des glaubens vnd ist doch nimande kein wegerung gschen, es ist och got lob kein entlich beschlosß wider kristlichen glawben decemirt, sal och ab got wil forder nich gschen, hilten wir dor vor, es sollt in dem ab eynn sele kegen himel fure, wen der pfennig im begken klingt wol zu disputiren zcü lossen sein [UniL08].

 

 

Luther setzt auf die deutsche Karte

 

Anfang 1520 steht Luther als Folge von aufreibenden und letztlich ergebnislosen religiösen Disputationen und nach Androhung von Bann und Acht mit dem Rücken zur Wand. Da spielt er als seinen letzten Trumpf die nationale Karte aus, als er seiner Schrift An den Christlichenn Adel deutscher Nation von des Christlichenn standes besserung die Gravamina anfügt und der allerdurchlauchtigsten, großmächtigen Majestät und dem Adel zuruft: Wie kommen wir Deutschen dortzu, das wir solche reuberey, schinderey unserer güter von dem babst leyden mussen? hat das kunigreich zu Franckreich sichs erweret, warumb lassen wir Deutschen uns alszo narren und effen?*

*Schon 1438 hatte Karl VII, in einer Ordonnance die Interessen der französischen Krone gegenüber dem Papst definiert und im Konkordat von Bologna 1516 hatte Leo X. dem französischen König François I. weitgehende Freiheiten für eine Ecclesia Gallicana zugestanden [Ober03]

 

Das sind keine religiöse Argumente. Ganz im Sinne der von den Ständen immer wieder vorgebrachten Gravamina weiß Luther, geschickt an den Geldbeutel der Landesfürsten zu appellieren,  das ierlich mehr dann dreymal hundert tausent gulden auß deutsch land gen Rom kommen. Die deutsche Nation, Fürsten und Bischöfe sollen das Volk gegen diese Abgaben an den Papst (die Annaten) schützen. Luther fährt fort: dan der bapst hat den pact brochen unnd ein reuberey gemacht ausz den Annaten. zu schaden und schanden gemeyn deutscher Nation [Schm99]. Diese Worte fallen bei der Mehrheit der Stände auf fruchtbaren Boden: Warum sollte in deutschen Landen ein nationalkirchlicher Kurs nicht möglich sein, wie ihn die Franzosen praktizieren.

 

Die altgläubigen Bischöfe sind Luther zu Rom hörig und so bittet er in seiner Schrift die evangelisch Landesherren, die Leitung der neuen Kirche in ihren Herrschaftsgebieten zu übernehmen. Luther sieht diese Notbischöfe als zeitlich begrenzten Behelf und ist so naiv anzunehmen, dass die Landesherren nach der Errichtung neuer Kirchenstrukturen auf ihren Machtzuwachs verzichten werden. Weit gefehlt: das landesherrliche Kirchenregiment mit der Symbiose von Thron und Altar sollte bis 1918 Bestand haben.

 

Luther bedient sich bei seiner Argumentation gegen die römische Kirche bewusst der gemeinen deutschen sprache, das mich beide, Ober- und Niderlender, verstehen mögen... Und last uns das gesagt seyn, Das wyr das Euangelion nicht wol werden erhallten on (ohne) die sprachen. Die sprachen sind die scheyden darynn dis messer des geysts stickt. Sie sind der schreyn, darynnen man dis kleinod tregt. Sie sind das gefeß, darynnen man disen tranck fasset. Sie sind die kemnot (Kemenate, Kammer), darynnen dise speyse ligt. Und wie das Euangelion selbs zeygt, Sie sind die körbe, darynnen man dise brot und fische und dise brocken behelt [Köpf01].

 

Thomas Murner aus Freiburg

 

 

Martinus Luther einverfierer der einfeltigen christen

 

Die römische Kirche reagiert prompt. So antwortet der Freiburger Franziskanermönch Thomas Murner, der 1520 noch anonym Ein christliche und briederlich ermanung zuo dem hochgelerten doctor Martino Luter gerichtet hatte, dem Wittenberger Augustinermönch nun mit einer antireformatorischen Kampfschrift: An den groszmechtigsten und Durchlüchstigten adel tütscher nation das sye den christlichen glauben beschirmen wyder den zerstörer des glaubens christi Martinus Luther einverfierer der einfeltigen christen. Darin betont Murner, dass Reformen nur den von Gott eingesetzten kirchlichen Autoritäten zustünden und Laien und Klerus scharf voneinander zu trennen seien [Aurn06].

 

Der Papst als Antichrist (Flugschrift)

 

Luther ist unbeeindruckt und veröffentlicht noch im gleichen Jahr seine Schriften über die Grundlagen einer christlichen Ethik: Von der Freyheyt eyniß Christenmenschen und der Knechtung der Kirche (für den Klerus ausnahmsweise auf Latein):  De captivitate Babylonica ecclesia, davon schon bald eine deutsche Übersetzung erscheint: Von der Babylonischen gefengknuß der Kirchen. Für Luther ist ganz klar: Das Jüngste Gericht ist nah und auf dem Stuhl Petri sitzt der in der geheimen Offenbarung angekündigte Antichrist. 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Bulla contra errores Martini Lutheri
et sequacium

 

 

 

 

Erasmus von Rotterdam

 

 Diese tollen Hunde, die Deutschen

 

 

Als Antwort aus Rom überbringt Johannes Eck höchstpersönlich Ende 1520 aus Rom die päpstliche Bulle Exsurge Domine, in der Papst Leo X. Luther den Kirchenbann androht, sofern er nicht innerhalb 60 Tagen 41 seiner Sätze,  die irrig, häretisch, ärgerniserregend, für fromme Ohren anstößig und für einfache Gemüter verführerisch sind, widerruft [Rabe89].

 

 

Erasmus von Rotterdam hatte schon 1509 in seinem Lob der Torheit gegen das Machtinstrument des Kirchenbanns polemisiert und überhaupt steht seine bereits 1509 geäußerte Kritik an der Amtsführung der Päpste der eines Martin Luther in keiner Weise nach: Da sind [die Päpste] nun wirklich recht freigebig mit Interdiktionen, Suspensionen, Aggravationen, Redaggravationen, Anathematizationen, mit Bildern der Höllenpein des Verfluchten und dann mit jenem schrecklichen Strahl, der auf einen Wink die Seelen der Sterblichen noch unter die tiefste Hölle hinabschmettert. Ihn freilich schleudern die heiligsten Väter in Christo und Stellvertreter Christi gegen niemand mit solcher Wucht wie gegen die Vermessenen, die vom Teufel gereizt, das Erbe Petri zu mindern und anzunagen versuchen. Im Evangelium steht zwar Petri Wort: Wir haben alles verlassen und sind Dir nachgefolgt; sie aber heißen sein Erbe Ländereien, Städte, Steuern, Zölle und Herrschaftsrechte. Erst wenn ein Papst, voll heiligen Eifers für Christus, zum Schutz dieser Güter mit Feuer und Schwert sich zur Wehre setzt und dabei Christenblut stromweise verspritzt, glaubt er die Kirche, die Braut Christi nach rechter Apostelart zu verteidigen; zerschmettern will er ihre Feinde - so lautet der Ausdruck, wie wenn die Kirche schlimmere Feinde hätte als gewissenlose Päpste, deren Schweigen den Heiland der Vergessenheit preisgibt, deren erpresserische Gesetze ihn ausbeuten, deren verdrehte Auslegungen ihn entstellen, deren sündhaftes Leben ihn kreuzigt [Eras09]. Wird Erasmus für diese starken Worte nur deshalb nicht zur Rechenschaft gezogen, weil er sie in seinem Buch der Göttin Torheit in den Mund legt? Später im Jahre 1533 wird der Franziskaner Nikolaus Herborn vermuten: Vielleicht hat Erasmus die Eier gelegt, die Luther und die anderen nur ausgebrütet haben [Hug97].

 

Luther verbrennt die Bulle Exsurge Domine am 10. Dezember vor dem Elstertor in Wittenberg öffentlich und wird Anfang 1521 mit der Bulle Decret Romanum Pontifecem exkommuniziert. Seine Schriften hatten die politische Atmosphäre im Lande gewaltig aufgeheizt. Der päpstliche Nuntius Kardinal Aleander schreibt Anfang 1521 nach Rom: Jetzt aber ist ganz Deutschland in hellem Aufruhr; neun Zehnteile erheben das Feldgeschrei: "Luther!" und das übrige Zehntel, falls ihm Luther gleichgültig ist, wenigstens: Tod dem römischen Hofe! Und ein wenig später: Diese tollen Hunde, die Deutschen, sind ausgerüstet mit den Waffen des Geistes und des Armes und wissen sich trefflich zu rühmen, dass sie nicht mehr die dummen Bestien sind wie ihre Vorfahren, dass sie das Wasser des Tibers in ihren Rhein herübergeleitet, dass Italien ihnen den Schatz seiner Wissenschaften habe abtreten müssen [Schm99].

 

 

Hus ist verbrannt worden, nicht aber die Wahrheit mit ihm

 

Auf einen Kirchenbann folgt üblicherweise automatisch die Reichsacht, doch Karl V. steht zu seinem Wahlversprechen: Niemand darf ungehört in die Acht erklärt werden. In Luthers Fall fragt man Erasmus um Rat, der noch 1519 in einem Brief den Reformator zur Mäßigung aufgerufen hatte: So viel wie möglich halte ich mich neutral, um desto mehr dem Wiederaufblühen der Wissenschaft nützlich zu sein. Meines Erachtens kommt man mit bescheidenem Anstand weiter als mit Sturm und Drang [Salt09]. Nun sagt auf Erasmus’ Vorschlag hin Karl V. Luthers Landesherrn Friedrich dem Weisen zu, dem Doktor aus Wittenberg freies Geleit nach Worms zu gewähren. Dort 1521 auf dem Reichstag, so der Kaiser in seiner höflich abgefassten und durch Boten zugestellten Zitation, sollen gelerte vnd hochverstendige personen ihn verhören: WIR haben beschlossen, wir und des heiligen Römischen Reichs Stände, der Lehre und Bücher halben, so von dir ausgegangen, von dir Erkundigung zu empfahlen [Rank20].

 

Am 29. März 1521 erhält Luther die kaiserliche Einladung nach Worms, doch er ist gewarnt. Auch Hus hatte man freies Geleit versprochen, doch war er 1415 beim Konzil in Konstanz verbrannt worden und 23 Jahre zuvor hatte Savonarola in Florenz das gleiche Schicksal erleiden müssen. Bruder Martinus aber schlägt alle Bedenken in den Wind: Sollen sie ein Feuer machen, das zwischen Worms und Wittenberg bis an die Wolken reicht: ich werde dem Behemot* in sein Mauls zwischen die Zähnen treten und Christus bekennen.

 

Luthers Weg durch Deutschland von Wittenberg nach Worms gleicht einem Triumphzug. Über Leipzig, Naumburg und Weimar kommt er am 6. April nach Erfurt. Obgleich ihm auferlegt wurde, auf seiner Reise nicht zu predigen, erläutert Luther den Menschen dort seine Lehre in der übervollen Augustinerkirche. Die Massen jubeln auch in Gotha, Eisenach und Frankfurt.

 

Bei seinem Einzug in Worms am 16. April erschallen Trompeten vom Dom. Als Luther in sein Domizil, den Johanniterhof der Stadt, kommt, meint er: Hus ist verbrannt worden, nicht aber die Wahrheit mit ihm. Ich will hinein, und wenn soviel Teufel auf mich zielten, wie Ziegel auf den Dächern sind [Dema00].

*nilpferdartiges Tier in der Apokalypse

 

 

 

 

 

Unschuldig Lämmlein Karl

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Antwort Doctoris Martini Lutheris vor K. M. vnd Fürsten des Reichs auff ansuchung der bücher vndter seinem namen außgegangen so er gefordert auf dem Reichstag gen Wormbs

Jm Jhar. MDxxi

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Hieronymus Aleander

 

 

 

Titelseite des Wormser Edikts:

Der Römischen Kaiserlichst Maiestat Edict wider Martin Luther Bücher vnd lere seyne anhenger Enthalter vnd nachvolger vnnd Etlich annder schmeliche schrifften. Auch Gesetz der Druckerey.

 

 

 

Wormser Edikt mit der Unterschrift Karls V.

Luther in Worms

 

Luther tritt übrigens nicht vor dem Reichstag auf, sondern steht während zweier Tage dem jugendlichen Kaiser und den Ständen im Wormser Bischofshof gegenüber. Die erste Begegnung zwischen Karl und dem Wittenberger Augustinermönch findet am Nachmittag des 17. April statt. Der Kaiser ist von Luther nicht beeindruckt und meint: Der soll mich nicht zum Ketzer machen [Schi88]. Das beruht auf Gegenseitigkeit, wenn Luther vom jugendlichen Karl sagt: Er saß wie ein unschuldig Lämmlein zwischen Säuen und Hunden.

 

Der englische Scgriftsteller David Winder ist sich nicht ganz sicher, when in 1521 Charles was face to face with Martin Luther at the Diet of Worms, whether he was thinking more about the perils of heresy or about the almost unimaginable great shiploads of Mexican treasure which had arrived for him in Brussels* [Wind13].

*ob Karl, als er 1521 Luther gegenübersaß, eher an die Gefahren der Ketzerei oder an die unglaublichen Schiffsladungen mit mexikanischen Schätzen dachte, die für ihn in Brüssel angekommen waren.

 

Luther hatte eine Disputation mit einem der Säue, seinem alten Widersacher Johannes Eck erwartet, doch dieser beschränkt sich darauf, ihn zu fragen, ob er die Inhalte seiner Bücher widerrufe. Luther bekennt sich zu seinen Schriften, doch wegen des angemahnten Widerrufs erbittet er sich Bedenkzeit, die ihm gewährt wird.

 

Luther mit Eck. Im Hintergrund der Kaiser und sechs Kurfürsten.
Der siebte, der böhmische, kam auch diesmal nicht zum Reichstag.

Auch am nächsten Nachmittag verweigert Eck Luther eine Disputation: Vergeblich erwartest du, Martinus, eine Disputation über Dinge, die du mit gewissem und ausdrücklichem Glauben zu glauben verpflichtet bist. Luther jedoch weigert sich, seine Schriften zu widerrufen und erklärt auf Latein, damit Kaiser Karl ihn auch versteht: Nisi con victus fuero testimoniis scripturarum  aut ratione evidenti, nam neque papae neque concilio solis credo cum constet eos errasse saepius et sibi ipsis contradixisse, vinctus sum scripturis a me adductis, et capta conscientia in verbis Dei, revocare neque possum neque volo, cum contra conscientiam agere neque tutum neque integrum. Gott helfe mir. Amen.* Luthers Abschluss ist deutsch.

*Wenn ich nicht überzeugt werde durch Zeugnisse aus den Heiligen Schriften oder durch einleuchtende Vernunftgründe, denn weder dem Papst noch irgendwelchen Konzilsbeschlüssen allein glaube ich, da feststeht, dass sie öfters geirrt haben und sich gegenseitig widersprochen, fühle ich mich gebunden durch die von mir angeführten Schriftworte, und gefangen im Gewissen durch Gottes Wort kann und will ich nicht widerrufen, denn gegen das Gewissen handeln ist weder sicher noch integer. Gott helfe mir. Amen.

 

 Alexander Demandt schreibt in seinem Buch Sternstunden der Geschichte überaus lebendig über den weiteren Verlauf der Sitzung: Die Reaktion im gedrängt vollen Saal war ein groß Geschrei. Der Kaiser ging und erklärte, er habe genug. Es war sieben Uhr geworden. Eine jubelnde Menge umfing den Reformator und geleitete ihn in sein Quartier. Ein Augenzeuge spricht von fünftausend Menschen, welsch und teutsch. Als Luther die Herberge betrat, warf er die Arme in die Luft und rief: Ich bin hindurch, ich bin hindurch! Die spanischen Reiter freilich riefen: Al fuego! - ins Feuer mit ihm! Friedrich der Weise äußerte sich teils bewundernd, teils besorgt: Wohl hat der Pater Martinus geredet vor dem Herrn Kaiser und allen Fürsten und Ständen und fügt hinzu: Er ist mir viel zu kühn [Schi88]. Herzog Erich von Braunschweig schickte Luther eine silberne Kanne mit Einbecker Bier in den Johanniterhof; Landgraf Philipp von Hessen reichte Luther die Hand und sprach: Habt Ihr recht, Herr Doktor, so helf Euch Gott.

 

Zwar trösten Luther Bier und Zuspruch, doch hatte er insgeheim auf die Zustimmung der deutschen Kurfürsten gehofft, wenn er dem Papst vorwirft, dass seine Gesetze das Gewissen der Gläubigen elend in Fesseln geschlagen, misshandelt und gefoltert hätten und dass vor allem in der ruhmreichen deutschen Nation Hab und Gut verschlungen würden [Rabe89].

 

 

Ich werde ihn nie wieder hören

 

Der Kaiser setzte in der Nacht eigenhändig und ohne Ratgeber ein Schriftstück in lingua Borgognona, in burgundischer, das heißt französischer Sprache auf:

 

Ihr wisst, dass ich abstamme von den allerchristlichsten Kaisern der edlen deutschen Nation, von den katholischen Königen von Spanien, den Erzherzögen von Österreich, den Herzögen von Burgund, die alle bis zum Tode getreue Söhne der römischen Kirche gewesen sind, Verteidiger des katholischen Glaubens, der geheiligten Bräuche, Dekrete und Gewohnheiten des Gottesdienstes ... So bin ich entschlossen, festzuhalten an allem, was seit dem Konstanzer Konzil geschehen ist. Denn es ist sicher, dass ein einzelner Bruder irrt, wenn er gegen die Meinung der ganzen Christenheit steht, da sonst die Christenheit tausend Jahre oder mehr geirrt haben müsste. Deshalb bin ich entschlossen, meine Königreiche und Herrschaften, Freunde, Leib und Blut, Leben und Seele einzusetzen. Das wäre eine Schande für uns und für Euch, Ihr Glieder der edlen deutschen Nation, wenn in unserer Zeit durch unsere Nachlässigkeit auch nur ein Schein der Häresie oder Beeinträchtigung der christlichen Religion in die Herzen der Menschen einzöge. Nachdem wir gestern die Rede Luther hier gehört haben, sage ich Euch, dass ich bedaure, so lange gezögert zu haben, gegen ihn vorzugehen. Ich werde ihn nie wieder hören; er habe ein Geleit; aber ich werde ihn fortan als notorischen Ketzer betrachten und hoffe, dass Ihr als gute Christen gleichfalls das Eure tut [Schm06].

 

 Diese Erklärung wurde am 19. April verlesen. Viele, die sie hörten, wurden dabei bleich wie der Tod [Dema00] .

 

 

 

Nutiuns Aleander entwirft schließlich die Reichsachterklärung gegen Luther. Zwar geben die Stände zu bedenken, dass, wenn Luther in die Reichsacht genommen wird, Aufstände des gemeinen Mannes zu befürchten sind, und weigern sich dem Papier zuzustimmen, doch bald wird überall in Teutschland als Maueranschlag folgender Text hängen: Das Ir sametlich vnd sonderlich den vorgemelten Martin Luther. Nit Hauset hofet. Etzt (beköstigt) drencket (tränket) noch endhaltet. noch yme mit worten und wercken, Haimlich noch offenlich kaynerlai hilff, Beystand, noch fürschub beweiset. Sonder wo Ir yn alßdann ankomen vnd betretten vnd des mechtig sein mögt, In fencklichen (Gefängnis) annemet, vnd vns wolbewart zusendet, oder das zuthun bestellet. oder vns das zum wenigisten, so er zu Hannden bracht wirdet vnerzogentlich verkündet, vnd anzaiget, vnd yne dazwischen also fencklichen behaltet. bis Euch von vnns beschayd, was Ir ferrer (ferner) nach Ordnung der Recht, gegen Ime hanndeln söllet gegeben, Vnnd ir vmb solich hailig werck Auch Eüer Müe vnd Costen zimliche Ergetzlichait (Ergötzlichheit = Belohnung) emphahen werdet. Aber gegen seinen mitverwandten Anhengern. Enthaltern Fürschiebern, Gönnern, Vnd nachvolgern, Vnd derselben beweglich vnd unbeweglich güeter. Sollet Ir in Crafft der hailigen Constitution, Vnd Vnser, vnd des Reichs Acht, vnd Aberacht, diser weise handeln. Nemlich. Si nider werffen, vnd Fahen (Fahnen?), vnd Ire güeter, zu Ewern handen nemen, vnd die in Ewrn aigen nutz wenden, vnd behalten, on menigcklichs verhinderung. Es sei das si durch glaublichen schein anzaigen, das Si disen vnrechten weg, verlassen, vnd Babstliche Absolution erlangt haben [Noth83]. Das Wormser Edikt stellt unter Strafe, das Ewr kainer des obgenannten Martin Luthers schrifften von vnserem hailigen Vater Babst, wie onstet, verdambt, vnd all annder schrifften bißher durch ine gemacht sein, oder hinfür gemacht werden. Als Böß, Argwenig vnd verdechtlich vnd von einem offenbarn hartneggicken Ketzer außgegangen. Kauff, verkauff, lese Behalt, Abschreib, Druck, oder abschreiben, oder Drucken lasse, noch seiner Opinion zufall, die auch nit halt, Predig noch beschirme, noch das in ainich ander weg, wie Menschen Sinn das bedencken kan understee, Vnangesehen ob darin etwas guts den Ainfeltigen Menschen, damit zu betriegen, eingefürt were. Diese Schriften sollen nit allein vermitten (vermieden), sondern auch ... von aller Menschen gedechtnus, abgethan vnd verdilgt werden. Damit Sie niemands schaden, oder Ewiglich tödten [Noth83]. Luther gilt als Teufel in der Mönchskutte und Verbreiter von unzähligen, in einer stinkenden Pfütze versammelten Bosheiten.

 

Karl unterschätzt den Einfluss Luthers gewaltig und tut den kirchlich-theologischen Disput als Mönchsgezänk ab. Zwar will auch der Kaiser kirchliche Reformen, doch aus politischen Gründen muss er Rücksicht auf die römische Kirche nehmen, die die Klammer seines multinationalen Reiches ist. Ein Ständeausschuss am Wormser Reichstag vermerkt immerhin, dass Luthers und Huttens schreiben des babst und ander gaistlich unordung halb, ausgenomen was den heiligen cristenlich glauben betrifft, ... dannoch bei den stenden etwas gewurkt hat. Dieses Etwas mag in der Tat in den Text der beschwerungen von 1521 eingeflossen sein.

 

Die beschwerungen des hailigen Rö. Rey. Vn besonderlich gantz Teutscher Nation /vo Stül zu Rom/ vn seiner anhängende gaystlichkait/ zu Worms im Reychs tag des 1521. jar/ Rö Kay May. vo den Churfürsten/ Fürsten/ vn Stenden des Reychs für gepracht.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Hans Lufft: Biblia

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 Von dem Großen Lutherischen Narren:

 Der Murr-Narr mit dem Katzenkopf treibt Luther die Narrenteufel aus [Aurn06]

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Nikolaus von Amsdorf
Glasfenster in der Marktkirche zu Goslar

Junker Jörg

 

Auf dem Rückweg von Worms verschwindet Luther spurlos. Er weiß um seine Entführung, wenn er bei seiner Durchreise aus Frankfurt an Lucas Cranach nach Wittenberg schreibt: Ich laß mich eintun und verbergen, weiß selbst noch nicht wo, und wiewohl ich lieber hätte von den Tyrannen, sonderlich von des wütenden Herzog Georgen zu Sachsen Händen den Tod erlitten, muß ich doch guter Leut Rat nicht verachten bis zu seiner Zeit ... Es muß ein klein Zeit geschwiegen und gelitten sein [Noth83]. Seinem Freund Georg Spalatin, Hofprediger, Geheimschreiber und Beichtvater Kurfürst Friedrichs schreibt Luther, dass er sich in einem Kloster in Böhmen aufhalte: So bin ich nun hier, meine Kutte hat man mir abgenommen und ein Reitersgewand angezogen. Ich lasse mir Haare und Bart wachsen. Du würdest mich schwerlich erkennen, da ich mich selber schon nicht mehr wiedererkenne. Jetzt lebe ich in christlicher Freiheit, frei von allen Gesetzen jenes Tyrannen und bittet Georg, diesen Brief, um eine falsche Fährte zu legen, absichtlich zu verlieren [Bemm07].

 

In ganz Deutschland brodelt die Gerüchteküche. Albrecht Dürer, den die Schriften Luthers von seinen seelischen Ängsten befreit hatten und der deshalb den Reformator in kupfer stechen möchte zu einer langen gedechtnus des kristlichen Mannes berichtet auf seiner Niederländischen Reise in seinem Tagebuch über die Mär, ... daß man Martin Luther so verräterlich gefangen hätt. Dann do ihn des Kaisers Carols Herold mit dem kaiserlichen gleit war zugeben, dem wart vertrauet. Aber sobald ihn der Herold bracht bei Eyßenach in ein unfreundlich Ort, saget [er], er dörfte sein nit mehr, und ritt von ihm. Alsbald waren 10 Pferd do, die führten verräterlich den verkauften frommen, mit dem heiligen Geist erleuchteten Mann hinweg, der do war ein Nachfolger Christi und des wahren christlichen Glaubens. Und lebt er noch oder haben sie ihn gemördert, das ich nit weiß, so hat er das gelitten um der christlichen Wahrheit willen und um daß er gestraft hat das unchristliche Papsttum, das do strebt wider Christus Freilassung mit seiner großen Beschwerung der menschlichen Gesetz ... O Gott, ist Luther tot, wer wird uns hinfürt das heilig Evangelium so klar fürtragen! Ach Gott, was hätt er uns noch in 10 oder 20 jahrn schreiben mögen! O ihr alle frommen Christenmenschen, helft mir fleißig beweinen diesen gottgeistigen Menschen und ihn bitten, daß er uns ein andern erleuchten Mann send [Köpf01].

 

 

Bildunterschrift zum Junker Jörg von Lucas Cranach:

 

Quesitus toties, toties tibi Rhoma petitus
En ego per Christum vivo Lutherus adhuc
Vna mihi spes est, quo non fraudabor, Jesus
Hanc mihi dum teneam, perfida Rhoma vale*.

*So oft auch von Dir, Rom, gesucht und verfolgt,
Siehe, ich Luther, lebe durch Christus noch immer.
Jesus, von dem ich nicht betrogen werde, ist meine Hoffnung,
Solange ich diese habe, lebwohl Du falsches Rom.

 

Luther alias Junker Jörg ist während seiner Schutzhaft auf der Wartburg nicht glücklich. In seiner Wüste, seinem Patmos vermisst er den menschlichen Kontakt: Weh dem, der allein ist. Fällt er, so hat er niemanden, der ihm aufhilft [Noth83]. Luther wird trübsinnig, klagt in Briefen an seine Freunde über furchtbar harten Stuhlgang, tausend Teufel, viele böse und listige Dämonen und neue Glaubenszweifel: O wie viel grösser mühe und arbeyt, auch durch gegründte heylige schrifft, hab ich meyn eygen gewissen kaum konnen rechtfertigen, das ich, eyner alleyn, widder den Bapst habe dürffen auff tretten, yhn fur den Antichrist hallten, die Bisschoff fur seyn Apostel, die hoehen schulen fur seyn hurr heußer (Hurenhäuser)! Wie offt hatt meyn hertz getzappelt, mich gestrafft unnd myr furgeworffen yhr sterckist argument: Du bist alleyn klug? Sollten die anderen alle yrren unnd ßo lange tzeytt geyrret haben? Wie, wenn du yrrest und ßo viel leutt in yrthum verfuhrest, wilche all ewiglich verdamnet wurden? [Noth83].

 

Kulturerbe: Ein Stein der Wartburg am Gebäude der Chicago Herald Tribune

 

 

 

 Biblia, das ist die gantze Heilige Schrifft Deudsch

 

Wir wissen, dass Luther auf der Wartburg den Teufel mit Tinte bekämpft, das Neue Testament verdeutscht: wie sie reden vnd darnach dolmetzschen so verstehen sie es den und merken das man Deutsch mit jn redet. Es ist nicht die erste Bibelübersetzung ins Deutsche, denn die erschien bereits 1466 in Straßburg, doch an Luthers Text ist neu, dass er als Vorlage nicht wie seine Vorgänger die lateinische vulgata, sondern einen von Erasmus von Rotterdam aus vorliegenden Handschriften den Annotationes, kritischen Notizen zum Neuen Testament von Lorenzo Valla*, und aus Zitaten der Kirchenväter rekonstruierten griechischen Urtext des Neuen Testaments verwendet, wobei Erasmus eine mit vielen kritischen Anmerkungen versehene neue lateinische Übersetzung gleich mitliefert.

*Dieser Valla hatte um 1440 die Konstantinische Schenkung als Fälschung entlarvt [Salt09]. 

 

Im Jahre 1516 hatte der Humanist Johann Froben in Basel in seinem Verlagshause, in dessen Hinterstube Erasmus häufig hockte, dieses Papst Leo X. gewidmete Novum Instrumentum omne/ diligenter ab Erasmo Roterdamo recognitum & emendatum, non solum ad graecam veritatem, verumetiam ad multorum utrisque linguae codicum ... emendationem & interpretationem, praecipue, Origines, Chrysostomie, Cyrilli ...* gedruckt [Aurn06].

 *Das ganze Neue Instrument (in späteren Ausgaben Novum Testamentum omne) gewissenhaft bearbeitet & verbessert von Erasmus on Rotterdam, nicht nur aus dem wirklichen griechischen, sondern auch aus vielen anderen Büchern ... aus Verbesserungen & Auslegungen vornehmlich von Origines, Chrysostomus, Cyrillus ...

 

Der Humanismus der damaligen Zeit will ad fontes (zurück zu den Quellen) und so schreibt Erasmus in seinen Vorreden zum Urtext, daß jene Heilslehre viel reiner und lebendiger aus den Quellen selbst geschöpft wird als aus Tümpeln oder abgeleiteten Bächen [Rabe89] und betont: Leidenschaftlich rücke ich von denen ab, die nicht wollen, daß die heiligen Schriften in die Volkssprache übertragen und auch von Laien gelesen werden, als ob Christus so verwickelt gelehrt hätte, daß er kaum von einer Handvoll Theologen verstanden werden könne, und als ob man die christliche Religion dadurch schützen könne, daß sie unbekannt bleibt. Es mag angehen, daß Könige ihre Geheimnisse verheimlichen, aber Christus will mit Nachdruck, daß seine Geheimnisse unter das Volk gebracht werden. Ich würde wünschen, daß alle Weiblein das Evangelium lesen, auch daß sie die Paulinischen Briefe lesen ... [Köpf01]. 

 

Luthers Bibelübersetzung ist der erste Bestseller in deutscher Sprache. In den Cranachhöfen Wittenbergs fertigt Hieronymus Lotther 1522 die Septemberbibel* mit dem Neuen Testament, von der innerhalb dreier Monate 3000 Exemplare verkauft werden. Bis 1534 erscheinen 87 hochdeutsche und 19 niederdeutsche! Ausgaben des Neuen Testaments und im gleichen Jahr auch die vom Ratsherren und Bürgermeister Hans Lufft gedruckte Biblia das ist die gantze Heilige Schrifft Deudsch [Kata04]. Damals stöhnt Sebastian Brant: Alle land syndt yetz voll Heyliger geschrifft [Schi88].

*Bücher waren teuer. Für die Septemberbibel werden Preise zwischen einem halben bis anderthalb Gulden überliefert. Zwei geschlachtete Kälber kosteten anderthalb Gulden, das Jahresgehalt einer Magd betrug anderthalb, das eines Schulmeisters dreidreiviertel Gulden [Schi88].

 

 

Wardt alles getruckht in des Lutters nammen

 

Im Jahre 1521 war die Reformation auch im katholischen Elsass angekommen und wurde nicht überall begrüßt: Anno 1521, da war ein man, der war ein ordensman, wohnt unnder dem hertzog in Saxen, war Martin Luter genandt, der ließ außgohn (der ließ heraus) wie die bebst zu Rom unnß so gar betrogen hetten mit dem ablaß, und was wider die gehorsammen die vill pfruenden (viele Pfründen) hetten und nichts darum tedten, und das man kheinem umb schuld (unschuldig) in den ban solt thun und redt vill wider die bluethundt (Bluthunde). Da fielen die schelmshelß (die Luther-Anhänger hier die Schreihälse) zusammen unnd liessen außgohn (verbreiteten) in truckherei wider Gott unnd alle heiligen, unnd wardt alles getruckht in des Lutters nammen. Da fieng an der gemein man in ein unglauben zukhommen. Gott well es wenden (möge es abwenden) mit seiner barmhertzigkeit [Stol79].  

 

Da beeilte die andere Seite, deutsche Bibelübersetzungen herauszubringen, doch vor allen Dingen mit der Auslegung des Textes aus katholischer Sicht. So erscheint 1522 bei Grieninger in Straßburg des Johannes Geiler von Kaysersbergs Evangelia: das Plenarium ußerlesen und davon gezogen in des hochgelerten Doctor Keiserspergs Ußlegung der Ewangelien und Leren. Anfang der Meßcolect Secret-Epistel und Complend.

 

 

Von dem Großen Lutherischen Narren 

 

 Die Anhänger der Reformation hatten Thomas Murners Angriffe auf Luther nicht vergessen und seither in polemischen Flugschriften den Murr-Narr arg beschimpft. Da veröffentlicht dieser 1522 in Straßburg seine geistreichste Anklageschrift gegen die Reformation, die satirisch-antireformatorische Kampfdichtung: Von dem Großen Lutherischen Narren wie in Doctor Murner beschworen hat. Murner inszeniert darin die Reformation als eine dramatische Handlung mit der Beschwörung des Großen Narrenpopanz Luther und einem Feldzug des reformatorischen Heeres mit seinem anschließenden Untergang [Aurn06].

 

 

Von abthuhung der Olgotzen

 

In Abwesenheit Luthers radikalisiert sich die Reformation in Wittenberg unter seinem Doktorvater Andreas Bodenstein von Karlstadt. Als Professor an der Leucorea und Archidiakon an der Kirche Allerheiligen mobilisiert er die proreformatorischen Kräfte in der Stadt. Studenten, Bürger, Frauen und Mädchen schließen sich der Bewegung an [Goer04]. Die Mönche des Augustinerklosters verlassen den Orden unter krawallartigem Tumult. Es kommt zu Ausschreitungen gegen die Geistlichen, die weiter dem Alten Glauben anhängen. Zum Weihnachtsfest 1521 feiert Karlstadt einen Gottesdienst in weltlicher Kleidung und dem Abendmahl unter beiderlei Gestalt, obgleich Kurfürst Friedrich die Beibehaltung der herkömmlichen Gottesdienstpraxis befohlen hatte. Schließlich ruft er in einer Schrift mit dem Titel Von abtuhung der Bylder zum Bildersturm auf:

 

i Das wir bilder in Kirchen vnd gots hewßern (Gotteshäusern) haben, ist vnrecht, vnd wider das erste gebot. Du solst nicht frombde gotter haben.

ii Das geschnitzte vnd gemalthe Olgotzen vff den altarien stehnd ist noch schadelicher vnd Tewffellischer.

iii Drumb ists gut, notlich, loblich, vnd gottlich, das wir sie abthun, vnd ire recht vnd vrteyl der schrifft geben [Köpf01].

 

 

Das Ende der Wittenberger Wirren

 

Als Luther von diesen bilderstürmischen Tendenzen hört, sieht er Zeichen des Untergangs seiner Reformation: Der Papst ist der Antichrist und die sich jetzt erhebenden gewalttätigen Schwarmgeister sind vom Teufel geschickt.

 

Gegen den Rat Kurfürst Friedrichs, der um die Sicherheit seines Doktors besorgt ist, kehrt Luther im März 1522 von der Wartburg nach Wittenberg zurück. Von dort aus richtet er einen Brief an alle Christen  Eyn trew vormanung Martini Luther tzu allen Christen, Sich tzu vorhuten fur auffruhr vnnd Emporung, Vuittemberg 1522 : Denn auffruhr hat keyn vornunfft, und gehet gemeynicklich mehr ubir die unschuldigen denn ubir die schuldigen. Darumb ist auch keyn auffruhr recht, wie rechte sac er ymer haben mag. Vnd folget alletzeyt mehr schadens den besserung dar auß. Damit erfullet wirt das sprich wort, Auß ubel wird ergers (Ärgeres). Der halben ist die ubirkeyt (Obrigkeit) vnnd das schwerd eyngesetzt tzu straffen die boßen (Bösen) vnnd tzu schutzen die frumen (Frommen) das auffruhr vorhuttet werde wie S. Paulus saget [Noth83].

 

 

Wenn ich wittenbergisch bier mit meynem Philipo und Amßdorff getruncken hab

 

In seiner Predigt zum 1. Fastensonntag (Invocavit) weist  Luther in aller Schärfe jede Gewaltanwendung von sich: Sine vi humana, sed verbo*. Er kann es nicht häufig genug wiederholen: Als er mit seinen Freunden geruhsam beim Bier saß, habe allein das Wort, sein Wort gewirkt: Summa summarum predigen will ichs, sagen will ichs, schreyben will ichs. Aber zwingen, dringen mit der gewalt will ich nyemants, dann der glaube will willig, ungenötigt angezogen werden. Nempt ein exempel von mir. Ich bin dem ablas und allen papisten entgegen gewesen, aber mit keyner gewalt, jch hab allein Gottes wort getrieben, geprediget und geschrieben, sonst hab ich nichts gethan. Das hat, wenn ich geschlafen han, wenn ich wittenbergisch bier mit meynem Philipo und Amßdorff getruncken hab, als(o) vil gethan, das das Bapstum also schwach geworden ist, das jm noch nye keyn Fürst noch Keyser so vil abgebrochen hat. Ich hab nichts gethan, das wort hatt es alles abgehandelt und außgericht. Wann ich hätt wöllen mit ungemach faren, ich wolt Teützsch lanndt in ein groß plut vergiessen gebracht haben, ja ich wolt woll zu Wurmbß (Worms) ein spil angericht haben, das der keyser nit sicher wer gewesen. Aber was were es? ein narren spil wer es gewesen. Ich hab nichts gemacht, ich hab das wort lassen hendeln [Ober03].

*Durch das Wort, nicht mit menschlicher Gewalt

 

Karlstadt wird aus Wittenberg ausgewiesen. Zwar ist auch Luther das Festhalten seines Dienstherren Friedrich an der katholischen Messfeier ein Dorn im Auge, doch treu seiner gewaltlosen Einstellung wirbt er um Unterstützung zu deren Abschaffung nur in seinen Predigten: Ich rede itzund mit Eurem Gewissen: Was geht uns der Kurfürst in solchen Sachen an, und warnt: Das nit der grewlich zorn Gottes wie ein glyeender bachoffen (glühender Backofen) sich über ewer hinlessigkeit erzürne unnd euch mit sampt den Abgoettischen pfaffen auffs grewlichst straf. Unter diesem Druck gibt Kurfürst Friedrich schließlich nach.

 

So zeigt sich Luther Ende 1522 ganz als Optimist. In seiner Predigt zum 2. Advent bejubelt er den geistigen und reformatorischen Aufbruch: Es bricht ein Licht hervor, und geht ein Tag auf, er sei wie er wolle, das mag nicht anders sein: Es ist vordem solcher Witz, Vernunft und Verstand in der Christenheit nicht gewesen in weltlichen und leiblichen Sachen [Dem00].

 

 

 

Um 1522, reformatorische Ideen auch in Freiburg

 

Auch in der nahen Schweiz und im Elsass gewinnt die Reformation rasch an Boden. Von den österreichischen Städten am Oberrheine blieben nach dem Vorbilde Freiburgs der katholischen Sache auch Breisach, Waldkirch und Endingen standhaft getreu, während Kenzingen, Neuenburg, Rheinfelden und Waldshut treulos abgefallen [Bade82].

 

Die Universität hatte seit Jahren einen geistigen Kampf für kirchliche Verbesserungen geführt und so begrüßt so mancher in Freiburg die klaren Worte Luthers. Professor Engelbrecht, der in Wittenberg seinen Magister erworben hatte, sieht in dem Reformator den größten Apostel unsrer Tage und heftet ans Universitätsgebäude einen Zettel mit folgendem Knittelvers als Aufforderung an die Studenten: Lutherum ut redimas, Hembd, Schuh, Buch, omnia vendas* [Baum07]. In Freiburg stehen nicht nur Engentius, sondern auch andere Professoren der Universität, ein Teil des Freiburger Adels und sogar der Stadtpfarrer am Münster den gemäßigten lutherischen Ideen aufgeschlossen gegenüber.

*Daß Luthers Schriften kannst gewinnen Du, Verkaufe alles: Bücher, Hemden, Schuh.

 

 

Als wenn es von einem Engel käme

 

Huldrichus Zasius beobachtet ganz richtig: Je mehr man Luthers Lehre einschränkt, desto mehr breitet sie sich aus und liest des Reformators Schriften: Was von Luther an mich gelangt, das nehme ich auf, als wenn es von einem Engel käme [Rank20]. An Erasmus schreibt er: Über Luthers Lehre zu urteilen, ist nicht meine Sache. Doch gefällt mir manches sehr gut, manches wieder nicht. Auch habe ich die Bemerkung immer gemacht, dass jede Lehre, wenn sie nicht von Gott kommt, zu Grunde geht, aber fortdauert, wenn sie vom heiligen Geist geleitet ist [Neff88].

 

Wie Luther geißelt auch Zasius: Der Klerus ist verderbter als jemals; je mehr Priester, desto weniger Frömmigkeit. Bei uns steht die Frömmigkeit im umgekehrten Verhältniß zu der vergrößerten Zahl der Priester. Auch sonst eifert er dem Reformator nach, denn er liebt gut Essen und Trinken in angeregter Tischgesellschaft. In vorgerückter Stunde wurden seine Scherze wohl etwas gepfefferter. Aber dann zog seine Hausfrau das ehrsame und treffliche Weib, wie er selber erzählt, des Erasmus‘ Büchlein über Gebrauch und Mißbrauch der Sprache hervor und stopfte mir den Mund [Baum07].

 

Mit den Angriffen des Reformators gegen das Papsttum ist Zasius allerdings nicht einverstanden. Er schreibt 1520 dem Phönix unter den Theologen, einen Brief, in dem er zur Mäßigung und Wahrung des Friedens aufruft:

 

Wenn ich Dir, Martinus, der Theologen Phönix, meine volle Zuneigung kundzutun fortfahre, (darf ich doch mit Umgehung des offiziellen Briefstils etwas zartfühlender schreiben) so ist mein Alles, ich sage nicht auf Dich gerichtet, nein, für Dich Feuer und Flamme, sowahr ich die Sarder käufliche Seelen nenne*: habe ich doch von Dir gelernt, daß alles Gute (was in mir ist, wenn es auch noch so wenig sei) ganz und gar auf die Gnade Gottes zurückgeführt werden muß. Die Bedeutung der Ablässe, welche seit dreihundert und noch mehr Jahren niemand angegriffen, hast Du mir so deutlich erklärt, daß ich nicht allein, sondern die strengsten Anhänger Roms zugestehen müssen, von Dir eines bessern belehrt zu sein. Was ist in den Schriften wohl wahrer oder sicherer begründet als die Wahrheit der Buße, der Beicht oder der Zehn Gebote? Von weniger wichtigem will ich schweigen. Die Auslegung des Galaterbriefes wird den Zeitgenossen und den Gelehrten der Zukunft dienlich sein. Darin hast Du die dunkelsten Stellen in lichte Helle gesetzt, daß wir nicht durch Werke des Gesetzes, sondern nur durch den Glauben gerecht werden, und vieles andere dieser Art; herrliche Lehren, die man selten hört. Mit einem Worte sage ich, Du bist der einzige, der ein gelehrter und vernünftiger Theologe genannt zu werden verdient ... Ich für meine Person möchte lieber so arm sein wie eine Kirchenmaus, als Deine herrlichen Schriften nicht kennen.

* Eine bei den Römern nicht seltene Redensart

 

Doch ist es nicht Dein Name, dessen Du Dich rühmst, sondern Gott, (denn so lehrst Du selbst) der durch Dich unser Heil wirkt. Doch ich fürchte - wenn Du es mir nicht übel aufnimmst - daß man bei Dir manches vermißt. Bei dem Siegesjubel über Eck (den Du, wie es scheint, vernichtet hast) setztest Du nach dem Urteile mancher die Autorität des apost. Stuhles allzusehr herab. Mir selbst ist die Streifrage zu wenig klar, dessentwegen stimme ich weder für, noch wider, doch finde auch ich einiges, was mir nicht wenig zu denken giebt. Das Zeugnis so vieler Menschenalter, welche dem Bischof von Rom diese Machtstellung zugesprochen, und so vieler hl. Männer zunichte zu machen, ist, wenn es nicht mit den schlagendsten Beweisen geschieht, gefährlich und in unserem Rechte würde dieses Argument unwiderleglich sein - wenn es für Dich Geltung hätte. Denn wir halten es für Unrecht, das stürzen zu wollen, was seit unvordenklichen Zeiten als Recht gegolten hat (Filbinger lässt grüßen). Doch hege ich darüber nur einen Zweifel und spreche keine Behauptung aus, bis ich Deine Aufklärung darüber erhalte. Wenn es Dir recht ist, würdige Deinen Hörer einer Belehrung oder schreibe auch nur einige Zeilen, damit ich weiß, daß ich Dich mit meinen Narrheiten nicht beleidigt, der ich doch sonst alle Deine Worte wie ein Orakel aufnehme und mich an ihnen erbaue. Lebe wohl. Mehr zu schreiben, hindert mich mein Bote, der zur Abreise drängt und behauptet, er könne nicht mehr länger warten. Doch mehr zu anderer Zeit ...

 

Mein liebster Martinus Martinus; zürne mir nicht, in aufrichtigster und reinster Liebe schreib ich an Dich, besorgend, es möchte Deine herrliche Lehre durch diesen gehässigen und fremdartigen Streit, den Du wohl doch nicht zu Ende führen kannst, verunstaltet werden ... Freiburg, am 1. Septbr. 1520 [Neff88].

 

 

 Die griechische Sprache, Mutter aller Ketzereien

 

Die positive Einstellung zur Reformation in Freiburg musste sich ändern, als der jugendlichen Kaiser Karl V. zu Worms (26. Mai 1521) die Reichsacht über Luther und dessen Anhänger aussprach, und dieselben niederzuwerfen, ihm zu überliefern, so wie deren Schriften zu verbrennen und aus der Menschen Gedächtniß zu vertilgen befahl [Schr59]. Der Stadtrat argwöhnt, dass die Universität die kaiserlichen Maßnahmen nur halbherzig umsetzt. Verleumdungen gegenüber griechisch Unterrichtenden, gipfeln in der Predigt eines Mönchs mit einer Spitze gegen Erasmus‘ Arbeiten zum Neuen Testament: Man möge sich vor der neu erfundenen Sprache, welche die griechische heiße, wohl hüten; denn diese sei die Mutter aller Ketzereien. Zugleich befinde sich jetzt ein Buch dieser Sprache, welches das Neue Testament heiße, in vielen Händen; dieses sei voll Dornen und Schlangen. Auch eine andere Sprache, die hebräische, bringe man in Umlauf; wer diese lerne, werde ein Jude [Schr59]. Erasmus ist gezeichnet, wenn er sich 1524 rechtfertigt: In Rom machen mich gewisse Leute zum Lutheraner, in Deutschland bin ich der strammste Antilutheraner [Salt09].  

 

Mit dem Wormser Edikt beginnt Zasius, seine Einstellung zu Luther zu ändern:  Luther bewirkt durch einige unvernünftige Lehren, daß ich die Klugheit, die Schriften, die Ansichten und Urteile des Erasmus hoch und heilig achte ... Gott möge ... uns den Erasmus erhalten, der mir nächst den Himmlischen ein wahrer Heilsbote ist. Beiden spende ich Beifall, doch Erasmus ziehe ich vor. Doch der so geehrte Gelehrte fühlt sich mehr und mehr missverstanden, so dass er 1524 klagt: In Rom machen mich gewisse Leute zum Lutheraner, in Deutschland bin ich der strammste Antilutheraner [Salt09]

 

 

 

 

 

Hans Sachs

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Das Jhesus Christus eyn geborner Jude sey

 

 

 

 

 

Von den Jüden un jren Lügen 

Die Wittembergisch Nachtigall

 

Dafür bekennt sich  Der Nürnberger Schuh-, Macher und Poet dazu Hans Sachs zu  Luther, der wider viel irrthumb vnd missbreüchen des gaystlichen regiments und das haylig Evangelium das wort Gottes widrrumb klar unvermischt an den tag gegeben hat [Anne15]. Sachs hatte des Reformators Botschaft gut verstanden und wettert gegen die Riten der alten Kirche zur Gnadenauffassung:  

 

Mit wachen, fasten langen bet,
mit gerten-hauen, creutzweis-ligen
mit knien, neygen, bucken, biegen
mit reuchern und mit glocken-taufen
 mit lampen-schüren, gnad-verkaufen,
mit kirchen-, wachs-, saltz, wasser-weyen
[Anne15].

 

 In seinem Gedicht  Die Wittembergisch Nachtigall veranschaulicht Sachs seinen Lesern die reine Lehre Luthers in einer Tierallegorie: Die Nachtigall (Luther) begrüßt den aufbrechenden Tag (die reine Lehre des Evangeliums). Die Schafe (die Gläubigen) von Schlangen (dem Klerus) ausgesaugt irren in der Wüste, doch einige in der Ferne haben bereits zum Lamm Gottes gefunden. Die Tiere unter dem Baum möchten der singenden Nachtigall ans Gefieder. Allen voran der König der Tiere der Löwe (Papst Leo X., der Luther gebannt hatte), das Wildschwein (Johannes Eck, die Ecksau), die Katze (Johannes Murner aus Freiburg), der Bock (Hieronymus Emser, der in einer neuen katholischen deutschen Bibelübersetzung Luther Irrtümer vorwirft) und weitere böse "Tiere".

 

Wacht auff, es nahent gen dem Tag, ich hör singen im grünen Hag, ein wunnigkliche Nachtigall ...
Die Wittembergisch Nachtigall
Die man yetz höret uberall.
Ich sage ewch, wo dise sweygen,
so werden den die Steyne reden.

 

Und doch ist die Reformation kein Selbstläufer. Luther findet 1524 in Eramus von Rotterdam einen mehr als ebenbürtigen Kritiker seiner Religionsauffassung, der in seinem Traktat De libero arbitrio* die Lehre von der Gnade Gottes als einzige Voraussetzung für das Seelenheil anzweifelt. Der gescholtene Luther antwortet mit seiner Schrift von De servo arbitrio* [Salt09].

*Über den freien und den versklavten Willen

 

 

Die Juden sind von dem geblutt Christi

 

Luther sucht derweil nach neuen Anhängern und möchte u. a. die Juden auf seine Seite ziehen. Zunächst erinnert Luther die Christenheit an das auserwählte Volk: Die Juden sind von dem geblutt Christi, sind blut freund, vettern und bruder unsers hern, sind die größte Rasse der Erde. Durch sie hat der heilige Geist der Welt alle Bücher der heiligen Schrift offenbart. Sie sind die Kinder, wir nur Gäste und Fremde. In Wahrheit sollten wir wie die Frau aus Kanaa glücklich sein, wie Hunde sein zu dürfen, die die herabfallenden Krumen vom Tische ihrer Herren fressen.

 

Dass es im Mittelalter in der alten Kirche immer wieder zu religiös motivierten Pogromen gegen die Juden gekommen war, darauf weist Luther 1523 auf seine derbe Art in der Schrift: Das Jhesus Christus eyn geborner Jude sey hin: Denn unsere narren die Bepste, Bischoff, Sophisten und Munche, die groben esels kopffe, haben bis her also mit den Juden gefaren, das wer eyn gutter Christ were geweßen, hette wol mocht eyn Jude werden. Und wenn ich eyn Jude gewesen wäre und hette solche tolpell und knebel gesehen, [die] den Christen glauben regirn und leren, so were ich ehe eyn saw geworden denn eyn Christen [Desc04]. Die haben an den Juden gehandelt als weren es hunde und nicht menschen, haben nichts mehr kund thun denn sie schelten und yhr gutt nehmen ... Ich hoff, wenn man mit den Juden freuntlich handelt und aus den heyligen schrifft seuberlich unterweyßet, es sollten yhr viel rechte Christen werden und widder tzu yhrer vetter, der Propheten und Patriarchen glauben tretten [Desc04]. Luther hat hohe Erwartungen und endet seine Schrift mit: bis ich sehe, was ich gewirkt habe [Rösc14].

Doch seine Hoffnung einer Judenbekehrung erfüllt sich nicht,  wie Luther sich in späteren Jahren eingestehen muss, und so schreibt er 1543 voller Zorn den Artikel Von den Jüden un jren Lügen und fragt: Was wollen wir Christen nu thun mit diesem verworffnen, verdampften Volck der Juden? Zu leiden ists uns nicht, nachdem sie bey uns sind, und wir solch liegen, lestern und fluchen von jnen wissen … So können wir des unleschliche feuer Göttlichs zorns nicht leschen, noch die Juden bekeren. Wir müssen mit gebet und Gottes furcht eine scharfe barmhertzigkeit uben.

 

Zeitgenössisches Judenbild: Bezal odder gib czinß. Ich heyß Rabin und begere alle tzeyt gewinn (©BZ)

 

Zu dieser scharfen Barmherzigkeit gehöre, so fährt Luther fort, jre Synagoga oder Schule mit feur anstecke und was nicht verbrennen will, mit erden uber heuffe und beschütte, das kein Mensch ein stein oder schlacke davon sehe ewiglich, yre Heuser des gleichen zerbreche und zerstöre, damit man mag sie unter ein Dach oder Stal thun, wie die Zigeuner auff das sie wissen, sie seien nicht Herrn in unserm Lande, wo sie rhümen, sondern in Elend und gefangen. Außerdem solle man ihnen ihre heiligen Bücher wegnehmen, ihre Lehrer zum Schweigen bringen, ihnen verbieten, zu reisen oder Handel zu treiben, und ihren Besitz einziehen, denn alles was sie haben haben sie uns gestolen und geraubt durch jren Wucher [Crai82].

 

Wenige Tage vor seinem Tod spricht Luther sein letztes Wort in der Judenfrage: Bekehren sie sich nicht, so sollen wir sie auch bei uns nicht dulden noch leiden. Der Reformator ein Antisemit?

 

 Adolf Hitler meint 1924: Luther war ein großer Mann, ein Riese. Mit einem Ruck durchbrach er die Dämmerung; sah den Juden, wie wir ihn erst heute zu sehen beginnen [Ecka24], so dass Karl Jaspers im Deutschen Bundestag feststellte: Was Hitler getan, hat Luther geraten, mit Ausnahme der direkten Tötung durch Gaskammern [Desc04].

 

 

Der deutscheste Mann unserer Geschichte

 

Heine erklärt in seiner Schrift Zur Geschichte, der Religion und Philosophie in Deutschland den Bewohnern seines Gastlandes [Hein34]: Wie von der Reformation, so hat man auch von ihrem Helden sehr falsche Begriffe in Frankreich. Die nächste Ursache dieses Nichtbegreifens liegt wohl darin, daß Luther nicht bloß der größte, sondern auch der deutscheste Mann unserer Geschichte ist; daß in seinem Charakter alle Tugenden und Fehler der Deutschen aufs Großartigste vereinigt sind; daß er auch persönlich das wunderbare Deutschland repräsentiert.

 

Dann hatte er auch Eigenschaften, die wir selten vereinigt finden, und die wir gewöhnlich sogar als feindliche Gegensätze antreffen. Er war zugleich ein träumerischer Mystiker und ein praktischer Mann der Tat. Seine Gedanken hatten nicht bloß Flügel, sondern auch Hände; er sprach und handelte. Er war nicht bloß die Zunge, sondern auch das Schwert seiner Zeit. Auch war er zugleich ein kalter scholastischer Wortklauber und ein begeisterter, gottberauschter Prophet. Wenn er des Tags über mit seinen dogmatischen Distinktionen sich mühsam abgearbeitet, dann griff er des Abends zu seiner Flöte, und betrachtete die Sterne und zerfloß in Melodie und Andacht. Derselbe Mann, der wie ein Fischweib schimpfen konnte, er konnte auch weich sein, wie eine zarte Jungfrau. Er war manchmal wild wie der Sturm, der die Eiche entwurzelt, und dann war er wieder sanft wie der Zephyr, der mit Veilchen kost. Er war voll der schauerlichsten Gottesfurcht, voll Aufopfrung zu Ehren des heiligen Geistes, er konnte sich ganz versenken ins reine Geisttum; und dennoch kannte er sehr gut die Herrlichkeiten dieser Erde, und wußte sie zu schätzen, und aus seinem Munde erblühte der famose Wahlspruch: Wer nicht liebt Wein, Weiber und Gesang, der bleibt ein Narr sein lebenlang.

 

Er war ein kompletter Mensch, ich möchte sagen ein absoluter Mensch, in welchem Geist und Materie nicht getrennt sind. Ihn einen Spiritualisten nennen, wäre daher eben so irrig, als nennte man ihn einen Sensualisten. Wie soll ich sagen, er hatte etwas Ursprüngliches, Unbegreifliches, Mirakulöses, wie wir es bei allen providentiellen Männern finden, etwas schauerlich Naives, etwas tölpelhaft Kluges, etwas erhaben Borniertes, etwas unbezwingbar Dämonisches...

 

In seinen Streitschriften [im Gegensatz zu seiner Bibelübersetzung] überläßt er sich einer plebejischen Rohheit, die oft ebenso widerwärtig wie grandios ist...  Durch diesen barocken Felsenstil erscheint uns der kühne Mönch manchmal wie ein religiöser Danton, ein Prediger des Berges, der, von der Höhe desselben, die bunten Wortblöcke hinabschmettert auf die Häupter seiner Gegner.

 

 Die Feinheit des Erasmus und die Milde des Melanchthon hätten uns nimmer so weit gebracht wie manchmal die göttliche Brutalität des Bruder Martin. Ja, der Irrtum in Betreff des Beginnes, wie ich ihn oben angedeutet, hat die kostbarsten Früchte getragen, Früchte, woran sich die ganze Menschheit erquickt. Von dem Reichstage an, wo Luther die Autorität des Pabstes leugnet und öffentlich erklärt: "daß man seine Lehre durch die Aussprüche der Bibel selbst oder durch vernünftige Gründe widerlegen müsse!" da beginnt ein neues Zeitalter in Deutschland [Hein34].

 

 

Dem Kaiser ist Gehorsam zu leisten

 

Als die Freiburger Universität schließlich das Wormser Edikt befolgt, hatte sich Zasius bereits voll von Luther abgewandt. Im Namen des Senats hält er an die Studenten aus dem Stegreif eine Rede gegen den Reformator, den Urheber der verderblichen Sekte [Neff88].  Ganz Rechtswissenschaftler und als guter deutscher Bürger stellt er fest: dem Kaiser ist Gehorsam zu leisten [Haum01].

 

In Freiburg waren schon 1521 daselbst ganz unerwartet so viele sectische Bücher in die Häuser der Bürger und Einwohner gelegt worden, daß diese heimliche Einschleichung der Oberichkeit nicht länger unbekannt bleiben konnte. Da Luther zu Freiburg immer noch Anhänger fand und der dortige Pfarrer selbst sich offenbar zu dessen Neuerung bekannte, so eilte der Dominicaner Mathä Landwehrling auf den Rathshof und hielt daselbst eine so eindringliche Rede, daß der Magistrat sogleich befahl, alle Häuser nach lutherischen Schriften zu durchsuchen [Bade82].

 

So geschah es, daß der Stadtrath auch daselbst eine Hausdurchsuchung anordnete und gegen zweitausend Bücher (theilweise oder vollständige Uebersetzungen der heiligen Schriften, Predigten, Erbauungsbücher u.s.w) auf dem Münsterplatz durch den Scharfrichter verbrennen ließ [Schr57], da Luthers Lehre die ungebildeten Leute zum Bundschuh und Aufruhr verleite [Heim20].

 

Der Konstanzer Bischof Hugo von Hohenlandenberg verbietet in einem Hirtenbrief seinen Schäfchen die Teilnahme an allen frevelhaften Neuerungsversuchen. Angewidert vom unchristlichen Treiben der geistlichen Hirten und deshalb empört ob soviel Misstrauen in den wahren Glauben seiner Bürger, lässt der Freiburger Rat 1522 unter dem an die Kirchentür des Münsters angeschlagenen Hirtenbrief folgende Antwort heften:

 

Hugo, wie bist du gar ein Kind,
Du willst uns machen sehend blind;
Steh still mit deinen falschen Listen,
Wir wollen bleiben gut' fromm' Christen.
Wo mag es dir nur herkommen,
Daß du uns von Freiburg die Frommen
Ermanest mit deinem Schreiben,
Wir sollen gut' Christen bleiben?
Wir mögen wohl die List verstuhn,
Es ist um die Kuchin (Küche) zu thun;
Die will den Pfaffen zu schmal werden,
Das schicket Gott auf diese Erden.
Nimm du dich deiner Pfaffen an,
Du darfst kein Sorg für uns han.
Wenn wir nicht bessre Christen wären,
Als uns deine Pfaffen lehren;
Der Teufel hätt' und längst schon hin,
Wären wir nicht so gute Christen gesin.
Aber das wissen wir fast (sehr) wohl,
Deine Pfaffen sind alles Geizes voll.
Thue gemach einher da traben,
Und wisse, daß wir auch haben
Mit dem Luther nichts zu schaffen
Auch mit Mönchen und mit Pfaffen.
Der Teufel führ sie alle hin;
Wir wendt doch gute Christen sin.
[Schr57].

 

 

Der Landesherr besucht Freiburg

 

Auf seinem Weg zum Landtag in Breisach besucht Erzherzog Ferdinand am 13. Mai 1524 Freiburg. Standesgemäß bezieht er die Fürstenwohnung im Predigerkloster. Nach alter Sitte verehrte ihm die Stadt an Geld 270 Gulden, zwei Fuder Wein, dreißig Mutt Hafer und für 17 Gulden Fische [Schr57]. Diese Einmalzahlung steckt Ferdinand gern ein, doch sein Sinn geht nach mehr. Er hatte den Landtag einberufen, nicht etwa um seinen Unterthanen seinen gnädigen Willen in ihrem Beisein zu bezeigen, sondern um zur eifrigen Verfolgung der Irrlehre zu mahnen und vor allem, um eine landesständige Geldbewilligung durchzusetzen [Bad82]. Wohl um Ferdinand davon abzulenken, kamen nun auch diese kirchlichen Wirren zur Sprache, wobei über die abgefallenen Städte sehr bittere Urtheile fielen. Die Abgeordneten von Freiburg ließen sich besonders laut vernehmen: Luthers Lehre verleitet den gemeinen Mann zu Ketzerei, zum Bundschuh und Aufruhre. Daher wird Freiburg seine sectierischen Priester und Laien strenge bestrafen und auch alle Einwohner der Stadt zur Verantwortung ziehen, welche auswärtige Sectierer behausen, selbige mögen sein, wer sie wollen [Bade82].

 

Der Erzherzog aber möchte zurück zum Thema Geld. Deshalb beschwichtigt er die Ständevertretung und weist stattdessen die Freiburger Universität an, keine Studenten mehr aufzunehmen, die Wittenberg oder Leipzig besucht hätten. Ferner fordert er mit Brief vom 4. Juli aus Regensburg die Aufstellung und Bekämpfung der kirchlichen Lehrsätze der Neuerer. Zeitliche Gnade des Fürsten bei jeder Gelegenheit und ewige Belohnung von Gott sollen ihr - der Freiburger Universität – dafür zu Theil werden [Schr59]. Abgabetermin ist die anstehende Dieta in Speyer im November 1524, die dem geplanten Konzil in Deutschland Vorarbeit leisten und bestimmen soll, was künftig gepredigt und gedruckt werden darf [Kreb20]. Da machen es sich die Freiburger bequem und schreiben im ersten Teil ihres Gutachtens aus der Bannbulle Exsurge domine vom Juni 1520 und aus dem ausführlichen Gutachten der Pariser Universität: Determinatio super doctrina Lutheri hactenus revisa vom April 1521 ab.

 

 

 

Die Reformation

 

 

Zurück zu Maximilian I.

 

 

 

 

Daß künftig die heilige Schrift
 nur in ihrem ächten Sinn dem Christenvolk ausgelegt werde

 

Dagegen liest sich der zweite Teil des von Georg Wägelin verfassten Gutachtens recht reformatorisch, wenn die Universität zunächst verlangt, daß künftig die heilige Schrift nur in ihrem ächten Sinn dem Christenvolk ausgelegt und dabei alles Andre, bis auf Ammenmärchen und Träumereien beseitigt werde. Keiner sollte sich mehr unterfangen dürfen, eigne Meinungen dem Evangelium zu unterschieben.  

 

Die Ablässe sollten vermindert und Stationirer und Terminirer* nicht so leichthin geduldet werden; da sie häufig nur Wunder, Zeichen und Krankenheilungen, welche sie selbst erdichtet haben, ausposaunen und den Leuten unverschämt Märchen aufbinden.

*Die Stationirer durchziehen jeden Ort mit den Reliquien irgend eines Heiligen, welche Wunder thun und besonders Krankheiten heilen sollen; ja es ist wohl nicht leicht eine Krankheit, gegen welche die Stationirer nicht einen Heiligen hätten. Sie treiben den Unfug so weit, daß sie den Armen und Einfältigen, so zu sagen, das Blut und Mark aussaugen und dafür mit ihren Kindern in Schwelgerei und Wollust, noch schlimmer als die Sybariten (Sybaris ist eine Stadt in Lucanien, deren Bewohner als höchst wollüstig galten) leben. Das Amt eines Stationirers möchte daher fernerhin nicht mehr geduldet sein. Nicht weniger werden die Laien, besonders die Armen, von Religiösen hart bedrängt. Die Terminirer durchstreichen Stadt und Land; zu diesen Landstreichereien hat sie nicht das Bedürfniß, sondern der unersättliche Geiz hingeführt. Sie nehmen Alles an sich und daher kommt es, daß oft die Bewohner des Landes darben müssen, weil sie das hingegeben haben, was sie mit der größten Anstrengung erst erworben und wovon sie mit ihren Familien anständig gelebt hatten. Aus den Gravamina des Reichstag zu Nürnberg 1522/23 [Neud35].

 

Die bischöflichen Ordinariate sollten bei ihren Amtshandlungen (Bestätigungen, Vollmachten und dergleichen) strenger sein; Dispensen auf ein rechtliches und vernünftiges Maß zurückgeführt, so wie Fälle nur aus den höchsten und dringendsten Gründen vorbehalten und alle Absolutionen unentgeldlich ertheilt werden.  

 

Kirchliche Censuren sollten nur als geistliche Arznei (spiritualis quaedem medicina) behandelt und das Joch Christi erleichtert werden. Denn gegenwärtig werde die Kirche durch so viel Menschensatzungen, Dienste und Lasten gedrückt, daß der ehemalige Zustand der Juden erträglicher dagegen erscheine, obgleich sie die Zeit der Freiheit noch nicht gekannt hätten. Demnach sollte bei Satzungen und Dispensen mehr das Seelenheil als der Gewinn beachtet werden; denn manche der Ersteren untersagten als böse und unerlaubt, was auf Bezahlung sofort gut und erlaubt werde. Das einzige Böse, wofür es keine Dispens gebe, sei mitunter nichts Anderes als kein Geld haben.  

 

Interdicte sollten nicht wegen eines einzigen Schuldigen über ganze Gemeinden verhängt, auch sollte geistliche und weltliche Gerichtsbarkeit auseinander gehalten werden.  

 

Exemtionen von der Gerichtsbarkeit der Ordinariate sollten vermieden werden; denn nicht nur zerfalle solche dadurch, sondern auch die Leichtigkeit zu sündigen wachse um so mehr, wenn Niemand strafe als der Papst. Auch alle Arten von Simonie, namentlich die großen Anfoderungen*, welche bei manchen bischöflichen Offizialen für Weihen von Priestern und Kirchen, für Ehesachen und Anderes, — so wie für Taxen, Schreib- und Siegelgebühr, — üblich sind, wären zu beseitigen.  

*Kein Druckfehler. Auch Schiller schreibt fodern statt fordern

 

Die Curtisanen (wie man sie nennt)* ohne Studien und Kenntnisse, beeinträchtigen nicht selten gelehrte und redliche Männer durch allerlei ausgesuchte Ränke in Stellen, deren solche für ihren Lebensunterhalt bedürfen …

*Hier wohl Männer, die ohne das nötige Wissen durch Beziehungen gut dotierte Stellen etwa in Domkapiteln bekleiden  

 

Von einer umsichtigen und kräftigen Handhabung dieser von ihr beantragten Punkte glaubt die Universität eine neue, Allen wohlgefällige Gestaltung der Kirche Christi erwarten zu dürfen [Schr59].

 

 

Dogmatische Sätze, häufig nur angedeutet, wechseln mit bloßen Schimpfreden ab

 

Das Gutachten wird am 12. Oktober 1524 an Erzherzog Ferdinand geschickt, doch ist in Speyer davon nicht die Rede. Nun waren die Professoren der Universität besonders überrascht, als Ferdinand als König von Böhmen in einem Brief aus Budweis vom 12. Januar 1530 dieses Gutachtens mit keinem Wort erwähnte und sein neues Ansinnen lediglich auf einen gemeinen Auszug aus Luthers und andrer neuen Sectirer Bücher stellte, welcher mit Angabe der Bücher und Jahre in lateinischer oder deutscher Sprache, wie es beliebe, bis nächsten ersten März einzuliefern sei.   Dieser gnädigste Befehl setzte die Universität in nicht geringe Verlegenheit, weniger wegen der Kürze der Zeit, als wegen des Mangels der nöthigen Schriften. Alle Behörden hatten nämlich in Folge der strengsten landesherrlichen Mandate seither nicht nur darüber gewacht, daß keine Schriften der Neuerer nach Freiburg gebracht, sondern daß auch die daselbst vorgefundenen eingeliefert und verbrannt wurden … Dadurch war nun der Universität wenigstens ein großer Theil des Materials, dessen sie zu der von ihr verlangten Arbeit bedurfte, aus der Hand gerückt, und sie konnte nicht umhin, dieses in der Vorlage und zur Entschuldigung derselben (20. Febr. 1530) herauszuheben. Sie klagt wörtlich darüber, daß sie die ihr nöthigen Bücher theils vom Stadtrath zu Freiburg, (der einige zum Andenken in dem Archiv niedergelegt hatte), theils anderswo zusammengebettelt und solche zu möglichster Beschleunigung alsbald unter ihre Theologen und Canonisten vertheilt habe. Sie hätte, versichert sie, allerdings weit mehr Artikel und Irrthümer der Neuerer, aus den päpstlichen Bullen und den verdammenden Gutachten von Paris, Cöln und Löwen aufbringen können; diese Schriften seien aber bekannt und Wiederholungen daraus dürften mehr anekeln als befriedigen. Das möchte freilich auch mit ihrer eignen Zusammenstellung der Fall sein; sie habe jedoch damit nichts weiter gewollt, als einem so hohen Befehl Folge leisten.  

 

Wirklich verräth auch die Arbeit der Universität sowohl die größte Eile, als den Mangel einer Redaction. Man nahm die Auszüge, wie man solche von den verschiednen Professoren erhielt, und stoppelte sie ohne innere Ordnung, bloß nach den Namen der Autoren zusammen. Das Meiste sind bekannte Stellen aus Luthers Schriften, nur Weniges ist aus Melanchthon, Hutten, Hubmaier u. A. eingerückt. Dogmatische Sätze, häufig nur angedeutet, wechseln mit bloßen Schimpfreden ab; was zufällig denjenigen ansprach, der den Auszug besorgte. Wen wundert es: Die Universität wurde für ähnliche Arbeiten nicht weiter in Anspruch genommen [Schr59].  

 

 

Dass wir das heilig Ewangelium trewlich verkinden lassen

 

Während linksrheinisch und vor allem in Straßburg die Reformation weiter fortschreitet, gibt sich der Stadtrat katholischer als die Universität. Gegen die Angriffe von jenseits des Rheins rechtfertigen sich die Herren fest im althergebrachten Glauben mit starken Worten gegen hussitische Einflüsse und aufrührerische Gedanken in Luthers Lehre:  Als ob wir das Ewangelium verhindern, unsere Burger unnd den gemein Man unbillich thurnen (gefangensetzen) und sy sunst in ander Weg besweren söllen ... dass wir das heilig Ewangelium trewlich verkinden lassen ... und nyendert gehindert, anders das dann wir die Satzung der heiligen cristenlichen Kirchen, so byßhar vil hundert Jar gehalten sind worden, nit abthun, noch ouch dem Ewangelio den verdampten hussischen Glouben inmyschlen lassen und Reytzung der Underthonen gegen Obern nach Meynung der lutteryschen Sect gestatten wöllen [Haum01].

 

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