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Sigillum Civium Friburgensium Brisgaudia
Wappen der Grafen von Freiburg am
Egon I. Graf von Freiburg.
Urkunde Graf Konrads über die Befreiung des Predigerklosters vom Hofstättenzins |
Freiburgs Geschichte in Zitaten |
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Die Grafen von Freiburg und
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Die Grafen von Freiburg
Nach dem Aussterben der Zähringer 1218 tritt Egino IV. von Urach (1180-1230), verheiratet mit der Erbtochter Bertolds V. (1186-1218) Agnes, den linksrheinischen Teil des Erbes an, während die zähringischen Besitzungen in der Schweiz und Burgund an seinen Schwager Ulrich von Kyburg fallen.
Linksrheinisch möchten die Habsburger Territorialansprüche durchsetzen. Jedoch weil etliche Stätte und Lande in solche verenderung nit willigen wollten, also wurden von Kayser Friderich II (1220-1250) wegen vieler Kriege im Elsaß ein Reichsvogt verordnet, die Reichsvogtey Hagenaw ufgerichtet und die zehen Stätte Mühlhausen, Colmar, Schlettstadt, Kaysersperg, Münster in S. Gregorienthal, Ober=Ehenheimb, Rosenheimb, Tückheimb, Hagenaw, Weissenburg und Landaw in seinen schutz ubergeben* [Bade61]. *Ober-Ehin-Heim (Heim an der Ehin) ist der ursprüngliche Name von Obernai. In der obigen Aufzählung sind es elf Städte. Landau in der Pfalz kam erst im Jahre 1521 in den später Dekapolis genannten Städtebund, nachdem sich Mühlhausen 1515 zwar auf ewig der Eidgenossenschaft angeschlossen hatte, dann aber nur bis 1798 schweizerisch bleibt.
Auch sonst versucht der Stauferkönig mit dem Zähringer Erbe,
Reichsgut wiederherzustellen und seine Macht zu vergrößern. Er schmälert
die Uracher Erbansprüche ganz bewusst im Sinne von
divide et impera,
indem er die Reichslehen der Zähringer
einzieht.
Weiterbau am Kirchenschiff 1256 anfänglich
Auch Freiburg? Einig mit seinem Sohn Egino dem Jüngeren (Egino V. von Urach, 1230-1236) Mitregent mit dem Titel Herr der Veste Freiburg lässt Egino sich dies nicht gefallen. Es kam zum Kampfe zwischen dem König und Egino, worin es sich namentlich auch um die Stadt Freiburg handelte. Doch kam es bald zum Vergleich, in Folge dessen der König dem Grafen die während des Krieges in's Reichsgebiet ausgewanderten gräflichen Unterthanen zurückgibt — ebenso den von den Herzogen von Teck beanspruchten zähringischen Erbtheil. Die Reichslehen gibt ihm der König als solche [Hans67]. König Friedrich muss einlenken, weil er das Wohlwollen Konrads des Kardinalbischofs von Porto und Bruder Eginos V. in seinen Querelen mit dem Papst benötigt. Einzig der zähringische Herzogtitel fällt nicht an die Grafen von Urach und so nennt sich Egino V. nach dem Tode seines Vaters im Jahre 1230 Egino I. (1230-1236) Graf von Freiburg.
Vorläufer einer Freiburger Verfassung: Der Stadtrodel von 1218
Der Herrschaftswechsel macht die Bürger misstrauisch, und so schreiben sie vorsichtshalber die ihnen unter den Zähringern gewährten Rechte in einer Verfassungsurkunde auf, dem Stadtrodel* von 1218. Unter anderem ist darin das Bürgerrecht an einen Grundbesitz innerhalb der Stadtmauern gebunden. Nach dem ursprünglichen Marktrecht von 1120 bilden 24 Kaufleute den Rat der Stadt und kein Ritter darf Wohnsitz in der Stadt nehmen. Doch dieses Verbot wird bereits im 12. Jahrhundert aufgehoben, und so sitzen bald im Stadtrat nur Vertreter der edlen Freiburger Geschlechter, die zudem das Amt auf Lebenszeit bekleiden. Die herrschende Oligarchie sichert sich ihre Macht durch Erbfolge. *Rodeln sind zusammengenähte Pergamentrollen
Die Ritter sind von Abgaben an den Grafen ausgenommen und haben als mercatores personati auch Vorrechte auf die in der Nähe des Münsters stehenden Verkaufsbänke (Stände) [Albe20a]. Nicht der Graf bestimmt die Geschicke der Stadt, sondern die adeligen 24 Rathmannen mögen über Wein, Brot Fleisch und anderes Satzungen machen, je nachdem es ihnen dünket, der Stadt nützlich zu sein. Und welche hierauf schwören und es etwa nicht halten, die haben die Ehre verloren, und ihre Güter werden ausgerufen werden. Die Vierundzwanziger wählen auch den Schultheißen, der umb eigen, erbe und geldschulde, umb unzucht, mörde und und bluotenden slag, umb Diebe und frevel und umb alle anderen sachen, wie geneant sind richtet [Maur91].
Stahldeckel einer Brunnenleitung aus den Jahren 1874/75
In seiner Aversion gegen König Friedrich sucht Egino I. die Nähe seines Sohnes Heinrich VII. Als er sich 1234 der Rebellion des Thronfolgers gegen seinen Vater anschließt, überträgt ihm Heinrich den Wildbann und das Bergregal im südlichen Schwarzwald als Reichslehen. Bisher hatten die Herren von Freiburg diese Rechte nur als Unterlehen des Basler Bischof inne. Mit den Silberschürfrechten verfügen die Grafen über ein solides Einkommen, doch dann teilt Eginos Sohn Konrad (1236-1271) das Zähringer Erbe mit seinem jüngsten Bruder Heinrich, der sich Graf von Fürstenberg nennt und die Herrschaft auf dem Schwarzwald und in der Baar erhält. Der zweite Sohn Eginos I. Gebhardt geht dagegen als päpstlicher Kaplan und Pfarrrektor in Freiburg leer aus. Für die Herren von Freiburg erweist sich die Erbteilung als verhängnisvoll, denn auf lange Sicht sind Breisgau und Ortenau als wirtschaftliche Basis allein zu klein, um den steigenden Geldbedarf der Grafen zu decken.
Boomtown Freiburg
Kurzfristig wirkt sich die zweite Teilung des zähringischen Erbes nicht negativ aus, denn im 13. Jahrhundert ist Freiburg eine Boomtown. In dieser Zeit ziehen Städte die Menschen magisch an, denn wer vom Lande es machen konnte, begab sich in eine benachbarte Stadt, um hinter den Mauern derselben frei und gesichert sein Brod zu verdienen und zu verzehren; denn Schutz und Freiheit waren der Zauber, welchen den Städten so zahlreiche Ansiedler aus allen Ständen zuführten. Geschützt wollten viele Freileute sein gegen die Gefahren des offenen Landes, und ihnen folgte vom hörigen und eigenen Volke ein Jeglicher, dem es gelang von seinem Vogte oder Leibherrn abzukommen [Geig84]. Nach einem alten Privileg von 1160 gilt: Wer auch immer Jahr und Tag in der Stadt gewohnet hat, ohne daß in Jemand als Hörigen beansprucht, wird in Zukunft frei bleiben. Übrigens: Eine Mark* unverpfändetes Eigenthum genügt, um Bürger zu sein [Schr25]. *Wie das englische Pfund Sterling Silber ist die Mark ursprünglich ein Gewicht und entspricht 237,5 Gramm Silber. Die Mark ist die Basisgröße und wurde zu Zeiten Karls des Großen in 20 Schillinge zu je 12 Pfennigen geteilt [Ott01]. Mit der damals schon herrschenden Inflation werden zur Zeit Rudolf von Habsburgs aus einer Mark statt 240 bereits 678 Pfennige geschlagen [Uebe85]. Daneben war es gängige Praxis, dass alte Münzen nach einiger Zeit widerrufen wurden, um sie gegen neue kleinere oder solche mit niedrigerem Silbergehalt zu tauschen. Im Jahre 1316 einigten sich der Rat der Stadt und Graf Konrad auf eine Umlaufzeit der Freiburger Pfennige von nur vier Jahren [Ott01].
Inter duas ripas
Wo es den Bürgern gut geht, ist die Geistlichkeit nicht fern. Zunächst
lassen sich unter dem Grafen Konrad in
Freiburg 1236 die Mönche der
Dominikaner nieder,
*Zwischen zwei Bächle
Der Klosterkomplex der Dominikaner (8) links vom Predigertor (44) auf dem
Sickinger-Plan.
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Standbild
Grabplatte Graf Konrads aus der Dominikanerkirche |
Um 1237 lehrt Albertus Magnus in Freiburg
Die gebildeten Prediger sind bald der Lieblingsorden der Bürger und des
Stadtadels. Nachdem
Albertus Magnus (1193-1280) zunächst in Hildesheim Lesemeister der
Dominikaner gewesen war, bekleidet er dieses Amt von 1236 bis 1238 im neuen
Kloster am Predigertor:
Ein "Original-Bächle", das hier wie früher üblich in der Mitte der Marktgasse fließt. Heute laufen die Freiburger Bächle aus verkehrstechnischen Gründen in Seitenlage
Im Jahre 1261 beauftragt Urban IV. den bereits 68-Jährigen mit der Kreuzzugpredigt. Auf dieser Reise schaut der große Albert in Freiburg vorbei und weiht die Leutkirche des Dorfes Adelshausen in der Wiehre: Anno domini MCCLXIII do wich der groß lerer Albertus Magnus predier=ordens die lütkilch des dorffs Adelhusen by Friburg in der ere [zu Ehren von] St. Ciriacus ond St. Perpetua [Kreb35].
Barfüßerkloster (7) mit eingezeichneten Bächlen in der Mitte der Straße. Im Hintergrund die Große Gaß.
Damit hat nicht nur der Adel, sondern haben auch die Bürger ihren handwerklich, seelsorgerisch und sozial ausgerichteten Orden innerhalb der Freiburger Stadtmauern.
Mit der Bevölkerungszunahme wächst Freiburg aus seinen engen Mauern
heraus, indem sich die Menschen extra muros
entlang der Zugangsstraßen ansiedeln. Schon 1252 wird die Neuburger
Vorstadt im Norden urkundlich erwähnt. Aus Platzmangel in der Alten Stadt
weist Graf Konrad 1263 den Deutschherren (Johannitern)
beim äußersten Tor unserer Stadt Freiburg, wo es nach Zäringen geht,
Hofstätten zu [Haum01]. Bald schmückt sich die Neuburg hinter dem Mönchstor
mit einer bedeutenden dem heiligen Nikolaus
Die bescheidene Anlage des Teutsch-Hauses der Johanniter (11) in der Vorstadt Neuburg in der Nähe des Münchtores (38) nach dem Sickinger-Plan. Der Turm und das Kirchenschiff von St. Nikolaus (2) befinden sich rechts. Links vom Gotteshaus liegt der neue Gotts Acker (55) (heute Alter Friedhof)
Die Lehener oder Prediger-Vorstadt im Westen mit der Kirche St. Peter nimmt die Frauenklöster der Klarissinnen zu St. Klara und der Reuerinnen zu St. Maria-Magdalena sowie die Dominikanerinnen zur St. Agnes auf [Albe20a, Uebe85].
Anlage des Augustinerklosters (5) auf dem Sickinger-Plan an der Salzstraße. In der Mitte Oberlinden, entlang der Stadtmauer die Konviktstraße und rechts das stark überhöhte Schwabstor (42). Auch hier laufen die Bächle in der Straßenmitte
Die Dominikanerinnen von Maria Verkündigung haben spätestens seit 1234 einen Konvent im Dorf Adelhausen am heutigen Annaplatz. Im Jahre 1297 übereignet Egino II. dem Orden ein zusätzliches Gelände in der Wiehre, wo die Nonnen ein zweites Kloster, St. Katherinen, errichten. Bei so viel Geistlichkeit zählt die Stadt am Ende des 13. Jahrhunderts bei 9000 Einwohnern 30 Kirchen, Kapellen und Klöster.
Ein nachgehender Vierundzwanziger Rat
So harmonisch wie in der Stadt läuft es mit dem Rat nicht, denn die Bürger klagen über willkürliche Geschäftsführung, und besondere über sorglose Verwaltung des Gemeingutes; da versammelte sich, nach altem Herkommen im Mai 1248 die gesammte Bürgerschaft auf dem Platze vor dem Münster, und setzte hier dem Schultheißen und Rath ihr Verlangen durch. Es wurde mit allgemeiner Uebereinstimmung beschlossen, daß den älteren vier und zwanzig Rathmannen eben so viel Jüngere, besonders in wichtigen Angelegenheiten und Verwaltungsgeschäften beigegeben werden sollen … Später wird genau bestimmt, daß diese jüngeren Rathsglieder aus acht Edeln, acht Kaufleuten, und acht Handwerkern bestehen sollen [Schr25]. Seit 1248 wird nun wird mit Zustimmung Konrads neben den aus den Patriziergeschlechtern stammenden Alten Vierundzwanzigern, die auf Lebenszeit im Rat bleiben, jährlich ein nachgehender Vierundzwanziger Rat gewählt. Die alten Vierundzwanziger behalten jedoch die richterlichen Befugnisse [Maur91].
Der zunehmende Reichtum der Stadt gründet vor allem auf den Silberbergbau im Schauinsland aber auch auf einen blühenden Handel. Zudem ist Freiburg die Residenzstadt der Grafen. Deren Burg schützt die Handelsstraße zwischen Breisach und dem Wagensteigtal, die am Fuße des Schlossbergs über eine Dreisambrücke in Richtung Schwaben führt. Die kreuzende Süd-Nordverbindung zwischen Basel und der Ortenau macht aus der Stadt einen idealen Handelsplatz.
Um den Gewinn aus dem Silberabbau zu maximieren, einigen sich Stadtrat und Graf Konrad im Jahre 1258 darauf, den Verkauf von Silber an andere Münzstätten bei Androhung hoher Strafen zu verbieten [Ott01]. Damit sichert sich Freiburg den Münzgewinn beim Schlagen von Silbergeld. So kommt vom Grafen Konrad finanziell großzügig gefördert der Neubau des Münsters zügig voran. Auch wird im gleichen Jahr am 18. Juli die älteste Glocke des Münstergeläuts, die Hosanna, gegossen, die noch heute jeden Freitag um 11 Uhr ertönt und an den Tod Christi sowie an die verlustreiche Schlacht am Lorettoberg im Jahre 1644 erinnert.
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Grabmal Rudolfs im Dom zu Speyer |
Rudolf von Habsburg
Neben dem Erstarken der Freiburger Bürgerschaft sollte ein zweites wichtiges Ereigniß unter Konrad […] das gemeinbürgerliche Bewußtsein und Leben noch mehr heben — der Beitritt der Stadt zum großen rheinischen Städtebund. In dem Augenblicke, in welchem Deutschland völlig herrenlos geworden war, in welchem in Folge der seit und durch Friedrich II. eingetretenen Gesetzlosigkeit, wilde Anarchie, Faustrecht, Raub und Fehde herrschten, die Fürsten ihre Rechte maßlos erweiterten — die Autorität des Kaisers zur Nullität herabgesunken war und die Reichsgewalt fehlt — da traten die Städte für einige Zeit an deren Stelle, indem sie in einen Bund zusammentraten, Ruhe und Ordnung schafften, Freiheit der Person und des Eigenthums sicherten [Hans67]. Im Heiligen Römischen Reich sieht es düster aus, denn es standt das Reich lange zeitt one regierer zu mercklichen grossen schaden.
Erst im Jahre 1273 beenden die deutschen Kurfürsten nicht zuletzt auf Drängen Papst Gregors X., der einen deutschen König für seinen geplanten Kreuzzug benötigt, die schreckliche Zeit des Interregnums: Zu letzt hilt man ein Concilium zu Lugdun (Lyon)/ dor wardt Graff Rudolpf von Habspürg/ Lantgraff im Oberen Elsas/ von den Churfürsten einhelligklichen zu Römischen Künig erwelt/ der war so fürsichtig in seinen sachen/ unnd streng mit den waffen im krieg unnd streitt/ unnd gerecht/ gotsfürchtig/ unnd mechtig seines leibs/ hübsches angesichts/ grosses radts (Weisheit) unnd gemüts/ vast milter tugend/ mit solchen eigenschaften woll geziert/ das an jm kein mangel was zum lob, Er empfing nach dem brauch die Kron zu Ach (Aachen)/ wardt von Gregorio dem zehenden (10) Bapst (mit Albertus Magnus' Empfehlung) bestetiget/ jm huldeten unnd schwuren die Fürsten [Schi98].
Ein dahergelaufener Aargauer Graf
Inzwischen war Konrad I. im Jahre 1271 gestorben* und sein Sohn Egino II. Graf von Freiburg. Egen, in dessen Wesen Trotz, Entschiedenheit und Uebermuth sich einten, fehlte gleich groß durch seine feindliche Stellung dem neugewählten König Rudolf gegenüber; während sein Bruder und besonders ihr politisch-kluger Vetter Heinrich von Fürstenberg treu zu dem ihnen verwandten Könige hielten. Der Grund des Bruches liegt wohl nahe: Rudolf forderte von Egino zurückgehaltene Reichsgüter zurück, hielt strenge auf den Landesfrieden und begünstigte die Städte gegenüber den Herren. Dazu mochte wohl auch das Geld Ottokars von Böhmen, das den Markgrafen Rudolf von Baden bestochen, auf den schuldengedrückten Egen gewirkt haben [Hans67]. Mit großer Zähigkeit gelingt es dem neuen König, viele Reichs- und hohenstaufische Güter im Elsass einzusammeln, sonderlich anno 1273, da graff Rudolphus zu römischen Reich kommen, wo ihm Jedermann weichen und seinen Prätensionen raum geben müeßen [Bade61]. Für den Herrscher Böhmens bleibt Rudolf dagegen nur ein dahergelaufener Aargauer Graf, eine Äußerung, die Ottokar Przemysl später in der Schlacht bei Dürnkrut bedauern sollte [Krei89]. *Er fiel in Ungarn im Dienste Ottokars von Böhmen
Allgemein traut man dem neuen König wegen seines nur kleinen Grundbesitzes in der Nordschweiz und im Oberelsass kein großes Stehvermögen zu. Demgemäß nahm Egen gleich Theil an der Auflehnung der schwäbischen Grafen und Herren gegen den neuen König — und so wie der Markgraf von Baden am Neckar das Reichsgut verwüstend überzog, so Egen im Breisgau [Hans67]. Auch kann Egino Freiburgs Bürgerschaft 1275 leicht überreden, die Zähringer Burg, die 1218 als Lehen nicht an die Uracher gekommen, sondern auf Betreiben Friedrichs II. als Feste an das Reich zurückgefallen war, zu zerstören. Als wegen dieses übermütigen Akts gegen Reichseigentum Rudolf 1281 mit einem großen Heer vor Freiburg erscheint, bitten Graf und Bürger nach nur dreiwöchiger Belagerung um Gnade. Die Sühnurkunde macht namentlich den Bau der gebrochenen Burg Zähringen und die Entschädigung des Klosters Adelhausen, das die Königlichen zerstört hatten, zur Bedingung. Die Reichsgüter gibt Egen heraus, erhält sie aber nach dem vom Bischof Heinrich von Basel und Mark- und Landgraf Heinrich von Hachberg zu Folge eingeholten Weisthums-Umfang vom König zu Lehen [Hans67]. Wohl wissend, dass er von Egino kein Geld erwarten kann, bittet Rudolf die Bürger zur Kasse, die 2000 Mark Silber als Reparationszahlung zur Beseitigung der Kriegsschäden leisten und dazu dem Grafen nebst der bisherigen hundert, noch andere hundert Mark Silber jährlich entrichten müssen [Schr57].
Die Behem flohen
Schließlich beseitigt König Rudolf im Jahre 1278 den Makel seiner Landlosigkeit: Do understund sich Künig Otacker zu Behem (Przemysl Ottokar II. von Böhmen) ... unnd nam Oesterreich in sein gewalt/ unnd überredt Hertzog Vlrichen von Kerndten (Ulrich von Kärnten)/ dieweil er nicht leibs erben hatt/ das jm das Hertzogtum Kernten/ die Marck/ unnd andere Landschaft an jn stossent/ zu kauffen geben wardt/ So aber Oesterreich ein manlehen was/ unnd Hertzog Vlrich Kernten nicht verkauffen mocht/ dan es dem Reich zustund. Solches erfoddert der Künig Rudolff* durch seine pottschaft/ von dem Künig Othacker genant/ welcher das verachtett. Derhalben Künig Rudolpff* über jn bewegt ward/ zog in Oesterreich mit grosser macht/ in dem veld bei der Donaw (Marchfeld) gemelter Künig Othacker so er künlich sich wehrett/ unnd die Behem (Böhmen) flohen/ ihn verliessen/ mit vierzehen tausent Behmen erschlagen ward/ als man zalt von der geburt unsers Herren 1278 jar/ unnd sein leib aus erlaubnus Künig Rudolphen* in Behem gefürt/ unnd ehrlich begraben wardt/ asldann ward dem Reich erobert Oesterreich unnd Kernten/ das dan dem vom recht zugefallen was mit sampt anderen Landtschaften/ do macht Künig Rudolpf* darnach seinen sonn Albrecht zum Hertzogen in Oesterreich als man zalt 1281 [Schi98] und belehnt seine Söhne Albrecht und Rudolf mit Österreich, Steiermark, Krain und der Windischen Mark. In der Rheinfelder Hausordnung vom 1. Juni 1283 bestimmt der Vater seine Ältesten als Stammhalter. Diese Primogenitur vermeidet die Zersplitterung des Erbes und bildet die Grundlage der späteren Herrschaft der Habsburger, wenn auch die Kaiserkrone für die nächsten 150 Jahre an andere Herrscherhäuser geht. Es ist der Anfang von: AEIOU, Austria erit in orbe ultima** [Sayn71]. * Rudolff, Rudolpff, Rudolph oder Rudolpf? Wie schreibt er sich denn recht? **Alle Erde ist Österreich untertan
Der Graf will noch mehr Geld
Der Reichtum der Stadt weckt ständig die Begehrlichkeit Eginos. Immer neue Geldforderungen seitens der Regierenden sind nicht nur heute, sondern waren schon damals den Leuten ein Ärgernis. Die Freiburger wollen
dem Grafen nicht mehr zahlen, als König Rudolf 1279 entschieden hatte. So muss der König 1289 erneut zwischen den Parteien schlichten und verlangt:... Gott zu Lob und Ehre und für des Landes, so
wie der Stadt Freiburg Frieden und Wohlfahrt, daß Graf Egeno Haß und
Ungnade, die er gegen die Gemeinde oder einzelne Bürger hegt, ganz und lauter aufgeben solle ...
Hinwieder, da derselbe mit großen und unleidlichen Schulden bekümmert ist,
verlangt der König von
Weiterführung des Kirchenschiffs und Beginn des Turms im gotischen Stil um 1280 [Scha01]
Neufassung der Stadtverfassung
Als im Jahre 1293 der Stadtrat das Stadtrodel von 1120 neu fassen möchte, weil angeblich die Schrift verböst (unleserlich) ist, kommt es zu Unstimmigkeiten mit Egino II. Darüber schreibt Sebastian Münster in seiner bekannten mit Holzschnitten illustrierten Cosmographey von 1543 im Kapitel Von dem Teutschen Landt: Zu den zeiten Graffe Egon des 2. erhub sich ein widerwill vnnd vneinigkeit zwischen jhm vnnd der Statt Freyburg jntrags halb jhrer Freyheiten, jedoch ward mit hilff etlicher Scheidleuten in Vertrag gemacht innhalt eins Brieffs, der also anfaht: Wir Graffe Egon von Freyburg vnd Cuno sein Sohn, thun kundt allen denen, die deisen Brieff ansehen, oder hören lesen, nun oder hinnach, dass wir ein getrewlich gantz vnd lauter Süne mit vnsern Burgern vnd mit der Statt Freyburg, vnd mit allen jhren Helffern, für vns vnd alle vnsere Helffer, vm alle diese sachen vnd mißhelle die wir vns an den tag dass die Süne geschehe, wider einander hatten von Gericht oder vngericht, haben geschworen stät zuhalten, etc. Der Brieff ist gar lang, zuletst wird er also beschlossen. Diß geschahe zu Freyburg an dem nechsten Freytag nach S. Bartholomeitag, im jar Christi 1293.
Der neue Verfassungsbrief ist aber nicht bloß eine Abschrift des alten, sondern er enthält auch neue Bestimmungen. Jetzt erhalten die Handwerker über ihre Zünfte mehr politische Rechte. Der Stadtrat wächst auf 67 Mitglieder an, als zusätzlich zu den bestehenden 48 Stadträten die 18 Zunftmeister* und der Obristzunftmeister** treten, die glichen Gewalt han mit den alten gemeinlich im Rathe ze sezende und zu entsezende und Urtheil ze sprechende in allen Dingen, so die Stat ze Friburg, ihre Ehre und ihre Fuere (Gedeihen) angant ... Wir geben den Zunftmeistern die Gewalt, alle Diejenigen, so unter ihnen stehen, zu nötigen, bewaffnet vor ihnen zu erscheinen und auszufahren zum Schutze der Herrschaft und der Stadt [Bade82]. Swer auch den herren angrifet an libe oder an guote (Leib und Gut) oder an sie ere, mit unreht oder mit gewalt: da süln ime die burger helfen und süln mit im varen nuwent ein tageweide (mit ihm nur ein Tagewerk fahren), also das an der nahgenden naht (kommenden Nacht)jederman wider heimkomen muge. So sol [auch] der herre die burger schirmen mit libe und mit guote, swa man inen üt tuot an libe oder an deheime (irgendeinem) irme guote oder an iren eren, mit unreht oder mit gewalt [Albe20a]. *Im Jahre 1385 zählt man der Zünfte in Freiburg sogar zwanzig: die Schmiede, Küfer, Schneider, Tucher, Kürschner, Krämer, Schuster, Metzger, Bäcker, Gerber, Merzler (Grempler=Lebensmittelkleinhändler), Maler, Fischer, Rebleute, Wirte, Maurer, Zimmerleute, Müller, Karrer (Fuhrleute) und Bader [Müll25]. **Dieser befehligt zukünftig die Bürgermiliz |
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Mit der versprochenen Unterstützung auf Gegenseitigkeit haben die Zunftmitglieder die Aufgabe, künftig die Stadtmauern und die Tore jeweils in der Nähe ihrer Tätigkeits- und Wohnbereiche in Stand zu halten, zu bewachen und notfalls zu verteidigen: Vom Klötzlinstor bis zum Schwabentor bewachen die Gerber die Stadtmauer; vom Schwabentor bis zum Schneckentor die Wirte und alle aus der Vorstadt außer den Schmieden, vom Schneckentor bis zum Peterstor die Schmiede und Tucher, vom Peterstor bis zum Predigertor die Schumacher und die Zimmerleute, vom Predigertor bis zum Diebstor die Krämer und die Brotbecken, vom Diebstor bis zum Mönchstor die Gerber in der Neuburg und in der Altstadt und die Metzger, vom Mönchstor bis zum Schultor die Rebleute, beim Bürgermeister die Schneider, Karrenmacher, Küfer und Kürschner und alle, die beritten sind [Schr28].
Der vom Rate
gewählte Bürgermeister steht der Zivilverwaltung vor, während der vom Grafen bestimmte
Reste der mittelalterlichen Stadtmauer am Augustinerplatz mit Tiefgarageneinfahrt und Eingängen zu öffentlichen Toiletten
Wie Sebastian Münster berichtet, stimmt Egino der Neufassung des Stadtrodels zu, sofern nur die Finanzen stimmen.
Für ihn ist:
Die Bürger sollen dem Herren jährgelich zum Gewerfe (Steuer) geben zweihundert Marken Silbers, unverzogenlich an Sante Martinsmeß
die wichtigste Bestimmung des Verfassungsbriefs. Besiegelt wird die erneuerte Verfassung mit den Worten:
Und darüber ze einer
Bauzustand des Münsters um 1300 mit dem
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Sühnekreuz für
Silbermünze der Grafen von Freiburg
Friburger Rappen
Freiburger Rappen |
Das schmachvolle Ende eines streitbaren Bischofs
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Der schönste Turm auf Erden
Spätestens gegen 1340 ist der Westturm des Münsters
vollendet.
Sebastian Münster findet 1541 in seiner
Cosmographia universa:
Wenn die Alten den Freiburger Münsterturm gekannt hätten, so hätten sie ihn
sicherlich als das achte Wunder der Welt gepriesen [Rick64].
Leonard Leopold Maldoner weist 1754 auf die Umstände hin, die
den Freiburgern erlaubten, eine so prächtige Stadtkirche zu errichten:
Zudeme
wurde die Statt Feyburg, daß prächtige Münster samt dessen hohen Thurm und
anderen verschiedene öffentliche Gebäuden
daselbst niemals zu solcher
Ziehrde
Der bekannte Kulturhistoriker Jakob Burckhardt wird im 19. Jahrhundert über die hochaufragende Pyramide mit ihrem schlanken im Oberteil durchbrochenen Steinwerk schreiben: Und Freiburg wird wohl der schönste Turm auf Erden bleiben, ein Zitat, aus dem fälschlicherweise der bekannte Spruch vom schönsten Turm der Christenheit wurde.
Das Münster um 1360 mit dem fertigen Westturm und dem begonnenen Hochchor [Scha01]
Wir verzeihen hier großzügig Johann Gottfried Seume, wenn er in sein Reisetagebuch schreibt: Es wäre vielleicht schwer zu bestimmen, ob der Dom in Mailand oder diese Kathedrale (in Straßburg) den Vorzug verdient. Diese beiden Gebäude sind wohl auf alle Fälle die größten Monumente gotischer Baukunst. Seume hat halt das Freiburger Münster 1802 auf seinem Spaziergang nach Syrakus (von Leipzig aus und wieder zurück über Mailand und Straßburg) nicht gesehen.
Noch ist die Stadt so wohlhabend, dass der Rat dem Münster einen hohen, lichten Chor, schöner noch als den in Straßburg, anfügen möchte.
Zum geilen Mönch und Zur geilen Nonne
Das Leben in Freiburg ist damals rau aber herzlich, wenn, wie Karl Baas schreibt, etwa Wirte Dirnen mit ehrbaren Leuten an einen Tisch setzen und das ungebührliche Fressen, Saufen, Zutrinken und Schreien üblich sind. In der Salzstraße gibt es zwei Häuser mit den Namen Zur geilen Nonne und Zum geilen Mönch, wobei der Autor der vorletzten Jahrhundertwende sich prüde beeilt, darauf hinzuweisen, dass geil im Mittelhochdeutschen eigentlich nur fröhlich meint [Baas05]. So wird es wohl erst im Mittelalter zur sexuellen Bedeutung des Worts gekommen sein, bis die heutige Jugendsprache mit dem Zusatz mega daraus eine nicht mehr zu überbietende Steigerung eines Gefühls, einer Situation machte. Warum gibt es als weitere Steigerung nicht gigageil? Das Wort hätte den Charme, mit seinem alliterierten g den Sprachkreis vom Neusprech zum Althochdeutschen zu schließen.
Pest und Judenverfolgung
Der junge Francesco Petrarca im südfranzösischen Avignon geißelt um 1340 die Vergreisung von Kirche, Universitäten, Kunst, Literatur und Sitten und schreibt an seinen Bruder: Ich sehe eine Zeit, wo die Welt sich rasend ihrem Ende nähert ... Kein sicherer Ort bleibt mehr, kein Hafen tut sich auf der ganzen Welt mir auf. Es gibt wie es scheint keine Hoffnung... [Berg06].
Im Jahre 1347 nun scheint sich seine Prophezeiung zu bestätigen, als von der Krim ausgehend über die Häfen von Genua und Venedig eingeschleppt eine mortalis magna - der Schwarze Tod - ganz Europa überzieht. Die Menschen sind sich einig: Gott will sie strafen, doch Petrarca stellt die Gerechtigkeit Gottes in Frage: Wir hätten ja Schlimmeres verdient, doch ebenso unsere Vorfahren. Wäre es nur bei unseren Nachkommen anders. Weshalb hat sich nach Deinem Urteil, o Gerechtester, die Wut Deiner Rache ausgerechtet auf unsere Zeit gestürzt? Wie kommt es (andererseits), dass, wenn Schuld vorhanden ist, oft genug die zugehörige Strafe ausbleibt? Ich wage nämlich zu behaupten, dass die Katastrophen aller Jahrhunderte, angefangen mit der so berühmten Arche, die, als das Meer aus den Fugen geriet, den Rest der Sterblichen schützte, im Vergleich zu der gegenwärtigen nur Freude, Spiel und Ruhe bedeutete [Berg06]. In der Tat, die Panepedemie rafft in den folgenden drei Jahren ein Drittel der Einwohner des Kontinents dahin, wobei besonders Kinder, deren Immunsystem noch nicht ausreichend entwickelt ist, der Seuche zum Opfer fallen. In Florenz beeindruckt Giovanni Boccaccio besonders die Plötzlichkeit des Todes. Er schreibt im Decamerone: Wieviele rüstige Männer, schöne Frauen und blühende Jünglinge, denen, von anderen zu schweigen, selbst Galen, Hippokrates und Äskulap das Zeugnis blühender Gesundheit ausgestellt hätten, aßen noch am Morgen mit ihren Verwandten, Gespielen und Freunden, um am Abend des gleichen Tages in einer anderen Welt mit ihren Vorfahren das Nachtmahl zu halten.
Mit dieser Ausweglosigkeit setzt ein allgemeiner wirtschaftlicher Niedergang ein, denn hatte man je in den Geschichtsbüchern gelesen, dass Häuser leer, Städte verlassen, das Land verwüstet, die Felder durch Leichen beengt waren, ja, dass auf der ganzen Welt eine schreckliche Einsamkeit herrschte [Berg06].
Die Kirche kann über jüdisches Eigentum verfügen, da die Juden ihre Sklaven sind
Überall sucht man nach Schuld und Schuldigen. So wird in vielen Orten
Europas den Juden Brunnenvergiftung
vorgeworfen. Angeblich werfen sie in kleinen Säckchen das Pestgift
zusammengesetzt aus Menschenblut, Urin, gepulverten, ungeweihten! Hostien
und Zauberkräutern in die Trinkbrunnen. Bei den folgenden Pogromen an den
vermeintlich
Am 12. Oktober 1338 hatten Graf Konrad und der mitregierende Friedrich sowie der Rat der Stadt den ansässigen Juden einen umfassenden Sicherungsbrief der Gemeinde zum Nutzen der Stadt und um von der Herrschaft Schaden abzuwenden ausgestellt [Schi01]. Nun gilt dieser plötzlich nicht mehr. Bereits am 1. Januar 1349 werden in Freiburg, bevor hier die Pest ausgebrochen war, und dann im gesamten Oberrheingebiet angeblich verdächtige Juden festgenommen. Nach grausamer Folterung legten viele von ihnen erzwungene Bekenntnisse ihrer Schuld ab. Sie beschuldigten darüber hinaus in ihrer Todesangst auch Juden aus anderen Orten. Infolgedessen dehnte sich die Judenverfolgung von Ort zu Ort aus [Schw63]. Nachdem Basel vorangegangen war, wurden am Freitag vor Lichtmess des Jahres 1349 alle Freiburger Juden mit Ausnahme der Schwangeren verbrannt und zwar wegen ihrer Missetaten und Morde, die sie anstifteten und zugegeben haben [Schi01]. Die Kinder der Hingerichteten wurden zur Taufe gezwungen [Schw63]. Die Gläubiger der Juden hatten nun gehofft, ihre Schulden los zu sein, doch der Freiburger Stadtrat beschließt, von der Schuld jedes Bürgers nur fünf Pfund Pfennige zu erlassen und die Restschulden an gemeinem nutz dem Stadtsäckel zuzuführen. Die Brunnenvergiftung diente den Christen als Vorwand, doch nicht sie, sondern die Juden mussten sterben, wie ein Straßburger Chronist schreibt: Das Vermögen der Juden war das Gift, das sie getötet hat [Schi01].
Der Jude als Geldwechsler: Der Jud stellt sein synne nacht und tag, Wie er den cristen verderben mag
Eine Rezession auch in Freiburg
Da um diese Zeit die Silbergruben am Schauinsland versiegen, ist die Rezession in Freiburg durch den Niedergang des Bergbaus besonders nachhaltig. Der wirtschaftliche Abschwung löst eine Abwanderung der Einwohner aus. Um diesen Aderlass zu stoppen, erhöht der Stadtrat die zu entrichtende Abzugsgebühr* für seine Bürger um das Zwanzigfache auf ein Pfund Pfennige. Das sind 240 Pfennige oder 84 Gramm Silber [Uebe85]. *eine Abgabe, die beim Wegzug aus der Stadt zu entrichten war
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Karl IV von Peter Parler im Prager Veitsdom
Goldene Bulle
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Trotz aller wirtschaftlicher Schwierigkeiten legen die Bürger in der Fastenzeit Anno 1354 am Vorabend des Festes Maria Verkündigung am 24. Mai den Grundstein zum neuen Hochchor, wie eine eingemeißelte Inschrift am Nordportal des Chores bezeugt: Von gottes geburt m ccc und liiii jar an unser frowen abent in der vasten leit man den ersten stein an disen kor [Kunz04].
Böhmens Vater aber des Heiligen Reiches Erzstiefvater
In dieser Zeit konkurrieren die Häuser Habsburg, Bayern und Luxemburg um den römischen Kaiserthron, doch schließlich setzt sich der Luxemburger Karl durch, der 1346 zunächst in Bonn als Karl IV. (1355-1378) und nochmals 1349 am rechten Ort in Aachen zum römischen König und endlich 1355 in Rom zum deutschen Kaiser gekrönt wird [Rose01]. Schon 1348 gründet er in seiner böhmischen Residenz die erste deutsche Universität. Prag wird zum Erzbistum erhoben. Karl lässt die nach ihm benannte Brücke zur neuangelegten Neustadt bauen und auf dem Hradschin den hochgotischen Veitsdom errichten. Gleichzeitig zieht er Künstler, Handwerker und Kaufleute in seine kaiserliche Stadt, das goldene Prag. Vielleicht trugen ihm diese Taten den Beinamen Böhmens Vater aber des Heiligen Reiches Erzstiefvater ein.
Die offizielle Gründung der Dekapolis
Zu Ostern 1354 hält sich Kaiser Karl IV. in Kaiserberg auf, wo er formal den Bund der zehn Richestette gemeinlich im Elsass begründet, dem er bereits seit 1349 Reichssteuerfreiheit gewährt hatte. Der Kaiser bestätigt und formalisiert damit frühere Zusammenschlüsse dieser zehn Städte: Wir Karl haben mit dem folgende Vertrag den Schultheißen, Bürgermeistern, Stadträten, Bürgern und Gemeinden der Städte Hagenau, Weißenburg, Colmar, Schlettstadt, Oberehnheim, Rosheim, Mühlhausen, Kaiserberg, Türkheim und Münster befohlen, sich mit einem gegenüber uns und dem Reich geleisteten Eid zu vereinigen zum gegenseitigen Schutz und Rat gegenüber jedem, wer es auch sei, außer gegen uns …. Die an diesen Zusammenschluss geknüpfte Gewährung der Reichsfreiheit dient nicht nur den genannten Städten, sondern auch dem Kaiser, der sich damit ein Netzwerk treuer Vasallen im Elsass schafft.
Zwei Goldene Bullen
Und doch hat sich des Heiligen Reiches Erzstiefvater darum verdient gemacht, indem er 1356 durch eigene negative Erfahrungen belehrt, das Verfahren zur Wahl der römischen Könige in einem Dokument dem kaiserlichen Rechtbuch festlegen lässt, nach dem Siegel der Urkunde auch als Goldene Bulle bezeichnet. Danach küren sieben Fürsten des Heiligen Römischen Reiches Oberhaupt. Als Wahl- und Krönungsort wird Frankfurt festgelegt.
Doch nicht nur wählen sollen sie, sondern ähnlich den Kardinälen der Kirche als Erzfürsten des Reiches dieses mittragen. Sie dürfen Zölle erheben, Münzen prägen, über die Erträge der Bergwerke und des Salzhandels in ihrem Territorium verfügen, sowie das Kopfgeld, das die Juden als Garantie für ihren Schutz entrichten müssen, einziehen. Außerdem haben die Kurfürsten die Rechtshoheit in ihren Gebieten. Nur die Erbteilung wird ihnen verwehrt, um die starke territoriale Stellung der Fürstentümer zu erhalten [Stei03].
Im Dienste des Kaisers übt jeder Kurfürst symbolisch ein Amt aus, um sein Mitregieren greifbar zu machen. Im Ratskollegium sitzt der Erzbischof von Mainz (der mit dem Radel im Wappen) rechts vom thronenden Kaiser. Als ranghöchster Fürst ist er Reichserzkanzler. Ihm zur Seite (im Gegenuhrzeigersinn auf dem Holzschnitt) hockt der König von Böhmen als Erzmundschenk gefolgt vom Pfalzgrafen bei Rhein, dem Erztruchsess oder Hofmarschall. Dem Kaiser gegenüber sitzt der Erzbischof von Trier, Erzkanzler für Burgund. Weiter im Gegenuhrzeigersinn folgen der Markgraf von Brandenburg, Erzkämmerer oder Schatzkanzler, der Herzog von Sachsen, Erzmarschall oder Stallmeister und schließlich der Erzbischof von Köln als Kanzler für Italien* *Man erinnert sich: Es war Reinald von Dassel, Erzbischof von Köln, der als Kaiser Barbarossas Mann in Italien nach der Eroberung Mailands im Jahr 1164 von dort die Gebeine der Heiligen Drei Könige als Beutereliquien nach Köln brachte.
Da Karl als deutscher Kaiser auch die böhmische Königskrone trägt, erklärt, weshalb Böhmen zu den
Kurfürstentümern zählt. Andererseits schließt Karl
seine Konkurrenten, die damals schon
mächtigen
Eine weitere Goldene Bulle befindet sich unter einer Urkunde, mit der Kaiser Karl IV. 1357 die Freiburger Stadtrechte bestätigt
Die Habsburger kommen 1526 durch den Erwerb der böhmischen Wenzelskrone zu ihrer Kurwürde, während Bayern erst im Dreißigjährigen Krieg auf dem Reichsdeputationstag im Jahre 1623 durch den Erwerb kurpfälzischen Gebiets statt des geächteten Pfalzgrafen bei Rhein in das Wahlkollegium aufrückt.
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Leopold III.
Habsburger Adler
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Heute Herr zu Freiburg und nimmermehr
Nach einem kleinen Zwischenhoch in den Beziehungen der Bürger zu den Grafen trübt sich das Verhältnis erneut ein. Nachfolger Konrads II. wird zunächst sein ältester Sohn Friedrich. Als der bereit 1356 stirbt, übernimmt Klara seine Tochter die Herrschaft. Dagegen klagt Halbbruder Egino erfolgreich und übernimmt 1358 gegen den Willen der Freiburger, nachdem Kaiser Karl IV die Acht über die Stadt verhängt hatte, als Graf Egino III. (1358-1385) die Macht. Eilig versucht Freiburg, die unter Konrad abgeschlossenen Schutz-und Trutzbündnisse mit benachbarten Städten zu erneuern. Bürgermeister und Rat berichten den befreundeten Städten Basel, Bern und Straßburg: Wir kündent und klagen üch ernstlichen als unseren güten fründen den mort, der an uns beschehen solte sin, und das gros übel, das uns und den unseren beschehen ist und noch alle zit beschiht mit brande, mit morde, und mit roube, und lassent üch wissen, das uns das graf Egen von Friburg tuot mit eime grossen volk mit vil herren, die er in unser gegein (Gegend) het braht (gebracht) [Haum01].
Nachdem ein friedlicher Ausgleich zwischen Stadt und Graf gescheitert war, kommt es zum Angriff Eginos auf Freiburg, über den Sebastian Münster in seiner Cosmographey berichtet: Graffe Egon … kam im jar Christi 1366. mit seiner Statt in eine solche grosse vneinigkeit, dass er im Mertzen mit seinen Freunden, vnnd mit grossem Zusatz des Adels, mit Rittern vnnd Knechten, bey nacht die Statt wolt vberfallen auß Rhat seiner Mutter Anna von Signaw, vnd waren auch etlich in der Statt die jhm darzu wollten geholffen haben ... Doch warnte noch in derselben Nacht, da sie übergeben sollte, ein ausgewiesener Bettler, welcher der Herren Anschlag im nahen Dorfe Lehen belauscht hatte. Die Sturmglocke schlug an, als eben der Graf mit den Seinigen in aller Stille heranrückte. Er erkannte die Töne sogleich, und wendetet sich an den begleitenden Markgrafen von Hochberg mit den Worten: O weh, heute Herr zu Freiburg und nimmermehr [Schr25].
Am 12. April 1366 Freiburg nimmt die ersten Söldner wider graf Egen von Friburg und wider all sin helfer und diener unter Vertrag. Ein grosser Krieg sich erhub, darinn die Dörffer verbrennt, vnnd das Volck beraubt vnnd geschetzt ward [Schi98]. Jetzt haben die Freiburger von ihren Grafen die Nase gestrichen voll. Johann Schilter schreibt in seiner Chronicke Der Stadt Freyburg im Brisgaw, dass Eginos Burg unnd Schlos gewunnen und zerrissen wardt von den burgern aus der stadt mitten des Meyens (im Mai 1366) [Schi98]. Statt Steinschleudern wie bei der ersten Belagerung 67 Jahre zuvor sollen die Bürger hierbei bereits Kanonen verwendet haben.
Bald verwandelte sich der Kampf in Flucht
Dramatisch schildert Freiburgs erster Stadthistoriker Heinrich Schreiber die Ereignisse: Vorerst brachen die Bürger das Schloß ob der Stadt, damals eine der schönsten Festen in Deutschland; dann zogen sie siegestrunken vor die Burg zum Weiher bei Emmendingen, und gewannen auch diese. Dort wich ihr guter Geist von ihnen; sie erschlugen muthwillig zwei gefangene Edle, einen Zorn und einen Malterer. Das deuteten ihnen Herren und Städte sehr übel; des Grafen Macht wuchs von Tag zu Tag, die Zorn und Malterer führten ihm große Hülfe zu. Indessen lagen die Freiburger mit etwa 300 Speeren und 5000 Gewaffneten in fester Stellung vor Endingen, und stürmten gewaltig. Als sie aber den Anzug der Herren vernahmen, ließen sie sich durch ihre Hitze übereilen, den bisherigen Vortheil aufzugeben, und die Schlacht auf freiem Felde anzunehmen. Da war aber der Bürger dem an Zahl und Gewandtheit weit überlegenen Ritter nicht gewachsen, denn Egon zählte bei gleichem Fußvolk über 500 erprobte Speere. Bald verwandelte sich der Kampf in Flucht. Ueber tausend Freiburger wurden auf dem Platze erschlagen, bei vierhundert in den Rhein getrieben, und wohl dreihundert gefangen. Die Schlacht fiel vor am St. Lukastage (18. Oktober) 1366 [Schr25].
Schilter fährt dann fort: in dem vorgenanten jar nach viel grossem schaden zu beyden seitten erlitten/ unnd als der krieg unnd unfride zwey jar gestanden was do wardt ein richtung gemacht wie volgett [Schi98]. Dabei ...
Duobus litigantibus tertius gaudet
Wenn zwei sich streiten, freut sich das Haus Österreich, denn 1368 kauften sich die Freiburger los und ledig von Graf Eugeno, ihrem natürlichen Herrn, und nahmen von den Fürsten zu Österreich ein merkliches Geld*, ohne welches sie solch Ledigung nicht hätten vollbringen können. In Anbetracht nun dieser gnädigen Hilfe, wie in Erwägung, daß Niemand sie besser beschirmen und sichern könne, als benannte Fürsten, vermöge der Gelegenheit ihrer Herrschaften auf beiden Seiten des Rheines (im Breisgau, Argau und Elsaße), erwählte die Stadt die Herzoge Albrecht und Leutbold zu ihren rechten, ordentlichen und erblichen Herren, huldigte denselben und schwor ihnen ewige Treue [Bade82]. *Die neue Herrschaft übernahm 50 000 Gulden von der städtischen Schuld unter sofortiger Bezahlung von zwei Fünfteln dieses Betrages [Albe20a]
Der Friedensvertrag vom Palmsonntag (30. März) 1368 zwischen der Stadt und Egino III. wurde namlich also gemacht/ das die Burger von Freyburg dem Grafen abkauften die Herschaft und alle seine ansprochen/ unnd gaben jm unnd seinen helfern zwentzig tausent marck silbers. Erkauften für Freyburg die herschaft Badenweyler/ mit jrer zugehordt. Demnach nam die Herschaft der Graffen von Freyburg ein endt zu Freyburg nach viel erlidnen schaden/ kosten unnd arbeit. Do nun Freyburg in Breisgaw einen Herren solt haben / do kam sie an das löbliche haus von Oesterreich / im Ar als man zalt von der geburt Christi unsers Herren 1368. jar / zu den zeitten / als do regierten die Durchleuchtigen / Hochgebornen Fürsten unnd Herren / Hertzog Albrecht unnd Hertzog Lupolt von Oesterreich / die balt hernach die landt miteinander geteil handt* [Schi98]. *Nach dem Neuberger Teilungsvertrag vom 25. September 1379 erhält Leopold III. die Herzogtümer Steiermark (mit Wiener Neustadt), Kärnten, Krain, die Windische Mark, Görz und Güter in Friaul sowie die Grafschaft Tirol und Vorderösterreich westlich des Arlbergs, während Albrecht III. über das eigentliche Österreich ob und unter der Enns (ohne die Gegend von Wiener Neustadt) eingeschlossen das Salzkammergut herrscht. Seit dieser Zeit spricht man von einer Albertinischen und einer Leopoldinischen Linie der Habsburger.
Garantieerklärung Albrechts III. (1365-1395) mit dem Zopfe und Leopolds III. (1365-1386) des Gerechten über die zukünftige Unabhängigkeit Freiburgs von den Grafen In seiner Freiburger Stadtgeschichte bemerkt Heinrich Schreiber, dass die Sehnsucht,
einer gehaßten Herrschaft loszuwerden, keine Aufopferungen scheuen ließ und
es bewog, seine Selbstübergabe an das Haus Österreich möglichst zu beschleunigen,
Österreichisches Wappen am Rathaus in Staufen
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Siegel König Wenzels
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Zunächst jedoch geht es nach dem wirtschaftlichen Niedergang unter
der milden Hand des Habsburger Herzogs Leopold
III. mit Handwerk, Handel und Dienstleistungen in Freiburg wieder ein wenig
aufwärts, besonders als
König Wenzel* den Freiburgern im
Jahre 1379
das Recht einräumt, zwei Jahrmärkte abzuhalten.
*Das ist der Wenzel, der den Generalvikar des Prager Bischofs Johann von Nepomuk zunächst eigenhändig folterte und ihn dann an sein Folterholz gebunden von der von seinem Vater Kaiser Karl IV. gebauten Brücke in die Moldau stürzen ließ. Der Grund? Nepomuk, Beichtvater der Königin, hatte sich geweigert, das Beichtgeheimnis zu brechen, als König Wenzel Näheres über das Fremdgehen seiner Frau erfahren wollte.
Jetzt zahlt es sich besonders aus, dass die Zähringer ihre Stadt handelsstrategisch günstig im Schnittpunkt der Verkehrsachsen Süd-Nord (Genf, den Zähringerstädten Freiburg im Üchtland und Bern über Basel bis Frankfurt) und West-Ost (Elsass, Breisach, Wagensteigtal, Villingen, in Richtung Schwaben) angelegt hatten. Noch heute kreuzen sich die frühere Große Gass (jetzt Kaiser-Joseph-Straße), auf der damals der Markt abgehalten wurde, und die Salzgasse in Freiburgs Zentrum.
Nepomuk hört die Beichte der Königin (Bild im Augustinermuseum Freiburg) |
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