Wappen der Zähringer

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Siegel Kaiser Heinrichs

 

 

 

 

 

 

 

 

Henricus

Monogramm Heinrichs

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Heinrich und Kunigunde auf 3F Luxemburg

Freiburgs Geschichte in Zitaten

Die Anfänge der Freiburger Geschichte oder wie die Zähringer die Stadt Freiburg gründen

  

Carolus Magnus ein Teutscher?

 

Charlemagne, Karl der Große und Sankt Karolus

 

Charlemagne, Kirchenfenster in der Kathedrale von Avignon

Karl der Große als Gründer Hamburgs mit der Hammaburg und ohne Schwert aber mit Knauf vor dem Kleinen Michel

Sankt Karolus, Kirchenfenster im Freiburger Münster

 

Für die meisten Historiker beginnt die europäische Geschichte mit dem großen Karolinger, dessen Reich u. a. das ganze Staatsgebiet Frankreichs, aber nur Teile des heutigen westlichen Deutschlands umfasste. Da ist es nur natürlich, dass unsere Nachbarn Charlemagne, den Vorgänger der Kapetinger, als einen der Ihren betrachten, auch wenn der große Karl noch kein französisch, sondern wohl einen fränkischen Dialekt sprach. Der Humanist und Elsässer Jacob Wimpfeling schreibt 1505 voll teutscher Gesinnung in seiner Epitome Germanorum, dass Karl ein Teutscher gewesen sei, der über Franzosen geherrscht habe [Schu96].

 

 

Das heutige Geschichtsbild Karls stellt sich differenzierter dar. Von Klerikern gut beraten sieht er die Verteidigung und Verbreitung des Christentums als eine seiner Prioritäten an. Da verzeiht ihm die Geistlichkeit seine fünf Ehefrauen, ohne von seinen Konkubinen zu sprechen, wenn er als Sachsenschlächter dem heidnischen Volk den wahren Glauben bringt. Auch lädt ihn der Papst ein, die Lombardei zu überfallen, wobei Karl an Stelle einer Kriegserklärung seinem dort herrschenden Schwiegervater die Tochter zurückschickt. Beim anschließenden Kampf gegen die Awaren verliert der bairische Herzog Tassilo als Freund der Langobarden seine Unabhängigkeit und sieht sich zum Lehnsmann Karls degradiert. Karls kirchliche Beratung brachte aber auch die heute einhellig gerühmten Reformen in Verwaltung, Justiz, Armee und Schulbildung.

 

 

Schon 1008, lange vor der Gründung Freiburgs,
gab es die Wiehre

 

Aus dem Disput um Karl halten wir uns heraus und beginnen die Geschichte Freiburgs in Zitaten erst rund 200 Jahre später, aber nicht mit der Stadt, sondern mit umliegenden Dörfern, von denen einige heute Stadtteile sind.

 

Heinrich II. als Stifter des Basler Münsters vor dem Portal der Kirche

Henricus Imperator ebenfalls als Kirchenstifter dargestellt in der Kartusche am Basler Hof in Freiburg

Sankt Henricus, Kirchenfenster in der Johanniskirche Freiburg*

*von Fritz Geiges mit einem Modell der Johanniskirche

Kaiser Heinrich II. (1002-1024) erwirbt 1006 Basel und in einer Urkunde aus dem Jahre 1008 er übergabe dem Bischoffe Adalberoni zu Basel, auch seiner Kirche und Nachkommen, die Wäldere und Försten in Breysgau.

 

Bischof Adalberoni im Basler Münster

 

 Dieser Wildbann begrenzt a villa Togingun usque ad villam Ofhusun et ad Adelenhusun et inde Worin, inde vero usque ad Gondaluingen et inde ad Wersteten et de illo loco ad Thiermondingen, inde vero ad Ruthtin ac postea ad Bezscingen et inde per ascensum Treisame fluminis usque ad locum, ubi Ramesaha fluvius intrat in Treisama, et inde per ascensum Ramesahae usque ad  prescriptam  villam Togingnun* [Zotz08].

*Vom Dorf Tiengen bis zum Dorf Uffhausen und bis Adelhausen und von da zur Wiehre ab dort aber bis Herdern und dann bis Zähringen und dann bis Gundelfingen und dann bis Vörstetten, von jenem Ort bis Tiermendingen, von dort aber bis Reute und danach bis Bötzingen und von da den Lauf des Dreisamflusses aufwärts bis zu dem Ort, wo der Fluss Ramesaha in die Dreisam mündet, und von dort den Lauf der Ramesaha aufwärts bis zu dem vorher genannten Ort Tiengen.

 

 

 Das vorgenannte Gebiet enthält den heutigen Mooswald, ist aber viel weitergefasst innerhalb einer Grenze, die von den in dem Dokument erwähnten Orten Tiengen und Uffhausen (heute in St. Georgen aufgegangen) über Adelhausen und die Wiehre entlang dem heutigen Rotteckring nach Herdern, Zähringen, Vörstetten, Reute, Bötzingen, von dort zur Dreisam bei Landwasser und schließlich zurück zum Dorfe Tiengen verläuft [Maye25].

 

Auf Grund ihrer ersten schriftlichen Namenserwähnung in der Urkunde Heinrichs II. von 1008 feierten Herdern, Gundelfingen, die Wiehre und Zährigen im Jahre 2008 ihr 1000jähriges Bestehen. Zwar ging das Originaldokument verloren, doch der Text existiert als Abschrift in einem Buch, das im Archiv des alten Bistums Basel im Hôtel der Gleresse in Porrentruy (Puntrut) aufbewahrt wird. Naturgemäß fehlen hier des Kaisers Siegel und Monogramm, die aber auf Originaldokumenten erhalten sind.

 

Bereits die Vorgänger Heinrichs, die Ottonen II und III, hatten die Aufmützigkeit der deutschen Herzöge zu spüren bekommen. Diese betrachten vor allem aus erbrechtlichen Erwägungen ihre Reichslehen zunehmend als persönliches Eigentum. Geschickt paktiert Kaiser Heinrich deshalb mit geistlichen Lehensmännern weil ohne Erben. Am Rhein sind dies vor allem die Bischöfe zu Straßburg und Basel. Somit ist die Übertragung des Jagdrechts auf den Basler Bischof wohl als Anerkennung der loyalen Gefolgschaft des Kirchenfürsten anzusehen.

 

Die Heiligen Heinrich II. und Kunigunde. Glasfenster im Basler Münster

 

Seine großzügigen Geschenke an die Kirche und ihre Fürsten sind ein Grund für die spätere Heiligsprechung Heinrichs. Als weiteres Argument wird in der päpstlichen Bulle die Keuschheit des  Sachsenkaisers und die seiner ebenfalls heiliggesprochenen Frau Kunigunde angeführt. Das Paar bleibt kinderlos. In deutschen Landen verbreitet sich die Legende, Heinrich habe in einer Josefsehe gelebt; seine Witwe Kunigunde sei als Jungfrau gestorben.

 

Gab es damals einen Trend? Auch Edward the Confessor in England wird nachgesagt, er habe die Ehe mit seiner Frau Edith von Wessex nicht vollzogen. Wegen des fehlenden Nachfolgers entwickelt sich die Geschichte auf der Insel weit dramatischer als auf dem Kontinent, als sich der Normanne William the Conquerer die englische Krone erkämpft.

 

 

Als Heinrichs Nachfolger wählen die deutschen Fürsten den Salier Konrad II. (1024-1039) zum deutschen König. Ab 1026 ist er auch König von Italien und im Jahre 1033 fällt ihm nach dem Tode Rudolfs des Faulen von Burgund (993-1032) dessen Königreich durch Erbschaft zu.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Bertold II. 
(1078-1111) 
Relief im Chor des Freiburger Münsters

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Hauskloster und Grablege St. Peter 1193

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Zähringer Wappen
(Glasfenster von  Fritz Geiges 1899)

Als deutscher König und seit 1027 römischer Kaiser herrscht Konrad II. über eine tria regna, eine Trias bestehend aus Deutschland, Burgund und Italien. Dabei reicht seinerzeit Deutschland nur bis zur Elbe, denn über den Fluss greifen einzig die Gegend um die Hammaburg (nachmals Hamburg) im Norden und die Marken Lausitz und Meißen im Süden. Östlich an das Herzogtum Bayern stoßen  die Ost- und Steiermark sowie Kärnten. Der italienische Besitz umfasst Nord- und Mittelitalien mit Mailand und dem Patrimonium Petri. Das damalige Burgund beinhaltet die Städte Besançon, Genf, Lyon, Arles und Aix-en-Provence.

 

 

 

 

Wie schon Kaiser Heinrich versichert sich auch Konrad der Unterstützung der geistlichen Reichsfürsten. So überträgt er 1028 dem Basler Bischof das königliche Bergregal über die Silbererzvorkommen im Breisgau für alle Zeiten [Ott01]

 

 

 

Die Bertolden werden zu Herzögen von Kärnten

 

Konrads Sohn Kaiser Heinrich III. (1039-1056) hatte seinem Parteigänger dem Grafen Bertold I., genannt der Bärtige (1061-1078), das Herzogtum Schwaben versprochen. Doch als Heinrich 1056 stirbt und im gleichen Jahr Rudolf von Rheinfelden (1077-1080) die Kaisertochter Mathilde entführt, gibt ihm Heinrichs Witwe Agnes (1056-1077) das Herzogtum im Namen ihres noch unmündigen Sohnes, des späteren Kaisers Heinrich IV. (1056-1105). Bertold protestiert und bekommt zum Trost im Jahre 1061 das weit entfernte Herzogtum Kärnten und die Markgrafschaft Verona zum Lehen. Bertold, nun Herzog, hält sich jedoch lieber am Rhein auf und errichtet auf Reichsgrund oberhalb des Dorfes Zähringen die Stammburg seines zukünftigen Geschlechts [Krum70].

 

Ruine der Zähringer Stammburg. Romantischer Stich aus dem 19. Jahrhundert.

Im Investiturstreit hält Bertold I. zu den Gegnern Heinrichs IV. und wählt, nachdem Papst Gregor VII. den König gebannt hatte, im März 1077 mit anderen deutsche Fürsten seinen ehemaligen Konkurrenten Rudolf, den Herzog von Schwaben, zum Gegenkönig. Als Bertold Rudolf anschließend zur Weihe und Krönung nach Mainz geleitet, entzieht ihm der König nicht nur seine Lehen, sondern ächtet den nun nicht mehr Herzog 1077 auf dem Hoftag zu Ulm. Darauf zieht sich Bertold auf seine eigenen Besitzungen zurück, wo er am 6. November 1078 auf der Limburg bei Weilheim an der Teck stirbt.

 

 

Das schöne Castrum de Friburch 1091

 

Nachfolger Bertolds I. ist sein Sohn Sohn Bertold II. (1078-1111), dessen Herrschaftsgebiet sich nach der Vermählung mit Agnes von Rheinfelden, der Tochter des Gegenkönigs Rudolf, im Jahre 1079 bis in die heutige Schweiz über Langenthal und Bern bis zum Thunersee und zur Aare erstreckt und der so gestärkt seinen Anspruch auf das Herzogtum Schwaben anmeldet.

 

Doch divide et impera; im gleichen Jahr verlobt König Heinrich IV. den Staufer Friedrich I. (1079-1105), mit  seiner siebenjährigen Tochter Agnes, belehnt den zukünftigen Ehemann mit Schwaben und macht ihn damit zum Herzog. Da mag Bertold ein wenig getröstet sein, als ihm 1079 der Basler Bischof das Bergregal als Lehen übergibt.  Mit der Erschließung neuer Silbergruben im Schwarzwald und deren Ausbeutung wird der Herzog bald zum wohlhabenden Mann. Deshalb beschließt er 1091, aus der ihm nur als Reichslehen überlassenen Zähringer Stammburg auszuziehen und auf seinem Eigengut, dem militär- und handelsstrategisch vorteilhaft gelegenen Schlossberg, das Castrum de Friburch zu bauen. Das im romanischen Stil errichtete und später als Burghaldenschloss bezeichnete Bauwerk hat Hartmann von Aue als ein prächtiges Schloss in deutschen Gauen besungen. Nach der Chronicon Helveticum soll es eines der schönsten Schlösser weit und breit gewesen sein. Belegt ist die Existenz der Burg erst seit 1146, als Bernard von Clairvaux in seinen Reisetagebüchern beschreibt, dass er apud castrum Frieburg (bei der Festung Freiburg) einen blinden Knaben heilte [Scha88].

 

 

    Do man zalte 1091 Jor,
do fieng herr Berchtold von Zäringen die Stat Friburg an ze buwende

 

Im Jahre 1090 bricht König Heinrich zu einem Feldzug nach Oberitalien auf, um dort seine Herrschaft wiederherzustellen. Das Jahr darauf gilt als Beginn einer Siedlung am Fuße des Schlossbergs,  als sich des Herzogs Dienstleute, Jäger, Fischer und Bergleute in einer Dorfgemeinschaft dort niederlassen. In den Marbacher Annalen findet sich dazu der Satz: do man zalte 1091 Jor, do fieng herr Berchtold von Zäringen, ein Herzog ze Swoben, die Stat Friburg an ze buwende, so zuvor ein Dorf was. Diese Siedlung stellt der dux de Zaringen unter seinen besonderen Schutz [Rick64]. Der Name Freiburg (Fri-burc, borough, burgh, bourg = eine freie Stadt) deutet nicht etwa auf Bürgerrechte hin, sondern meint wohl die Freiheit, die sich Bertold angesichts der Abwesenheit des Königs herausnimmt, eine civitas zu gründen [Krie12].

 

Gleichzeitig verschärft sich der Streit zwischen Heinrich und seinen Gegnern nördlich der Alpen, wie in den Marbacher Annalen zu lesen ist: Im Jahre des Herrn 1092: Die großen Alemanniens einigten sich zur Verteidigung der heiligen Mutter Kirche einmütig darauf, zu Ausführung dieser Angelegenheit Bertold von Zähringen, den Bruder des Konstanzer Bischofs Gebhard zum Herzog von ganz Schwaben zu erheben, der bisher noch kein Herzogtum innehatte, auch wenn er schon längst den Herzogstitel zu führen pflegte [Krie13]. Die gregorianisch gesinnten Fürsten im Süden des Reiches, die Anhänger Urbans II. bauen also bewusst einen Gegenherzog gegen den Staufer Friedrich I. auf.  

 

 

 

Klosteranlage St. Peter [Beck93]

 

Bertolds fromme Gattin Agnes kümmert sich derweil um das Benediktinerkloster St. Peter, das der Herzog im Jahre 1093 gestiftet hatte. Allda ist er wie die meisten Zähringer Herzöge auch begraben.

 

König Heinrich betreibt seinen Wiederaufstieg mit Erfolg. So erreicht er eine Verständigung zwischen den Staufern und Zähringern. Im Jahre 1098 kommt es zum Ausgleich, in dem der Stauferherzog Friedrich sein Herzogtum behält und bei der Aufteilung der umstrittenen Territorien unter anderem linksrheinische Gebiete erhält, wenn auch eine Chronik vermeldet: der theil des obern Elsaß, wie auch das Suntgaw, ist noch anno 1100 von underschidlichen Graffen, Edlen und Freyen besessen und ein Jeder für ein standt des Reichs gehalten worden, welche sich stetigs einander gezanckt und geschlagen, bis die graven von Habspurg die Stärcksten worden und das meiste theils mit gewalt, theils durch heurath und kauff an sich gebracht [Bade61]. ]. Bertold heißt nun offiziell Herzog von Zähringen und kann sein Territorium sogar noch um die Reichsvogtei Zürich vergrößern.

 

 

Die Zähringer Herzöge in der Barockkirche von St. Peter (1)

 

Bertoldus I. Dux Zaeringius: Fundator praepositurae Wilo=Teccensis Hirschgaugiae in Wirtembegia sepultus ibidem MLXXVIII

 

 

Bertoldus II. Dux Zaeringius: Fundator huius monasterii sub urbano defensor ecclesiae hic sepultus MCXI

 

 

 

Bertoldus III. Dux Zaeringius: Conditor Friburg Brig Dotator Mons Petri Molshemii in Alsatia indigna morte hic sepultus MCXXII

 

 

 

 

Bertold III. (1111-1122) (Glasfenster von  
Fritz Geiges 1899)

 

 

 

 

 

 

 

Villingen
Erste Erwähnung 817 
Neugründung 1119

 

 

 

 

 

 

 

Freiburg
Marktrecht 1120

 

 

 

 

 

 

 

Rheinfelden
Als Rifelt 851 erwähnt
Stadtrecht 1130

 

 

 

 

 

 

 

Freyburg im Üchtland Gründung 1157 

 

 

 

 

 

 

 

Murten
Als Muratum 515 erwähnt
Neugründung 1170

 

 

 

 

 

 

 

Burgdorf
Gründung um 1175

Die alte Römerstadt Köln, ein Vorbild für Freiburg

 

Nachfolger Bertolds II. ist sein Sohn Bertold III. (1111-1122). Als rechter Raufbold begleitet er seinen König Heinrich V. (1106-1125) gern auf dessen Feldzügen und im Jahre 1111 sogar zur Kaiserkrönung nach Rom.

 

Stadtplan von Köln um das
Jahr 1000

 

Als er 1114 im Dienste seines Herrn gegen die mächtige Stadt Köln zu Felde zieht, gerät er prompt bei Andernach in Gefangenschaft. Sich Köln nähernd, wird Bertold den Kranz der zwölf romanischen Kirchen erblickend, an das himmlische Jerusalem erinnert.

 

Köln, die ehemalige römische Colonia Agrippinensis, ist mit seinerzeit rund 40 000 Einwohnern die größte und bedeutendste Stadt nördlich der Alpen und das Maß aller Dinge. Handel und Handwerk sind die Quelle des Reichtums einer stolzen Bürgerschaft. Schon damals exportiert man Rheinwein nach England im Austausch gegen Wolle. Im Seehafen werden Stockfisch und Heringe aus dem Norden zum Weitertransport in den Süden in flussgängige Schiffe umgeschlagen sowie Waffen und Tuch in den Stapelhäusern kostenpflichtig zwischengelagert. Auch bei Baustoffen wie Basalt, Tuffstein und Schiefer zum Dachdecken betätigen sich Kölner Kaufleute als erfolgreiche Zwischenhändler.

 

Herzog Bertold sitzt nicht im Kölner Klingelpütz ein, sondern in einer seiner Position angemessenen Fürstenhaft. Seine Haftbedingungen müssen ähnlich denen gewesen sein, die Golo Mann zur Zeit des Dreißigjährigen Krieges als für hohe Herren üblich und angemessen beschreibt [Mann06]: Dort lebte er in würdiger Halbfreiheit und empfing die stattlichsten Besuche, nahm teil an allerlei Festlichkeiten, so als ob er kein Gefangener ... wäre, tat scharfsichtige Blicke in das Treiben des [fürstbischöflichen] Hofes und der Politiker ... und bestaunt das städtische Leben und den Handel der freien Bürgerschaft.

 

 

Wan Freyburg im Breisgaw zu einer Freien Stadt gemacht sey …  

 

Berchtoldus der Elter sun (der ältere Sohn Bertholds II.), der wardt regirender Herr, der machet Freyburg das dorff zu einer freyen stadt nach allen rechten unnd freyheitten der stadt Cölnn, unnd die hoffstatten zu bauen ausgeteilt, da man zalt nach der geburtt Christi 1118. jar, unnd wardt bestetiget vom Künig Heinrichen dem fünfften Romischen Kunig am 14. jar (1120) seiner reichs auch mit andern fürsten radt unnd hilff solliche ordnung wie hernach volgett bestettigett [Schi98]. So steht es schönfärberisch im Stadtrodel von 1218. Tatsächlich ist es der jüngere Bruder Bertolds III. Konrad von Zähringen (1122-1152), der 1120 unter Missachtung des königlichen  Regals zur Einrichtung von Märkten unterhalb des Schlossbergs einen solchen, ein forum, auf seinem Eigengut errichtet [Krie12]. Hat dabei Bertold nach seinen Kölner Erlebnissen Konrad angeregt, die Rechte für die Siedlung am Fuße des Schlossbergs nach denen der Stadt Köln zu gestalten? Auch mag König Heinrich wegen der treuen Ergebenheit Bertolds über die Anmaßung Konrads, eine Stadt zu gründen,  hinweggesehen haben und dem Markt zu Freiburg nachträglich das Stadtrecht verliehen haben.

 

Konrad von Zähringen verleiht der Siedlung am Fuße des Schlossbergs das Marktrecht
(Glasfenster von Fritz Geiges 1899)

 

 

 

… unnd mit was Ordnung unnd Freiheiten

 

Mit  dem Versprechen weitgehender Privilegien lädt Herzog Konrad Kaufleute ein, sich in Freiburg niederzulassen und stellt ihnen dazu Grundstücke zur Verfügung, unn sol iegelich hofstat sin hindert schuhe lang unn funfzig breit. Dem herren sol iegelich hofstat geben einen schilling pfenninge ze zinse zwisschent sante martins mess unn wiehnahten*[Löbb07].

*Für die Hofstätten ist zu Martini, spätestens aber zu Weihnachten als einzige Abgabe eine Grundsteuer von einem Schilling, gleich 12 Pfennigen zu entrichten. Die Struktur der Grundstücke von 100 mal 50 Fuß (etwa 32 mal 16 Meter) ist auch heute noch in der Altstadt sichtbar.

 

Rechte und Pflichten der neuen Bürger sind im Marktbrief von 1120 niedergelegt, in dem Konrad mit den Kaufleuten eine Schwurgemeinschaft eingeht [Zotz12]: Allen, welche meinen Markt besuchen, sage ich Frieden und Sicherheit innerhalb meines Gebietes zu. Wer von ihnen darin beraubt worden und den Räuber bezeichnen kann, dem werde ich das Geraubte wieder verschaffen oder ihm dasselbe vergüten ... Allen Marktbesuchern erlasse ich Zoll.

 

Das Wappen der Zähringer am Alten Rathaus in Freiburg

 

 

 Die Bürger erwählen in freier Wahl ihren Leutpriester, und von Jahr zu Jahr den Schultheißen*, Nachrichter (Ausrufer) und Hirten; doch genehmigt und bestätigt der Herr die Gewählten … Die Bürger sind nur schuldig, auf eine Tagereise mit dem Herrn in die Fehde zu ziehen; so daß sie des Nachts wieder bei ihrem Herde seyn können. Ergeht des Herren Aufruf, so darf kein Bürger fehlen; dem Widerspänstigen wird das Haus vom Grund aus zerstöret [Schr25].

*Der Schultheiß heißt als oberster Richter den Bürgern ihre schult, d. h. ihre Verpflichtungen gegenüber dem Gemeinwohl [Uebe85]

 

Bemerkenswert ist: Die Frauen sollen den Männern gleichgestellt sein, und Jedermann, der sich in Freiburg niederläßt, soll frei in der Stadt sitzen, soferne er nicht der geständige Leibeigene eines Herrn ist, welcher ihn belassen oder abfordern kann ... Kein herzoglicher Leibeigener, Dienstmann oder Ritter darf ohne besondere Genehmigung der Bürgergemeinde in der Stadt zu Freiburg haushäblich wohnen und das Bürgerrecht erwerben, damit kein Bürger durch dessen Zeugnis beschwert werde [Bade82]. Die Beziehungen der jungen Stadt zu Köln gehen so weit, dass Wan unter den burgern nach dem (Freiburger) urteil zwitracht entspringet also das eyn teill halten will/ das ander nitt so mag ob er will ken Cöln apelliren/ unnd so er mit kuntschaft unnd urkunt der Cölner wider heim kompt/ mit eyn behaltenem urteill dan so soll im die widerpartey allen costen unnd schaden abtragen/ ob er aber zu Cöln die urteill nicht behaltett/ so sol er allen costen unnd schaden leiden unnd haben [Schi98].

 

 

Wie der Anfenger der Statt Freyburg umbkommen

 

Während der besonnene Konrad regiert, treibt es seinen Bruder Bertold wieder in den Krieg. So wird er in einem stettlin im Elsas Molußheim (Molsheim, heute Mühlhausen) genant/ freventlich in kriegsleuffen uberfallen/ unnd mit Graf Hugo von Dagspurg gefangen/ unnd unwirdizes todts jemerlich verderbt/ als man zalt von der geburtt Christi/ Eylff hundert unnd 22. jar/ im vierdten jar nach dem als er die obgemelt loblich stadt Freyburg zur stadt gestiftet hatt. ... Also wardt er in eynem außgehauen baum zu S. Petter auff dem schwartzwalt in das Closter von seinen dienern fleissig gefürt/ unnd da zu seinen vorfharen unnd Eltern in eyn sonders grab in dem Capitelhaus vor des Apts stuell begraben mit eynem zimlichen stein durch Herren Petern den Apt den dritten dies namens gezierett/ und das geschahe an S. Barbara tag [Schi98].

 

 

Bernhard von Clairvaux predigt 1146 den zweiten Kreuzzug

 

 Bereits 1146 besitzt Freiburg im Breisgau eine beachtliche Stadtkirche, die, wie es sich für eine Handelsstadt gehört, dem heiligen Nikolaus, dem Patron der Kaufleute geweiht ist. In dieser Pfarrkirche hat Bernhard von Clairvaux nachweislich zum zweiten Kreuzzug aufgerufen, auch wenn die Freiburger seine Predigt nicht verstehen konnten und deshalb Dolmetscher nötig waren. Über diese Reise berichten zwei seiner welschen Begleiter:

 

Als der hl. Bernhard von Clairvaux den Kreuzzug predigend sich auch nach Deutschland gewandt hatte und von Frankfurt her, einer Einladung des Konstanzer Bischofs folgend, das Rheintal heraufzog, berührte er, über Kenzingen heranziehend, auch die junge Dreisamstadt; an einem der ersten Tage des Dezember traf er zu Freiburg ein und übernachtete.

 

Der heilige Bernhard von Clairvaux (1090-1153)

 

Neuenburg
Gründung 117
5

 

 

 

 

 

 

 

 

Thun
Stadterweiterung um 1180 

 

 

 

 

 

 

 

Bertold IV. (1152-1186)
Relief im Chor des Freiburger Münsters 

 

 

 

 

 

 

 

Bern Gründung 1191

 

 

 

 

 

 

 

Bräunlingen
Als Brünlingen 802 erwähnt. Befestigung durch Bertold V. um 1203. Stadtrecht 1305

 

 

 

 

Der Hohenstaufe
Konrad III.
(Glasfenster von  
Fritz Geiges 1899)

 Am Tage darauf [am Dienstag dem 3. Dezember] sah er sich um in der ansehnlichen Stadt und fand, daß die Armen sich drängten, das Kreuz zu empfangen, die vielen Wohlhabenden aber fern sich hielten in der vorsichtigen Selbstsucht ihres wohlbegründeten Lebens und Besitzes. Aber der Armen williges Mitlaufen frommte dem Kreuzzuge nichts, es handelte sich um leistungsfähige, wohlbewaffnete und ausgerüstete Streiter. So ließ denn Bernhard zur Predigt rufen und trat unter die Zusammengeeilten. Er redete selbst die Landessprache nicht, aber sein Dolmetscher übersetzte die gewaltigen Worte des großen Predigers: von der herben Not und den Drangsalen im Heiligen Lande, von der dringlichen rettenden Hilfe, von der neuen Heerfahrt, zu der das ganze Abendland rüste, von der Verblendung und Verstocktheit der sich Weigernden, von deren verhärteten Herzen Gott selbst die Hülle hinwegziehen möge.

 

Der heilige Bernard überzeugt die Ritter (Augustinermuseum Freiburg)

Es mögen ähnliche Worte gewesen sein, voll leidenschaftlicher und phantastischer Beredsamkeit, wie die, mit denen er ein paar Wochen später den in Sorgen um sein Reich zaudernden König Konrad zur Kreuzfahrt trieb: Drum gedenket des Tages, da ihr vor Gottes Gericht stehen werdet; dann wird der Herr der Welten, wird Christus fragen: was ist mir geblieben, für euch zu tun? Habe ich euch nicht Reichtum und Klugheit gegeben, Gesundheit, männlichen Mut und tapfere armeskräftige Mannschaft: wie habt ihr es verwendet, was habt ihr mir für alles zum Danke getan. Mächtig drangen die immer sich steigernden Worte auf die Zuhörer ein, sie vermochten sich dem heftigen Affekt nicht zu entziehen; gemengt unter die Armen der elendesten Quartiere, drängten sich auch die reichen Bürger - die reichsten und selbst die hartnäckigsten - hinzu und empfingen auf ihre Schultern das Kreuz der Heerfahrt, die dann im Mai 1147, von Regensburg ausgehend, nach Jahr und Tag mit einem völligen Misserfolg endet [Albe24].

 

 

Die Zähringer Herzöge in der Barockkirche von St. Peter (2)

 

Conradus Dux Zaeringius: Dotator Basilae B.M.V Conditor intra XXVIII anos absoluta. Hic sepultus MCLIX

 

 

Bertoldus IV. Dux Zaeringius: Donator sub Frederico I. contra Saladinum heros primae cohortis hic sepultus MCLXXXVI

 

 

Bertoldus V. Dux Zaeringius: Dotator familiae ultimus electus in caesarem sepultus FRiburg Brisg. In Basilica B.M.V. MCCXVIII

 

 

Ein früher Streit zwischen Badenern und Schwaben ?

 

Sicherlich ist es verwegen, den Ursprung der Animosität zwischen (Süd-) Badenern und Schwaben in das 12. Jahrhundert zu verlegen, doch zwischen den Zähringern und den Staufern knistert es nach der Einigung von 1098 im Jahre 1150 wieder gewaltig. Als Herzog Konrad für die Welfen Partei ergreift, bricht die Feindschaft offen aus. Herzog Friedrich III. von Schwaben (1147-1152) (der spätere Kaiser Barbarossa (1155-1190)  zieht in den Krieg und nimmt 1146 zunächst die Zähringerstadt Zürich ein. Anschließend belagert er Freiburg und und zerstört die Stammburg der Zähringer.

 

Dagegen ist Konrads Verhältnis zu seinem König mit gleichem Namen so herzlich, dass Konrad III. (1138-1152), als der Zähringer Anfang Jahre 1152 am Hoftag in Konstanz stirbt, den Leichenzug mitten im Winter bis zum Kloster St. Peter begleitet, um dem Herzog dort die letzte Ehre zu erweisen [Albe20a].

 

 

Das alte Breisach als Konkurrenz für das junge Freiburg

 

Mit dem Erbe übernimmt Sohn Bertold IV. (1152-1186) auch Konrads außenpolitischen Nachlass. Um 1146 hatte der Basler Bischof als Stadtherr von Breisach auf dem dortigen Münsterberg eine Kaufmannssiedlung errichten lassen, die am Rhein für den Handel mit Burgund strategisch günstiger liegt als Freiburg. Somit konkurriert die bischöfliche Stadt mit der Zähringerstadt direkt um die Ansiedlung von Kaufleuten. Um einen Teil des durch Breisach laufenden Ost-Westhandels abzuziehen, gründet Bertold um 1175 zwischen Breisach und Basel als eine weitere Verkehrsverbindung über den Rhein eine Neue Burg, die Stadt Neuenburg.

 

Für Bertold IV. ist der Name Freiburg Programm. So muss der gute Name für eine weitere Stadtgründung herhalten: Darnach do hatt gemelter Hertzog Berchtold desgleichen jm fürgenommen eyn stadt in Jchtlandt zu bawen unnd hatt da gebawen die stadt Freyburg in Jchtlandt nach seinem wolgefallen/ unnd auch wieder (gegen=wider) die wütterich/ nemlich die Saffoyer (Savoyer)/ das beschach als man zalt von der geburt Christi 1179. jar [Schi98]. Die Zähringer sind bekannt als Gründer, Neugründer, Erweiterer und Förderer weiterer Städte wie Villingen (1119), Rheinfelden (1130), Freiburg im Üchtland (1157), Murten (1170), Burgdorf (1175), Neuenburg (1175), Thun (1180), Bern (1191) und Bräunlingen (1203). 

 

 

 

Lambert von Lüttich (Glasfenster in der Freiburger Kartaus)

 

 

 

 

Lambert in Bischofskleidung als Säulenheiliger vor dem Münster

 

 

Der Zwist zwischen Staufern und Zähringern geht in die nächste Runde

 

Der Staufer Herzog Friedrich von Schwaben, inzwischen nach dem Tode Konrads III. im Jahre 1152 zum römischen König gewählt, möchte die Konkurrenz des Zähringergeschlechts am Rhein klein halten. Als die Bürger Mainz’ 1160 Bertolds IV. jüngeren Bruder Rudolph zum Erzbischof und damit zum Erzkanzler des Reiches wählen, widersetzt sich Barbarossa. Dabei spielt die seelsorgerische Tauglichkeit Rudolphs bei dieser Entscheidung keine Rolle, sondern es gilt, eine territoriale Ausdehnung der Zähringer zu verhindern.

 

Kaiser Barbarossa (1155-1190)

 

Voller Frust bittet Bertold IV. daraufhin Louis VII (1137-1180) um Vermittlung bei Papst Alexander III. (1159-1181) und sagt im Gegenzug dem französischen König jedwede Unterstützung gegen Barbarossa zu. Da sich Louis VII aber im Vorfeld des Hundertjährigen Krieges gegen England voll auf seine Westfront konzentrieren muss, kommt es zu keinem frühen Eingreifen Frankreichs in die Geschicke Freiburgs. Anschließend schwächt Friedrich I. die Stellung der Zähringer im Reich weiter, indem er Heinrich dem Löwen (1156-1180) befiehlt, sich nach 15-jähriger Ehe von Bertolds Schwester Clementia zu trennen.

 

Barbarossa kämpft an allen Fronten. Südlich der Alpen ist er häufig mit Papst Alexander III. und den reichen oberitalienischen Städten beschäftigt. Derweil führt sein Sohn Heinrich VI. (1191-1197), bereits seit 1169 deutscher König*, die Regierungsgeschäfte. Um seiner Dynastie den Brückenkopf nach Burgund zu sichern, schließt er 1185 mit dem Basler Bischof einen Vertrag, der Breisach unter gemeinsame bischöfliche und königliche Verwaltung stellt. Damit bedrohen die Staufer nun direkt die wirtschaftliche Stellung Freiburgs [Uebe85].

*Diese Wahl des ältesten Sohnes zur Absicherung der Erbfolge wird in Zukunft übliche Praxis

 

 

 Bracht er das haupt des heiligen Bischofs unnd marterer Sant Lambrechts

 

In der Folge wird Bertholds Bruder Rudolph getröstet, denn durch die Vermittlung der lothringischen Verwandten wardt schnell darnach [1168] ein Bischoff zu Lüttich gewelett. Als Rudolph im Jahre 1188 Barbarossa auf dem dritten Kreuzzug begleitet, nimmt er auf die Reise die Hirnschale des heiligen Lambert* als himmlische Schutzreliquie mit und an der Belagerung von Akko teil.

*Der Heilige Lambertus war Bischof von Lüttich und starb im Jahre 705 der Märtyrertod  

 

Barbarossas Kreuzzug endet bekanntlich tragisch. Am 10. Juni 1190 ertranck keyser Fridrich in eynem strengen wütenden Bach (im Fluss Saleph in Kleinasien), in den er sich zu weschen gegangen was, das beschach leider zu grossem nachteill unnd schaden der Christenheitt, dieweil durch jn allein der Soladin überwunden hett möcht werden. Also hatt der Zug ein endt genommen, unnd im abzug der Christen do kam genanter Herr Rudolff Bischoff zu Lüttich von dem krieg hieher ken Freyburg in Briesgaw, und wardt kranck unnd starb (1191) zu Herderen in seinem dorff: morte inceptus in villa sua herdra. So kommt es, dass derselb hatt unser lieben frawen unnd münster hie zu Freyburg in Breisgaw begabett mit hochwirdigen Heilthum/ nemlich bracht er das haupt des heiligen Bischofs unnd marterer Sant Lambrechts [Schi98].

 

 

 

Hier greift Chronist Schilter vor, denn die Schädelreliquie wurde anfänglich in der Lambertuskapelle auf dem Schlossberg aufbewahrt und kommt erst 1366 nach der Zerstörung der Festung ins Münster, in dem sie seither, wie der Münsterkaplan Sattler in seiner Chronik schreibt, nicht erlich erworben als sich wolgeburet hett, doch geehrt wird als die des Heiligen Lambert, einer der drei Freiburger Stadtpatrone [Krum70].

 

 

 

 

 Bertoldo V Duci Zaeringae conditori urbis Bernae

(Standbild in Bern)

 

 

 

 

Das so genannte Grabmal
Bertolds V. (1186-1218)
im Freiburger Münster 

Etliche Stätte und Lande in solche verenderung nit willigen wollten

 

Während diesseits des Rheins die Zähringer regieren, kommt jenseits die ober Landtgraffschafft Elsaß, so sehr gering war, [kame] anno 1200 durch heurath an grave Albrechten (III., 1167-1199) von Habsburg [Bade61]. Die Habsburger nicht nur Landgrafen im oberelsässischen Sundgau, sondern auch Vögte des Straßburger Hochstifts und wollen ihre linksrheinische Herrschaft weiter ausbauen.  Jedoch weil etliche Stätte und Lande in solche verenderung nit willigen wollten, also wurden von Kayser Friderich II (1220-1250) wegen vieler Kriege im Elsaß ein Reichsvogt verordnet, die Reichsvogtey Hagenaw ufgerichtet und die zehen Stätte Mühlhausen, Colmar, Schlettstadt, Kaysersperg, Münster in S. Gregorienthal, Ober=Ehenheimb, Rosenheimb, Tückheimb, Hagenaw, Weissenburg und Landaw in seinen schutz ubergeben* [Bade61].

*Ober-Ehin-Heim (Heim an der Ehin) ist der ursprüngliche Name von Obernai. In der obigen Aufzählung sind es elf Städte. Landau in der Pfalz kam erst im Jahre 1521 in den später Dekapolis genannten Städtebund, nachdem sich Mühlhausen 1515 zwar auf ewig der Eidgenossenschaft angeschlossen hatte, dann aber nur bis 1798 schweizerisch bleibt.

 

 

Der Neubau der Stadtkirche im Jahre 1200

 

Als Bertold IV. im Jahre 1186 stirbt, folgt ihm sein Sohn nach. Bertold V. (1186-1218) veranlasst kurz nach seinem Regierungsantritt einen ambitiösen Neubau der Freiburger Pfarrkirche, der um 1200 begonnen wird. Von den Anfängen des Münsters im romanischen Stil zeugen heute noch das Querhaus sowie der untere Teil der Hahnentürme.

 

Nach dem Tode Heinrichs VI. im Jahre 1197 betreibt der Erzbischof von Köln die Wahl Bertholds V. zum deutschen König gegen die Zahlung von 1500 Mark Silber. Der jedoch zuckt zurück in Anbetracht weiterer Schmiergelder, welche die anderen deutschen Fürsten für ihre Kurstimme verlangen. Mit dem Verzicht auf seine Kandidatur löst sich das Problem der Breisacher Konkurrenz für Freiburg, denn der neue König Philipp von Schwaben braucht Geld und verpfändet 1198 die Stadt um 3000 Mark Silber an Bertold. Kaum hatte er Breisach erworben, muss Bertold noch im gleichen Jahr einen Aufstand burgundischer Barone niederwerfen. Deshalb verkündet eine Inschrift zum Eingang der Breisacher Burg stolz: Hanc Dux Berchtoldus portam struxisse notatur, a quo pro fraude Burgundia depopulatur*[Auss08]. In den folgenden Jahren seiner Herrschaft lässt Berthold die Burg Breisach auf der Nordseite des Felsens erbauen, den 41 Meter tiefen Radbrunnen zur Trinkwasserversorgung in Zeiten einer Belagerung graben und das St. Stephansmünster auf der Südseite des Berges errichten.

*Es sei kund getan, dass Herzog Bertold dieses Tor hier errichtet hat, vom ihm ward Burgund wegen des Treuebruchs zerstört

 

Bertold V. stirbt den 14. Hornung 1218 unnd gemelter Fürst erlich bestettet unnd begraben worden in unser lieben Frawen Münster hie zu Freyburg im Breisgaw einig seins geschlechts/ bestettet in ein erhebt grab/ zu der rechten seitten ob der mitteln Kirchthür/ unnd hatt dieser Hertzog vo Zeringen kein leibserben verlassen/ damit hatt das Hertzogthum der Durchleuchtigen unnd mechtigen Hertzogen von Zeringen eyn endt genommen [Schi98].

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Beginn des Neubaus 1200 [Scha01]

Zustand des Münsterbaus um 1220 [Scha01]

This page was last updated on 12 Oktober, 2014