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Kaiser Maximilian I. Standbild an der Fassade des Freiburger Kaufhauses
Haus zum Walfisch |
Freiburgs Geschichte in Zitaten |
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Maximilian I. |
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Der große Gönner Freiburgs
Im Jahre 1473 kommt der 14-jährige Maximilian in Begleitung seines Vaters Kaiser Friedrichs III. (1439-1493) zum ersten Mal nach Freiburg. Als er eine Poliermühle (Steinschleife) besuchte, reizte ihn der Fürwitz, daß er seinen spitzigen Schuh an das Palierrad stieß, welches ihm auch den Spitz abriß und auch den Fuß oder gar ihn selber mitgenommen hätte, wenn er den Fuß nicht mit aller Gewalt zurückgezogen [Schr57]. Diesen Unfall trägt Maximilian der Stadt jedoch nicht nach, sondern kehrt später immer gern nach Freiburg zurück.
Fürwitziger Jung-Maximilian mit dem Fuß in der Poliermühle
So auch im Jahre 1490, als die Freiburger Bürger dem Thronfolger - Friedrich III. hatte bereits 1486 seinen Sohn Maximilian als seinen designierten Nachfolger von den Kurfürsten zum römischen König wählen lassen - bei seinem Einzug in Freiburg als erblich regierenden Landesfürsten huldigen. Die Vorgeschichte: Der immer geldhungrige Landesherr Erzherzog Sigismund hatte im Jahre 1485 bei den Fuggern einen Kleinkredit von 3000 Gulden aufgenommen. Statt einer Rückzahlung liefert Sigismund seinen Geldgebern aus seinen Tiroler Gruben Silber zu Vorzugspreisen, welches die Augsburger mit hohem Gewinn verkaufen. Mit der Zeit reicht jedoch auch ein ständig erhöhter Kreditrahmen nicht aus, um des Erzherzogs finanzielle Bedürfnisse zu decken. Deshalb rezidiviert Sigismund: Aufs schmerzlichste muß es jeden unbefangenen Freund der Geschichte berühren, wenn er den Erherzog Sigmund nach Allem, was die Lande für ihn gethan und aufgeopfert hatten, neuerdings bereit sieht, dieselben an irgend einen Meistbietenden loszuschlagen. Die bairischen Herzoge Albert und Georg zeigten zu solcher Pfandschaft Lust, und die Unterhandlungen waren an den Höfen schon weit gediehen; als König Maximilian davon unterrichtet wurde, und noch zu guter Stunde einen besonderen Abgeordneten mit dem Auftrage an Freiburg sandte: die Stadt möge sich nur mit dem übrigen Lande aus aller Kraft der Verpfändung entgegensetzen, und an den König halten [Schr25].
Darauf stellen 1487 die vorderösterreichischen Landstände in einem unerhörten Kraftakt mit einer ständischen Vormundschaftsregierung Sigismund wegen seiner Misswirtschaft unter Kuratel. Anschließend drängen sie im Verein mit den Landständen von Tirol ihren Landesherrn, seine Herrschaft an König Maximilian abzugeben. Sigismunds Kanzler Konrad Stürtzel handelt einen Vertrag aus, nach dem der Erzherzog gegen ein Leibgeding (Jahrgeld) von 52000 Gulden für sich und seine Gemahlin all seine Lande im Elsass, Sundgau und Breisgau an seinen Vetter abtritt.
Die vereinigten Landstände proklamieren am Pfingstmontag (31. Mai) 1490 Maximilian zu ihrem neuen Landesherrn, der Sigismunds Berater Stürzel übernimmt und zum Kanzler von Vorderösterreich und Tirol macht [Spec02]. Mit dem Erwerb der Länder ist nun das gesamte habsburgische Erbe wieder vereinigt, doch jetzt bekommt Maximilian finanzielle Schwierigkeiten und muss ebenfalls einen Kredit bei den Fuggern aufnehmen. Die hohe Summe von 120000 Gulden zahlt auch er mit Silber aus den Tiroler Bergen zurück. Als er später Jacob Fugger in den erblichen Grafenstand erhebt, soll dieser lakonisch festgestellt haben: Ich habe den Kaiser in meiner Tasche [Böni09].
Seiner lieben Stadt all ir gnad, freyheit, priuilegia, brieff, recht vnd gewohnheit
In einem Freiheitsbrief geben zu Freyburg im Brysgew an montag in der heiligen Pfingstfeyertagen uach chriti geburde vierzehenhundert vnd im newntzigisten, vnsers reichs im fünften iaren verleiht Maximilian seiner lieben Stadt all ir gnad, freyheit, priuilegia, brieff, recht vnd gewohnheit, die sy von alter gehebt und herbrachtt hetten, gnediklich zu bestättigen [Eise83]. Zu den herkömmlichen zwei Jahrmärkten gewährt er der Stadt einen dritten, damit die unpassenden Steigerungen im Münster unterbleiben, denn es besteht in Freiburg ein Brauch, daß die Güter, so man frohnen und verganten wolle, öffentlich in der Pfarrkirch ob dem heiligen Sakrament unter dem gesugnen Amt ausgeruft werden. Solch Vergantung und Berufung, dardurch dann der Gottesdienst beirrt und verhindert wird, nicht mehr in der Kirche, sondern auf dem Markt vor derselben, vor dem Hochamt geschehen zu lassen [Schr57]. Durch eine Neuordnung des Finanz- und Verwaltungswesen kommen der Eisen- und Salzhandel in die Regie der Stadt.
Nicht nur Maximilian weilt gern in Freiburg
Auch seine Entourage wie der neue Hofkanzler halten sich gern in der Stadt auf.
Kanzler Stürtzel von Buchheim* erwirbt sieben zusammenliegende Hofstätten an der Großen Gass,
die Häuser zum Fürsten, zum Panther, zum Pflug, zum Barth, zur
Sommerau, zum Rust und zum Horn und lässt in den Jahren
1494-96 diese zu einem Stadtpalais, den nachmals Basler Hof benannten
Gebäudekomplex, umbauen,
während Maximilians Schatzmeister
Jakob
Villinger von Schönenbach die Hofstätten zum Ofenhus, zum Simpson
und zum Blattfuss in der Franziskanerstraße erwirbt und dort von
1514-16 das repräsentative
*Maximilian hatte Stürtzel 1491, wohl wegen seiner Verdienste um den Vertrag mit Sigismund, in den Adelsstand erhoben
Konrad Stürtzel von Buchheim auf einem Glasfenster in der von ihm gestifteten Kapelle im Chorumgang des Freiburger Münsters
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Der lant friede von 1495
Herzog von Mecklenburg
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Um mittentag Geschach ein grüsam donnerschlag
Am 12. Oktober 1492 erreicht Cristóbal Colón, bei uns als Christoph Columbus bekannt, auf dem Seeweg die dem amerikanischen Kontinent vorgelagerten karibischen Inseln und hält sie fälschlicherweise für Westindien. Davon weiß der römische König nichts, als er einen Monat später in die vorderösterreichische Hauptstadt Ensisheim einreitet. Dort zeigt man ihm einen Stein, der am 7. November vom Himmel fallend auf einem Feld in der Nähe der elsässischen Stadt die Bauern in Angst und Schrecken gesetzt hat. Sebastian Brant schreibt darüber folgendes Gedicht:
Da man zalt fierzehnhundert Jar *7. November 1492
Maximilian befiehlt, das Gotteszeichen in die Kirche zu bringen und dort aufzubewahren. Er weiß nicht, dass er den ersten geschichtlich bezeugten Meteoriten Europas fast noch warm erleben durfte. Heute wird der Stein im Ensisheimer Rathaus aufbewahrt.
Maximilian plant Beilager mit Bianca Maria Sforza in Freiburg
Diese Schlagzeile können die Freiburger 1493 nicht lesen, nicht etwa, weil es noch keine Zeitungen gibt, sondern weil die Heiratsvorbereitungen Maximilians als geheime Reichssache laufen, will man doch wegen des zu erwartenden Gästeansturms in der Stadt Preistreibereien besonders bei Lebensmitteln verhindern. Seit dem Tode seiner geliebten Frau Maria Burgund, die 1482 nur 25-jährig bei einer Reiherjagd nach einem Sturz vom Pferd stirbt, wird der junge König nicht keusch getrauert haben, doch bei Hofe sucht man eher nach einer dynastisch profitablen Wiederverheiratung Maximilians.
Die Heirat mit Bianca Maria Sforza ist nicht gerade standesgemäß - die Sforza waren mit einem Militärputsch in Mailand an die Macht gekommen und gehören zum Geldadel- doch bringt diese Ehe dem König zwei Vorteile: einen verlässlichen Bundesgenossen gegen die französische Expansionsbestrebungen in Oberitalien und eine willkommene Mitgift von 400000 Dukaten für die notorisch finanziell klammen Habsburger [Rabe89]. Dafür legitimiert Maximilian das Haus Sforza mit der Belehnung Mailands.
Nachdem die offizielle Hochzeit Biancas ohne den König per procuram mit Christoph von Baden im Mailänder Dom stattgefunden hatte, plant Maximilian, Bianca gegen Ende 1493 in Freiburg beizuliegen. Der Tod seines Vaters im August verzögert jedoch die Vorbereitungen, denn in einem Rechtssprichwort heißt es: Wenn der Kaiser stirbt, setzt sich der römische König in den Sattel [Rabe89]. So hat die Krönung Maximilians (1493-1519) Vorrang. Braut Bianca bricht erst Ende Jahr von Mailand gen Freiburg auf, doch die Alpen sind verschneit und als die Nachricht eintrifft, in Freiburg sei die Pest ausgebrochen, schwenkt der Zug kurzerhand nach Innsbruck um. Maximilians Beilager findet schließlich im nahegelegenen Hall statt. Was soll nun mit dem bereits in Freiburg angelieferten teuren Wein geschehen? Maximilian gibt Order, den Wein vor Ort meistbietend zu verkaufen und das Geld der königlichen Kasse anzuweisen [Joos07].
... haben Wir durch das Hailig Reich und Teutsch Nacion ainen gemainen Friden fürgenomen, aufgericht, geordnet und gemacht ...
Als neuer Herrscher erfüllt Maximilian die in ihn gesetzten Erwartungen. Bereits auf dem Reichstag zu Worms 1495 kümmert er sich energisch um die anstehenden Reformen. Die zunehmenden Fehden und Räubereien im Reich machen die Verkündigung eines Ewigen Landfriedens dringend notwendig: Also das von Zeit diser Verkündung niemand, von was Wirden (Würden) Stats oder Wesens der sey, den andern bevechden (befehden), bekriegen, berauben, vahen (gefangensetzen), überziehen, belegern, auch dartzu durch sich selbs oder yemand anders von seinen wegen nicht dienen, noch auch ainich Schloß, Stet, Märckt, Bevestigung, Dörffer, Höff oder Weyler absteigen oder on des andern Willen mit gewaltiger Tat frevenlich einnemen oder gevarlich mit Brand oder in ander Weg dermassen beschedigen sol ... [Köpf01]. Zur besseren Durchsetzung dieses Friedens werden Reichskreise - anfänglich sechs – gebildet, die neben dem Reichstag regelmäßig Kreistage abhalten sollen.. Zukünftig gilt bei Fehden nicht mehr das mit dem Schwert blutig ausgefochtene Faustrecht, sondern Streithähne sollen sich der Entscheidung des Kaisers und des Reiches Kammergericht beugen, welches in Worms konstituiert wird.
Bemerkenswert ist hier das Erwachen eines deutschen Nationalgefühls mit der Unterscheidung zwischen deutscher Nation und Reich, denn Italien und Böhmen bleiben außerhalb der Reichskreiseinteilung [Schm99]. Zur Finanzierung von Reichsausgaben gesteht der Reichstag dem König eine direkte Reichssteuer zu, den gemeinen Pfenning. Schon Maximilians Vater Kaiser Friedrich III. hatte auf dem Reichstag zu Regensburg 1471 behufs der Abwehr der Türken, den Zehnten von allem Einkommen verlangt. Städte und Grafen wehrten sich dagegen, obgleich osmannische Streifschaaren damals zum erstenmal aus Bosnien in Deutschland selbst eingefallen waren und eine Menge Christen getödtet oder in die Sclaverei geschleppt hatten [Schr57].
Der Reichstag zu Freiburg 1498
Nachdem es 1493 mit dem königlichen Beilager in Freiburg nicht geklappt hatte, wird die Einberufung des Reichstags nach Freiburg im Jahre 1498 zum Höhepunkt der Gunstbezeigungen Maximilians seiner Stadt gegenüber. Da der Stadtrat mit vielen Besuchern rechnet, setzt er im Vorfeld der Veranstaltung Höchstpreise für Nahrungsmittel, Bewirtung sowie Unterbringung der Teilnehmer und ihrer Pferde fest. Und der Auftrieb der Gäste ist gewaltig. Es reisen an mit Gefolge der König von Ungarn, die Churfürsten von Pfalz (Erztruchsess oder archidapifer), Brandenburg (Erzkämmerer oder archicamerarius) und Sachsen (Erzmarschall oder archimarescallus), sowie die Erzbischöfe von Mainz (Erzkanzler), Köln (Kanzler für Norditalien) und Trier (Kanzler für Burgund), dazu die Herzöge von Bayern und Mecklenburg, der Markgraf von Baden sowie viele Gesandte anderer Fürstenhöfe. Einzig der König von Böhmen, der Erzschenk (archipincerna) des Reiches, lässt sich entschuldigen.
Maximilian, sein Sohn aus erster Ehe mit
Maria von Burgund
Philipp der
Schöne und seine zweite Gemahlin Bianca Maria Sforza wohnen standesgemäß
Freiburger Gerichtslaube
In Ermangelung größerer Säle findet der Reichstag in der räumlich beengten Gerichtslaube statt, die damals ein Stockwerk niedriger war. So kommt es bald zu Streitereien über die Sitzordnung: Uff Freitag Margarethe virginis (am 20. Juli) sind churfürsten, fürsten und ander potschaften des heiligen richs aber erschienen und sollten des khunigs von Poln potschaft gehort haben. Da ward ein zwytracht zwischen den gemeinen fürsten dess sessz (d.h. der Rangfolge) halben. Die wollten nit zu der churfürsten fussen sitzen, dann es was ein ungeschickte Stube und ain bank gar viel hoher da die churfürsten und ir botschafter oben sassen, also das die andern fürsten, geistlich und weltlich gleich iren fussen sitzen solten, das wollten syn nit thun. Die Sitzung wurde also für jenen Tag aufgehoben und alle Bänke wurden alsbald gleich hoch gemacht … [Badi98]. Natürlich hätten die Herren auch rotieren können, damit die anderen auch mal oben sitzen dürfen, die dafür dann den Gestank, der von den Unteren ausgeht, hätten ertragen müssen. Das rechtzeitig vollendete Kornhaus am Münsterplatz dient während des Reichstagen nur Tanz und festlichen Veranstaltungen.
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Der Churfürst von Mainz und Kanzler des Reiches Berthold eröffnet die Versammlung: Das Verlangen und Streben des Königs geht dahin, daß im deutschen Reiche Friede und Recht besser als bisher gehandhabt werde. Da dies jedoch nur unter Mitwirkung größerer Geldmittel möglich ist, so habe man bereits zu Worms (1495) den Reichspfenning (nämlich von 500 Gulden Werth an Eigenthum 1/2 Gulden, von 1000 Gulden Werth 1 Gulden, darüber nach Belieben) auf vier Jahre bewilligt, und dazu die Schatzmeister zu Frankfurt aufgestellt, ihn aber seitdem bei weitem noch nicht eingebracht. Der König verlange nun, daß diejenigen, welche im Rückstande seien, sich erklären, ob sie ihren Beitrag liefern wollen oder nicht, damit er sich hernach zu richten wisse [Schr57]. Die Eidgenossen lehnen wie schon früher diese Reichssteuer ab.
Ein weiterer Beratungspunkt betrifft das in 1495 in Worms geschaffene Reichskammergericht, das ohne eine einheitliche Rechtsgrundlage rechtlich in der Luft hängt. Deshalb gibt der Reichstag ein dringlich benötigtes allgemeines Gesetzbuch in Auftrag. Auch das schert die Schweizer wenig, erkennen sie doch die Zuständigkeit des Reichskammergerichts nicht an. So wird es nichts mit der auf dem Reichstag zu Freiburg geplanten Einleitung des Schweizerfriedens.
Maximilian I., Relief am Haus zum Walfisch
Jedoch sind die Beratungen zum Reichskammergericht nur Nebenschauplatz, denn der Streit ums Geld bestimmt alle weiteren Verhandlungen. Maximilian fordert, ihm den Kredit von 150000 Gulden, von dem ihm bisher nur der geringste Theil bezahlt worden war, endlich vollständig aus dem gemeinen Reichsschatz zuzuerkennen, um gegen Frankreich gerüstet zu sein, denn so führt er aus: Ich kenne das Wesen und die Macht der Franzosen recht wohl, und fürchte mich nicht; Gott hat mich nie verlassen, ich hoffe, daß er mich auch jetzt nicht verlassen wird [Schr57]. Von den Lombarden bin ich verraten, von den Deutschen bin ich verlassen. Aber ich will mich nicht wieder wie zu Worms [beim Reichstag] an Händen und Füßen binden und an einen Nagel henken lassen. Den Krieg muss ich führen und will ich führen, man sage mir, was man wolle. Ehe werde ich mich von dem Eide dispensieren, den ich dort hinter dem Altar zu Frankfurt geschworen habe; denn nicht allein dem Reiche bin ich verpflichtet, sondern auch dem Hause Österreich. Ich sage das und muss es sagen, und sollte ich darüber auch die Krone zu meinen Füßen setzen und sie zertreten [Rank20].
In der Tat war der französische König 1495 in Norditalien einmarschiert.
Auch das nahe Breisach, früher zum Burgund Karls des Kühnen gehörig, fühlt
sich durch Frankreich bedroht und bittet um Unterstützung:
Wir sein
Älteste, reichlich stilisierte Darstellung Freiburgs in der Margarita philosophica von Gregor Reisch
Weiter lehnen die Stände auf dem Reichstag die Bewilligung von Mitteln zur Abwehr der Türken, die auf dem Balkan bereits bis an die ungarische Grenze vorgerückt waren, ab und argumentieren: Da die türkische Macht inzwischen doch den Vorsprung gegen die Grenzen habe, so sei es schon zu spät, aus allen deutschen Ländern Leute zu bestellen und ihr entgegen zu schicken. Was aber das Anerbieten Maximilians betreffe, zu diesem Kriege vorläufig 60000 Gulden darzuleihen, die ihm dann aus dem Reichsschatze zurückzuzahlen wären, so wissen man im Grunde doch nicht, was dieser vermöge; zudem seien die Stände nicht vollzählig genug, und somit bäte die Versammlung den König, die ganze Verhandlung über diesen Gegenstand auf den nächsten Reichstag zu verschieben. Drob ist Maximilian ernstlich verstimmt und schimpft: Von den deutschen Fürsten Thaten für das allgemeine Wohl des Reiches hoffen, heisst Trauben von Disteln erwarten und hat bei so viel Unwilligkeit nicht übel Lust, den ganzen Krempel hinzuschmeißen. Am Ende des Reichstags bemerkt ein Teilnehmer: Alia quoque multa fuerunt satis utiliter proposita, quae utinam fuissent et practicata* [Schr57]. *Es wurde gar viel Gutes auf demselben besprochen, wäre es nur auch ausgeführt worden
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König von Böhmen
Ordnung unnd satzung über weyne
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Ausschreiben betr. die Verfälschung der Weine
Nicht nur die finanziellen Probleme bereiten dem König Kopfschmerzen, sondern auch der reichliche Weingenuss. Die Sitzungen währten bis Mitte August. Die sommerliche Hitze war so drückend, daß der Stadtrat an manchen Tagen zur Erfrischung der Sitzungsteilnehmer drei große Kannen Wein herumreichen ließ [Badi38]. Doch die Wirte rücken mit ihrem guten Tropfen nicht heraus. Der Markgräfler bleibt im Keller… [Kühb98]. So ist sich Maximilian beim Thema Wein und Kopfschmerz in Freiburg mit den Ständen bald einig und man geht nicht ganz ohne Reichstagsbeschluss nach Hause. In Abwesenheit des verantwortlichen böhmischen Reichserzschenks verabschieden die Anwesenden noch vor dem Reinheitsgebot für Bier flugs das erste deutsche Weinmandat, die satzung unnd ordnung über die weyne. Genau genommen handelt es sich hier um die Erneuerung und Verschärfung einer von Maximilians Vater Friedrich III. bereits 1487 beförderten Weinordnung, nachdem die Verböserung der Weine durch Zucker, Schwefel oder gar mit Giften wie Silberglätte und antimonhaltigem Spiegelglanz nicht aufgehört hatte, woran die Teilnehmer der Reichstages täglich beim morgendlichen Kater erinnert wurden [Baum07a, Hefe41] :
Wir Maximilian von gottes gnaden| Römischer künig/ zuallenzeiten merer des Reichs| zu Hunngern| Dallmatien| Croatien etc. künig Ertzherzog zu Osterreich| Hertzog zu Burgundi| zu Brabant| zu Gelldern & Grafe zu Flandern| zu Tyrol etc. Embieten. n. allen und yegklichen Curfürsten/ Fürsten| geistlichen unn welltlichen| Prelaten| Grafen| Freyen| herrnn| Rittern| knechten| Haubtleuten| Vitzthumben| Vögtnn| Pflegern/ Verwesern| Ambtlewten| Schultheyssen| Burgermeistern| Richtern| Reten (Räten)| Burgern| gemeinden| Auch den Weynkiesern (Weintestern)| Visierern (Begutachtern)| Eychern| Underkewffern (Weiterverkäufern) | Ewtrern (Eutrern=Zapfern!)| Penndern (Fassbindern)| besehern der Wein| und andern| so mit weynen und fassen zu handlen haben| und sonnst allen anndern unseren und des heilgen Reichs underthanen und getrewen| in was wir den stattes oder wesens die sein|den diser inser künigclicher brief| oder glawplicher abschrift| davon fürkumbt| und zu wissen wir der| Unnser gnad und alles gut| Erwirdigen| Hochgebornen| Wolgebornen| Ersamen| Edlen lieben Neuen| oheimen| Churfürsten| Fürsten| Andechtigen| und getrewen| Nachdem weylend der durchleuchtigest Fürst Herr Fridrich Römischer keyser etc. unnser lieber herr unnd vatter loblicher gedechtnuss| die pösen schedlichen gemechd (Gemächte, hier Beimischungen) der Weyne verbotten| und deßhalben mit zeittigem Rate| ettlich ordnung und satzung gemacht| und außschreiben lassen hat| Unnd aber mit solichen pösen gemechten| seidher nit still gestanden| sunnder darüber als wir zumermalen bericht sein| wider die yetzberürt| unsers lieben herren und vaters satzung und ordnung| dannocht an vilennden (an vielen Enden=überall)| die Weyn| wider Ir natur| in menicherley weyse| mit unzimlichen pösen gemechden belestigt| und annders dann Sy| von natur seyen zubringen understanden werden. Daraus| als wir bey den gelerten der Artzney|und sunst erfinden (herausgefunden)| den menschen zumlmalen (zumal) swere lang werende unüberwyndtlich tödtlich kranckheiten. Unnd sunderlich| den Frowen personen so sy swanger| oder nachdem sy kindes genesen| oder aber sunst mit natürlichen kranckheiten beswert sein. dermassen schaden und verderbnuß emphahen. das Sy unnd ire frucht| der sterben| oder fürohin nit mer empfengklich noch fruchtpar werden mügen volgen. Darein wir als Römischer Regirender künig| gemeinem nutz zugut| gnedigklichen gesehen| und darumb mitsampt unnsern und des Heiligen Reichs Churfürsten| Fürsten/ Stennden unnd gemeiner besamblung (allgemeiner Versammlung)| auf dem Reichstag allhie zu Freyburg zu verhüttung solichs übels gesetzt unnd geordennt setzen unnd orden auch von Römischer künigklicher macht wissenntlich mit disem brieff. Zum ersten| da die Weynper (Weinbeeren)| so sie von den weynreben zu den kalltern| oder pressen| unnd darauf gebracht werden. on alles gemechd unnd zusatz| ausgebresset| der wirt zin slechte| unzuberayttet einichs gemächts vass (einfaches=schlichtes einer Beimischung unpräpariertes Fass) getan| und dieselben most mit steter ordennlicher füll gehalten| damit die volkumenlich unnd gentzlich ir vexierunge haben mügen| und auch fürter (further engl.=weiter) denselben weynen keinerley schedlich unnd pöss (böses) gemechd oder zusatz| weder auch mit bedempfen zu machen| oder in einich ander weyse getan| sunder das die| mit ordenlicher füll wie oben begriffen ist| biss zum ablassen gehalten werden süllen. Zum andern| so man die weyne ablassen welt| oder wurde| das man die dann in slechte unzuberayte einichs gemechts vass| ablass doch also ob yemand wer der were| zu dem ablassen umb bestendigkeit willen des weins| sein vass mit einem Swefel zuberayten wolt. das solt| er zutun macht haben. Doch einen weyne ein mal| und nit mer| auch nit annders| dann zuberaytung eins fürderigen vass (Fass der Größe eines Fuders)| Ein lot lawtrers (lauteren) Swefels. Also sol es auch gehalten werden| nach antzal des Swefels zu einem grössern| oder kleinern vass| Doch ob yemand weyne überlannd füren wolt| der den in bestendigkeit zubehalten wyteres swefels dann verzberürt notdurfftig were| der mag solh vass| mit einem swefel| auch zimlichen berayten. Unnd nemblich zu dem weyne| die als obsteet (obenstehend) zuvor geswefelt weren| in einfuderig vaß| ein halb lot swefels. Weliche aber vormals nit geswefelt wern| in ein fuderig vass| ein lot lawtters swefels wie vorsteet und fürter nach antzal| des swefels zu einem grosseren und kleinern vass| und auch nit mer noch ferrer. Und welcher oder welche Ire weyne also geswefelt haben| der oder dieselben| sullen den auch also für geswefelt verkawffen| das den kawffern eroffnen| damit derselb weyne nit weiter geswefelt| sunder damit wie obgeschriben steet (oben geschrieben steht) gehalten. Und wer dise ordnung vorgeschriben verbreche/ oder die wein anders| oder mer dann obsteet geswefelt het| das dann dem| oder denselben| die vass darinn solher wein erfunden wurd| zustund daselbs| der boden außgeslagen und der weyne darinn verschüt| unnd darzu von denen| da solich gemehd/ oder mer geswefelt weine dann vorgemelt ist/ bey funden| unnd betretten wurden dem Fürsten/ Herren/ oder Stat/ dem derselb uberfarer (Überfahrer=Übertreter)/ obgemelter ordnung zustünd solh uberfaren verkünndt/ und alsdann derselbig uberfarer seiner herrschafft| von einem yeden Aymer einen Reinischen guldin unablößlich zu buss zugeben verfallen sein| unnd gegeben werden. Nachdem auch yezuzeitten die furlewt/ und schifflewt weyn zu wasser| oder lande furen| und Iren lon darumb empfahen underwegen in herbergen| und in Iren eygen wonungen aus den vassen/ so Sy olso furen| one der herren der sy sein| wissen| weyne dieblich nemen| und nach Irem gefallen verzeren| und an desselben genomen weynes stat| wasser giessen| und die vaß widerumb damit zu füllen| das solhs hinfüro denselben fuer| und schifflewten nit verhengt gestat/ noch zugesehen sunder darumb| mitsambt den Ihenen so Inen des verhollffen (verholfenen=behilflichen) herren weren wirtsknecht| oder annder nach mass Irer verhandlung an Iren Eren (Ehre)| leiben und güttern unnachlessig gestrafft werden. Es sol auch ein yeder Fürst. Graf. Herr| und unnser und des Reichs Stette| In seinen gerichten und gebieten allenthalben zuhandthabung und haltung solher vorbestympten ordnung| einen oder mer| Ambtlewt nach gelegenheyt Ir yedes gebiet| ordnen| Unnd von dem/ oder deselben Ambtlewten| wann sy zu solhen Ambt aufgenomen werden. Eyde zu got und den heiligen nemen. Auch dar zu den Benndern (Fassbindern)/ Eychern underkewffern (Weiterverkäuferen)/ und anndern Iren Amptlewten| und den Iren/ so in Iren gerichten und gebieten gesessen unnd underworffen sein/ unnd mit weynen und vassen zu handlen haben/ bey Iren pflichten/ damit Sy Inen verbunden sein/ ernstlich bevelhen (befehlen) und Sy darzu halten und vermügen| das sy auf solh gemechd der weyne/ Ir fleyssig aufsehen haben/ und wo sy die| hiewieder erkunden Irer herrschafft anbringen/ | und die ytzt gemelten verordneten Amptlewt solh ir ampt/ trewlich und aufrichtiklich verwesen/ und damit wie vorgeschriben stet (vorgeschrieben steht=ist) handlen/ Auch darinn weder miet/ gab/ fründtschafft/ veindtschafft| noch ichts anders ansehen| sunder strackhs unnd aufrichtigklich allein| denselben iren ampten außwarten| unnd nachgeen wellen| getrewlich unnd ungeverlich (ungfährlich=ungefährdet)| damit das| so annders dann wie obsteet erfunden wurd| nach obgeschribner mass gestrafft werd. Wo aber yemand wer der| oder die weren/geistlich oder weltlich personen| erfunden wurden| von wem/ oder so offt das beschehe der einicherley pöss unnd schedlich gemecht| nichtzit außgenomen| dann allein die obgeschriben zulassung des swefels| in die weyn oder vass tette (täte)| machte/ oder zutund bestelte| es wer vor/ oder nach dem ablass/ durch sich selbs oder yemands annders demselben süllen zuuorderst/ von stundan/ an den ennden da solh weyne gefunden werden/ den vassen den poden außgeslagen/ und der weyn verschüt| und darzu| ein yeder zu yedem male/ Ein pene/ Nemlich hundert guldin Reinisch/ halb in unnser und des Reichs Camer/ unnd den anndern halbentiel seiner herrschafft unableßlich zuberzalen verfallen sein| unnd also gestrafft werden. Item es sullen auch/ Alent Salue/ Wermutweyn und ander der gleichen würtzwein. deßgleichen die Perwein/ Kempwein/ und Sponwein hierinn die zu iren fügklichen zeiten/ zunyessen zu gebrauchen wie sich zympt/ unnd von allter herkumen ist. vorbehalten unnd aufgesatzt. deßgleichen auch der Malfasier Rainfal/ und annder welsch weyne/ Auch gefewrt (gefeuerte=erhitzte)/ getrebert und gesotten weyne| doch das in dieselben Malfasier/Reinfal/ unnd annder wellisch weyne/ noch auch/ in die gefewerten getreberten und gesott weyne| keinerley schedlich oder pös gemehd/ oder zusatz getan/ noch das der keiner under den anderen gezogen (gemischt)/ auch mit anderen weynen nit gemeret (gepantscht)| sunder yeder für sich selbs hingegeben unnd außgeschencht werden bey der hochsten puss (Buße) wie obsteet. Solichs verkünnden wir Euch. Gebieten Euch auch darauf von Römischer kunigklicher macht bey vermeydung unnser unnd des Reichs sweren ungnad unnd straffe. Unnd darzu verliesung einer pene (Verhängung einer Strafe) Nemlich Fünfftzigk Marckh lötigs golds/ uns in unser kunigklich Camer/ unableßlich zuberzalen ernnstlich und wellen das Ir solher obberürter (oben berührte) ordnung unnd satzung| noch seiner innhalt nachkumet/ unnd die allenthalben in Ewern gerichten/ und gebieten/ offenlich verkünden lasset. unnd bey Ewren undertanen darob seyet/ schaffet/ und bestellet. damit die obbestympt ordnung und satzung nach irer Innhalt/ on abgang (ohne Veränderung)/ durch Sy genntzlich volzogen unnd dawider nit getan werd/ Als lieb Euch sey unser und des Reichs swere ungnad| und die obberürten pene zuvermeyden/. Mit verkünd dits brief besigelt mit unnserm künigclichen aufgedrücktem Insigel Geben zu Freyburg im Bryßgow am xxiiii tag des Monets Augusti. Nach Cristigeburde Vierzehenhundert| und im Achtundnewntzigisten| Unsrer Reich des Römischen im dreytzehenden/ und des Hungreschen im Newnten Jaren.
Doch selbst für den genossenen schlechten Wein kann Maximilian seine Zeche nicht zahlen. Als er die Stadt verlässt*, bleibt Frau Bianca als Pfand zurück und muss drei Jahre in Freiburg ausharren, bis wenigstens ein Teil der während des Reichstags gemachten Schulden beglichen ist [Joos07]. Noch noch zwanzig Jahren sind finanzielle Forderungen von über 20000 Gulden offen [Kalc06]. *In seiner Residenz Innsbruck kann er sich schwerlich blicken lassen, steht er doch bei den dortigen Wirten mit 24000 Gulden ebenfalls in der Kreide [Rose02].
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Reichsadler am alten Zollhaus in Colmar. Der eine Kopf steht für den Kaiser der andere für die Reichsstände
Kurfürst von Sachsen (Erzmarschall)
Friedrich der Weise |
Der Schwabenkrieg
Im Jahr darauf versucht Maximilian, die aufmüpfigen Schweizer in die Pflicht zu nehmen. Den Ständen gegenüber bereitet der König seinen Feldzug, den Schwabenkrieg, propagandistisch vor: Die Eidgenossen haben sich erfrecht, während die Türken mit ungeheurer Macht die Christenheit bedrohen, ohne Absage, ärger als Türken und Heiden, in's heilige Reich zu dringen, einen Theil desselben mit Feuer zu verwüsten, einen anderen aber (so die Stadt Tiengen) in ihre unnatürliche Vereinigung zu bringen; so daß gegenwärtig, - schrecklich zu hören, - Glieder des heiligen römischen Reichs diesen schnöden gottlosen Bauern, denen Tugend und adeliches Blut mangelt, gegen ihre eigenen Oberherrn beistehen [Schr57].
Bei Heinrich Schreiber kann man über die Idylle am Vorabend der Schlacht bei Dornach lesen: Das Lager der Östereicher befand sich in der schönen Ebene zwischen Arlesheim, Dorneck und Rheinach, an den Ufern der Birs. Einige von den dortigen Kriegern sammelten Äste zu Laubhütten, Andre badeten; viele Ritter zechten aus silbernen Bechern und genossen der herrlichen Gerichte, welche sie von ihren Freunden in Basel erhalten hatten, oder sangen, oder unterhielten sich im Schatten der Gezelte mit schönen Mädchen; Andre bereiteten das Abendmahl oder versuchten das Glück im Spiele. Es war St. Magdalenen=Tag (22. Juli), die Mittagshitze glühend. Doch ergriff auch Manche die Ahnung von herannahendem Unglück, sie saßen traurig und sprachen von Klugheit auf feindlichem Gebiet; aber die Freude der sorglosen Menge übertäubte sie und der Feldherr selbst spottete ihrer: es werde doch nicht Schweizer schneien, wer sich fürchte, möge einen Panzer anziehen oder heimgehen [Schr57].
Am folgenden Tag schlagen die Schweizer die Reichsarmee vernichtend. Wie der Stadtschreiber berichtet, kehren die Freiburger Bürger wie schon 1386 ohne ihre Fahne heim und zwar elenclich, barschenkel, on gürtel, on gwer, on kappen und hüt, mit armen stecklin, also daß alle mentschen ein ser mitliden und trurigkeit mit in hetten. Mußtent dennocht gott loben, daß sie mit dem leben darvonkommen warent. Sagtend also, daß sie all und all, so bi 1200 da gelegen, ir fenlin verloren hetten [Hefe41]. Mit dem Frieden zu Basel, in dem sie ihre Ablehnung des Reichsgerichts und des gemeinen Pfennigs endgültig durchsetzen, scheiden die Eidgenossen 1499 de facto aus dem Reichsverband aus.
Doch noch im Jahre 1507 appelliert Maximilian beim Konstanzer Reichstag an die deutsche Treue der Schweizer nicht dem hailigen Rom. rich und sunderlich Tutscher nation, irem vaterland, widerwertig ze sin und froembden nationen und froebmden zungen anzehangen wider die Tutschen ... und verweist ausdrücklich auf Frankreich, dessen König wegen der kaiserlichen Krone der teutschen nation natürlicher feind ist, und ewiglich sein wird. Ein erster Hinweis auf den Erbfeind?! [Schm99].
Maximilian kam nur bis Trient
Diese kaiserliche Krone jedoch hatte Maximilian 1507 noch nicht und so zieht
er ein Jahr später in alter Tradition begleitet von einem allerdings nur
mickrigen Reichsheer – der Reichstag zu Konstanz hatte dem König wieder nur
spärliche Geldmittel bewilligt - über die Alpen in die ewige Stadt, um sich
dort zum römischen Kaiser salben und krönen zu lassen. Doch die Venezianer
verweigern ihm und
seinem kleinen Tross den Durchzug durch ihr Gebiet. So kommt Maximilian nur
bis Trient.
In den folgenden Jahren hält sich der letzte Ritter noch häufig in seiner geliebten Stadt Freiburg auf, der er sogar das Recht zur Prägung von Goldmünzen verleiht. Ab 1510 logiert der Kaiser dann im fertiggestellten Stadtpalais seines Hofkanzlers Konrad Stürtzel. Im gleichen Jahr bestimmt Maximilian das elsässische Ensisheim zur Außenstelle der in Innsbruck befindlichen vorderösterreichischen Regierung.
Die erste Teilung Sachsens und Gründung der Leucorea
Als im Jahre 1464 der wettinische Kurfürst Friedrich II. der Sanftmütige stirbt, wechseln sich seine Söhne Ernst und Albert 21 Jahre lang in der Regierung des Herzogtums Sachsens ab. Doch 1485 gibt es einen Sinneswandel (Sind es ihre Frauen, die darauf drängen?), denn die Brüder unterschreiben in Leipzig Teilzettel, um das Land unter sich aufzuteilen. Der ältere Ernst erhält dabei die Kurwürde, den Thüringischen Landesteil und dazu noch das Herzogtum Sachsen-Wittenberg. Dieses ernestinische Haus nimmt neben den Städten Weimar und Torgau auch Wittenberg zur Residenz. Der jüngere Albert hält dagegen Hof in Dresden.
Im Jahre 1486 wird Ernsts Sohn Friedrich der Weise (1486-1525) sächsischer Kurfürst. Ständig um die Staatsfinanzen besorgt, stellt er seine ständig wachsende Reliquiensammlung, sein Heiligtum, in der Schlosskirche zur Schau und macht aus Wittenberg einen lukrativen Pilgerort. Schließlich winkt jedem, der jedes der 5005 Exponate andächtig betrachtet, ein Ablass von genau 1443 Jahren wie Friedrichs Kleriker errechnet hatten [Breu05]. Dennoch schaut der Kurfürst neidisch ins Sachsen seines Vetters, denn dort zieht seit 1409 die Universität Leipzig reiche Studenten – nur junge Männer mit vermögenden Vätern können sich ein Studium leisten – an, die Geld in die Schatulle Georg des Bärtigen (1500-1539) bringen. So gründet Friedrich mit einem Privileg Maximilians am 18. Oktober 1502 in Wittenberg seine eigene Universität die Leucorea (griechisch weißer/witter Berg).
Um viele Studenten an seine Tochter, wie er die Hochschule zärtlich nennt, zu ziehen, sucht der Kurfürst gezielt nach attraktiven Dozenten. Im Jahre 1508 beruft der erste Dekan der theologischen Fakultät Johann von Staupitz den jungen Augustinermönch Martin Luther an die Universität. Mit Professoren wie Andreas Bodenstein von Karlstadt, Nikolaus von Amsdorf Justus Jonas, Johann Bugenhagen und Philipp Melanchton für Griechisch entwickelt sich die Leucorea mit der Zeit zu einem theologischen Zentrum im deutschen Sprachraum.
Verschwörung unter Bauern
Das Ende des 15. Jahrhunderts sieht eine immer weiter um sich greifende Verelendung des Landvolks. Schon 1493 gibt es einen Bauernaufstand im habsburgischen Elsass in der Gegend von Schlettstadt mit 1500 Verschworenen. Die Lage wird so bedrohlich, dass Kaiser Maximilian im gleichen Jahr mit den Bischöfen von Basel und Straßburg sowie den Städten Basel, Colmar und Schlettstadt einen Bund zur gegenseitigen Hilfeleistung gegen die aufrührerischen Bauern schließt. Dieser Einschüchterungsversuch greift bis 1511, als sich die Bauern in Weißenburg, Altenstadt, Schleithal und Seebach gegen ihre geistliche Herrschaft der Klöster der Benediktiner, Dominikaner, Franziskaner und Augustiner erheben. Gegen diese Aufstände kämpft die Dekapolis nach einem Treffen in Hagenau gemeinsam
Rechtsrheinisch machte ein gewisser Jodocus (Joß) Fritz aus dem Dorf Untergrombach bei Bruchsal mit einer Verschwörung im Bistum Speyer von sich reden. Die Aufständigen verständigen sich mit der Losung: Loset (hört), was ist jetzt für ein Wesen? Antwort: Wir können nicht vor Pfaffen und vor Adel genesen [Schr57]. Diesen Aufruhr erstickt die Obrigkeit im Keim. Jos muss fliehen und taucht unter.
Herrlich blühet sie nun, die Albertina
Freiburgs Universität blüht, wächst und gedeiht. Einer der bedeutendsten Professoren an der Albertina ist der Karthäusermönch Gregorius Reisch, der im Jahre 1503 die Enzyklopädie Margarita Philsophica herausbringt, von der Alexander von Humboldt sagen wird, dass das Buch einen großen Einfluß auf die Verbreitung mathematischer und physikalischer Kenntnisse gehabt habe [Baum07]. Reisch unterrichtet so bedeutende Schüler wie Johannes Eck, den späteren Gegner Luthers in Mathematik und Hebräisch, Martin Waldseemüller den „Erfinder“ des Namens Amerika in Kosmographie und Sebastian Münster den Verfasser der bekannten Cosmographia in Hebräisch und Geographie.
Der Humanist und Professor für Dichtkunst Engentius (Philipp Engelbrecht von Engen) schreibt 1512 auf den Gründer der Albertina Erzherzog Albrecht eine lateinische Ode, welche Heinrich Schreiber im 19. Jahrhundert wie folgt übersetzt:
Durch Jahrhunderte irrten die
Musen umher
Den lesten stein im gewölb vermauret
Ludwigck horneck von hornberg hat den lesten stein im gewölb vermauret, got syß gelobt [Kunz04]. Gemeint ist die lang erwartete Fertigstellung des Hochchores des Freiburger Münsters. Kaiser Maximilian stiftet hierzu Glasmalereien, um für sein gedechtnus zu sorgen [Kalc06]. Die Stadt feiert gebührlich Kirchweih, als der Bischof von Konstanz 1513 das Gebäude einweiht.
Viel sind der prächtigen Kirchen und viel der heiligen Orte,
Als Egentius etwas verspätet im Jahre 1515 zur Faschingszeit seiner Ode auf die Albertina obiges Lobgedicht auf Freiburg und sein Münster folgen lässt, war es mit der Feierstimmung längst vorbei, denn im Jahr der Münsterweihe stunden bei Freiburg unter der Fahne des Bundschuh geknechtete und verarmte Bauern auf.
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Joß Fritz
Leopold von Ranke
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Bauernaufstand 1513 unter Fritz, dem Bannwart in Lehen
Die Pläne der Aufständischen sind radikal: Wir wollen alle Joche und Leibeigenschaften zerbrechen und mit Waffen uns freien, weil wir wie die Schweizer frei sein wollen. Niemals mehr wollen wir Obrigkeit über uns dulden und niemand Zins, Zehnt, Steuer, Zoll und noch andere Beden (Abgaben) bezahlen, sondern uns aller dieser Beschwernisse auf ewig entledigen. Wir wollen die Fürsten und Edelleute mit Gewalt brechen und vertreiben oder totschlagen samt allen Pfaffen und Mönchen; ihre Güter wollen wir teilen [Desc04].
Zeitgenössische Spottschrift auf die Bundschuhbewegung
Eine Verordnung des Freiburger Rats an die Zünfte vom 13. November 1513 warnt:
Bi gemeinen zunften ist uf sonntag nach martini (13.XI.) anno etc. 13 zu handeln die meinung:
Nachdem ein boser mortlicher handel in diesem land entsten wellen mit dem puntschu und ein ersamer rat us erberkeit und den pflichten, die er vorab dem allmechtigen Gott und darnach der herrschaft und allen fromen luten zu thun schuldig gewesen ist, etwas flißlich und ernstlich gehandelt und solche boshaftige gesellschaft (sovil an im gewesen ist) hat helfen trennen und
Bauern unter der Fahne des Bundschuhs fangen einen Ritter
Friedliche Hartmatte in Lehen im August 2010
Die Aufstände scheitern schließlich durch Verrat. Die Herren von Freiburg überfallen Lehen zu mitternächtlicher Stunde. Joß Fritz kann fliehen. Der Stadtrat lässt an die Münstertür folgenden Steckbrief heften: GESUCHT wird Jodokus (genannt Joß) Fritz. Der Hauptmann hat ein silbern Rink an der Hant, trägt einen französischen Rock und ein ziegelfarwen Hosen, auch rot Hosen, alle Hosen zerhawen*. Hat ein Male (is swarz) uf der linken Hant [Breu05]. Gegen die gefangenen Bauern verfährt man mit äußerster Strenge: sie werden gevierteilt, enthauptet oder an den Schwurfingern verstümmelt. Unter der Asche dieses gelöschten Aufruhrs glüht der Funken der Freiheit jedoch weiter: der Windstoß der Reformation wird das Feuer wieder entfachen. *geschlitzte Beinkleider nach Art der Landsknechte
Der sinkende Stern des letzten Ritters 1517/18
Gegen Ende seines Lebens ist Maximilian I. nicht mehr Herr im Hause. Deutschland und die Reichsordnung versinken immer tiefer ins Chaos. Was nützt es, die Bestimmungen des Landfriedens zu verschärfen, wenn sie sich nicht durchsetzen lassen: Willkühr, Selbstrache und Befehdungswuth, die so leicht die Raubsucht und das Leben aus dem Sattel oder Stegreif begünstigen, [sind] von jeher die Hyder (Hydra), welche das sonst so herrliche Deutschland zerfleischt. So verfallen von jetzt an nicht nur diejenigen, welche den Landfrieden wirklich brechen, oder Ruhestörer aufnehmen, sondern auch sogar diejenigen, welche nur in einen gegründeten Verdacht gerathen, den Frieden zu brechen, oder den Friedbruch unterstützen zu wollen, selbst diejenigen, welche nur Verdächtige aufnehmen, in die Reichsacht, und alle damit verbundenen Strafen [Schr57]. Während seiner letzten Lebensjahre macht der Kaiser den Entwurf des eigenen Grabmals zu seinem Hobby [Wind10].
Nichts steht in rechter Ordnung
In der Reformatio Sigismundi einer aus dem Jahre 1439 stammenden Reichsreformschrift liest man bereits: Gehorsamkeit ist tot, Gerechtigkeit leidet Not, nichts steht in rechter Ordnung [Goer04]. Jetzt Anfang des 16.Jahrhunderts wird der Ruf nach Reformen immer lauter, doch selbst Ansätze dazu sind nicht sichtbar, wie es Leopold von Ranke recht bildhaft beschreibt: Im Jahre 1517, als nicht allein die Fehdschaften [des Desperados und Raufbolds Franz von] Sickingens Oberdeutschland beunruhigten, sondern die Unordnungen überhaupt ins Unerträgliche stiegen, kam es wieder zu einem Reichstage, diesmal zu Mainz [...] Summa Summarum, schreibt der Frankfurter Gesandte, hier ist nichts als Klage und Gebrechen; höchlich ist zu besorgen, daß dafür kein Rat gefunden wird. Ein Mittel, eine Maßnahme, die etwas hätte helfen können, ward nicht einmal vorgeschlagen; der Reichstag löste sich auf, ohne auch nur zu einem Beschluß geschritten zu sein [Rank20].
Allain gersten, hopfen un wasser genommen un gepraucht solle werdn
Da gereicht es zum Trost, dass nach der Satzung unnd ordnung über die weyne von 1498 Herzog Wilhelm IV. von Bayern am 23. April anno 1516 der Deutschen liebstes Gebot, das Reinheitsgebot des Bieres, verkündet: Wir wollen auch sonderlichhen dass füran allenthalben in unsern stetten märckthen un auf dem lannde zu kainem pier merer stüchh dan allain gersten, hopfen un wasser genommen un gepraucht solle werdn. Dazu bemerkte ein Braumeister: Die Heffen, die hoam's vergessen, ohn' die geht fai nix. Schluss der Beckmesserei: Seit kurzem wird nun der 23. April als Tag des Deutschen Bieres begangen.
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