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Martin Malterer auf der
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Freiburgs Geschichte in Zitaten |
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Die Grafen von Freiburg und wie
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Um 1363 entsteht ein neues Zwischenreich auf altem Burgunder Gebiet
Von 1339 bis 1453 ist Frankreich mit England im
Hundertjährigen Krieg beschäftigt. So entsteht
Zum Schutz und zur
Wehr ihrer Hausmacht im Elsass und Sundgau sollten die Habsburger gegen die
burgundische Expansion kämpfen, doch
Herzog
Leopold III.
(1365-1386) möchte zunächst die österreichische Herrschaft über die
Stammlande mit der Habsburg seiner Vorfahren im schweizerischen
Die Habsburg im Aargau einst und jetzt. Ihre Reste werden heute als Ausflugslokal benutzt |
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Das Gemetzel von Sempach
Die drei Waldstätten Schwyz, Unterwalden und Uri hatten sich 1291 zu einem Trutzbund gegen Fürstenherrschaft zusammengeschlossen und ihre Freiheit gegenüber den Habsburgern 1315 in der Schlacht von Morgarten eindrucksvoll verteidigt. Doch diesmal ist Leopold voller Siegeszuversicht, denn als der Ritter Freiherr von Hasenburg auf die kämpferischen Eidgenossen hinweist, meint der Herzog, er möge sich doch von Hasenherz nennen [Rose01].
Doch auch dieser Kriegszug endet 1386 mit einer blutigen Niederlage, denn
am mondag nach St. Margarethen tag/ da wardt der gemelt Hertzog Lupolt von
Oesterreich mit mechtigen grossen Adell aus dem Sungow Breisgaw unnd
Schwaben zu Sempach in dem seinen/ umb das seine/ und von den seinen
jemmerlich unnd kleglichen erschlagen [Schi98].
Der Mönch Johannes von Winterthur berichtet detailliert: Es hatten auch die
schwizer in den händen gewisse überaus furchtbare mordwaffen, die in
*Hellebarde = Halmbarte = Stielbeil
Schweizer Spruch im Hof des Basler Rathauses
Außer dem Herzog bedecken 656 erschlagene Grafen, Herren und Ritter das Schlachtfeld darunter der größte Teil des Freiburger Adels. Auch der persönliche Beschützer Leopolds, der Freiburger Ritter und Bannerträger Martin Malterer (?-1386), der mit seinem Leibe seinen verwundeten Herrn zu beschützen suchte, findet den Tod. An dieses Gemetzel erinnert Suters Sempacherlied:
Do red't ein
Burgermeister
"Marti Malterer von Friburg *Wir haben dem, der uns gerufen hat, Reisige gestellt
Der Krieg zwischen Sauschwaben und Kuhschweizern endet nicht nur mit einer bitteren Niederlage für die Habsburger, sondern auch besonders schmachvoll für die Freiburger, gilt es doch das Paner nit ze verlassen bis in den tod [DHMB]. Das Banner mit dem roten St. Georgskreuz fällt in die Hände der Eidgenossen. Diese (oder eine Kopie der) Fahne wird seither in der Barfüßerkirche zu Luzern zur Schau gestellt.
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Ratskrise und "Staatsstreich" in Freiburg
Im Jahre 1378 hatten im Freiburger Stadtrat unter den alten Vierundzwanzigern sechs Patrizier des Hauses Snewli, darunter der Bürgermeister, und bei den nachgehenden Vierundzwanzigern noch einmal drei Snewli Sitz und Stimme [Maur91]. Zwar verbleiben anfänglich nach dem Aderlass von Sempach im Rat der alten Vierundzwanziger insgesamt nur acht Patrizier, doch bereits 1388 sitzen wieder neun Mitglieder der Familie Snewli im Stadtrat.
Auf eine Anfrage der Zünfte vmb vruntschaff und liefden wille (aus Freundschaft und liebem Willen) in Köln teilt der dortige Stadtrat mit, dass eine solche Vetterleswirtschaft bei ihnen nicht üblich sei (gab es de kölsche Klüngel damals noch nicht?): Wir laissen vch wissen, dat in geyme jaire, as eyn rait vnser steide gekoiren worden is, geyn vader mit syme sone, geyn broider mit syme broider, noch geyn swegerherre (Schwiegervater) mit syme eydome in vnser steide raide (Stadtrat) zo somet sitzen noch syn enmögen [Maur91]. Diese Antwort bringt in Freiburg das Fass zum Überlaufen. Die Zunftmeister ... und alle Räte, welche zu ihnen hielten, versammelten sich ohne den Bürgermeister und Schultheißen, setzten die alten und die nachgehenden Vierundzwanzig ab ... [Maur91].
Somit ist es mit der Macht der Adeligen im Stadtrat vorbei, denn es wurde der Adel auf zwölf Rathsstellen mit dem Schultheißen- und Bürgermeister-Amte beschränkt und diesen [sind] 36 bürgerliche Rathsherren unter einem neuen, rein bürgerlichem Beamten, dem Ammeister, als dem eigentlichen Oberhaupte der Stadt gegenüber gestellt worden [Damm75]. Seit 1389 bestimmen die Zünfte wesentlich die Geschicke der Stadt.
Daz dekein Jude ze Friburg niemmerme sin sol
Diese Zunftunruhen bewegen Herzog Leopold IV. (1386-1411), Freiburg 1392 eine neue Verfassung zu geben, in der er auch feststellt, dass die Stadt mit den Juden, die sich nach dem Pogrom vom Januar 1349 nur zögerlich wieder in Freiburg niedergelassen hatten, nichts mehr zu tun haben soll. In der allgemeinen Unsicherheit der Interpretation schiebt Leopold am 14. September 1394 auf Bitten der Stadt eine Judenordnung nach. Darin wird den jüdischen Männern auferlegt, Gugelhüte aufzusetzen, und allgemein das Tragen der liturgischen Farben rot und grün verboten [Schi01].
Als Folge von Nachrichten über Ritualmorde an Christen im fernen Bayern lässt der Stadtrat nach Rücksprache mit dem Herrn Leopold dann am 4. Juli 1401 die Austreibung aller Juden von den Kanzeln verkünden. Und wirklich wurde die Stadt auch, was sie längst so sehr wünschte, der in ihr wohnenden Juden ledig. Mehrere Landvögte wetteiferten, der Stadt die Gnade des Herren kund zu thun, daß künftig kein Jude mehr in Freiburg sitzen dürfe. Die Freude darüber war so allgemein und das Ereignis schien so wichtig, daß die damaligen Rathmannen der Nachricht davon ausdrücklich ihre Namen beizuschreiben geboten [Schr25] und feierlich den Beschluss unterzeichnen, daz dekein Jude ze Friburg niemmerme sin sol [Albe20a]. Dieses Dekret bestätigt König Sigismund offiziell 1424 mit der Ewigen Vertreibung. Erst 1809 wird den Juden wieder ein ständiger Aufenthalt in der Stadt erlaubt [Kalc06].
Dualitatem infamen, trinitatem … ab omnibus meledictam
Nach der Rückkehr der Päpste aus ihrer Babylonischen Gefangenschaft in Avignon nach Rom, verlangt der römische Pöbel nach dem Tode Gregors XI. (1370-1378), dass kein Franzose und, wenn schon kein Kandidat aus ihrer Stadt, dann wenigstens ein Italiener die Papstweihen erhält. So wird unter dem Druck der Straße der Italiener Bartolomeo Prignano zum Papst gewählt, der sich als Urban VI. (1378-1398) mit seinen meistenteils französischen Kardinalen vor allem wegen ihrer luxuriösen Hofhaltung anlegt. Das veranlasst Kardinal Robert von Genf – ein Verwandter des französischen Königs - zur Bemerkung: Ihr habt heute die Kardinäle nicht mit der Achtung behandelt, welche sie von Euren Vorgängern empfingen. Ich sage Euch in Wahrheit, wie Ihr unsere Ehre mindert, so werden auch wir die Eure mindern [Desc04].
Zur Minderung der Ehre schreitet eine Gruppe von Kardinälen, die sich nach Neapel geflüchtet hatten, sofort, indem sie die Wahl Urbans für ungültig erklären und ihren Sprecher Robert als Clemens VII. (1378-1394) zum Papst wählen. Damit beginnt das große Abendländische Schisma, das die Einheit der Kirche spaltet und die des Reiches bedroht, denn der Riss der Anerkennung der Päpste geht mitten durch Herrschaftsgebiete. Die Bistümer Basel und Straßburg sowie Herzog Leopold III. von Österreich mit der Steiermark, Kärnten, Krain, Tirol und Vorderösterreich mit dem Breisgau halten zu Clemens, während sein Bruder Albrecht III. (1365–1395) mit Nieder- und Oberösterreich Urban anerkennt. Plötzlich gibt es auch zwei Anwärter auf den Stuhl des Bischofs von Mainz, des Reiches Erzkanzlerposten, um den der Anhänger Urbans Ludwig von Meißen (1341-1382) mit Adolf von Nassau (1353–1390), der Clemens unterstützt, ganz unchristlich in einem blutigen Krieg ringt.
Clemens’ ebenso blutiger Feldzug gegen das Rom Urbans endet mit seiner katastrophalen Niederlage in der Schlacht bei Marino, so dass sich der Angreifer in die alte Papstresidenz nach Avignon zurückzieht und von Ferne seinen Gegner im Auge behält. Nach dem Tode Urbans 1389 zementieren seine vom ihm ernannten Kardinäle die Kirchenspaltung, indem sie Bonifaz IX. (1389-1404) zum heiligen Vater wählen. Der aber ramponiert das Ansehen der Kirche völlig durch seine und seiner Verwandten Habsucht, die Konfirmationen und Annaten ... der schamlose Verkauf der Indulgenzen und hundert anderer Missbräuche häuften den Stoff für die Reformation immer höher auf... [Desc04].
Nach Clemens‘ Tod in Avignon wählen seine Kardinäle zum Nachfolger Benedikt XIII. (1394-1417), der zwar noch im Konklave eine cedula unterschreibt, er werde zurücktreten, wenn es zur Überwindung des Schismas nötig wäre, dann aber, einmal gewählt, seinen Schwur vergisst. In Rom regiert seit 1406 Gregor XII. (1406-1415).
In dieser verworrenen Situation rufen vierundzwanzig von beiden Päpsten abgefallene Purpurträger (zehn ehemals avignonesische und vierzehn römische Kardinäle) für 1409 ein Konzil nach Pisa ein. Hier setzen sie im Juni unterstützt von vier Patriarchen, 80 Bischöfen und mehr als hundert weiteren kirchlichen Würdenträgern beide Päpste ab und wählen anschließend einen dritten Papst, Alexander V. (1409-1410). So wird aus dualitatem infamen, trinitatem … ab omnibus meledictam*[Desc04]. *So wird aus der verruchten Zweiheit eine von allen verfluchte Dreiheit.
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König Sigismund
Johannes XXIII.
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Das Konzil zu Konstanz (1414-1418)
Ab 1410 streiten sich die drei Päpste, Gregor XII., Benedikt XIII. und Johannes XXIII. (1410-1415) um das Primat der katholischen Kirche. Da sie jeweils von verschiedenen Herrschern in Europa in ihrem Anspruch unterstützt werden, bedrohen diese Wirren das Reich von innen und von außen. So ist König Sigismund (1410-1437) die treibende Kraft für ein Kirchenkonzil, welches das große Abendländische Schisma beenden soll.
Letztlich aber geht es um mehr, denn drei gewaltige Aufgaben harren ihrer Lösung. Neben der causa unionis muss die Versammlung dringend notwendige innerkirchliche Reformen (causa reformationis) beschließen und grundlegende Glaubensfragen (causa fidei) behandeln.
Konstanz: kum halb genuog wit sei, söllichem volk herberg ze sind
Der zeitweilig in Rom residierende Johannes XXIII. schlägt sein Refugium Bologna als Tagungsort vor, doch in langwierigen Verhandlungen zu Como und Lodi einigen sich König und Papst unter dem Druck Sigismunds schließlich auf das neutrale Konstanz als Tagungsort, in das schließlich Johannes die Kirchenversammlung zur Lösung von dringend notwendigen Reformen der Kirche an Haupt und Gliedern für das Jahr 1414 einberuft. Schon zu Weihnachten 1413 erkundigt sich Graf Eberhard von Nellenburg, ob die Stadt und ihre Umgebung wohl in der Lage wäre, flaisch, visch, höw und haber, och alles, so man bedörft, in gar ringen kost (zu geringen Kosten) zu beschaffen. Im Frühjahr 1414 kommen dann exploratores, um diß lan beschowen und och besehen, ob das concilium zum besten … möchte oder nit. Das Urteil der Experten ist vernichtend: Das nur 6000 Einwohner zählende Konstanz kum (kaum) halb genuog wit (weit=groß) sei, söllichem volk herberg ze sind [Rieg15].
So werden Füchse gefangen
Papst Johannes schwant nichts Gutes. Deshalb versichert er sich auf dem Wege nach Konstanz in Meran der Unterstützung Herzog Friedrichs IV.* (1386-1439), indem er den immer finanziell Klammen im Oktober 1414 mit einem Jahresgehalt von 6000 Goldgulden zum obersten Feldhauptmann der römischen Kirche bestellt und anschließend zynisch anmerkt: So werden Füchse gefangen [Desc04]. *der Habsburger hatte den Beinamen der mit der leeren Tasche
Viel haben ausgespuckt, weil sie gar zu schändliche Sachen gesehen
Neben diesem einen Haupt strömen im November 1414 von den Gliedern zum Konzil an den Bodensee: 33 Kardinäle, 346 Patriarchen, Erzbischöfe und Bischöfe, 2148 weltliche Doktoren sowie 546 Vorsteher und Mitglieder der Mönchsorden, alle mit Pferden und ihren zahlreichen Begleitern - es sollen insgesamt 50 000 Fremde gewesen sein - so dass die Stadt aus allen Nähten platzt. Weihnachten 1414 ist die Stadt voller Fremden, daß selbst hohe kirchliche Würdenträger mit dem bescheidensten Obdach Vorlieb nehmen mussten. Vielfach herrschte eine qualvolle Enge. In manchem Hause lagen 20 und noch mehr Knechte. Viele mussten sich mit Ställen, Weinfässern und elenden Holzhütten begnügen [Rieg15].
Zur Befriedigung der Bedürfnisse der auswärtigen Herren kommen offene Frauen in den Frauenhäusern und sonst Frauen, die Häuser gemiethet hatten, und in den Ställen lagen oder sonst wo Platz fanden, seien gegen 700 da gewesen, ohne die heimlichen [Walc28]. Jan Hus (1369-1415) schreibt damals: Ich habe die Schwaben öfters sagen hören, dass ihre Stadt Konstanz in dreißig Jahren die Sünden nicht los wird, die während des Konzils in ihren Mauern verübt wurden; viel haben ausgespuckt, weil sie gar zu schändliche Sachen gesehen [Desc04].
Causa unionis
Die causa der Einheit wird durch den Rücktritt bzw. die Absetzung der drei amtierenden Päpste und die Wahl eines neuen, Martin V. (1417-1431), gelöst. Zunächst trifft es den anwesenden Johannes XXIII., dem das Konzil die folgende Erklärung in die Feder diktiert: Ich, Papst Johann XXIII., erkläre, verpflichte mich, gelobe und schwöre Gott, der Kirche und dieser heiligen Synode, um des Friedens des ganzen christlichen Volkes willen, aus eigenem freien Willen der Kirche den Frieden zu geben durch meinen einfachen Verzicht auf das Papsttum, ihn tatsächlich zu vollziehen und auszuführen gemäß dem Ratschlag des gegenwärtigen Konzils, wenn und sobald Peter von Luna (Benedikt XIII.) und Angelo Correr (Gregor XII.) der von ihnen beanspruchten päpstlichen Würde, sei in eigener Person oder durch Bevollmächtigte, entsagen [Desc04].
Der ebenfalls in Rom residierende Gregor XII. erkennt zwar das Konzil nicht an, hatte aber vor seiner Wahl einen Eid geschworen, nötigenfalls zurückzutreten, wenn dies zur Beendigung des Schismas dienlich sein würde. Nach der Absetzung Johannes XXIII. schickt er einen Boten an König Sigismund und erklärt sich bereit zurückzutreten.
Schwieriger ist es, im Falle Benedikts XIII. die Bedingung Johannes' zu erfüllen, denn Benedikt weigert sich beharrlich zurückzutreten. Er flieht ins heimatliche Spanien und verschanzt sich beschützt von seinen Anhängern in der Festung Peniskola. Da setzt ihn das Konzil im Juli 1417 ab und wählt am Martinstag (11. November) des gleichen Jahres einen neuen Papst, der sich folgerichtig Martin V. nennt.
Causa reformationis
Die causa reformationis der römischen Kirche wird in Konstanz nicht einmal im Ansatz diskutiert. Dieses Versäumnis wird Luther (1483-1546) hundert Jahre später dramatisch anmahnen. Das Volk spottet zu Recht über die Ergebnisse des Konstanzer Konzils:
Daß Päpst eine Reformation,
Causa fidei
Wegen der causa fidei hatte Jan Hus in
seiner Heimat nicht nur die hohen Kleriker angegriffen,
die kaum das Ende des Gottesdienstes abwarten können,
hinaus in die Wirtshäuser eilen, zu Tanzereien, wie wilde Tiere hinter dem
Mammon, dem Wucher, der Unzucht, der Völlerei her, sondern auch die
einfachen Seelsorger, denn man zahlt für die Beichte,
die Messe, für die Sakramente, für den Ablass, den Segen, das Begräbnis, für
Gebete. Auch der allerletzte Heller, den sich ein Großmütterchen in einem
Tüchlein versteckt hat, bleibt ihr nicht. Es nimmt ihn aber der diebische
Pfarrer [Desc04]. Hus schloss hier nahtlos an die
Predigten des Engländers
John
Wycliff (1330-1384) an,
Hus wird zum Scheiterhaufen geleitet
Zu diesen kirchlichen Themen wollen die in Konstanz Versammelten Jan Hus hören. Er ist zur Rechtfertigung seiner Agitation gegen die Teufelsherrn der Bischöfe und Prälaten, wie er schreibt, aus freiem Entschluss auf dieses Konzil gekommen, nachdem mir der König, der hier anwesend ist, sicheres Geleit versprochen hatte, das mich gegen jegliche Gewalt schützen sollte: Wir Sigismund, von Gottes Gnaden römischer Kaiser, entbieten allen unsern Gruß. Da der ehrwürdige M. Huß, den wir in des heiligen römischen Reichs Schutz und Schirm genommen haben, bald eine Reise nach Costnitz auf das allgemeine Concilium anstellen wird, so empfehlen wir ihn mit herzlicher Liebe einem jeden, und gebieten, daß man ihn, wo er hinkommen wird, freundlich empfangen, behandeln und mit allem, was zu seiner Reise nöthig ist, als Pferden, Wagen, Dienern und andern Sachen fördern wolle, durch alle Wege, Brücken, Länder, Gerichtsbarkeiten, Städte, Flecken, Schlösser und Dörfer, ohne alle Abgaben und Zoll, ohne alle Hinderniß und Verzögerung ziehen, Nachtlager halten und wieder zurückkehren lasse; daß man auch nicht weigere, ihn wo es nöthig wäre, durch eigene Begleitung zu sichern und zu decken. Gegeben zu Speier den 13. Octob. 1414 [Zürn36].
Wenn du belehrt sein willst, musst du zuvor deine Lehren widerrufen …
Obgleich er nur die Missstände in der Kirche angeprangert hatte und alle Irrlehren abstreitet, wird ihm der Prozess gemacht und die mit drey grewlich Teuffel geschmückte Papiermütze des Ketzers aufgedrückt. Seinen letzten Brief richtet Hus an seine Landsleute im fernen Böhmen: Magister Johann Hus ... entbietet allen treuen Böhmen ... seinen Wunsch und sein unwürdiges Gebet, dass sie in der göttlichen Gnade verbleiben mögen ... Eben fällt mir ein, dass Ihr wissen müsst, wie das stolze, neidische, schandvolle Konzil meine böhmischen Bücher verdammt hat, ohne sie gesehen oder gelesen zu haben, und hätte es dieselben gelesen, es würde sie doch nicht verstanden haben, denn im Konzil saßen Welsche, Franzosen, Engländer, Spanier, Deutsche und andere fremder Zungen ... Mich wollten sie einschüchtern, aber sie vermochten nicht Gottes Beistand, der in mir ist, zu überwältigen. Schriftlich wollten sie sich mit mir nicht einlassen, wie dies die günstigen Herren wissen, welche bei der Wahrheit standen, … die Herren aus Böhmen, Mähren und Polen, vor allem aber Herr Wenzel von Duba und Herr Johann von Chlum. Diese nämlich – der Kaiser Sigismund selbst hatte sie zu mir in das Konzil gelassen – waren dabei und hörten, wie ich sprach: Ich verlange Belehrung von euch. Wenn ich etwas Schlimmes geschrieben habe, will ich darüber belehrt sein – worauf der oberste Kardinal erwiderte: Wenn du belehrt sein willst, musst du zuvor deine Lehren widerrufen ...
Dies schreib ich Euch, damit Ihr es wisst, dass sie
mich durch keine Schrift, durch keinen Beweis überführt haben, nur durch
List und durch Drohungen versuchten sie, mich zum Widerruf und Abschwur zu
bringen. Aber der gnädige Gott, dessen Gesetz ich verherrliche, war und ist
mit mir und wird mit mir sein ... Dieser Brief ist geschrieben am Mittwoch
nach dem Feste St. Johann des Täufers
Jan Hus auf dem Scheiterhaufen
Am 6. Juli 1415 wird Hus lebendig verbrannt, und was von ihm übrig bleibt, damit das die Böhmen nicht etwa wie Reliquien halten ... luden sie alles auf einen Wagen und versenkten es im nahen Rheinfluss [Desc04]. Als man König Sigismund an sein Versprechen des freien Geleits erinnert, meint er: Für Ketzer gilt das nicht.
Mit dem Wortbruch des freien Geleits und der Verbrennung des böhmischen Rebellen Jan Hus wird die causa fidei verbösert, denn der religiöse Disput erhält nun eine national-tschechische Wendung. Zweihundert Jahre später wird von Hus' Heimat der Dreißigjährige Krieg ausgehen. Da rächt sich, dass Konzil und König die wichtigen Probleme der Kirche rein gar nicht gelöst hatten.
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![]() Kaiser Sigismund von Albrecht Dürer |
Zwischen 1415 und 1427 ist Freiburg freie Reichsstadt
Dominikanerkloster und Predigertor
Dietrich von Nieheim (1345-1418) berichtet über den Einzug des Flüchtigen in die Stadt: Freiburg ist eine der besten christlichen Städte und Festungen uneinnehmbar, mit herrlichen Gebäuden und breiten, geschickt angelegten Straßen. Auch sonst ist es schön geschmückt, dass es wunderbar zu sehen ist. Durch all seine Gassen strömt das Wasser. Die Stadt besitzt vierzehn Männer- und Frauenklöster und sonstige Schöne, Geräumige und Angenehme. So ist es kein Wunder, daß Balthasar Cossa - eben der Papst Johannes XXIII. - und seine Anhänger beim Eintritt in die Stadt, als sie dieselbe so hervorragend fanden, in laute Bewunderung ausbrachen. Die Leute in der Stadt sind sehr voll Bürgersinn, verstehen gut zu richten oder zu politisieren. Die Lebensmittel gelten als vorzüglich und sehr billig [Albe24].
Das ich ein mächtiger fürst bin über die von östreich
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Heiliges Römisches Reich Deutscher Nation
Informationstafel and der Ecke Engelstraße/Herrenstraße
Erzherzog Albrecht
Universitätspatron Hieronymus
Jubiläum 2007 |
Heiliges Reich und Deutsche Nation, eine Unterscheidung bildet sich heraus
Das Röm. Reich wird Heilges Reich geheisset, weil es von dem Hl. Geist verordnet, bestettiget, und bis auff die ehrne Zeiten erhalten wird, schreibt noch im 17. Jahrhundert der Jurist Johannes Limnaeus (1592-1665) [Stol06]. Doch seit Mitte des 15. Jahrhunderts entwickelt sich ein Zusammen-gehörigkeitsgefühl der Deutschen über ihre Sprache und deshalb unterscheidet man jetzt zwischen dem Land, in dem deutsch gesprochen wird, der Deutschen Nation und anderen Gebieten wie Oberitalien, die auch Teil des Heiligen Römischen Reiches sind.
Es lässt sich nicht immer klar ausmachen, wann es den Habsburger Königen und Kaisern um das Reich und wann es ihnen um die eigene Hausmacht geht, denn gegen die Schweizer Bedrohung seiner Gebiete im Westen ruft Friedrich III. (1439-1493) im Jahre 1444 den Dauphin zur Hilfe. Als dann ein Teil der französischen Truppen vor den Toren Basels von den Schweizern aufgerieben wird, lässt der französische Thronfolger den Rest seiner Soldaten auf Reichsgebiet im Elsass überwintern und verlangt von der Reichsstadt Straßburg, dass sie sich ihm unterwerfe. Nur der erbitterte Widerstand der Elsässer und eine drohende Kriegserklärung des Reiches bewirken schließlich den Abzug der Franzosen.
Die Sicherung der Ostgrenze der österreichischen Gebiete ist den Habsburgern allemal wichtiger als die Wacht am Rhein. Deshalb kritisieren die deutschen Kurfürsten 1454 auf dem Türkenreichstag zu Regensburg mit Recht den kaiserlichen Aufruf zum Kreuzzug gegen die Türken und zur Befreiung von Konstantinopel: Friedrich III. möge sich gefälligst zunächst um das Reich kümmern, weil sich solich fuernemig und edel land, als Teutsch gezunge ist und auch das heilig reich, so loblich an Teutsch gezunge bracht, in großer unordenung befindet. Es sollen nicht nur die ungläubigen Türken, sondern alle Angriffe von anderen gezungen wider teutsch gezunge abgewehrt werden [Schm99].
Freiburg wird 1457 Universitätsstadt
Im Anfang war die städtische lateinisch Schul, die um 1250 der Schulmeister Walter von Breisach wohl in seinem Hause in der Herrenstraße betrieb. Latein ist die Sprache der Theologie, hatte doch Kirchenvater Hieronymus (347-420) als Werkzeug Gottes die Bücher der Bibel aus dem Hebräischen und Griechischen ins Lateinische übersetzt: Gott habe gewollt, dass seine Offenbarung in jener Sprache weitergegeben werde, in der seine Kirche fortan lehrte [vonM10]. Latein ist ebenfalls die Sprache der Wissenschaft, wenn auch der kirchliche Gebrauch überwiegt. Deshalb wohl schreibt Johann Alphons Lugo: Die uralte Universitet zu Freyburg kann billich auch zu der Geistlichkeit gezählet werden. Selbe ist Anno 1448 von Erzherzog Albrecht und seinem Bruder Kaiser Friedrich, auch Vettern Herzog Sigismund aufgerichtet worden und mit stattlichen Privilegiis begabet [Klei87].
Das ist einige Jahre zu früh, denn erst am 20. April 1455 erteilt Papst Calixtus III (1455-1458) Erzherzog Albrecht die Erlaubnis, in seiner Stadt Freiburg, in quo aeris viget temperies, victualium ubertas ceterarumque rerum ad usum vitae humanae pertinentium copia reperitur*, in der Diözese Konstanz ein studium generale einzurichten, dass dieses nicht nur dem ihm unterstellten Staat und den Einwohnern seiner Länder, sondern auch dem Nutzen und der Wohlfahrt anderer Weltgegenden dienen sollte. Der Papst ertheilt dem Bischof Heinrich von Konstanz die Vollmacht, nach genauer Erkundigung und Befund der Umstände das Nöthige zu verfügen. Dieser nun, wie er sich selbst nennt, einziger Commissär und Executor, begann damit, durch ein öffentliches Ausschreiben vom 17. April 1456 alle diejenigen aufzufodern, vor ihm zu erscheinen, welche etwas gegen die Errichtung der Hochschule einzuwenden hätten [Schr59]. *Dieser lateinische Text findet sich wörtlich in der Bulle Papsts Nikolaus V. vom 7. Januar 1450 zu Gründung der Universität Glasgow und lautet sinngemäß übersetzt: wo die Luft milde ist, Lebensmittel reichlich vorhanden sind und es große Vorräte anderer Dinge gibt, die dem Menschen nützlich sind.
In diesen Jahren überlegt die Basler Bürgerschaft, aus der Universität, die während des dortigen Konzils von 1432 bis 1449 bestanden hatte, eine permanente Einrichtung machen. Als einige Stadtverordnete schwanken, appellieren die Befürworter an den Lokalstolz: Wie ehrlich würde es uns zugemessen werden, daß eine Stadt Freiburg ein solches Kleinod werter schätze als wir und mächtiger sein wollte als die Stadt Basel, es zu vollführen [Koll57]. Nach einem positiven Votum gehen die Basler dann zum Angriff über und geben zu bedenken, dz der herschaft von Osterich lande ... ein hohe schule ze Basel nutzer sye, denn ob sy ze Friburg were [Perl09]. Dagegen argumentiert der Freiburger Stadtrat in einer Botschaft an den Papst, dass unser hohe schul nit beswerd (werde) oder irrung begegne durch anfang der schul zu Basel, dann die einander zu nach ligend [Koll57].
Die Hohe Schuel mit grossen milten gaben gestift
Alles letztlich nur Scheingefechte, denn so hat Ertzhertzog Albrecht von Oesterreich [] gott zu lobe und dem heiligen cristlichen gelauben zu trost und gott dem almechtigen und seiner lieben muter Marien zu lob, allen unsern vorfarn und nachkommen sellich heil zu buwen, ouch unserm loblichen huse Oesterrich, allen unsern landen und lüten und in sunderheit unser statt Fryburg im Bryhsgow lob, nutz und ere in zunemender tugend zu erwerben ouch dem ganzen huse Oesterreich zu hoher würdigkait und eren (Ehren) die Hohe Schuel mit grossen milten gaben gestift, unnd zu Freiburg also bestettget von dem Bapst Pio dem anderen zu Rom von dem heiligen stuell confirmirt [Albe23, Schi98].
In der Gründungsurkunde vom 21. Juli 1457 erklärt Albrecht: zur Abtragung seiner Schulden gegen Gott; zu Trost, Hülfe, Widerstand und Macht für die ganze Christenheit gegen die Feinde ihres Glaubens habe er es unter allen guten Werken aus erwählt, eine Hochschule und Universität zu stiften; dadurch wolle er mit andern christlichen Fürsten graben helfen den Brunnen des Lebens, daraus von allen Enden der Welt unversiegbar geschöpft werde erleuchtendes Wasser tröstlicher und heilsamer Weisheit, zu Erlöschung des verderblichen Feuers menschlicher Unvernunft und Blindheit [Schr59].
Die Finanzierung der Universität löst der Erzherzog wie folgt: Die Mittel zur Dotation derselben wurden in der Uebertragung habsburgischer Kirchenlehen an sie aufgefunden. Unterm 28. August 1456 erklärt nämlich Erzherzog Albert von Wien aus durch eine besondere Urkunde, sowohl in seinem eigenen als in des Hauses Oestreich Namen: er incorporire der von ihm gestifteten Universität die Pfarrkirchen von Freiburg, Breisach, Ensisheim, Winterthur, Ehingen, Rottenburg, Warthausen, Mettenberg und den Altar zu Essendorf … Kaiser Friedrich, Erzherzogs Albert Bruder, bestätiget noch in demselben Jahr (18. December 1456) sowohl für sich selbst als für das Haus Oestreich diese Dotation und die damit verbundene Errichtung der Universität. Auch Bischof Heinrich von Konstanz ertheilt als päpstlicher Bevollmächtigter unterm 21. Juli 1457 seine Zustimmung [Schr59].
Alle vorgeschriben gnade, friheit, stuck und artikel
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Ze leren und ze regiren uffgenommen, bestellt, im glopt
Die Räumlichkeiten des ersten Kollegiums mit dem Sitzungszimmer für den Universitätssenat und dem Karzer an der Ecke Franziskaner- und Merianstraße sind für einen Lehrbetrieb zu beengt. Die Stadt überlässt der Universität den Dechaneihof an der Sattelgasse (der späteren Bertoldstraße), in dem zunächst alle Vorlesungen außer denen der Theologen, die im nahe gelegenen Franziskanerkloster lesen, abgehalten werden. Den Artisten übereignet die Stadt das angrenzende Haus Zum Pfauen, in der die Philosophische Fakultät die Bursa ad Pavonem (Pfauenburse) einrichtet [Kemp57].
Auch wenn der jungen Universität die Pfründen einträglicher Pfarreien überschrieben sind, gestaltet sich die Finanzierung der Hohen Schule anfänglich schwierig. So hat die Stadt häufig einen auswärtigen Gelehrten, ze leren und ze regiren uffgenommen, bestellt, im glopt (ihm gelobt) und versprochen, ihm 20 Gulden Jahresgehalt zu geben [Koll57]. Und noch 1493 erkennt die Universität die finanziellen Leistungen der Stadt an: Uns noch unsern vordem ist nit moglich gesin zuo wissen, us was guot die von Fryburg die doctor unnd meister, so si vor und zuo dem anfang der universitet berufen haben, versolden wolten. Sunder das wissen wir und si mögent das nit abred sin, da si in kraft itzgemelter friheit under irem sigel und mit offenlichen brieften und mit hoher ererbietiing doctor, meister und studenten von den universiteten in hochtutschen landen Heydelberg, Erdfort (Erfurt), Lybs (Leipzig) und Wien beruft und darzuo von Wien und Heydelberg doctor und meister zuo leseren und regierern bestellt, und in sollicher bestellung under der stat (Stadt) sigel sold, behusung und beholznng verschriben habent [Koll57].
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Dem Universitätsgründer ein Glasfenster in der von der Hochschule gestifteten Kapelle im Münster : Albertus Archidux
Karl der
Kühne 1434 von
Karls Hut |
Der Kapellenkranz im Münsterchor
Im Jahre 1471 wird die Bautätigkeit am Münsterchor wieder aufgenommen. Dabei hilft das Geld eines besonderen Ablasses, den Papst Sixtus IV. (1471-1484) für die Jahre 1480 bis 83 gewährt [Kemp25]. Auch wetteiferten wohlhabende Freiburger Familien mit ihren Spenden um die Errichtung der schönsten Kapelle im Kranz des neuen Chores, der im schlanken spätgotischen Stil hochgezogen wird. Die Kirche hat Hochkonjunktur. Allenthalben stürzen sich die Menschen um 1500 mit Leidenschaft und Inbrunst in einen religiösen Leistungsrausch um das Heil ihrer Seele … die Nischen in den Kirchengewölben werden zusätzlich mit gestifteten Altären ausgestattet, vom höheren Bürgertum genauso wie von Handwerkern und ihren zünftlerischen Organisationen … [Goer04]. Die Fertigstellung des Bauwerks selbst zieht sich jedoch in die Länge nicht zuletzt durch Querelen der Stadt mit ihren - von nun an auch namentlich bekannten - Münsterbaumeistern.
Erzherzog Sigismund der Münzreiche
Im Jahre 1458 hatte Erzherzog Albrecht die Vorlande an seinen Neffen Erzherzog Sigismund abgetreten. Der wird zwar der Münzreiche genannt, ist jedoch wegen seines aufwändingen Hoflebens ständig in Geldnöten. Auch die Schweizerkriege gehen schwer ins Geld, so dass wie zur Zeit der letzten Grafen schließlich die Freiburger zur Kasse gebeten werden. Die folgenden Klagen der Stadt über ihr finanzielles Unvermögen besonders wegen der spürbaren auswärtigen Konkurrenz und des Bevölkerungsschwunds dürften Sigismund kaum beeindruckt haben: Unser merkt gond (gehen) ab, alle gewerb, saltz, ysen, tuch und ander kouff, fronwagen, alle handtwerk und badstuben werden umb uns gemeret (nehmen zu) und mag (kann) sich der gemein man nit enthalten, nieman ziht zu unns, all wochen ziehen lüt von uns [Uebe85].
Entwicklung oder vielmehr völlige Ausbildung und Einrichtung der Landstände
Dagegen erweist sich ein Zusammenschluss von Prälaten, Herren, Rittern und Städten zu Landständen wider die Erhebung des bösen Pfennings als wesentlich wirksamer. Die Städte machen Sigismund unmissverständlich klar, sie hätten den Ertrag des Pfennings zur baulichen Unterhaltung ihrer Thore und Ringmauern nöthig. Von nun an wurde Freiburg der entschiedende Mittelpunkt des staatsbügerlichen Lebens in den österreichischen Vorlanden, und zugleich die Leitung führende Hauptstadt des dritten Standes [Schr25].
Bei so viel Widerstand resigniert der Erzherzog und sieht sich nach anderen Geldgebern um. Darüber berichtet Leonard Leopold Maldoner: Die Benamsung Landstände ist zu solcher Zeit eingeführt worden, als Herzog Carl von Burgund von Ertzherzog Siegmunden zu Österreich die v. ö. Lande diß- und jenseits Rheins (die Länder im Elsass, den Sundgau mit der Grafschaft Pfirt und den Breisgau) im Jahre 1469 als eine Pfandschafft einbekommen [Well76].
Der Türk im Occident
Dafür erhält Sigismund von Karl dem Kühnen (1467-1477) einen Kredit von 80000 Gulden, der Burgunderherzog dagegen wegen seiner ungebremsten Expansionsbestrebungen den Beinamen der Türk im Occident. In tiefstem Unwillen, sich so ganz zur Waare herabgewürdigt zu sehen, huldigten die Lande auf dem Tage zu Ensisheim dem fremden Fürsten. Dieser setzte ihnen den Ritter Peter von Hagenbach (1420-1474), einen ausschweifenden, harten und ungerechten Mann, der Städten und Edlen Hohn sprach, zum Vogte [Schr25].
Weiteren potenziellen Landgewinn sieht der kühne Karl auch auf Schweizer Gebiet, doch da beißt er sich, wie viele Aggressoren vor ihm, an den entschlossenen Eidgenossen die Zähne aus. Zwar wird Karls Heer ein erlesenes genannt, doch die Offiziere verstanden nicht einmal einer des anderen Sprache. Außerdem war die berühmte burgundische Artillerie unbehülflich und im Gebirg nicht zu gebrauchen. Dagegen hatten die Schweizer vor ihrem Feinde den dreifachen Vorteil voraus, daß sie für ihre Freiheit, für Haus und Heimath stritten, daß sie insgesammt geübt waren und daß sie sämmtlich ausziehen konnten, da sie Alle zum Kampfplatz nicht weit hatten [Schr57].
Sigmund soll unser Trost seyn
Endlich möchten nicht nur die Schweizer, sondern auch der französische König
Louis XI
(1461-1483) in eigenem Interesse eine Ausweitung Burgunds verhindern. So
vermittelt Louis 1474 eine Aussöhnung zwischen Sigismund und den
Eidgenossen, nachdem er zuvor die beiden Parteien geschickt
Louis XI und Karl der Kühne
Ein Jahr später 1475 erneuern die breisgauischen Städte Freiburg, Breisach, Neuenburg und Endingen zu weiterem Schutz und Trutz ihren Bund der Freundschaft und Einigung, der durch Veränderung und Übergabe dieser Lande zertrennt worden, damit sie desto friedlicher und besser bei ihrer Herrschaft bestehen möchten [Schr57]. Auch hatten die Städte sich indessen beeilt, das Lösegeld zusammenzubringen, und den Pfandschilling zu Basel niederzulegen.
Der Herzog war aber keineswegs geneigt, den so glücklich gewonnenen Schlüssel Deutschlands wieder hinzugeben, und ließ sich daher vor Allem des festen Breisach versichern. Peter von Hagenbach zog daselbst ein mit achthundert fremden Söldnern, Lombarden und Franzosen; die Bürger wagten es noch nicht, offenbaren Widerstand zu leisten. Als aber neue Ausschweifungen ihren Haß aufs Aeußerste steigerten, gelang es ihnen, was die Freiburger schon früher versucht hatten, in einem plötzlichen Aufstande den Landvogt zu ergreifen, und seine Söldner zu verjagen. Wenige Stunden brachten die freudige Nachricht davon nach Freiburg und Basel, Erzherzog Sigmund kehrte wieder in seine Lande zurück, und wurde, des schmählich gebrochenen Wortes unerachtet, überall wie ein geliebter, langersehnter Vater aufgenommen. Auch in Freiburg kam er in den Ostertagen; da sangen ihm die Kinder auf den Straßen entgegen: Christus ist erstanden, der Landvogt gefangen, deß wollen wir alle froh seyn, Sigmund soll unser Trost seyn; Kyrie eleison u.s.w. So trägt ein gutes treues Volk den Glanz seiner eigenen Thaten auf seinen Herren hinüber, und verehret ihn, wenn es ihn in demselben verklärt erblickt [Schr25].
Lob hör ich Friburg jechen
In der Folge müssen wieder Freiburger auf Seiten der Habsburger in den Krieg ziehen, deren Fähnlein der Freiburger Dichter Veit Weber wie folgt besingt:
Lob hör ich Friburg jechen
[sagen],
Der Tod Karls des Kühnen und das Ende von Burgund
Zu Breisach fiel bald darauf des Landvogts Haupt durch richterlichen Spruch*, und eine der mächtigsten Kriegsflammen schlug empor. Der Herzog von Burgund gerieth ausser sich vor Wuth, und schwor, alles eher als die Rache hinzugeben [Schr25]. * Er wurde in Breisach auf dem Anger vor dem Kupfertor enthauptet
Burgunderblutalge im Flückingersee bei Freiburg im Frühjahr 2011 (Photo Badische Zeitung). Angeblich trat sie zuerst 1476 auf, als die Eidgenossen die blutenden burgundischen Truppen in den Murtener See trieben.
Gegen eine verbündete Übermacht steht Karl der Kühne bald mit dem Rücken zur Wand. Er verliert am 2. März 1476 in der Schlacht bei Grausen (Grandson) zunächst seinen Hut und im gleichen Jahr am 22. Juni bei Murten (Morat) sein Gut, was sich in einer alten Chronik wie folgt liest: Unn nach dem Hertzog Karlen die zwo schlachten zu Gransee und Murten verlor/ namen die Eydtgenossen das gantz land wider ein unn brandschatzten es.
Damit nicht genug, denn im Folgejahr, als der Herzog in einem letzten Kraftakt alles auf eine Karte setzt, verliert er am 5. Januar 1477 in der Schlacht von Nancy auch noch sein Blut [Kort].
Fortes bella gerant, tu felix Austria nube!
Kaum ist Karl unter der Erde, beginnt der Streit zwischen den Häusern Valois und Habsburg um des Kühnen Erbe. Erzherzog Maximilian (1477-1519), durch die Vermittlung seines Vaters Kaiser Friedrichs III. mit Karls Tochter Maria (1457-1482) verheiratet, ergattert im Frieden von Senlis den Löwenanteil bestehend aus den Niederlanden, Luxemburg und der unter französischer Lehenshoheit stehenden Freigrafschaft Burgund, der Franche Comté. Einzig die Picardie und die Bourgogne fallen an Frankreich. Bei dieser ungleichen Teilung fühlt sich das Haus Valois über den Tisch gezogen. So legt der Friedensvertrag zu Senlis bereits den Keim der Jahrhunderte währenden Fehde zwischen Frankreich und dem Hause Habsburg.
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Später als Kaiser erwirbt Maximilian durch geschickte Heiratspolitik noch die Herrschaft über Spanien, Neapel, Böhmen und Ungarn. Der ungarische König Mathias Corvinus (1458-1490) goss diese Erfolge in folgendes Motto: Fortes bella gerant, tu felix Austria nube* *Frei übersetzt: Was And're sich blutig erringen durch Waffen, weißt Östreich durch Heurat sich still zu verschaffen [Bade82]
Burgund von 1363 bis zur Teilung im Jahre 1477 [Kind98] |
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