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Bernhard von Sachsen-Weimar
Jan van Werth Das ist der Mann, von dem du ein Lob mehr hörst, als daß du ihn siehst [Stork12] |
Freiburgs Geschichte in Zitaten |
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Der Dreißigjährige Krieg II
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Was schert mich mein Gebetbuch
Schon nach dem Tode Gustav Adolfs in der Schlacht bei Lützen hatte Kardinal Richelieu die Einstellungen der Kampfhandlungen auf deutschem Gebiet befürchtet: In der gegenwärtigen Lage muss das erste Ziel des Königs (Louis XIII) sein, durch Geld, was es auch kosten mag, zu versuchen, den Krieg in Deutschland und Holland fortzusetzen, ohne dass der König genötigt wäre, offen daran teilzunehmen, unter der Bedingung, dass diejenigen, die das Geld erhalten, weder einen Frieden noch einen Waffenstillstand schließen würden, ohne den König mit einzuschließen [Anri40].
Jetzt zwingen die Aussichten auf einen deutschen Frieden Richelieu zum Handeln. Nach Ausschaltung der hugenottischen Opposition hatte der Kardinal innenpolitisch in den Jahren 1630 bis 1632 nun auch den Widerstand des französischen Adels gegen den Absolutismus des Königtums gebrochen und somit außenpolitisch die Hände frei. Noch bevor die Unterschriften unter dem Vertrag von Prag trocken sind, erklärt Frankreich Spanien den Krieg. Es schlägt sich als la fille âinée de l'Eglise offen auf die Seite der deutschen Protestanten, um endlich die Habsburger entscheidend zu schwächen. Als guter Katholik stellt Richelieu die französischen Interessen, la raison d'Etat, über die religiösen Bindungen und führt die ecclesia Gallicana, die älteste Tochter der Mutter Kirche, endgültig in eine mündige Selbstständigkeit. Jetzt greift Frankreich aktiv mit frischen Truppen in den Krieg ein, welcher von nun an der französisch-schwedische (1635-1648) genannt wird. Auf die christlichen Tugenden der Vergebung und Nächstenliebe angesprochen antwortet der Kardinal mit folgendem verblüffenden Argument: Das Heil des Menschen verwirklicht sich endgültig im Jenseits, deshalb verwundert es nicht, dass Gott will, dass der einzelne Ihm die Rache überlässt ... Aber die Staaten haben nach dieser Welt keinen Fortbestand, ihr Heil ist jetzt oder gar nicht [Schi89].
Der Bruch des Prager Friedens schlägt sich in einem Umschwung des Feindbildes nieder. Nun ist nicht mehr Spanien der Buhmann der Teutschen Nation, sondern Frankreich. Friedrich von Logau reimt gegen die Übernahme französischer Sitten und Sprache:
Diener tragen in gemein ihrer Herren Lieverey:
Zu Ostern 1638 belagert Bernhard von Weimar die Stadt Freiburg
Das Kriegsglück ist den französischen Truppen zunächst nicht hold und so sucht Richelieu für die Feldzüge gegen die Habsburger dringend einen erprobten, deutsch sprechenden Feldherrn. Da kommt ihm die Kriegserfahrung Bernards von Sachsen-Weimar entgegen, der nach dem Verlust seines Herzogtums Franken einen neuen Herrschaftsbereich sucht. Mit einem jährlichen Gehalt von eineinhalb Millionen Livres und vier Millionen zur Unterhaltung einer Armee wirbt der Kardinal Bernard den Schweden im Oktober 1635 im Vertrag von St. Germain en Laye ab. Wichtiger als das Geld ist dem landlosen Fürsten der geheime Vertragszusatz, in dem ihm Richelieu die dem Hause Österreich gehörende Landgrafschaft Elsass einschließlich der Landvogtei Hagenau anbietet. Mit dieser Mitgift wird der Herzog von Richelieus Gnaden, wie erwartet, ein besonders entschlossener Verbündeter.
In seinem Ehrgeiz möchte Bernhard sein neues, wie er es bezeichnet, Reichsfürstentum im Elsass zusätzlich durch rechtsrheinisches Gebiet vergrößern. Mit der von Frankreich finanzierten Armee von 18000 Mann nimmt er in rascher Folge die vier Waldstädte Waldshut, Säckingen, Laufenburg und am 24. März 1638 Rheinfelden ein. Da möchte der Freiburger Stadtrat die Bevölkerung beruhigen und befiehlt, die stattporten nach 8 uhren zu beschließen ..., den burgern aber zuzusprechen, daß sie vorab nit verschrocken seien. Gleichzeitig wird bestimmt zur verteilung des bixenpulvers in verschiedenliche gewisse und sichere ort würd herrn Mang*, mit zuziehung eines von herrn obristen Aescher* officieren, in der innenstadt die türme, item die gefengnussen im predigertor, die gewlb im mehreren spittel, sapienz und universitet visitieren und besichtigen und in die dauglichsten derselben transportieren, doch alleweil die gewölb im münster und rathaus zu verschonen [Maye11]. *Christoph Mang ist der Ratsherr, der 1652 aus eigenen Mitteln die Lorettokapelle bauen lässt. Hans Werner Aescher ist der habsburgische Stadtkommandant.
Wie erwartet wendet sich Bernard gegen den Breisgau. Zwar gelingt es dem kaiserlichen Reitergeneral Johann von Weerth (niederdeutsch: Jan van Werth), an den sich die Freiburger hilfesuchend gewandt hatten, anfänglich die weimarschen Truppen zurückzudrängen, doch Ende März schlägt Bernhard die Kaiserlichen und steht am Karfreitag mit seiner Streitmacht vor Freiburg. In der Osternacht nimmt er die Vorstadt Neuenburg im Norden, die Lehener- und Predigervorstadt im Westen und die Schneckenvorstadt im Süden ein.
In ein paar Tagen wieder Freiburger Küchle essen …
Zwar gibt es unter den Bürgern vül, (die) haben sich zu defendiern erklert, andere haben gefercht (gefürchtet), der succurs mechte zu lange ausbleiben und sie so lang nit aufstehen kint (könnten) [Maye11]. Die Furchtsamen behalten Recht, denn vergeblich sucht Stadtkommandant Aescher in Wien um Hilfe nach und kommentiert: das man, wanns die Not nit erfordere, jeweils mit so großen Beschwerden belegt seye, und zur Zeit der Not so hilfloß gelassen werde [Haum01]. Der uns bereits bekannte Kanoffski ist unter den Belagerern und lässt durch einen Bauern in die Stadt melden, er hoffe, in ein paar Tagen wieder Freiburger Küchle* zu essen. Sein Wunsch wird ihm erfüllt, denn am 11. April, dem Weißen Sonntag, ergibt sich Freiburg nach 11-tägiger Beschießung unter Zusicherung eines freien Abzugs für die Besatzung und der Verschonung von Plünderungen. Kanoffski bekommt nicht nur seine hausgemachten Küchle, sondern auch seinen alten Posten, den des Stadtkommandanten. *Bis heute rätseln die Wissenschaftler, was Kanoffski mit Freiburger Küchle gemeint haben könnte. Meine Versuche, Bäckermeister in Freiburg zu überzeugen, dass sich die Neuauflage eines solchen Gebäcks umsatzsteigernd auswirken könnte, hatten bisher keinen Erfolg.
Den Accord allerdings und den darin zugesicherten freien Abzug hielt der Herzog schlecht, indem er alle bewaffnet getroffenen Bürger, Studenten und Bauern niedermachen ließ, während sein Kriegsvolk überall plünderte und raubte, viel Geistliche massacrierte und Nonnen öffentlich schändete [Bad82].
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Jean Louis d'Erlach Festungskommandant Breisachs
Bernhard von Sachsen-Weimar
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Das grausame Ende der Feste Breisach Ende 1638
Die maßgebliche Reichsfestung am Oberrhein das stark befestigte
Breisach, in dem sich während des Krieges immer eine kaiserliche
Besatzung gehalten hatte, ist Bernhards nächstes Ziel. Er belagert
sekundiert durch den jungen französischen General
Vicomte de Turenne Henri
de la Tour d'Auvergne-Bouillon (1611-1675) den unter dem
Stadtkommandanten
Freiherr von Reinach verteidigten Ort und fordert für die
anfallenden Schanzarbeiten die Unterstützung der Freiburger an. Das
mag der Stadtrat nun gar nicht. Nach dem Motto: Angriff ist die beste Verteidigung, beschweren sich die Herren
ihrerseits bei Bernard über Plündern, Rauben und Brennen durch die
weimarsche Besatzung Freiburgs. Die Unterredung
endet mit einem Monolog des selbst ernannten Reichsfürsten, von dem der Chronist
vermeldet:
... und hat diser Discurs
Bernard von Weimar im Anmarsch auf Breisach
In der belagerten Festung gehen nach und nach die Lebensmittel aus. Da versuchen Ende Oktober 14000 Kaiserliche unter Johann von Götzen, Breisach zu entsetzen. Zwar gelingt es den Truppen, eine Rheinbrücke einzunehmen, doch die französisch-schwedischen Belagerer - wie die Belagerten an Hunger leidend und genauso geschwächt - schlagen am 14. Oktober 1638 die kaiserlichen Angreifer mit dem Mut der Verzweiflung zurück. Da schreibt Peter Hagendorf resigniert in sein Tagebuch: Wir haben wieder davon gemusst mit Schand und Spott [Stre08].
La conquête de Brisach était un de plus gros faits d’armes de la guerre de Trente ans
Am 28. Oktober fällt das letzte Außenwerk von Breisach. Die Explosion eines Pulvermagazins am 3. Dezember öffnet eine Bresche Schließlich kapituliert die kaiserliche Festung nach 8-monatiger Belagerung am 17. Dezember 1638. Nur 150 der etwa 4000 Bewohner Breisachs überleben Hunger und Pest. Reinach darf mit dem ihm verbliebenen 400 Soldaten ehrenhaft, d. h. mit fliegenden Fahnen und zwei Kanonen nach Straßburg abziehen.
La conquête de Brisach était un de plus gros faits d’armes de la guerre de Trente ans. Noeud des communications entre le Milanais, les Pays-Bas espagnols et la Franche Compté, point le mieux fortifié du Rhin, cette forteresse donnait a l’Empereur une grande facilité pour attaquer les Français, auxquels elle fournissait maintenant un passage naturel en Allemagne* [Auss08]. *Der Fall Breisachs ist einer der größten Waffenerfolge des 30-jährigen Krieges. Dieser Verbindungsknoten zwischen Norditalien, der Franche Compté und den spanischen Niederlanden, dieser am besten befestigte Ort am Rhein bot dem Kaiser eine gute Möglichkeit, die Franzosen anzugreifen. Nun eröffnete er den Franzosen einen natürlichen Weg nach Deutschland.
Courage, courage Père Joseph, Brisach est à nous
Beim Eintreffen der Nachricht vom Fall Breisachs in Paris schreibt Louis XIII an Bernard: Mon Cousin, Je ne vous puis mieux exprimer ma joye de la prise de Brizac qu’en vous asseurant qu’elle est aussy grande que ce succez est glorieux et important … Ecrit à Versailles, le 5 janvier 1639. Louis*[Auss08]. *Mein Vetter, ich kann Ihnen nicht besser meine Freude über die Einnahme Breisachs ausdrücken, als Ihnen zu versichern, dass sie genau so groß ist, wie dieser Erfolg ruhmvoll und wichtig ist … Geschrieben zu Versailles, den 5. Januar 1639. Louis
Richelieu lässt ein Te Deum laudamus singen. Als der Kardinal seinen Freund und Beichtvater den Kapuziner Vater Joseph, der bei Hofe wegen seiner grauen Tracht Eminence grise genannt wird, am Sterbebett besucht, ist er noch voll der Neuigkeit und versucht, dem Todkranken mit den Worten: Courage, courage Père Joseph, Brisach est à nous Mut zu machen. Richelieu möchte umgehend einen französischen Stadtkommandanten einsetzen, doch darauf lässt sich der Herzog von Weimar nicht ein und macht stattdessen Breisach zum Sitz einer Fürstlich Sächsischen Regierung [Scha79].
Auch die Freiburger dürfen nach der Eroberung Breisachs ein Dankfest feiern, wobei mit allen Glocken zusammen gelitten worden, so lang bis der Schwenkel in der größten Glocken mitten voneinander abgebrochen [Heil20].
Wurde Bernard von Weimar ermordet?
Es entsprach [Bernards] kühnem Geist in diesen herrlichen Landen, welche ihm das Glück der Waffen zugetheilt, ein Fürstenthum zu gründen, als deßen Mittelpunkt und Hauptsitz die Stadt Breisach ersehen war. Alle Umstände schienen dem Unternehmen günstig, aber mitten in dem süßen Traum seiner Pläne wurde der Herzog (wie man vermuthet auf Anstiften Frankreichs vergiftet*) vom Tode ergriffen. Frankreich bot nun Alles auf, die Eroberungen des Herzogs an sich zu bringen, was ihm leider auch nur zu gut gelang; im Herbst 1639 leistete die breisacher Besatzung den Eid an Frankreich [Gagg83]. Dabei hatte Bernard in seinem Testament bestimmt, dass was das Elsaß anlangt, unser geliebt erobert land - weil Gott es uns gegönnt und hoch considerable land und plätze es seyn - so wollen wir, dass solche bey dem Reich Teutscher Nation erhalten werden. *auch Schiller argwöhnt, dass Gift im Spiele war
Den Franzosen hab zu Freund und nicht zu Nachbarn
Nachfolger Bernards als Stadtkommandant Breisachs einer weimarisch-französischen Besatzung wird der anhaltische Offizier Johann Ludwig von Erlach (1595-1650). Dieser übergibt nach anfänglichem Zögern, aber schließlich finanziell überzeugt, die erprobten Truppen Bernards den Franzosen, die als Armée d’Allemagne auf die Krone Frankreichs vereidigt werden. Einer der fürnehmen Officirer Bernards schimpft: Das alte Sprichwort lautet: Den Franzosen hab zu Freund und nicht zu Nachbarn. Wer aber ihn zum Meister nimt, der sonst frey sein kann, der muß ja alle Sinn verloren haben, wie es leider uns gegangen, haben den Keyser nicht leiden wollen und leiden den Franzosen ... So kommt es, daß ausländische Potentaten, Völker und Nationes, nachdem sie uns Teutschen das Mark aus den Beinen gesogen noch dazu uber uns herrschen ..., das römische Reich unter sich teilen, die teutsche Libertet zu nicht machen ... [Schm99].
Kanoffski in Freiburg widersetzt sich ebenfalls zunächst erfolgreich einer Kollaboration, weil man dann von einer anderen Nation ins Gelübde genommen werden könnte und wohl bald französisch dörffte werden miessen [Haum01]. So wie er vorhersagt, kommt es. Die Freiburger, nachdem sie unter protestantischer Herrschaft zunächst der schwedischen Königin gehuldigt und dann 1639 den Eid auf die Fürstlich Sächsische Regierung in Breisach ablegt hatten, müssen sich endlich 1642 dem französischen Souverän unterwerfen: Ihr sollen schwören dem Allerdurchlauchtigsten Großmächtigsten Fürsten und Herrn, Herrn Ludwig den Dreizehnten dies Namens, König in Frankreich und Navarra u.s.w. Unseren Allergnädigsten König und Herrn getreu gehorsam zu sein, Ihr Königliche Majestät Nutzen zu fördern, und Schaden zu wenden, getreu und redlich wider männiglich, wer auch sei, zu dienen, nichts zu thun oder vorzunehmen, noch gestatten, was Ihr Majestät Diensten entgegen sein möchte ... [Fisc95].
Im gleichen Jahr kurz vor seinem Tode schreibt Richelieu zuversichtlich: Der König wird alle eroberten Plätze behalten in den Niederlanden wie in Luxemburg, der Bourgogne, Roussilone, im Elsass und Deutschland ... Ein sicherer Friede ist nur möglich, wenn Habsburg für seine ungerechten Unternehmungen gestraft und Spanien auf kleinen Fuß zurückgeführt wird [Anri40].
Bernhard von Weimar, ein protestantischer Wallenstein?
In dem Bemühen, unseren Nationaldichter mit Freiburg in Verbindung zu bringen, fand man heraus, dass Goethe die Absicht hatte, über Bernard, den Ururgroßvater seines Landesherren und Freundes Herzog Karl August von Sachsen-Weimar, eine Lebensbeschreibung zu verfassen. Geradezu begeistert berichtet Goethe über die Anfänge: Ich habe dazu viel Dokumente und Kollektaneen zusammengebracht, kann sie auch schon ziemlich erzählen und will, wenn ich erst den Scheiterhaufen gedruckter und ungedruckter Nachrichten und Urkunden und Anekdoten recht zierlich zusammengelegt, ausgeschmückt und eine Menge schönes Rauchwerks und Wohlgeruchs darauf herumgestreut, ihn einmal bei schöner trockener Nachtzeit anzünden und auch dieses Kunst- und Lustfeuer zum Vergnügen des Publici brennen lassen.
Goethe möchte sein Werk über Bernhard im Stil von Dichtung und Wahrheit verfassen. Doch nach weiterem Quellenstudium verlässt ihn der Mut: Bis 1780 wurde manche Zeit und Mühe auf den Vorsatz, das Leben des Herzogs Bernhard von Weimar zu schreiben, vergebens verschwendet. Nach vielem Sammeln und mehrmaligem Schematisieren wurde zuletzt allzu klar, dass die Ereignisse dieses Helden kein Bild machen. In der jammervollen Iliade des Dreißigjährigen Krieges spielt er eine würdige Rolle, lässt sich aber von jener Gesellschaft nicht absondern. Schließlich tröstet sich Goethe über sein Unvermögen mit der Bemerkung: Für mich war diese Bemühung nicht unfruchtbar. Denn wie das Studium von Berlichingen und Egmont mir tiefere Einsicht in das 15. und 16. Jahrhundert gewährte, so musste mir diesmal die Vergangenheit des 17. Jahrhundert sich mehr als sonst geschehen wäre, entwickeln [Blum20].
Endlich Frieden?
Bereits am 25. Dezember 1641 hatten Schweden, Frankreich und der Kaiser in Hamburg einen Präliminarvertrag mit Hilfe von Universaltractaten zur Aufnahme von Friedensverhandlungen für den 25. März 1643 in Münster und Osnabrück ratifiziert, daß dies der Christenheit glücklich und günstig gerate, gebe Gott… [Rose04]. Es gerät unglücklich und ungünstig, denn als sich die Kurfürsten und andere Reichstände auf einem Reichsdeputationstag 1643 Frankfurt treffen, kritisieren vor allem die Protestanten unter Kurfürst Friedrich Wilhelm von Brandenburg diesen kaiserlichen Alleingang. Jetzt bezichtigt auch Schweden den Kaiser, die Stände zu missachten und drei Jahrzehnte keinen Reichstag einberufen zu haben: Solches ist der rechte Weg zum absoluten Dominat und der Stände Servitut. Die Kronen* werden solches pro posse hindern. Ihre Sekurität besteht in der deutschen Stände Libertät. Schweden schürt somit die alten Ängste einer monarchia universalis wie zur Zeit Karls V. [Pres91]. Der Kaiser ist verstimmt und will den Krieg fortsetzen, doch auch die anderen Parteien nehmen die Kämpfe verstärkt wieder auf, um vor den geplanten Verhandlungen ihre militärische und damit auch politische Position zu verbessern. * Die Kronen Schwedens, Norwegens und Dänemarks
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Herzog von Bayern
Generalfeldmarschall Baron von Mercy
Mathaeus Merian
Neueingerichteter und vielberbesserter Abentheuerlicher
SIMPLICISSIMUS Beschreibung deß Lebens eines seltzamen Vaganten, genant Melchior Sternfels von Fuchshaim, wie, wo und welcher gestalt Er nemlich in diese Welt kommen, was er darin gesehen, gelernet, erfahren und außgestanden, auch warum er solche wieder freywillig quittiret hat. Unerauß lustig, und männiglich nützlich zulesen. |
Eine Chur-Bayerische-Reichs-Armada unter Mercy 1644 ante portas
So warten ab 1644 Delegationen der kriegführenden Parteien in Münster und Osnabrück vergeblich auf eine Wiener Abordnung zu den Friedensgesprächen. Stattdessen zieht eine Chur-Bayerische-Reichs-Armada unter ihrem Generalfeldmarschall Franz von Mercy mit etwa 10000 Mann Fußvolk und fast ebenso vielen Berittenen, unter dem Befehl Jan van Werths, gen Westen. Zur Erstürmung von festen Plätzen führen die Truppen 26 Kanonen verschiedener Kaliber mit sich. Der greise Kurfürst Maximilian möchte mit diesem Vorstoß vor allem weitere Einfälle der protestantischen Union in Bayern verhindern, während die Armee vom Kaiser den Auftrag bekommt, den Feind aus dem Breisgau zu werfen. Der Ruf des Siegers von Tuttlingen eilt Mercy voraus. In dieser Schlacht hatte er 1643 die Erbmasse Bernhards von Weimar, die unter dem Kommando des Generals Turenne stehende französisch-weimarische Armee, aufgerieben. Nur etwa 6000 Mann der 16000 Mann starken Truppe konnten über den Rhein entkommen, während Mercy lediglich 6! seiner eigenen Leute verloren hatte.
Festungskommandant Obrist Kanoffski ahnt Böses. Die Ankunft der bairischen Truppen erwartend bemüht er sich, Freiburg mit seiner nur 1650 Mann starken Besatzung verteidigungsbereit zu machen. Er befiehlt, daß sich die Bäcker wieder mit vorrätiger Frucht zu versehen, ferner alle Bauern die Stadt zu verlassen und die Wirte keine Nachtzettel mehr auf solche und Fremde überhaupt auszustellen hätten [Scha79]. Für ein freies Schussfeld und damit sich die Belagerer nicht in den Gebäuden vor der Stadt verschanzen können, lässt Kanoffski auf Befehl der Regierung in Breisach die im Vorfeld Freiburgs liegenden Frauenklöster St. Agnes, Clara und Magdalena, das Reuerinnenkloster und das Kloster der Regelschwestern sprengen, ferner alle Schleifmühlen sowie die Lehener und die Prediger-Vorstadt abbrennen. Am 25. Juni 1644 liegt Franz von Mercy mit seiner Reichsarmada vor der Stadt.
Berühmbt wegen deß herlichen durch die gantze Stadt lauffenden Wässerlein
Im gleichen Jahr 1644 schreibt Mathaeus Merian in seiner Topographia Alsatiae completa über Freiburg: Es ist diese Stadt wegen vier Stück sonderlich berühmt: erstlich wegen der Gottes-Häuser; darunter das herliche Münster oder Haupt-Kirchen ist, so einen prächtigen Thurn hat, welcher mit sonderlicher Kunst, von Grund auff biß an den höchsten Gipffel geführet, mit eitel Quader- und gebildeten Steinen gebauet und gezieret ist, deßgleichen man, nach dem Thurn zu Straßburg, in Teutschland nicht finden solle. ... Zum anderen ist diese Stadt berühmbt, wegen der Hohen-Schul, oder Universität, welche Hertzog Albertus zu Oesterreich Anno 1450 fundiert hat … Der dritte Ruhm dieser Stadt (so der Eingang in den Schwarzwald ist, und allda es auch ein feines Rath- und Kauffhauß hat) ist, wegen deß herlichen durch die gantze Stadt lauffenden Wässerlein, und Bächlein, von frischem Brunnen-Wasser, so über Winter nicht gefrieret. Es fleust auch neben der Stadt hin ein gar Fischreiches Wasser, die Triesen genandt, so nicht fern vom Ursprung der Thonau entstehet. Und zum Vierdten, die sonderliche Polier- Kunst daselbst, mit allerley Steinen, und Polier-Mühlen, von Cristall, Granaten, Jaspis, Corallen, Cacedonier (so in Lothringen gegraben werden) und andern Edlen-Gesteinen. Nun bricht mit der Schlacht um und bei Freiburg über die Stadt, die schon bei den vorherigen Belagerungen und Besetzungen so schwer gelitten hatte, neues Elend herein.
Die Kaiserlichen entsetzen Freiburg
Ende Juni beginnt Mercy die Belagerung. Die Guarnison in der Statt, welche auff tausend geachtet wurde, thäte starcken Widerstand, vnd Tag als Nachts. Continuirlich schiessen, dergestalt, daß es sich zu verwundern … Nach dem am 11 ihujus (Juli), die ChurBäyrischen die Johanniter Vorstatt zu Freyburg bestürmet, vnnd glücklich erobert, dabey ein Hauptmann, vnd vngefehr biß in 50. Knechte vun den stürmenden vmbkommen, vnd beschädiget worden, hatte man alsobald darauff die Stücke in gemelte Vorstatt gebracht, und gegen der Statt plantieret, also, daß sie bereits in dem einen Stattgraben, welcher gantz trucken, losirten, auch einen Mine verfertiget hätten. Dannenhero der Belägerung bald ein glückliches End erwartet würde [Meri51]. In der Tat, die Stücke der Angreifer schlagen immer neue Lücken in die altertümliche Befestigungsmauer. Auch werfen die Belagerer Feuerkugeln in die Stadt, so dass wegen des angezogenen Fewreinwerffens ist des Zapfen hoff (der Hof des Bürgers Zapfen) unnd darinn ein sehr grosse Menge Holtz, Strow, und hew auch lohekhäss verbrunnen und wegen abgehenden Wassers disses Fewreinwerffens halber eben grosee gefahr [Mend72].
Bei den Ratssitzungen in der belagerten Stadt streitet man sich mit dem Festungskommandanten um die Verpflegung der Soldaten und die von den Bürgern zu leistenden Schanzarbeiten. In den Ratsprotokollen stößt man immer wieder auf Beschwerden über das Ausbleiben der täglichen Weinration besonders für die Franzosen.* *Dieses Recht der französischen Soldaten auf ein Quäntchen Wein galt noch bis in die Mitte des 20. Jahrhunderts. Als der radikale Premierminister Pierre Méndes-France 1955 den Soldaten statt ihres täglichen Weins ein Glas Milch verordnete und dabei mit gutem Beispiel voran ging, warfen ihm die rechten Poujadisten seine jüdische Herkunft vor: Si vous aviez une goutte de sang gaulois dans les veines, vous n’auriez jamais osé, vous, représentant de notre France producteur mondial de vin et de champagne, vous faire servir un verre de lait dans une réception internationale! (Wenn Sie einen Tropfen gallisches Blut in ihren Adern hätten, würden Sie es als Repräsentant unseres Frankreichs, dem Weltproduzenten von Wein und Champagner, niemals gewagt haben, sich bei einem internationalen Empfang ein Glas Milch servieren zu lassen !)
Freiburgs Bürger beschweren sich: Denn nicht allein werden wir durch die Verpflegung und Verköstigung der Soldaten in die äußerste Armuth gebracht, sondern auch mit dem Degen gezwungen, während des Kampfes sogar Sturmkrüge hinauszuwerfen und die geschossenen Breschen wieder zu vermauern [Bade82]. Doch da hilft kein Jammern. Die Bürger müssen weiter in Stattgraben steygen, Pallisaden tragen, die Löcher vermachen, Strohe herbey thuen, selbiges den Fewerwerffern reichen und dardurch den Leyb bloss geben [Haum01].
Jan van Werth treibt mit seiner Kavallerie wiederholt die gelegentlichen Ausfälle der Belagerten, welche diese zur Auffrischung der innerstädtischen Vorräte unternehmen, zurück. Deshalb gehen mit zunehmender Dauer der Belagerung in der Stadt die Lebensmittel, aber auch Pulver und Blei zur Neige. Im Protokoll der Ratssitzung liest man: Der Maior hatt referiert weyhlen mann ahn Bley zimblich ausskhommen auch bei den Khrämeren wenig zue erhallten, hingegen verlaut dass auff dem Münster bleyine Käner (Dachziegel) seyen, dass dieselbigen sollen hergeeben, und underdessen mit hötzinen ersetzt, und fahls solchen nicht wehre, zum Kuglen giessen bey der Burgerschaft Zinn gesamblet, und hergeeben werden. Der Stadtrat hält dieser Forderung entgegen: Was dann unsser Fr: Kürch dass Münster betrifft, wahre disses begehren nit ohne sonderbahres bedawren, unnd empfinden verstanden, wegen dess ohnwiderpringlichen grossen schaadens, der dem Baw dahero bevor stüendt, In dem Es nit allein umb dass Bley zuethuen, sonder auch weegen anderen allss da Ist der Glockhenstuel etc. so durch dass Wetter merckhlich verderbt wurde [Mend72]. Die Bürger fühlen sich von ihrer Obrigkeit verlassen: Wo ahnietz die Vätter des Vatterlanndts seyen? Wanns umb Tribulieren, Vexieren, unnd dergleichen zue thuen, hab mann wohl ein Obrigkheith aber Jetz, der sich Ihren ahnnehmme, sey niehmand vorhanden [Mend72].
Mit Vnter- vnd Oberwehr, Sack vnd Pack, fliegenden Fahnen, brennenden Lunten, Kugeln im Mund und offenem Spiel
Am 20. Julij, hat man starck angefangen den Ort zu beschiessen, vnd den 21. damit eyfferig angehalten, dergestalt, daß zwo Breschen dafür verfertigt worden [Meri51]. So ist der Rat schließlich erleichtert, als der Zunftmeister Mang die Übergabe der Stadt vorschlägt: Herr Obrister Meister proponiert demnach Es sich ahnsehen lass, dass, Es, vermittels der gnadt Gottes zue einem güetigen accord khommen, und die Statt dardurch vor weitterer ruin Conserviert werden möchte. Es hette Herr Obristen (Kanoffski) ... Hrn. General Mercy geschryben derselbe wölle gemeine Statt dess Frantzösischen Aydts, Welchen sie gezwungen schwöhren müessen, nit entgellten lassen, Warüber Er geantwortet, kheineswegs, Weylen ein gezwungener Aydt Gott Laydt [Mend72].
Diese Antwort Mercys beruhigt die Bürgerschaft. Diß der Herr Commendant, nach dem er sich als ein Cavallier gehalten, benothträngt worden, in einen Accord zu schreiten, welcher auch, zwischen der Römischen Käyserlichen Mayestät, vnd Churfürstlichen Durchl. in Bäyern, Herrn General-Feldmarschallen, Frantz, Freyherrn von Mercy, etc. an einem, vnd dann (Jhme) der Cron Franckreich Obristen vnd Commendanten zu Freyburg im Brißgow, Herrn Friederich Ludwigen Canoffsky von Langendorff, etc. andern Theils, den 28. Julij, in nachfolgenden Puncten beliebet:
1. Solle Herr Commendant in Freyburg wolgenantem Herrn Feldmarschalln, die Statt Freyburg, sampt dem Schloß, Burghalden genant, Morgen den 29. Julij frühe vmb 10 Vhren Vormittag völlig, mit Hinterlassung Stück vnd Munition, abtretten, vnd auff solche Stund mit seinen Völckern den Außzug nehmen, vnd die zwo Guarnisonen abziehen, mit Vnter- vnd Oberwehr, Sack vnd Pack, fliegenden Fahnen, brennenden Lunten, Kugeln im Mund, offenem (klingendem) Spiel, vnnd wie ein jeder Soldat sich rüsten kann*… *d. h. ein ehrenvoller Abzug kampfbereiter Männer. Die Landsknechte pflegten, da sie beide Hände zum Laden ihrer Vorderlader benötigten, die Bleikugel, die zuletzt in den Lauf kommt, im Mund zu halten. So war ihnen der Tod durch Blei gewiss, entweder in der Schlacht oder durch Vergiftung.
Die folgenden Paragraphen des Accords regeln Einzelheiten der Übergabe Freiburgs. Interessant ist Artikel 8, der das Schicksal Johann Balthasar Stumpps des Schwiegervaters Kanoffskis bestimmt: 8. Soll Herrn Obristen Canoffsky Herrn Schwäher-Vatter., mit sampt bey sich habender Pagagy (Bagage) gleichfalls mit den Officirern vnnd Soldaten freyer Abzug gestattet werden.
Paragraph 11 bestätigt die mündliche Zusage Mercys: 11. Daß die Statt Freyburg bißherto in Königl. May. Zu Franckreich Gewalt gewesen, begehrt man solche dessen disselts nicht entgelten zulassen, dann es bey jnen geheissen, ein gezwungener Eyd, ist Gott leyd.
Es folgt der Schlussartikel: 15. Vnd solle beyderseits schließlich nichts in hierob gemeldten Puncten disputirt, sondeern alles bey Cavagliers Parola steht, vnd ohnverbrüchig gehalten werden. Zu dessen Bekräfftigung wolgenandter Herr Feld-Marschall, vnnd Herr Obrist Canoffsky, dien Accord gegen einander vnterschrieben, außgefertigt, vnd jeder davon ein Exemplar behalten. So beschehen in der Vorstatt vor Freyburg den 28. Julij 1644.
Solchem nach ist mehrgedachter Herr Commendant den 29. Diß mit 600. Gesunden, 200. Krancken vnd beschädigten Soldaten, wir auch 100. Pferdten, vnd 2. Stücken Geschütz außgezogen, vnd selbigen Abends gegen 9. Vhren mit der Convoy zu Brysach angelangt [Meri51].
Unter den Besatzungstruppen soll auch Hans Jakob Christoffel von Grimmelshausen gewesen sein, der später seine Kriegserlebnisse im Abenteuerlichen Simplicissimus verarbeiten wird. Die Bayern verloren während der einmonatigen Belagerung 1600 Mann.
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Marschall Turenne
Schlachtenkreuz: Zur Erinnerung an die Es ist anzunehmen, dass der Eintrag für die Franzosen nicht aus dem Jahre 1908 stammt, sondern erst bei der Renovierung 1980 angebracht wurde.
Der junge Duc d'Enghien später als der große Condé, Le grand Condé, bezeichnet)
Franz von Mercy |
Die Schicksalsschlacht am Lorettoberg
Während der Kämpfe um Freiburg hatte sich ein nach dem Tuttlinger Debakel neu formiertes französisch-weimarisches Heer in Sichtweite der Stadt beim Ort Pfaffenweiler auf dem Batzenberg verschanzt. Es bestand aus zehn tausend Mann, halb Infanterie, halb Kavallerie, fast alles Truppen, die Frankreich von dem Herzog von Weymar gekauft?! hatte [Bend80]. Diese Armée de l'Allemagne steht unter dem Kommando des inzwischen von Kardinal Mazarin zum Maréchal de France beförderten Turenne. Zwar kommt es vereinzelt zu Scharmützeln zwischen den Weimarischen und den die Stadt belagernden Bayern, doch Turenne zieht es vor, mit seiner Mischung aus den durch die Vorjahresniederlage noch immer geschockten und den neuen, gefechtsunerfahrenen Soldaten, die zahlenmäßig größere Armee Mercys erst anzugreifen, wenn der Duc d'Enghien aus dem Hause Condé (1621-1686)* mit der Armée de France zu ihm gestoßen ist. Entschuldigend schreibt Turenne an Mazarin: Il y a encore ici trop de gens qui se souviennent de la journée de Tuttlingen**[Scha79]. *Das Haus Condé ist eine Seitenlinie des französischen Königshauses Bourbon. Der Duc d’Enghien tritt 1646 die Nachfolge seines Vaters als Louis II de Bourbon, vierter Prince de Condé an und wird wegen seiner Verdienste als Feldherr später als der Große Condé bezeichnet. **Es gibt hier noch zu viele Leute, die sich an den Tag von Tuttlingen erinnern
Enghien steht mit seiner Streitmacht von 10000 Mann in der Nähe von Verdun etwa 400 km entfernt. Trotz Eilmärschen, bei der das Fußvolk pro Tag mehr als 30 km zurückgelegt, trifft die Vorhut der Armée de France erst nach dem Fall Freiburgs am 2. August ein. Sie vereinigt sich sofort mit den Truppen Turennes, so dass die Gesamtstreitmacht schließlich etwa 16000 Mann umfasst.
Derweil beschäftigt Mercy seine inzwischen auf etwa die gleiche Zahl geschrumpften Truppen mit Schanzarbeiten auf dem den Schönberg in Richtung Westen vorgelagerten Bohl. Er beschließt, die Schlacht gegen Turenne und Enghien vor allem aus politischen Gründen anzunehmen. An seinen Kurfürsten Maximilian schreibt er eine Rechtfertigung und betont besonders die Möglichkeit, eines erneuten Einfalls protestantischer Truppen in Bayern: Wann wir zurückgehen sollten, werden nicht allein die Reichsarmada, sondern auch alle Ständt dadurch kleinmütig und discouragirt, hingegen aber dem Feind Courage gemacht werden, man auch den selben in Spring bringen, in Ew. Churfürstlich Landen zu gehen. Wir wollen tun als redliche Leut und sehen was der Feind intentieren will [Scha79].
Als Ranghöherer übernimmt der Duc d'Enghien den Oberbefehl über die vereinte französisch-weimarische Streitmacht. Er startet am Nachmittag des 3. August einen Zangenangriff gegen das Lager der Bayern, indem er die Truppen Turennes zur Umgehung des Schönbergs durchs Hexental ziehen lässt, während er selbst mit der Armée de France von Ebringen aus in Richtung Bohl vorstößt. Um fünf Uhr abends kamen die Truppen am Fuße des Berges (Bohl) an, und warteten in Schlachtordnung ungeduldig auf das Zeichen zum Treffen, welches der Prinz nicht eher gab, bis er glaubte, daß Turenne seinen angewiesenen Posten erreicht habe ... Dann führte er sie einen rauhen, steilen, mit Weinbergen besäeten Weg hinan [Bend80]. Die gut verschanzten Truppen Mercys leisten heftigen Widerstand und die Angreifer erleiden große Verluste. Bei Einbruch der Dunkelheit liegen sich die Kämpfer auf halber Höhe oft nur wenige Meter entfernt gegenüber.
Es ist noch nit aller tag abent, und das bletlein sich bald umbkehren kinde!
In Freiburg sind die Bürger verängstigt. Wie im Protokoll der Stadtratssitzung zu lesen, verkündet der Profos, das noch nit aller tag abent, und das bletlein sich bald umbkehren kinde! denn Es wahr auch referiert, das die Frantzösische arme gestern starckh auff die Bayrisch avanciert, undt bederseits under dem fuss volkh zu Einem starckhen Charmitzell kommen, also das bederseits Ein grosse ahnzahl so woll Todt alss Verletzte, auch die Bayrische zu weichen gezwungen worden, ob zwar die Frantzösische ahn Todten undt verletzten den grosten schaden erliten haben* [Mend72]. *Die Franzosen 1200, die Bayern 600 Mann [Stor12]
Aus französischer Sicht liest sich der Fortgang der Ereignisse wie folgt: Einmal war Condé selbst Willens, über die Berge ins Lager der Feinde zu dringen ... aber durfte er dies auf einem so schrecklichen Wege, in einer finstern, regnichten Nacht wohl wagen? Konnte ihm nicht der kleinste Zufall, ein panisches Schrecken, die Frucht von so viel vergossenem Blute, von so vielen Beschwerden entreissen? Die Gründe nöthigten ihn, seinen kochenden Muth zu unterdrücken, und zu warten, bis der anbrechende Tag neue Unternehmungen erleuchtete ... Aber unterdeß entwischte ihm seine Beute.
Mercy, der gegen seine Erwartung, die Kühnheit der Franzosen über die Menge der Hindernisse hatte siegen sehen, die er ihnen entgegen gestellt hatte, der seine Truppen um mehr als die Hälfte geschwächt sah, suchte den Rest derselben durch einen schleunigen Rückzug zu sichern. Dieser Rückzug verkündet den größten Krieger ... [Bend80]. Mercy entkommt der Umklammerung, denn haben wir sämtliche Generalspersonen für ratsam befunden ... uns sämtlich auf einen anderen hohen Berg nächst bei Freiburg, allwo der Obrst Rouyr mit seinem Regimente schon gewesen und Posten gefaßt gehabt, zu setzen [Fisc95]. Im Schutz der Dunkelheit entfernte sich sein Heer ... mit so viel Ordnung und Schnelligkeit ... daß es mit Tagesanbruch den schwarzen Berg [den Slierberg, der damals noch ganz bewaldet war] erreichte, der Freyburg noch näher lag [Bend80].
Auf dem Slierberg und der angrenzenden Wonnhalde lässt Mercy Schanzen werfen. Ein bairischer Kriegskommissar berichtet, dass glücklicherweise der Feind sein Pulver nicht trocken halten konnte, denn Donnerstag den 4. August war ein kalter, beständiger Regen, so den armen Knechten sehr wehe tat, ich vermeine aber durch Gott geschickt, damit der Feind uns nicht angreifen könnte, ehe wir auf dem Berg gebauen hätten ... Ein jeder hat müssen zwei Tage auf seinem Posto stehen und erwarten, bis man ihnen Brod, Wasser, etwan auch ein Trinkel Wein gebracht ... *[Rudl04]. *Auch die Bayern müssen wohl damals den Wein dem Bier vorgezogen haben
Obgleich seine Truppen von dem langen Marsch noch ermüdet sind und den Höhenzug von der Ebene aus stürmen müssen, entschließt sich Enghien, schon früh am Morgen des 5. August den Bayern nachzusetzen. Später wird Napoleon diese Entscheidung heftig kritisieren: Condé (Enghien) a violé un des principes de guerre de montagnes: ne jamais attaquer les troupes qui occupent de bonnes positions dans les montagnes, mais les débusquer en occupant des camps sur leurs flancs ou leur derrières*. *Condé hat ein Prinzip des Gebirgskrieges missachtet: niemals darf man Truppen in erhöhten Positionen angreifen, sondern muss sie aus ihren Stellungen locken, indem man ihre Flanken besetzt und ihren Rückzug abschneidet.
In der Tat, Enghien hätte abwarten können, bis Mercy vor allem aus Futtermangel für seine Pferde gezwungen sein würde, abzuziehen. Doch der Prince ist ungeduldig. Ein zweites Mal versucht er, Mercy zu täuschen. Um einen Teil der bairischen Truppen zu binden, lässt er ihre Stellungen auf dem Slierberg angreifen allerdings nur mit einer Vorhut der Armée de France. Gleichzeitig rückt die gesamte Armée de l'Allemagne von Merzhausen her gegen die Wonnhalde vor. In dem vom Regen am Vortag aufgeweichten Boden kommen die Franzosen nur langsam voran und werden von den Bayern mit einem mörderischen Feuer empfangen. Hier zeigt sich nun die von Turenne so gefürchtete geringe Kampfmoral seiner Soldaten. Als sie beim Sturm auf die bairischen Schanzen ihren Feldmarschall Lechelle verlieren, lassen sie sich von den kaiserlichen Truppen beim Gegenstoß zurückwerfen.
Ganze Kompagnien nahmen mit ihren Offizieren schändlicherweise die Flucht
Dies liest sich aus französischer Sicht wie folgt: Ganze Kompagnien nahmen mit ihren Offizieren schändlicherweise die Flucht ... vergebens waren alle Drohungen des Herzogs (Enghien). Entsetzen hatte der bestürzten Menge den Gebrauch der Sinne geraubt ... In der Hoffnung also, daß sein Beyspiel sie wieder ins Treffen zurückführen werde, blieb er noch mit zwanzig anderen, eine lange Zeit, dreyßig Schritte von der Verschanzung, dem heftigsten Feuer ausgesetzt, stehen*. Keiner von allen, die ihn umgaben, blieb unverwundet. Ihm selbst nahm eine Kanonenkugel den Sattelknopf weg, und ein Musketenschuß zerbrach seine Degenscheide ... Das Gefecht währete nun schon von acht Uhr Morgens, bis fünf Uhr abends [Bend80]. Bei diesen Kämpfen verlieren die Franzosen 1100, die Bayern aber nur! 300 Mann an Toten und Verwundeten. *Die Reichweite der damals verwendeten Musketen betrug nur rund 50 Meter [Schm95]
Die durch die schweren Verluste demoralisierten Angreifer an der Wonnhalde taugen nur noch als Flankendeckung, als Enghien an der Westflanke des Slierbergs die Entscheidung sucht: Der Herzog verlohr doch nicht die Hofnung zu siegen, doch anstatt seinen Hauptangriff auf der Linie fortzusetzen, die ihm so viel gekostet hatte, wandte er sich nach der Thalseite ... Zwey Stunden nachher fieng er ein neues schreckliches Gefecht an [Bend80].
Schlacht bei Freiburg 1644 nach [Scha79] |
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Kardinal Mazarin
Kurfürst Maximilian von Bayern |
Mit den Brodtmessern die Gurgel abgeschnitten
Wieder und wieder rennen Enghiens Truppen den Westhang des Slierbergs hinauf. Aus ihren strategisch vorteilhaften Positionen haben der Chur-Bäyerischen Stücke, so Creutzweiß auff, vnd vnter die herantringende Frantzosen gespielet, eine solche Menge der Frantzosen niedergelegt, daß schier vngläublich, dann sie fast gleichsamb den Scheeblocken, als sie den Berg herauff steigen wollen, herunter gefallen. Ja es ist so ein grosse Fury der Frantzosen gewesen, dass in deme zu 4. Vhren Nachmittags ein starcker Schlagregen eingefallen, wodurch der Streit in etwas erkühlet, vnd nachgelassen hat, selbige (weil sie jhr Gewehr nicht recht brauchen können) den Chur-Bäyrischen Soldaten, deren sie damaln mächtig werden können, mit den Brodtmessern die Gurgel abgeschnitten [Meri51]. Doch ununterbrochen schießt die bairische Artillerie in die anstürmende Infanterie. und in dem mörderischen Feuer der Musketen brechen alle französischen Angriffe zusammen.
Encore mille !
Vor Wut wirft Enghien seinen Marschallstab unter die Kämpfenden oder wollte er nur seine Hand frei haben, um den Degen zu führen?* Wieder und wieder treibt er mit dem Ruf encore mille neue Soldaten den Berg hinauf. Endlich, beim vierten Anlauf dringen die Franzosen in die bairischen Stellungen ein. Caspar von Mercy, Bruder des Feldmarschalls und Generalwachtmeister der Reiterei, erkennt die Bedrängnis der Fußtruppen. Er heißt seine Kürassiere und Dragoner absitzen und zu Fuß mit blankem Säbel in die Bresche springen. *Le prince aura sans doute jeté sa canne, pour mettre l'épée à la main, et le récit de cet épisode, transmis de bouche en bouche, aura pris les proportions d'une légende [Fisc95]
Doch Enghien wirft eine fünfte Angriffswelle in die Schlacht. In dieser höchsten Not gelobt Franz von Mercy, der heiligen Jungfrau ein Lauretanisches Haißlein nach dem Muster der Santa casa in Loreto auf dem Slierberg zu bauen, wenn es gelingt, den Feind zurückzuwerfen. Und tatsächlich wollen fromme Bürgerinnen von Freiburg im Mündungsfeuer der Kanonen über dem Pulverdampf Maria gesehen haben, wie sie mit ihrem weiten blauen Mantel die französischen Kugeln auffängt [Klei87].
Unter diesen zweydeutigen Umständen brach der Abend ein. Man sahe nur noch einen undurchdringlichen Rauch, den das von beyden Seiten gut bediente, grosse und kleine Geschütz verursachte. Die Streitenden konnten sich nur noch beym Kanonen- und Musketenfeuer erkennen: aber der Streit war deshalb nicht minder hitzig; und der Wiederhall, der den Donner der Artillerie aus Thählern, Wäldern und Bergen doppelt, und dem Gebrüll wilder Thiere gleich, zurückgab, vermehrte die Schrecken, der ohnedem schaudervollen Aktion. Endlich überraschte sie die Nacht, da sie eben im Begriff waren, sich beyde aufzureiben [Bend80].
Der kleine Raum, auf welchem der Prinz (Condé) focht, war mit Blut überschwemmt, mit Todten und Sterbenden, mit Kugeln und zerbrochenen Waffen bedeckt; und nun war seine erste Sorge, die Verwundeten, es mochte Freund oder Feind seyn, nach Breysach zu schicken ... Alsdann führte er sein Heer, welches er zu seinem Kummer, um zwey bis drey tausend Mann vermindert fand ... ins Lager zurück. - Es ist ohne Beyspiel, nach einem Gefecht zwischen zwei mittelgroßen Heeren, die nicht einmal handgemein [Nahkampf] wurden, von beyden Seiten so viel Gebliebende zu zählen ... Wir müssen die unüberwindliche Standhaftigkeit des Prinzen an diesem merkwürdigen Tage bewundern; aber wir müssen auch nicht seiner Mäßigung zu gedenken vergessen, von der er vielleicht nie einen herrlichern Beweiß gegeben hat [Bend80].
Von den Bäyerischen ist damaln tod blieben ...
... der Gen. Feldwachtmeister Caspar von Mercy, vnd Obrister Mirre, deren Todt hoch beklagt wird … Bey diesem Treffen hat der Freyherr Johann von Werth (so zwar nicht verletzt, jhme aber das Pferdt vnterm Leib erschossen worden) mit der Cavalleria, sonderlich aber mit den Kürassirern vnd Tragonern das beste gethan, vnd jedesmals die Infanteria secundirt mit solchem Valor vnd Schargen, daß, daferne die Frantzösische Reutterey den Chur-Bäyerischen in der Zahl vnd Menge nicht weit wäre überlegen gewesen, alsdann die Frantzösische Infanteria gäntzlich sollte zu Grund zugerichtet worden seyn [Meri51].
Schiller schreibt zur Schlacht am Lorettoberg: Der Herzog von Enghien musste sich zum Rückzug entschließen, nachdem er bei 6000 seiner Leute umsonst hingeschlachtet hatte. Als er die lange Liste der Gefallenen nach Paris schickt, soll Enghien dem Boten gesagt haben: So viel Buchstaben du trägst, soviel Tränen trägst du [Fisc95]. Und tatsächlich: Kardinal Mazarin [der Nachfolger Richelieus] vergoss Tränen über diesen großen Verlust, den aber der herzlose, für den Ruhm allein empfindliche Condé nicht achtete. Eine einzige Nacht in Paris, hörte man ihn sagen, gibt mehr Menschen das Leben, als diese Aktion getötet hat [Schi64]. Die Bayern verlieren etwa 1100 Mann, in der Mehrzahl Verwundete.
Got seye Ewiges lob ...
Im Protokoll der Stadtratssitzung vom 5. August 1644 findet sich der seherische Eintrag: Got seye Ewiges lob, noch nichts aussgericht. Got helf weiter! [Mend72]. Wohl wahr, denn es war kein Sieg für die Kaiserlichen. Zwar hatte Mercy erreicht, dass sich Frankreich vor dem Abschluss des Westfälischen Friedens nicht im Breisgau festsetzen konnte, doch erlaubte ihm Kurfürst Maximilian nicht, dem Feind über den Rhein nachzusetzen. Somit ließen sich der Verlust der habsburgischen Gebiete links des Rheins und die dauerhafte Trennung der alemannisch sprechenden Bevölkerung zwischen Schwarzwald und Vogesen nicht verhindern [Scha179].
Am Ende aber triumphiert Turenne, als er, was Maximilian immer verhindern wollte, 1648 mit seinen Truppen ins kurfürstliche München einmarschiert.
Ein so blutiges Treffen beyderseits gewechselt ... und Vermahnung
In einer Nachlese zur Schlacht bei Freiburg heißt es: … obwoln der vorigen Rencontren Schargen sehr hart abgelauffen, so ist doch selbigen Tags ein so blutiges Treffen beyderseits gewechselt worden, daß auch Joh. von Werth, wie auch fast alle Generales vnd im Krieg von Jügend auff erzogne vnd geübte Soldaten bekennen, hätten dergleiche, (obwoln sie vnterschiedlichen Feld- vnd Hauptschlachten beygewohnet) niemaln gesehen [Meri51].
Dem Stadtrat bescheinigt Mercy: dass die Stat das Eisserist (Äußerste) gethan, und das wan die Stat nit gewest, die armee nit gefechten khinden, wöls zu riemen (rühmen) nicht underlassen so woll bey Ihr Kay: Mstt: alss seinem gnädsten Herren der Churfstl. Dchlcht. in Bayern. Auch In ahnsehung der Burger armuth ad interim 50 Fass Mehl für die Soldaten hinderlassen ... Und dass dise Stat nit werde gelassen werden, alss ahn welcher so vüll gelegen.
Her Stathalter Tonhoss referiert, das, alss die abgeordnete wider von Adelhausen herein für das thor kommen, Hr. General Veldt Marschalkh (Mercy) auch sich hierbey genaet (genaht), und allerhandt gute discurs geben, deme der Obrist Lieut: (der Zunftmeister) etwas In ein Ohr blasen, ob man sich wehren wöll? und trew zusein? wariber die herren (des Stadtrats) zwar geantwortet: wöölen trew sein abre nit, das man sich wehren wöll, darauf Hr. General vermeldt: Ihr werdt thun wie redliche leith, darmit die handt dargestreckendt, dem selbige die handt auch geben [Mend72].
Der Feind beginnt courtois und humaner zu reden
Im August 1645 treffen die Kontrahenten der Schlacht bei Freiburg im bairischen Alerheim erneut aufeinander. Hier erleidet die kaiserliche Armee eine empfindliche Niederlage. Turenne triumphiert, Mercy fällt. Da stiftet seine Witwe 200 Gulden, damit die mächtige bereits 1258 gegossene Münsterglocke Hosanna jeden Freitag um 11 Uhr zum Gedenken an die Toten in der Schlacht am Lorettoberg geläutet werde. Zum Frieden mahnend ertönt die Glocke auch heute noch, wie einst von der Stifterin bestimmt und erinnert als Knöpfleglock die Freiburger Hausfrauen daran, die Teigwaren rechtzeitig aufs Feuer zu setzen [Kalc06].
Als die Kaiserlichen im gleichen Jahr auch noch die Schlacht bei Jankau in der Nähe von Prag verlieren, lenkt Ferdinand im Streit mit den Ständen ein und schickt endlich seinen Bevollmächtigten Oberhofmeister Graf Maximilian von und zu Trauttmannsdorff zu den Friedensverhandlungen nach Münster und Osnabrück. Oxenstierna kommentiert die erzwungene Kompromissbereitschaft Wiens: Der Feind beginnt courtois und humaner zu reden [Pres91].
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Kaiser Ferdinand III.
Graf Trauttmannsdorff |
Ewige Vergessenheit und Amnestie
Nun kann der Verhandlungsmarathon des Friedenskongresses beginnen. Die Schweden, die sich als Behüter des wahren evangelischen Glaubens sehen, tragen ihre Forderungen in Osnabrück vor, da sie, wohl auch geschockt durch die Annäherung ihrer Königin Christina an den Katholizismus, nicht mit dem Vertreter des Vatikans zusammensitzen möchten.
Dagegen tagen die anderen Delegationen unter der Führung Frankreichs im
katholischen Münster. Der schwedische Reichsrat instruiert die
Verhandlungsdelegation, sie soll drei Hauptpunkte
besonders vorantreiben und sich besonders angelegen sein lassen:
Und so lautet dann auch Artikel 2 des Friedensvertrages, den Ferdinand III. mit den Schweden schließt: Soll auf beiden Seiten eine ewige Vergessenheit und Amnestie alles dessen sein, was seit Beginn dieser Vorfälle an welchem Ort und auf welche Weise auch immer von der einen und von der anderen Seite hinüber und herüber an feindseligen Akten verübt worden ist, so daß weder deswegen noch aus irgendeinem anderen Grund oder Vorwand einer dem anderen in Zukunft irgendwelche Feindseligkeit, Feindschaft, Unannehmlichkeit oder Behinderung zufügen oder zufügen lassen oder dulden soll, daß es zugefügt werde, weder auf die Personen noch auf den Stand, die Güter oder die Sicherheit bezogen, eigenhändig oder durch andere, offen oder heimlich, direkt oder indirekt, unter dem Scheine des Rechts oder durch Gewalt etc. etc.
... entlich auch den Preiskhau fahren lassen ...
Die Franzosen möchten in Münster endgültig ihr Trauma der habsburgischen Umklammerung loswerden. Die Anweisung lautet: Die Delegierten Frankreichs werden mit den Botschaftern der anderen Konferenzteilnehmer zusammenarbeiten, von denen sie merken sollten, daß sie von Argwohn erfüllt sind gegen die Bundesgenossenschaft zwischen der deutschen und spanischen Linie des Hauses Österreich und der großen Macht, die dieses Haus sich dadurch zum Schaden der ganzen Christenheit erwirbt. Das Auseinanderdividieren der Habsburger ist erreicht, wenn wir unser Grenzen in allen Richtungen bis zum Rhein ausgedehnt hätten [Schi88].
Dieses Ziel steht in krassem Widerspruch zur kaiserlichen Instruktion: Der grav von Trautmanstorf wirdt vor allen dingen zu sehen haben, daß es zu diser separation (der Teitschen und der Spanischen lini) nicht khume, auch ehender (eher) alles uber und und uber gehen ehe er es darzu khumen lasse [Schi88]. Um es dazu nicht kommen zu lassen, ist der Kaiser zu großen territorialen Zugeständnissen an die Franzosen bereit. Eine Geheiminstruktion für Trauttmannsdorff lautet: ... daruff zu beharren haben solang miglich, endtlichen ihnen daß Elsas endtern Reihn (über den Rhein) verwilligen gegen herüberlassung der vestung Preisach. Wann daß nicht zu erhalten, auch Preisach adjungiren, und wann der friden allein an Preiskhau hafften sollte, entlich auch selbiges fahren lassen, doch diese letzte non nisi in desperatissimo casu*, absunderlichen weilen zu hoffen, daß Frankhreich es nicht begehre oder doch wenigist nicht darauf beharren werde, weilen es biß dato nichts alls Elsas (so endtern Reihn liegt) praedendirt. Diser punct wird aber notwendig mit denen erzherzogischen abgeordneten müssen verglichen werden. Wann sie aber nicht darein consentiren wollten, in extremo casu ihnen vorgegriffen werden müsst. [Roec96]. *nur im äußersten Verzweiflungsfall, [um den Frieden zu retten]
Nun, letztlich verlangen die Franzosen nicht, dass die Schwanzfeder des Reichsadlers, der Breisgau, auf dem Altar des Friedens geopfert wird. So kommt es auch nicht zu einem (weiteren) Zwist im Hause Habsburg zwischen dem Kaiser und seinem Vetter der tirolischen Linie Erzherzog Ferdinand Karl, dem Landesherrn der Vorlande.
Während 1648 die Unterzeichnung des Friedensvertrages auf sich warten lässt,
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Friedensschlussakte
Samuel von Pufendorf
Päpstlicher Nuntius |
Oh König der Herrlichkeit, komme mit Frieden
Die Verträge von Osnabrück, das Instrumentum
Pacis Caesareo-Suecicum Osnabrugense zwischen Kaiser,
Reichsständen und der Königin von Schweden, und Münster, das
Instrumentum Pacis Caesareo-Gallicum Monasteriense
zwischen Kaiser, Reichsständen und dem Allerchristlichen König von
Frankreich, werden am 24. Oktober 1648 unterzeichnet, doch die erlösende
Nachricht vom Friedensschluss trifft in
Friedensschwur im Rathaussaal zu Münster von Gerhard Terborch
Der Mars ist nun im Ars
Der Krieg hatte … dargetan, daß Gott … weder Katholik noch Protestant oder Calvinist war [Rose04]. Die Erleichterung des geschundenen Volkes über den Friedensschluss artikuliert sich in den teutschen Landen in vielen Flugschriften mit häufig allegorischen Darstellungen. Besonders pikant ist ein Flugblatt aus Köln, in welchen dem Kriegsgott Mars beschieden wird, dass er jetzt im Ars sei und dass Lex Ars (Gesetz und Kunst) von nun an wieder schmeckt bzw. schmecken. Vorsorglich ist dem Gedicht die Mahnung vorangestellt: Wohlgemeint, vnd boß (bös) verstanden, Machet manche Schrifft zu schanden:
Neue Drangsal in und Bürde für Freiburg ...
Zwar hatte man in den westfälischen Verträgen wegen der schwedischen Forderung des Contentement der Soldateska für den Rückzug der Armeen einen Zeitraum von nur zwei Monaten vereinbart, doch in Freiburg hört mit dem Friedensschluss die Drangsal durch streunende Soldaten nicht auf. Unter dem Vorwande, daß die vereinbarte Kriegsentschädigung noch nicht entrichtet sei, verzögerten die Schweden und Franzosen ihren Abmarsch und saugten die gepeinigten Einwohner noch weiter aus. Sie schanzten und frohnten, thaten die Wachen mit der Garnison, verköstigten diese und lieferten das Geld zur Löhnung derselben. Item, nachdem schon so Vieles dem Friedensschlusse zuwider geschehen, ist zu considerieren, wie sich inkünftig auf denselben zu verlassen sei [Bad82]. Auch die baierische Besatzung ist eine Bürde für die Stadt, deren letzte Truppen unter ihrem Kommandanten Carl von Neveu erst im Juli 1650 Freiburg verlassen, wobei dem Herrn Obristen (dem Zunftmeister) ists wasser dabei in die Augen geschossen [Damm75].
Einige der fremden Soldaten jedoch bleiben in Freiburg, die neben dem Weib 4-6 Kinder hatten. Wohl verbot man das Heirathen, allein dann schwängerten sie Bürgerstöchter und ausländische Dienstboten, um die Heirathserlaubniß zu erzwingen. So mußte eben auch für diese übel oder wohl eine Liegerstatt erstellt werden. So war der arme Bürger, der nur ein enges Stüblin und Kuchen und dies häufig nur miethweise für sich und seine Familie hatte, oftmals genöthigt, entweder in dieses Heim noch einen Soldaten mit Kind aufzunehmen, so daß sich zwei Weiber in so engem Raume vertragen mußten, oder für denselben ein besonderes Gelaß zu miethen und sich so eine Ausgabe von mindestens neun Gulden per Jahr aufzuladen. Dabei mußte er zusehen, wie die Soldaten ihm das Brot vor dem Maul abschnitten, indem sie, während der arme Bürger für sie den Wachtdienst besorgte, als Handwerker für die vornehmen Leute arbeiteten, sich als Barbiere, Schreiner, Schuster, Schneider, ja als Boten Geld verdienten, während ihre Weiber schneiderten, oder Wein einlegten und Kosttische hielten [Damm75].
... bei Armut, Elend und Ohnmacht im Reich
Der Pfarrer von Isny im Allgäu notiert: Es ist wohl dieser Reichsfried ein guldener Fried/ dann er viel tausend rohter Goldgulden/ viel Tonnen Goldes/ grosse Summen Goldes/ viel Millionen Reichsthaler kostet ... nach dem gemeinen Sprüchwort/ übernächtigter Friede ist Goldes werth [Gant02]. Das geschwächte Reich zahlt auch sonst die Zeche. Samuel von Pufendorf erster Professor für Völkerrecht in Heidelberg beschreibt 1667 in seinem Werk: De statu imperii germanici den Zustand dieses Reiches wie folgt: Es bleibt also nichts übrig, als Deutschland, wenn man es nach den Regeln der Politik klassifizieren will, einen unregelmäßigen und einem Monstrum ähnlichen Staatskörper zu nennen, der sich im Lauf der Zeit durch die träge Nachgiebigkeit der Kaiser, durch den Ehrgeiz der Fürsten und die Ruhelosigkeit der Pfaffen aus einer Monarchie zu einer so ungeschickten Staatsform umgestaltet hat [Lese89].
Wohl wahr: Die Schweiz scheidet de jure aus dem Reich aus. Vorpommern und die ehemaligen Bistümer Bremen und Verden werden schwedisch. Frankreich behält die Bistümer Metz, Toul und Verdun und wird Garant des Friedensvertrages*. Erzherzog Erzherzog Ferdinand Karl (1646-1662) wird der Breisgau und die Ortenau restituiert, doch begibt sich der Kaiser für sich, für das gesamte durchlauchtigste Haus Österreich und für das Reich aller Rechte, allen Eigentums, aller Herrschaften, Besitzungen und Gerichtsbarkeiten, die bisher ihm, dem Reiche und dem Haus Österreich zustanden, und zwar an der Stadt Breisach, der Landgrafschaft Ober- und Unterelsaß und der Landvogtei über die zehn im Elsaß gelegenen Reichsstädte, nämlich Hagenau, Kolmar, Schlettstadt, Weißenburg, Landau, Oberehnheim, Rosheim, Münster im St. Gregoriental, Kaysersberg, Türkheim, sowie an allen Dörfern und sonstigen Rechten, die von der vorerwähnten Vogtei abhängen, und überträgt sie sämtlich auf den allerchristlichsten König und das Königreich Frankreich, so daß die vorerwähnte Stadt Breisach mit den zur Stadtgemeinde gehörenden Weilern Hochstatt, Nieder-Rimsingen, Harten und Acharren einschließlich des gesamten von alters her bestehenden Gebietes und der Bannmeile, jedoch ausgenommen die schon früher vom Haus Österreich erlangten und erhaltenen Privilegien und Freiheiten dieser Stadt so heißt es im Artikel 73 des Instrumenti Pacis Caesareo-Gallicum Monasteriense. *Noch Napoleon beruft sich auf diese Klausel
Andererseits bestimmt Artikel 87 des Dokuments: Der allerchristlichste König soll verpflichtet sein, nicht nur die Bischöfe von Straßburg und Basel einschließlich der Stadt Straßburg, sondern auch andere im Ober- und Niederelsaß befindliche reichsunmittelbare Stände, nämlich die Ämter von Murbach und Lüders, die Äbtissin von Andlau, das Benediktinerkloster im Sankt Gregoriental, die Pfalzgrafen zu Lützelstein, die Grafen und Freiherrn zu Hanau, Fleckenstein, Oberstein und die Ritterschaft des gesamten Unterelsaß, ferner die zuvor erwähnten zehn Reichsstädte, die zur Vogtei Hagenau gehören, in der Freiheit und Reichsunmittelbarkeit zu belassen, in der sie sich bisher befunden haben, und zwar in der Weise, daß er künftig keine Oberhoheit über sie in Anspruch nehmen wird, sondern sich mit jenen Rechten zufriedengibt, die das Haus Österreich innehatte und die durch den gegenwärtigen Friedensvertrag der Krone Frankreich abgetreten worden sind. Dies soll jedoch in der Weise geschehen, daß dem Recht auf Oberherrschaft, das zuvor gewährt worden ist, durch die gegenwärtige Erklärung kein Eintrag geschieht oder es [auf andere Weise] geschmälert wird. Damit sind Breisach als rechtsrheinischer Brückenkopf sowie zehn elsässische Reichsstädte einerseits von nun an auf ewige Zeiten dem Allerchristlichen König und der Krone Frankreichs einverleibt, andererseits sollen diese Stände die Freiheit ihre Reichsunmittelbarkeit behalten, wie das bisher unter Österreich der Fall war [Kopf70, Auss08].
Frankreich sieht die im Westen vom Reich abgetrennten Gebiete bereits voll als die seinen an. Insbesondere ist nach welscher Lesart der nunmehr vom französischen König bestellte Grand-Bailli in Haguenau der Vertreter des Herrschers über die Dekakapolis, während der frühere Reichslandvogt in Hagenau nach österreichischer Auslegung nur eine Titelbezeichnung ist. Keine der vertragsschließenden Parteien möchte darüber weiteren Streit. Der französische Gesandte in Münster und Osnabrück Abel Servien schreibt mit Recht dem jungen Louis XIV, der noch minderjährig bereits 1643 König geworden war: Sire, je crois, qu'il se faudra contenter que chacun explique le traité comme il l'entend* [Sayn71]. ]. Der österreichische Kanzler Volmar dagegen tönt: Le plus fort l’emportera [Vogl09]. *Sire, ich glaube, man muss sich damit abfinden, dass jeder den Vertrag auslegt, so wie er ihn versteht. ** Der Stärkere wird gewinnen
Schweden wird mit seinen deutschen Besitzungen Reichsstand. Schließlich erhält der Sohn des Winterkönigs Pfalzgraf Karl Ludwig (1649-1680) eine achte Kurwürde, die des Reichsschatzmeisters, nachdem die Bayern die ihnen 1623 übertragene nicht wieder hergeben wollen. Den Niederlanden, die 1556 bei der Teilung des Erbes Karls V. an die spanische Linie der Habsburger gefallen waren, wird ihr 80-jähriger Kampf belohnt, indem die vereinigten dreizehn nördlichen Provinzen unabhängig werden, während der südliche Teil (etwa das heutige Belgien) bei den Habsburgern verbleibt.
Das Restitutionsedikt von 1629 wird aufgehoben und als Normaljahr der 1. Januar 1624 eingeführt: Was an diesem Datum katholisch war, bleibe katholisch, was protestantisch oder reformiert war, bleibe es ebenfalls [Rose04]. So erkennt schließlich einzig der Papst den Friedensvertrag nicht an, welcher die Gleichberechtigung der Ketzer völkerrechtlich festschreibt [Stol06]. Der päpstliche Nuntius Fabio Chigi* legt gegen das Vertragswerk ein feierliches Protestbreve ein, was die anderen Vertragsschließenden nicht nur nicht schert, sondern sie - einschließlich der meisten Katholiken - zu einer Anti-Protesturkunde bewegt [Pres91]. *Der spätere Papst Alexander V. (1655-1691)
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Voltaire
Johann Michael Moscherosch
Der Teutsche Michel sich mit frendem Tand schmückend
Zurück zu den Anfängen des großen Krieges
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Deutschland nach dem Westfälischen Frieden 1648 [Atla91]
Weder heilig noch römisch noch Reich
Städte und Dörfer liegen in Trümmern, ganze Landstriche sind entvölkert. Von geschätzten 18 bis 20 Millionen Menschen im Jahre 1600 leben in den deutschen Gebieten um 1650 nur noch 11 bis 13 Millionen. Erst 100 Jahre später erreicht die Bevölkerung wieder den Stand wie vor dem großen Krieg [Pres91]. Hunger und als Folge Seuchen und andere Krankheiten halten auch nach Kriegsende weiter an, denn aus Mangel an Zugtieren hat man wenig mit sähen können ausrichten. Bettler ziehen übers Land, an einem Tag biß uff die 20 oder 30 einem für das hauß komen [Schi89]. Schließlich spaltet der Konfessionsunterschied immer noch die teutschen Lande. Voltaire spottet, dass der verbleibende Flickenteppich, der aus fast 1500 reichsunmittelbaren Gebieten darunter 8 Kurfürsten, 27 geistlichen und 30 weltlichen Fürsten, 38 Prälaten, 75 Grafen und Herren, 53 Reichsstädten sowie Reichsdörfern und reichsritterschaftlichen Territorien besteht, weder heilig noch römisch noch Reich ist [Roec02]. Ja, dieses Monstrum ist unregierbar. Der Historiker Heinrich von Sybel klagt 1889: Die Reichsgewalt und die nationale Gesinnung waren auf Null gesunken. Der Partikularismus hatte von dem deutschen Boden und dem deutschen Geiste vollständig Besitz ergriffen [Schu96].
Für den Historiker Heinrich von Treitschke ist der Dreißigjährige Krieg eine nationale Katastrophe, die sich in einem Schandfrieden bestätigt. In seiner Analyse drischt der protestantische Preuße zudem kräftig auf die katholischen Habsburger ein: In einer Zerstörung ohnegleichen geht das alte Deutschland zugrunde … Rhein und Ems, Elbe und Weser, Oder und Weichsel, alle Zugänge zum Meer sind fremder Nationen Gefangene; dazu am Oberrhein die Vorposten der französischen Übermacht, im Südosten die Herrschaft der Habsburger und der Jesuiten. Zwei Drittel der Nation hat der greuelvolle Krieg dahingerafft … Das Volk, das einst von Kriemhilds Rache sang und sich das Herz erhob an den heldenhaften Klängen lutherischer Lieder, schmückt jetzt seine verarmte Sprache mit fremden Flittern … (siehe weiter unten) Die Umbildung des altgermanischen Wahlkönigtums zur erblichen Monarchie hat den meisten Völkern Westeuropas die Staatseinheit gesichert. Deutschland aber blieb ein Wahlreich, und die dreihundertjährige Verbindung seiner Krone mit dem Hause Österreich erweckte nur neue Kräfte des Zerfalles und des Unfriedens, denn das Kaisertum der Habsburger war unserem Volk eine Fremdherrschaft … Da führte der Glaubenseifer des Kaiserhauses alle Schrecken des Völkermordes über Österreich herauf [Gant02].
Das interessanteste und charaktervollste Werk
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