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Inflation: Briefmarkenwert
Karl Liebknecht mit einem roten Bettlaken auf dem Balkon des Stadtschlosses ruft die freie sozialistische Republik aus: Nie wieder wird ein Hohenzoller diesen Platz betreten! [Sont11]. |
Freiburgs Geschichte in Zitaten |
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Die Republik von Weimar
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Die Niederlage
Am 3. Oktober 1918 ernennt Kaiser Wilhelm den liberalen Prinz
Max von
Baden , den Cousin
Großherzog Friedrichs II. zum Reichskanzler. Der
schickt am folgenden Tage ein Waffenstillstandsgesuch an
Woodrow Wilson. Als Bedingung für eine Annahme verlangt der
amerikanische Präsident, dass des Kaiser verschwindet.
Nach vier jammervollen Jahren endet der Erste Weltkrieg am 9. November 1918 mit der Niederlage Deutschlands. In seinen Erinnerungen kommentiert Hindenburg die Ereignisse aus seiner, der Sicht des pflichtbewussten Soldaten: Das Drama schließt an diesem Tage nicht, erhält aber eine neue Farbe. Der Umsturz siegt. Verweilen wir nicht bei seinen Gründen. Er trifft zunächst vernichtend die Stütze des Heeres, den deutschen Offizier. Er reißt ihm, wie ein Fremdländer sagt, den verdienten Lorbeer vom Haupte und drückt ihm die Dornenkrone des Martyriums auf die blutende Stirne. Der Vergleich ist ergreifend in seiner Wahrheit. Möge er jedem Deutschen zum Herzen sprechen!
Die am 28. November 1918 aus den Niederlanden nachge-lieferte Abdankungsurkunde Wilhelms II.
Dieser „Man" – der kaisertreue Heereschef verschweigt hier taktvoll den Namen des Verkünders - ist Max von Baden. Der hatte am 9. November gegen 11 Uhr aus dem Hauptquartier im belgischen Spa erfahren, Wilhelm sei zur Abdankung bereit. Als ihm jedoch nach einer halben Stunde keine schriftliche Erklärung vorliegt, unterzeichnet er eigenmächtig die Verzichtserklärung des Kaisers. In dem Papier wird ein möglicher Anschluss des nun mehr auf seine deutschen Stammlande reduzierten Österreichs an eine deutsche Republik nicht ausgeschlossen. Doch da ist später Versailles vor.
Es lebe die Republik!
Er kommt damit Karl Liebknecht dem Führer des Spartakusbundes* zuvor, der kurz danach von einem Balkon des Berliner Stadtschlosses, welches Arbeiter- und Soldatenräte zuvor gepündert und zum Volkseigentum erklärt hatten, eine Sozialistische Republik ausruft. Der Bademax jedoch vertraut dem gemäßigten Sozialdemokraten Friedrich Ebert und übergibt ihm die Regierungsgewalt. *Vorläufer der KPD
Philipp Scheidemann ruft die Republik aus
So ist es Ebert, der die am 10. Dezember nach Berlin heimkehrenden Truppen am geschmückten Brandenburger Tor begrüßt und tröstet: Seid willkommen von ganzem Herzen, Kameraden, Genossen, Bürger. Eure Opfer und Taten sind ohne Beispiel. Kein Feind hat Euch überwunden. Erst als die Übermacht der Gegner an Menschen und Material immer drückender wurde, haben wir den Kampf aufgegeben [Seib02].
Deshalb muss eine Mitteilung der Neuen Zürcher Zeitung vom 17. Dezember, dass die deutsche Armee … von der Zivilbevölkerung von hinten erdolcht worden sei, das politische Klima mit der Legende vom Dolchstoß nachhaltig vergiften, zumal wenn es der Sieger von Tannenberg klar ausspricht: Die deutsche Armee ist von hinten erdolcht worden [Krum02].
In Freiburg wird auf dem Karlsplatz zur Revolution aufgerufen. Nach der Abdankung des Großherzogs wird Baden Republik.
Nicht ausreichend tricolor
Nach der Heimkehr des Elsass teilt die französische Regierung in einer
Verordnung vom 14. Dezember 1918 die Elsässer Bürger in die Kategorien A, B,
C und D. In die Klasse A werden reinblütige Elsässer
eingeordnet, in der Klasse B ist ein Elternteil Nicht-Franzose, C betrifft
die Personen, bei denen Vater und Mutter aus einem verbündeten Land stammen,
und D beinhaltet die Nachkommen von Deutschen, Österreichern oder Ungarn.
Die Regierung gibt entsprechend gekennzeichnete Ausweise aus. Diese
Einteilung aber schützt selbst Alt-Elsässer nicht
vor der Ausweisung.
*Wir wollen das Deutschtum ersticken
Stolz präsentieren sich Soldaten und Bewohner Neuf Brisachs dem Photo-graphen. Die Festungsanlage war 1870 im preußisch-französischen Krieg schwer beschädigt worden. Das Deutsche Reich beeilte sich, Neu Breisach wieder herzustellen, und ließ das Übergabejahr in Stein meißeln. Nach dem Ersten Weltkrieg reichte den neuen alten Herren ein einfaches Metallschild: Français 1918.
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Dr. Konstatin Fehrenbach
Dr. Joseph Wirth
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Linke und rechte Wirrungen in der Hauptstadt
Es ist eine Zeit der politischen Unruhen und Morde in der Hauptstadt. Linke Kräfte versuchen, die Revolution vom November 1918 ins neue Jahr hinüberzutragen. Die Spartakisten unter Führung von Karl Liebknecht betreiben den Sturz der provisorischen Reichsregierung unter Friedrich Ebert. Regierungstreue Truppen und Freichors schlagen den Aufstand nieder und machen kurzen Prozess, doch arten die standrechtlichen Erschießungen in Massenhinrichtungen linker Opponenten aus. Soldaten ermorden Rosa Luxemburg mit einem aufgesetzten Schuss in die Schläfe und werfen anschließend die Leiche in den Landwehrkanal. Karl Liebknecht wird auf der Flucht erschossen. Man findet ihn mit einer Kugel im Rücken.
Große Teile der Reichswehr sind rechtsgerichtet und lehnen naturgemäß die Abrüstungsbestimmungen des Versailler Vertrages - Verringerung der Truppenstärke von 500 000 auf 100 000 Mann - ab. Als sie einen Militärputsch gegen die junge Demokratie auslösen, flieht die Reichsregierung Bauer aus Berlin ins loyale Stuttgart. Der von den meuternden Truppen unter Freiherr Walther von Lüttwitz zum Reichskanzler ausgerufene Deutsch-Nationale Wolfgang Kapp kann sich jedoch nur wenige Tage im Amt halten, da für einmal die linken Kräfte zusammenstehen und mit einen Generalstreik das Land lahm legen.
The Economic Consequences of Peace
Doch die Abrüstungsbestimmungen des Versailler Vertrages sind nur ein Nebenkriegsschauplatz. Zu den wichtigeren Bestimmungen, die an den Lebensnerv Deutschlands rührten, sollen zwei neutrale Briten gehört werden. In 1919 ... many among the Allies saw it as an amazing opportunity that so formidable a competitor had been knocked out, apparently forever. This was reflected in the Treaty of Versailles, which among many other things, saddled Germany with dizzying 'reparations', a hugely inflated version of what the Germans had done to France in 1871. The justification was based around German 'war guilt' — a disastrous piece of victor's justice which both absolved the Allies for all responsibility for 1914 and which rang completely untrue within Germany, thereby fermenting further a sense of almost overwhelming grievance across an alarming cross-section of society schreibt Simon Winder in seinem Buch Germania [Wind10]. *Im Jahre 1919 sahen viele der Alliierten es als überraschende Gelegenheit an, dass, so wie es aussah, ein so Respekt einflößender Wettbewerber für immer am Boden lag. Das spiegelte sich im Versailler Vertrag wider, der neben vielen anderen Dingen Deutschland schwindelerregende Reparationen aufbürdete, eine gewaltig aufgeblasene Version dessen, was die Deutschen Frankreich 1871 angetan hatten. Die Rechtfertigung gründete auf einem verhängnisvollen Stück Siegerjustiz: Deutschlands Kriegsschuld, die zugleich die Alliierten von jeglicher Verantwortung für 1914 lossprach, in Deutschland jedoch als absolut unwahr angesehen wurde und somit bei einem alamiered großen Teil der Gesellschaft einen überwältigen Groll schürte.
Auch der große John Maynard Keynes schreibt 1920 als Wirtschaftswissenschaftler über The Economic Consequences of Peace des Versailler Vertrages: The Treaty includes no provision for the economic rehabilitation of Europe - nothing to make the defeated Central Powers into good neighbours, nothing to stabilise the new States of Europe, nothing to reclaim Russia; nor does it promote in any way a compact of economic solidarity amongst the Allies themselves; no arrangement was reached at Paris for restoring the disordered finances of France and Italy, or to adjust the systems of the Old World and the New.* Zusammen mit Keynes zeigen die Briten ein gewisses Verständnis für die Deutschen, doch Frankreich besteht auf der vollen Erfüllung der Versailler Vertragsbedingungen. *Der Vertrag enthält keine Vorkehrungen zur ökonomischen Wiederherstellung Europas - nichts, um die besiegten europäischen Mittelmächte zu guten Nachbarn zu machen, nichts, um die neuen Staaten Europas zu stabilisieren, nichts, um Russland zurückzugewinnen. Auch fördert der Vertrag in keiner Weise die ökonomische Solidarität zwischen den Alliierten; in Paris wurden keine Vereinbarungen getroffen, um die zerrütteten Finanzen Frankreichs wiederherzustellen oder die [Wirtschafts]-Systeme der Alten und der Neuen Welt einander anzugleichen.
Zwei Freiburger Reichskanzler
Im Jahre 1920 wird der Freiburger Rechtsanwalt Dr. Konstantin Fehrenbach deutscher Reichskanzler. Doch der ältere Herr ist dem politischen Druck nicht gewachsen und so folgt ihm bereits im Mai 1921 auf dem Chefsessel ein weiterer Freiburger: Dr. Joseph Wirth. Der bildet ein Kabinett aus Sozialdemokraten, Demokratischer Partei und Zentrum und muss mit der ach so harten und deshalb unpopulären Erfüllungspolitik des Versailler Vertrages beginnen.
Auf die politischen Morde an Rosa Luxemburg und Karl Liebknecht folgt der an dem Verzichtspolitiker Matthias Erzberger, so dass auch Wirth um sein Leben fürchten muss, denn rechtsradikale Freischärler singen folgendes Hetzlied:
Laßt uns froh und munter sein,
Die SPD stößt den Lotsen von Bord
Als die Alliierten die Bemühungen Deutschlands zu Reparationszahlungen im Rahmen der begrenzten finanziellen Möglichkeiten nicht anerkennen, tritt Wirth in letzter Konsequenz mit seinem ersten Kabinett zurück. Zwar zeigen wohl angeregt durch Keynes die Briten ein gewisses Verständnis für die Deutschen, doch Frankreich besteht auf der vollen Erfüllung der Versailler Vertragsbedingungen.
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Außenminister |
Wirth steckt nicht auf und bildet sein zweites Kabinett. Er sucht, die Ketten des Versailler Vertrags zu sprengen. Dabei schwankt er zwischen einer deutschen Teilnahme an einem von Großbritannien vorgeschlagenem Plan für den Wiederaufbau Europas, der allerdings von Russland als Versuch einer kapitalistischen Ausbeutung abgelehnt wird, und einer Annäherung an den östlichen Nachbarn, der sich durch sein kommunistisches Regime gegenüber dem übrigen Europa völlig isoliert hat. Schon macht das Wort von einer Schicksalsgemeinschaft zwischen Deutschland und Russland die Runde.
Rapallo, ein Befreiungsschlag
Da schaltet der französische Premierminister Aristide Briand überraschend auf Versöhnung und schließt mit der Reichsregierung das Wiesbadener Abkommen über eine wirtschaftliche Zusammenarbeit zwischen beiden Ländern ab.
Briands Nachfolger Raymond Poincaré dagegen nimmt zu dieser Erleichterung der Versailler Bestimmungen erneut eine unbeugsame Haltung ein. Die harte französische Position zeigt sich besonders 1922 bei der Wirtschaftskonferenz in Genua, an der sich Deutschland und das kommunistische Russland völlig isoliert sehen. So kommt es zwischen den beiden Staaten zur schnellen Unterzeichnung des Vertrages von Rapallo, dessen Vorentwurf in langen Verhandlungen bereits erarbeitet worden war. Damit hatten Wirth und sein Außenminister Dr. Walther Rathenau eine, wenn auch beschränkte, Handlungsfreiheit des gebeutelten Deutschlands vor aller Welt demonstriert. Als Reaktion darauf besetzt Frankreich das Ruhrgebiet, denn nun muss es fürchten, dass Deutschland seinen Verpflichtungen zu Reparationszahlungen nicht mehr nachkommt: Deutschland versteht nur die Sprache der Gewalt, schnaubt die französische Rechte, während die Kommunisten toben: Poincaré - la guerre. [Bour76]
In Deutschland dagegen tobt die Rechte; denn dass ein Jude, der promovierte Naturwissenschaftler Rathenau, als Außenminister nun die Verzichtpolitik der Reichsregierung gegenüber den Alliierten vertritt, ist ihnen eine nicht mehr zu überbietende Provokation. So machen die rechten Freikorpskämpfer ernst mit ihrer Drohung: Knallt ab den Wather Rathenau, die gottverdammte Judensau [Crai91].
Die gewaltsame Ruhrbesetzung Frankreichs provoziert Gegengewalt, die sich
in Sabotageakten durch Freichorkämpfer im
Rheinland artikuliert. Dabei wird
Albert Leo Schlageter aus Schönau im Wiesental gefasst und 1923 von der Besatzungsmacht wegen terroristischer Anschläge hingerichtet. Für die Nazis wird er zum Martyrer und
Martin Heidegger bejubelt 1933 vor der Universität Freiburg Schlageter am 10. Jahrestag der Hinrichtung
als jungen deutschen Helden, der den schwersten und größten Tod gestorben ist und legt den Studenten dieses Urgestein sowie dessen Härte des Willens und Klarheit des Herzens nahe
[Zing06].
Schließlich kommt es 1924 zwischen Stresemann und Briand zu einer Verständigung zwischen Deutschland und Frankreich, die mit dem Vertrag von Locarno besiegelt wird.
Aristide Briand, Austen Chamberlain und Gustav Stresemann besiegeln den Vertrag von Locarno
Und dennoch: Die nachhaltigen Folgen des Friedensvertrags von Versailles sind weiterhin im Grenzland besonders zu spüren, sie sind die Wurzeln unserer großen Not. Millionen arbeitslose Proleten, hunderttausende von Haus und Scholle vertriebener Bauern, ein zerbrochener Mittelstand, weinende Kriegerwitwen und ein Heer von hungernden Kindern:, sie alle erheben fürchterliche Anklage gegen die Männer, die das System vierzehn Jahre lang aufrechterhielten, so die Propaganda der Nazis 1932 gegen das Versailler Diktat [Bräu83].
Student Goebbels in Freiburg ein grüner Heinrich?
Joseph Goebbels, wegen seiner körperlichen Behinderung im Ersten Weltkrieg nicht eingezogen, studiert im Frühjahr 1918 an der Universität Freiburg Philologie, Geschichte und Germanistik. Er schreibt schon damals eifrig Tagebuch: Die Stadt ist schön und angenehm. Die Leute hier zu Lande haben Zeit. Man sieht kaum einen Menschen hasten. Wir sind schon tief im Süden. Am Karlsplatz stehen Bänke. Die sind immer besetzt, morgens, mittags und abends. Ich sah überhaupt noch keine Bank, die nicht besetzt war.
Die Kastanien am Schlossberg stecken ihre weißen Kerzen an. Wenn ich Zeit habe - und wann hätte ich keine Zeit - schlendere ich zur Höhe hinauf. Unten liegt die Stadt. Wie die Kücken um die Glucke, so gruppieren sich die alten Häuser um das verwitterte Münster. Die Sonne spielt glitzernd in den roten Dächern der Neustadt. Ganz weit leuchtet das Land. In der Ferne tauchen schwimmend die Vogesen auf …
Er hat Zeit und interessiert sich damals auch eher für die badischen Mädchen als für Politik. Er berichtet schamhaft, dass er mit einer Hertha Holk in Gottfried Kellers Roman Der grüne Heinrich gelesen habe. Zum Abschied schreibt die Dame ihm: Es ist ein Genuss, für das, was man liebt, Opfer zu bringen. Diesen Satz muss Joseph, wie die Geschichte uns lehrt, gründlich missverstanden haben [Stad44].
Goebbels berichtet weiter: Wenn ich zur Universität
gehe, dann komme ich durch diese sauberen Straßen, die es nur einmal in
Deutschland gibt.
1934 Freiburg revisited: Bürger-meister Franz Kerber mit dem Reichspropagandaminister bei einer Kundgebung auf dem Messplatz. Was wohl aus dem Jungen im Vordergrund geworden ist?
Abends gehe ich durch enge, menschenleere Gässchen am Münster vorbei nach Hause. Manchmal höre ich dann nur meinen eigenen Schritt. Kosend spielt die Abendluft um mein Gesicht. Wenn ich stille stehe, dann höre ich, wie irgendwo ein Brunnen murmelt und plätschert.
Und dann gab es noch den stillen, alten Friedhof, auf dem Goebbels offenbar gern weilte. Vor mir sprüht ein Brunnen seinen feinen Regen in die heiße Luft. Kastanien wölben breit ein Dach über meinen Platz. Über die grünbesponnenen Grabsteine rankt sich bescheiden der Efeu. Und den Markt! Da stehen herrlich gewachsene Schwarzwälderfrauen und verkaufen Blumen. - Wie farbenprächtig dieses Bild: im Hintergrunde ragt das Münster, ernst und feierlich, rotbraun, davor die Blumenstände und die Frauen in den schwarzen Kleidern mit den roten Umschlagetüchern [Wern01].
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Die letzten freien Wahlen
Es hat übrigens nichts mit dem Aufenthalt Goebbels in Freiburg zu tun, dass
die NSDAP im Breisgau bereits vor 1933 recht aktiv ist. In der Stadt
verhindern eine bodenständige Zentrumspartei und eine starke
Sozialdemokratie eine vorzeitige Machtübernahme der Nazis, so wie
Je weiter sich die wirtschaftliche Situation verschlechtert, umso mehr verliert die Republik von Weimar an Rückhalt in der Bevölkerung. Rechte Kreise feiern an Stelle des Verfassungstags der Republik den Jahrestag der Gründung des Bismarckreiches am 18. Januar. So beschwört der deutsch-nationale, badische Landtagsabgeordnete Dr. Schmitthenner in Freiburg im Jahre 1933 an eben dieser Reichsgründungsfeier die Stärkung des deutschen Wehrgedankens im Glauben an ein kommendes großes Deutsches Reich, das die deutschen Kräfte nützt und die Schwächen ausmerzt, Kapital und Arbeit versöhnt, ein irdisches Reich in der Pracht und der Herrlichkeit [Bräu83]. Knapp zwei Wochen später darf Schmitthenner annehmen, dass sich mit der Machtergreifung Hitlers sein gespenstischer Wunsch erfüllt hat. Daran änderten auch Plakate prophetischen Inhalts von 1932 aus dem Bezirk Schopfheim nichts.
Collective nervous breakdowns
Viele kluge Monographien sind über die Ursachen, die zum Untergang der Weimarer Republik geführt haben, geschrieben worden. Simon Winder dagegen gelingt es, in seinem Buch Germania die Gründe in einem einzigen Satz zu vereinfachen: This layer upon layer of catastrophe - the war, the Versailles Treaty, hyper-inflation, the Depression - provided so many individual German families with reasons to have collective nervous breakdowns that there is no point in hunting for deeper roots [Wind10]. *Diese aufeinanderfolgenden Katastrophen — der Krieg, der Versailler Vertrag, Hyperinflation und Weltwirtschaftskrise — lieferten so vielen deutschen Einzelfamilien Gründe für kollektive Nervenzusammenbrüche, dass es müßig ist, nach tieferen Wurzeln zu forschen.
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This page was last updated on 10 Oktober, 2011