Ludovicus de XIV.

Koningh van Vranckrijck

(Holländische Darstellung)

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Leopold I.

 

Freiburgs Geschichte in Zitaten

Louis XIV
oder wie Frankreich sich nach Osten ausdehnt

 

Der schönste Juwel in der französischen Krone

 

Die Nachfolger Richelieus bezeichnen den Westfälischen Frieden als einen der schönsten Juwelen in der französischen Krone [Crai91]. Heutige französische Geschichtsschreiber sehen das Ergebnis der Verträge von Münster und Osnabrück wie folgt: En 1648 l'Alsace n'est pas devenue française par sa propre volonté; on ne le lui a pas demandé. Mais elle n'a pas non plus été prise par violence par le roi de France. C'est plutôt l'Empire qui l'a abandonnée au roi de France qui y vient en 1635 à l'appel des villes et des seigneurs alsaciens protestant*[Gras98]. In der Tat, im Elsass herrscht zu jener Zeit ein Machtvakuum und so begibt sich das ohnmächtig den Wirren des großen Krieges ausgelieferte Land unter den Schutz der Krone Frankreichs.

*Das Elsass wurde 1648 nicht französisch, weil es das so wollte; man hat es gar nicht gefragt. Noch nahm es der französische König mit Gewalt. Das Reich hat vielmehr das Elsass dem französischen König überlassen, der im Jahre 1635 auf Bitten der protestantischen Städte und Herrschaften ins Land gekommen war.  

 

Jetzt ist Frankreich die unumstrittene Großmacht auf dem Kontinent, denn hier kommen die ganze wirtschaftliche und soziale Kraft einem politischen Willen zugute [Rose09]. So wie amerikanische Zivilisation und englische Sprache das 20. Jahrhundert in der alten Welt beeinflusst haben, werden bis  zum Anfang des 19. Jahrhunderts französische Kultur und Sprache in Europa tonangebend sein. In den deutschen Residenzen praktizieren kleine Fürsten ihren provinziellen Absolutismus und lassen Nachahmungen von Versailles bauen, die sich dann auch noch mit französischen Namen wie Solitude, Belvedere, Sans pareil oder Sans souci schmücken.

 

 

 

 

 

 

 

 

Zwei absonderliche Wesen zu Freiburg

 

Seit 1648 ist Erzherzog Ferdinand Karl (1646-1662) als österreichischer Landesherr mit der Abwicklung der Bedingungen des Westfälischen Friedens am Oberrhein befasst. Frankreich hatte für die Abtretung des Elsass und des Sundgaus Geldzahlungen in der Höhe von 1,2 Millionen Taler an den Tiroler Zweig des Hauses Habsburg zugesagt, die der Erzherzog kassiert und fern vom Breisgau in Innsbruck wesentlich für seinen aufwändigen Lebenswandel verwendet.

 

Über die vorderösterreichische Regierung weiß Leonard Leopold Maldoner zu vermelden: In dem verderblichen dreißigjährigen teütschen Kriegen, worin die Länder Elsaß, Suntgau und Breysgau auch wacker herhalten mußten, retirierten sich außer dem Landvogt und Cantzler, die zu Breysach waren, die vorderösterreichischen Wesen anno 1632 von Einsisheim gehn Thann und Beffort ... endlich aber im Jahre 1636 gehn Breysach, daselbst sie bei der schwedischen Belagerung wieder ihren Willen Zeügen gewesen sind. Nach dem Frieden von 1648 aber introducierte Ertzherzog Ferdinand Carl zu Osterreich die ... durchauß zerstreyter gelegene Regierung und Cammer nun mehr aus dem verlassenen Elsaß und Suntgau anno 1651 in das Breysgau, und zwar in seine Statt Freyburg ... [Well76]. Der Landesherr bestimmt: Es soll zum Ort die Stadt Freyburg, als am bequemsten gelegen, benannt sein. Daselbst sollen zwei absonderliche Wesen, Regierung und Kammer, einsmal mit 28 Personen ... bestellt werden [Kopf74].

 

 

Unsere Städte im Elsass

 

Zwar ist das Elsass in französischer Hand, die Städte der Dekapolis aber beeilen sich, ihre Treue gegenüber dem Reich zu versichern, zumal der Nürnberger Reichstagsabschied von 1650 deutlich von unseren Städten im Elsass spricht. Doch nach den Bestimmungen des Friedensvertrages von Münster ernennt Louis XIV (1643-1715), der 1661 nach dem Tode Mazarins jenseits des Rheins die Regierung übernommen hatte, den Herzog Lothringens von französischen Gnaden Comte d’Harcourt 1651 zum ersten Grand-bailli in Haguenau. Von nun an übernimmt in den zehn Städten ein königlicher Profoss (prèvot) die rechtlichen Aufgaben des Schultheißen.

 

Zu der Zeit finden in Frankreich die innenpolitischen Auseinandersetzungen mit der Fronde statt. In dieser schwierigen Situation kommt aus Paris die Botschaft, die Städte nicht vor den Kopf zu stoßen und ihre Privilegien auch unter französischer Herrschaft zu bestätigen. Feierlich garantiert d’Harcourt den Städten, die ihre Abgeordneten weiterhin zum immerwährenden Reichstag nach Nürnberg schicken, leurs franchises, libertés et immédiateté envers l'Empire*.

*ihre Rechte, Freiheiten und Reichsunmittelbarkeit

 

Da hebt die Dekapolis das Haupt. Über Schlettstadt weiß Marschall de la Ferté seinem Herrn Kardinal Mazarin sogar zu berichten: Nous avons trouvé que, de dix villes impériales qui sont en Alsace sous la protection du roi, il n’y a que Schletstadt de catholique … laquelle a été si maltraitée des Français qui ont tenu leur garnison longtemps, qu’elle est très partiale des ennemis de la France … hatten doch deren Einwohner den Abzug der französischen Truppen 1649 mit einer Prozession gefeiert. So verzichtet während des Frondeaufstandes der Kardinal gern darauf, ins gut katholische Schlettstadt zu flüchten.

 *Wir haben gefunden, dass unter den zehn Reichsstädten im Elsass, die sich unter dem Schutz des Königs befinden, nur das katholische Schlettstadt von den Franzosen, die dort lange eine Garnison unterhalten haben, so schlecht behandelt wurde, dass es besonders unter die Feinde Frankreichs gezählt werden muss.  

 

Auch Comte d‘Harcourt versucht, die politische Lage auszunutzen und sich den Traum Bernhard von Weimars zu erfüllen. Mit Unterstützung ausländischer Mächte und unter Einbeziehung des Elsass möchte er sich einen unabhängigen Staat, der von Burgund bis nach Lothringen reicht, schaffen. Als im Jahre 1652 die Lothringische Armee ins Elsass einfällt und die Landschaft verwüstet, kommt der Kayserberger Stadtrat zu dem Schluss:  Das beste Mittel seye … bezahlen … damit mann ihnen vom hals abkommen [Vogl09].

 

 

Haupt- und Frontierstatt

 

 Auf der anderen Rheinseite ist Freiburg nicht nur Hauptstadt der vorderösterreichischen Gebiete, sondern auch Frontierstatt und soll entsprechend befestigt werden. Auf Ferdinand Karl folgt als Landesherr sein Bruder Erzherzog Sigmund Franz (1663-1665), Bischof von Gurk, Augsburg und Trient, der bei seinem Amtsantritt bemängelt, dass die Stadt seit dem Ende des Dreißigjährigen Krieges zu wenig für die Erneuerung der Befestigungen getan habe. Der Stadtrat widerspricht: Obgleich man nämlich anfangs den Wiederaufbau schier für eine desperierte Unmöglichkeit hat halten wollen, so haben wir dessenungeachtet die von Grund ruinirte Thürn, Mauren, Gräben, Wassersteeg und Weg Gebew wieder ergäntzen lassen, die Armatur etc. in ein merkliches aufnehmen gesetzt und nichts destominder neben solchen eigenen und allein zuegestoßenen Unkösten in nit so villen Jahren der Ertzh. Dhlt. zur underthdsten Ehre über die 50000 fl. extraordinari dargeschossen. Alles das haben wir nun doch hauptsächlich im Interesse der Herrschaft vollbracht, haben von unserem Eifer nit eines Nagels braiths sinken lassen und werden auch in Zukunft Niemand darin nachstehen, sondern das Liebe Vatterland nach all' unserem posse verfechten helfen [Damm75].

 

 

 Ehrentag und Beylager mit ihrer May. Margarita, Infantin zu Hispanien

 

Mit dem frühen Tod Sigmund Franz' stirbt die Tiroler Linie der Habsburger aus. Somit fallen Freiburg und die Vorlande als habsburgische Erbländer wieder an das Haus Österreich, in dem Kaiser Leopold I. (1658-1705) der Chef ist. Wenn er auch nie einen Fuß in den Breisgau gesetzt hat, lädt er als neuer wohlwollender Landesherr Leopold von Gottes Gnaden, Erwählter Röm.Kayser, zue allen Zeiten Mehrer des Reiches etc. an seine getreuen und lieben Stätt und Landschaft Breißgawischen Gestadts ein eigenhändig unterfertigtes allergnädigstes Einladungsschreiben zum kaiserlichen Hochzeitsfest: ... Alß haben Wier auch in Gottes des allmächtigen Namen mit der durchlauchtigsten Fürstin Margarita Infantin in Hispanien Ldt. ein Heyrath beschlossen und Unß mit derselben vermehlet und nachdeme S. Ldt. mit negstem ankhommen und Wier darauf Unser Hochzeitliches Ehren= und Freiden=Beylager allhier halten werden, damit durch dasselbe vermittelst Göttlicher Gnadt und Segens Hochvermeltes Unser Löbl. Ertzhaus propagiret und vermehret werde [Damm75]. Diese Heirat mit seiner Cousine und gleichzeitigen Nichte, der zweiten Tochter Philipps IV., lässt Leopold auf eine Vereinigung der beiden habsburgischen Linien in der Zukunft hoffen, was Louis XIV nicht behagen kann, hatte er doch bei seiner Heirat mit Maria Theresia der ältesten Tochter Philipps auf Ansprüche auf den spanischen Thron verzichtet.  

 

 

Ihm allein und sonst niemand

 

Nach Ferdinand III. betont auch Leopold I., dass die Städte der Dekapolis zum Reich gehören, denn mit der Niederschlagung der Fronde hatte sich 1659 der Ton gegenüber den zehn Städten mit der Ernennung des Marquis de Meilleraye, dem Herzogs von Mazarin und adoptiertem Neffen des gleichnamigen Kardinals, geändert. Mazarin möchte den Städten den Treuschwur auf den französischen König aufzwingen. Schließlich erwartet der französische König von den zehn Städten Geld und Soldaten, Gehorsam und Respekt. Nach zähem Ringen mit dem Grand-bailli leisten die zehn Städte am 10. Januar 1662 den Treuschwur auf den französischen König, doch lassen sie gleichzeitig den Kaiser wissen, dass sie nur der Gewalt nachgegeben haben und dass sie auf seine Intervention zählen. Am 3. Oktober 1664 lässt der Stadtrat von Schlettstadt die vor dem Rathaus versammelte Bevölkerung den Treueeid auf den neuen Kaiser Leopold I. schwören: Ihm einzig und allein und sonst niemand! und Colmar prägt 1666 den Trutzthaler mit dem Bild des Kaisers und der befestigten Stadt mit der Umschrift: Moneta Liberae civitatis Imperialis Colmariensis*

*Münze der freien Reichstadt Colmar  

 

 

Streit zwischen der Stadt Freiburg und dem Adel

 

Rechtsrheinisch bestätigt Kaiser Leopold mit landesfürstlicher Huld und allerhöchstem Wohlwollen der Stadt Freiburg ihre alten Rechte, doch über deren Auslegung kommt es zwischen den drei Ständen, den Prälaten, den Rittern und Bürgern, häufig zu Streitereien.  Dabei geht es vor allem um das officium nobili judicis, die Priminstanz, einer besonderen ritterschaftlichen Gerichtsstelle, die völlig losgelöst von der städtischen Gerichtsbarkeit alle Streitigkeiten zwischen Herrn und Unterthanen regeln soll. Unter dem Jubel der Ritter räumt der Kaiser 1669 dem Adel dieses Recht  ein. Der Beschluss kommt einem Freibrief gleich. So stellt der Adel an Wien zu zahlende Ritterschaftsausgaben für die Dörfer Lehen und Horben einfach der Stadt in Rechnung. Darob schreibt der Stadtrat entrüstet nach Wien: Wie sollten wir auch den beeden khleinen verarmten Dörferen 397 fl expressieren ... Solle denn der Bauer, der seit zwanzig Jahren allein für den Edelmann alle Steuern zahle, da diese Herren von ihren aigenthumblichen und immatriculierten Schlösseren und Güetteren khein Heller weder ordinari noch extraordinari contribuirt, sondern alles auf den armen, unschuldigen Bauersmann gebürdet, dem Adel auch noch die Förderung seiner Standes- und Familieninteressen zahlen? ubi ius, ubi ratio*. Unnötig zu sagen, dass die Proteste erfolglos bleiben. Der Adel erkhlert darauf gegen Ihre May., daß sie nämlich nicht ferner under den Stätter sein megen undt die Rathsstelen quittieren mießen.

*Wo ist das Recht, wo die Vernunft

 

Die Streitigkeiten zwischen Stadt und Adel lassen sich auch nach verschiedenen kaiserlichen Schlichtungsversuchen nicht beilegen - Wien ist schließlich weit -, so dass die Prälaten sich endlich 1673 ins Mittel schlugen, um, wwo die Strittigkeiten mit Freyburg wider den Ritterstand nit beygelegt werden khundten, aufs wenigste inter status ipsos eine Einigkheit wieder einzuführen [Damm75]. Erst nach 1675 während der Kriege mit Frankreich kommt es zum Notvergleich zwischen den zerstrittenen Parteien.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Medaille zur Machtergreifung
Louis' XIV

 

Ordo et felicitas und

regis curas imperii capessente MDCLXI

(Der König übernimmt die Macht des Reiches)

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Gottfried Wilhelm Leibniz 

Defensions= und Fortificationsfragen

 

Während der Streitigkeiten zwischen Stadt und Adel schreitet die Befestigung Freiburgs nur langsam voran, denn die Bauten gehen kräftig ins Geld: Dermalen laufen die onera in einer Weiß (Weise) zusammen, daß der insgeheim arme Bürger kaum respiriren und ein Stuckh Brot erübrigen kann. Es ist so weit gekommen, daß 200 Zünftige (Handwerker) resolviert sind, lieber Kriegsdienste anzunemben, wenn sie nur acceptiert werden, als ein so elendes Dasein fortzusetzen, denn mießen sie thun, schier wie die Soldaten, dabei dieselben logieren und bezahlen helffen, Frohnen, Bewilligungen, Steuer, Schatzung, Schulden bezahlen, während sie den anderen Weg dessen enthebt wären und man ihnen, nit aber sie anderen Geld und Quartier geben mießen ... und daß wenn keine Erleichterung eintritt, der gemeine Mann nothhalber crepieren muß [Damm75].

 

Die Garnison wird zwischen 1650 und 1666 von 200 auf 750 Mann erhöht, damit Freiburg eine Vormauer gegen die Franzosen bilde, doch die Soldateska erweist sich als zuchtlos: Die Stadt ist mit allerhand Nationen und hergeloffenem undiscipliertem Gesindel überfüllt. Darunter thun Etwelche nichts als schwären, schelten und schmähen, Andere sind Aufwiegler, die Dritten dem Stehlen ergeben, die Vierten den Weibern zugethan, und die Fünften den Bürgern, wo sie einquartiert, mit Drohungen und Schlägen beschwerlich [Bade82]. Auch kommt es zu Streitereien mit den Studenten. Die Universität jedoch von ihren elssässischen Einnahmequellen abgeschnitten ist nur noch ein Schatten der Blütezeit unter den Jesuiten um 1620. Dennoch denken die Habsburger nicht an eine Schließung, da sie die Einrichtung einer französischen Universität im ehemals habsburgischen Ensisheim befürchten [Spec10].

 

 

S'agrandir est la plus digne et la plus agréable occupation des souverains

 

 All diese Verteidigungsanstrengungen beeindrucken Louis XIV wenig. Mit dem Pyrenäenfrieden von 1659 und nachdem Louis die älteste Tochter Philipps IV. von Spanien geheiratet hatte, ist an der Südfront Ruhe eingekehrt.

 

Nach dem Tode Kardinal Mazarins verkündet der König 1661, dass er die Macht nun selbst übernimmt unter dem Motto ordo et felicitas*. Louis richtet seine begehrlichen Blicke gegen Norden und Osten.

 *Ordnung und Glück

 

Das Rheintor in Breisach

Damals soll sich am Breisacher Rheintor, das Louis prächtig ausgestalten lässt, folgende selbstbewusste lateinische Inschrift befunden haben oder, wie Forschungen belegen, wohl auch nicht: Limes eram Gallis, nunc Pons et Janua fio; Si pergunt, Gallis nullibi limes erit* [Anri40, Mich08].

*Grenze den Galliern war ich, nun werd' ich zum Tor und zur Brücke; Schreiten die Gallier vor, gibt's keine Grenze für sie

 

 So führt Frankreich, als eine der Garantiemächte des Friedens (sic!) von Münster und Osnabrück, ab 1667 nacheinander vier Eroberungskriege und zwar gegen die spanischen Niederlande, Holland, die Pfalz und Spanien. Der Sonnenkönig ist besessen von Frankreichs natürlichen Grenzen: den Pyrenäen, den Alpen und dem Rhein. Er macht aus seinen Absichten keinen Hehl, die er 1688 in einem Brief an den Duc Louis Hector de Villars so formuliert: S'agrandir est la plus digne et la plus agréable occupation des souverains*. Das gelingt ihm auch dank seiner Armee, der nur die vereinten Kräfte der Nachbarn Frankreichs (Nec pluribus impar) gewachsen sind [Davi96]. Gleichzeitig setzt die französische Diplomatie geschickt die Möglichkeiten der Finanzen und der Wirtschaft ein etwa mit der Zahlung von Subsidien zur Ruhigstellung von potenziellen Gegnern und mit Zöllen oder Boykottmaßnahmen gegenüber unfreundlichen Nachbarn.

*Die würdigste und angenehmste Beschäftigung eines Herrschers ist sich zu vergrößern

 

 

1. Der Devolutionskrieg (1667 - 1768)

 

 Im Devolutionskrieg macht Louis Ansprüche auf Brabant geltend und fällt mit seinen Truppen in die ihm verhasste Republik der Vereinigten Niederlande ein. Nur eine Tripelallianz zwischen England, Holland und Schweden kann den Sonnenkönig bremsen. Immerhin erhält Louis im Frieden von Aachen zwölf Festungen in Flandern und im Hennegau zugesprochen, wie Lille, Charleroi und Tournai, muss aber die Freigrafschaft Burgund (la Franche Compté) an Spanien zurückgeben. Anschließend baut Vauban diese Festungen auf Anweisung Louis’ zur Verteidigung der französischen Nordgrenze zum enceinte de fer* aus. Zusätzlich errichtete Zitadellen mit starken Besatzungen dienen auch als Zwingburgen zur Kontrolle der unsicheren Grenzbevölkerung wie die Zitadelle von Arras, die allerdings wegen ihrer rückwärtigen Lage zur Hauptfestung Lille als la belle inutile* verspottet wird, während die vom vorgeschobenen Lille als la reine des citadelles* bezeichnet wird.

*Eiserner Gürtel, die schöne unnütze und die Königin der Zitadellen

 

Ein Gemälde entstanden um 1670 im Museum von Freiburgs Partnerstadt Besançon  zeigt den Leidensweg der Freigrafschaft Burgund in einer allegorischen Darstellung, nach der man wohl nicht gern französisch geworden ist.

 

Die große Allegorie

Links bittet nach der Invasion französischer Truppen unter Louis XI ein Mädchen vor der brennenden Freigrafschaft Kaiser Maximilian um Hilfe.
Rechts im Bild vor dem habsburgischen Schloss Joux bestätigt Karl V. der in seiner Zeit blühenden Freigrafschaft ihre Privilegien. Die Dame mit dem Schwert stellt sich in den Dienst des Kaisers.
In der Mitte: Nach der Rückgabe der Freigrafschaft an Spanien im Frieden von Aachen (symbolisiert durch den schwebenden Engel mit Kranz und Palm) schenkt ein Mädchen dem jungen Karl II. von Spanien ihr Herz.

 

 

Freiburg rüstet auf wegen vorhandener französischer Unruhen

 

Die Aggression des französischen Königs weckt große Furcht im Reich. Der junge Gottfried Wilhelm Leibniz zu jener Zeit im Dienst des Mainzer Fürstbischofs formuliert als deutscher Patriot ein Bedenken, welcher Gestalt securitas publica interna et externa und status praesens im Reich auf festen Fuß zu stellen [Pres91]. Voll von Ideen und Idealen gründet er das Consilium Aegyptiacum und reist selbst nach Paris um Louis' Aggression von Europa ab- und auf die Eroberung Ägyptens hinzulenken. Jung-Leibniz kann jedoch die französischen Kriegsvorbereitungen nicht beeinflussen, ja er wird bei Hofe nicht einmal vorgelassen [Hirs01].

 

Das besonders rührige Treiben der Franzosen in Breisach lässt die Menschen am Oberrhein Schlimmes befürchten. In Freiburg verschärft sich der Dauerstreit der Bürger  mit dem Adel, als dieser um seinen Landbesitz im Elsass fürchtend mit Louis sympathisiert. Der Stadtrat lässt Wien wissen: Die Bürgerschaft stehe treu zum Erzhause, nicht aber der Adel, weil dieser in Breysach, Elsaß, Schweizerland, der ganzen Welt verstellt, und eben dieser Vornehmbsten, so die Stadt subjicieren wollten, schier mehriste Güeter jenseiten Rheins seindt [Damm83].

 

Zur Verteidigung Freiburgs schickt der Wiener Hofkriegsrat als Stadtkommandanten den schon betagten kaiserlichen Generalwachtmeister Freiherr Georg Schütz von Pürschütz und Geislingen, eine ächte bramabasierende Landsknechtnatur,  mit 350 Soldaten. Nur zögerlich unterstellt ihm die Stadt die bereits vorhandenen 750 Mann. Schütz poltert los: Es reue ihn, daß er den Zunftmeister (traditionsgemäß der Befehlshaber des städtischen Aufgebots) Ulrich nit geprügelt habe und der Bäckerzunftmeister sei ein grober Tölpel. Die Stadt beklagt sich in Wien über Schütz, der darauf schimpft: Der Stadtschreiber Vogel habe eine spitze Feder, er aber woll's ihm in die Zähne schmeißen und wenn die Stadt sich wieder klagend an die Regierung wende, so werde er den Hintern dran wischen [Damm83].

 

Im Rahmen der Freiburger Verteidigungsanstrengungen stellt die Befestigung des Schlossbergs eine Besonderheit dar. Im Hinterkopf haben die Bürger noch den Gedanken an die alte Zwingburg der Grafen von Freiburg und maulen: Im Anbetracht, dass disse Burg und Burgstätte (seit 1368) der Statt Aigenthumb sein, kein Bau auf dem Schlosse vorgenommen und die Wacht und Schlüssel Ihr der Stadt verpleiben und darauff consequenter einen Burgvogdt haben solle und behalten möge. Im Hinblick auf die hohen Kosten der Befestigungsarbeiten schreibt der Stadtrat 1668 dem Kaiser: Das Schloß, welches bisher kheine Weithe hatte und nur aus einem Haus und Wachstube bestand, ist ganz und gar nicht geeignet, stark befestigt zu werden, denn es ist kein Wasser oben und dahinter liegt ein hoher Berg ... Das war im verflossenen Kriege auch die Ansicht der Generale Horn, Rheingraf und Mercy u. a., welche das Schloss immer als ein Appendix der Stadt betrachten und behandelt haben ... Diese Vorstellung des Stadtrats findet natürlich kein Gehör. 

 

 

Die Leopoldsburg 1678

Die österreichische Besatzung steht unter dem Kommando eines Festungskommandanten. Den Bedenken der Bürger wegen einer Zwingburg trägt Kaiser Leopold wie folgt Rechnung. Als endlich die so lang verlangdten Schloßschlüssel zu denen neuen Werkhen auf der Burghalden auf dem Rathstisch gelegdt worden [Damm75], hat bei jedem Schließen und Öffnen der Tore ein dazu bestimmter Bürger mit seinem Schlüssel und ein Soldat der Garnison mit einem weiteren Schlüssel anwesend sein müssen. Diese sogenannte halbe Schlüsselgewalt war Anlaß zu viel Streit und Ärger [Krum70].

 

 

2. Der holländische Krieg (1672 - 1679)

 

 Mit dem holländischen Krieg will Louis das republikanische Krämervolk für seinen Widerstand im Devolutionskrieg züchtigen. Diesmal bereitet der König den Waffengang besonders gut vor. In einer Meisterleistung der französischen Diplomatie wird zunächst Schweden überredet, sich aus dem kommenden Konflikt mit den Generalstaaten herauszuhalten. In einem Geheimvertrag unterstützt King Charles II gegen entsprechende Bezahlung die französischen Territorialforderungen in Holland und verspricht daneben England und Schottland in den Schoß der katholischen Kirche zurückzuführen [Clar10]. Schließlich verheiratet Louis als Flankenschutz seinen Bruder  Philippe I. de Bourbon, den Duc d’Orléans, mit der Tochter des Kurfürsten Karl I. Ludwig von der Pfalz der berühmten Liselotte. Die Kuren von Mainz und Köln vom König finanziell gut bedacht bleiben neutral. Selbst Kaiser Leopold schließt Ende 1671 ein Geheimabkommen mit Frankreich, worin er sich verpflichtet, ganz im Sinne der Wahlkapitulation, die er auf Verlangen der Kurfürsten bei seiner Kaiserwahl unterschrieben hatte, neutral zu bleiben, sofern deutsche und spanische Interessen in dem heraufziehenden Konflikt nicht direkt betroffen sind.  Schließlich erkauft sich Louis für 400 000 Livres die Stadt Neuß als Depot für seinen Aufmarsch gegen die Vereinigten Niederlande. Mit detailliertem Kartenmaterial und Informationen über die Befestigungsanlagen des Gegners wohlversehen ist die französische Armee unter den beiden erprobten Feldherren aus der Schlacht bei Freiburg Turenne und Condé bei ihrem erneuten Einfall in die vereinigten Niederlande strategisch und logistisch optimal vorbereitet.

 

 

Louis XIV 32-jährig

 

 

 

 

 

 Stadthouder (Statthalter) Wilhelm III. von Oranien steht auf einsamen Posten, da auch Onkel Charles II unter den Angreifern ist. Als die Verbündeten Wilhelm im rampjaar* 1672 auffordern, sich zu ergeben antwortet er: Es gib nur eine Methode, bei der ich sicher bin, mein Land nicht wiederzusehen: im letzten Graben zu sterben [Clar10].  Er lässt alle Schleusen öffnen und kann nur mit Land unter das Gebiet um Amsterdam halten.

*Schreckensjahr

 

Der Ausbruch des holländischen Krieges beschleunigt die Freiburger Verteidigungsanstrengungen, die allerdings durch die defätistischen Äußerungen des Kommandanten Schütz unterlaufen werden, als er rat ... es zu einem Bluetbad oder zum Feur nit khommen zu lassen, sondern nachdem es seye oder anderwerts sein werde, könndte man accordieren. Darauf hält der Stadtrat fest, es werde unfehlbar sein, daß die Bürgerschaft für das Haus Österreich mit der Gnad Gottes alles aufsetzen werde [Damm83].

 

Auf Weihnachten 1672 muss der Stückgießer zwei Hawitzen und eine Provision Kugeln für die Doppelhakhen und Böhler gießen. Schließlich wird sintemalen die Konjunkturen sehr gefährlich, der Herr Pfarrer ersucht, einen Bettag zu halten [Damm83]. Wien schickt weitere 400 Mann, die in der Stadt beherbergt werden müssen.

 

Als schließlich Condé mit seinen Truppen den Rhein überschreitet, ist die Geduld Leopolds zu Ende. Wohl bestürmten die Gesandten Frankreichs, Schwedens, Brandenburgs und besonders Baierns* den Kaiser um die Wette, er solle doch nicht der hochmütigen Holländer wegen, die es weder um die Kaiserliche Majestät, noch um das Reich verdienten den Weltfrieden stören [Damm83], doch wegen der Übergriffe auf deutsches Gebiet erklärt Leopold Frankreich den Reichskrieg.

*Bayern war bereits 1670 mit Frankreich eine Allianz eingegangen, weil es sich von den Habsburgern eingekreist fühlte. Ein geheimes Zusatzabkommen sah im Falle des Todes von Kaiser Leopold die Kaiserwürde für den französischen König vor, während Bayern in diesem Falle die deutsche und die böhmische Königskrone erhalten sollte [Schi89].

 

 

 

 

A la gloire de Turenne également pleure des soldats et des peuples

 

 

 

 

 

 

Turenne

von Adam Frans van der Meulen

 

 

 

 

... dass in den elsässischen Reichsstädten die Reichsadler herabgeholt und durch die Lilie ersetzt wurden ...

 

Als auch weiterhin die Dekapolis die Erwartungen des Tributs an den französischen König nicht erfüllt, schreibt im Juni 1673 der große Condé an den Kriegsminister Louvois: Les dix villes impériales, loin d’être soumises au roi comme elles le devraient être, sont presque ennemies … je crois que le roi devrait prendre le temps qu’il jugerait à propos pour mettre Colmar et Haguenau à la raison. Ce serait chose facile ; les autres suivraient sans contredit !*.

*Die zehn kaiserlichen Städte weit davon entfernt dem König unterworfen zu sein, so wie es sich gehört, sind fast Feinde …ich glaube der König sollte sich die Zeit nehmen, die er als notwendig erachtet, Colmar und Hagenau zur Raison zu bringen. Das würde leicht sein; die anderen folgten ohne Widerspruch

 

Das geschieht dann auch 1673 mit einem großen Militäraufgebot unter Kriegsminister Louvois und im Beisein Louis‘ XIV, der in einem Brief an seinen Minister Colbert schreibt: Je pars jeudi pour aller en Alsace me délivrer de la peine que ces chenils me peuvent faire*. Die Dekapolis hat keine Chance, wie der Geschichtsschreiber Louis‘ XIV über Colmar notiert: C’est peu de chose, quant à ces fortifications …** Der Zug des Königs erreicht die Stadt am 30. August gegen elf Uhr und Louis betrachtet, ohne Colmar, das der Marquis de Coulanges zwei Tage vorher eingenommen hatte, zu betreten, die Soldaten bei ihrer Arbeit, die Befestigungen zu zerstören. Ab dem 1. September wird Schlettstadt geschleift, ab dem 3. September Türkheim. In den folgenden Wochen erleiden alle Städte der Dekapolis das gleiche Schicksal, wie der Stadtrat von Kaiserberg bekundet: Im Sept. hat er (Louis XIV) die 10 verainte Reichstätte ganz demoliert und damit auch diese Statt Kayserberg erbarmlich ruiniert. Gott verleihe der Posteritet bessere Zeiten [Vogl09]. Vergeblich beschuldigt Kaiser Leopold in einem Memorial den französischen König, den Westfälischen Frieden gebrochen zu haben.

*Ich reise am Donnerstag ins Elsass um mich von der Qual zu befreien, die diese Hundehütten (diese 10 Städte) mir zufügen können

**Was die Befestigungen betrifft, das ist wenig

 

   Jetzt ruft Leopold die treuen Patrioten auf, die Conservation des Heiligen Römischen Reichs, der Teutschen Nation Libertät, mithin eines jeden Standes selbst-eigene Convenienetz und Wohlfahrt zu bewahren. Da leisten sich am 3. Oktober 1674 Oberehnheim, Rosheim und Schlettstadt ein letztes Aufbäumen gegen die französische Herrschaft, nachdem sie mit dem Bevollmächtigten des Kaisers in Straßburg Graf Ludwig Gustav zu Hohenlohe-Waldenburg-Schillingsfürst einen Vertrag abgeschlossen hatten. Am 14. Oktober überqueren kaiserlichen Truppen unter Georg Wilhelm von Braunschweig-Lüneburg die dortige Rheinbrücke. In aller Eile lässt Georg Wilhelm die Befestigungen von Schlettstadt wieder aufrichten, wo seine Truppen sich wie die Türken aufführen.  

 

Bei Entzheim liefert Turennne dem brandenburgisch-österreichisches Reichsheer unter dem Kommando des damals noch nicht Großen Kurfürsten Friedrich Wilhelm eine Schlacht, die unentschieden ausgeht. Anschließend zieht er sich mit seinen Truppen nach Lothringen in die Winterpause zurück, während die Kaiserlichen im Elsass überwintern. Doch bald schon setzt Turenne nach und fügt am 5. Januar 1675 nach seinem Grundsatz tant qu'il y aurait un soldat Allemand en Alsace, il ne fallait pas qu'en France un seul homme de guerre restât en repos* nahe Türkheim dem gleichen Reichsheer eine vernichtende Niederlage zu [Damm83]. Die Franzosen hatten vor der Schlacht Bürgermeister Rappenecker und Stadtschreiber Krafft kontaktiert, damit diese einige Leute abstellen, um den Truppen Turennes Schleichwege bei Türkheim zu zeigen. Die beiden Magistrate jedoch sind kaisertreu. Anstatt in Verhandlungen einzutreten, fliehen sie nach Colmar. Auf diesen Affront überreagiert Turenne, seine Rache ist furchtbar. In dieser Stadt ging es alsdann grausam zu. Turenne ließ Türkheim ohne Widerspruch nicht nur vollständig ausplündern und vollständig zerstören, sondern auch alle ehrlichen Mädchen und Frauen wurden vergewaltigt und zu Tode gequält … heißt es in einer Schilderung der Türkheimer Bürgerschaft: Während 14 Tagen stehlen und töten die französischen Truppen, schonen weder Kinder noch Frauen noch die Kirche [Vogl09]. Da hatten Leopolds Reichstruppen das Elsass bereits verlassen..

*Solange es noch einen deutschen Soldaten im Elsass gibt, darf in Frankreich kein Kriegsmann Gewehr bei Fuß stehen

 

 

Des Reiches Tor und Schild

 

Es ist zunächst unverständlich, dass das 1675 so geschundene Turckheim im Jahre 1935 dem großen Sohne Frankreichs Turenne vor dem Südtor einen Obelisken errichtet. Auch Bernard Wittmann fragt: Et que dire des monuments et des statues – et à ce niveau-là nous sommes bien servis en Alsace – qui, outre leur rôle de marquage du territoire contribuent souvent à conforter la manipulation historique? Ainsi en est-il du monument de Turenne, le bourreau de Turckheim/Türkheim statufié par les descendants de ses victimes … *[Witt02].

* Was soll man zu den Denkmälern und Statuen sagen - damit sind wir im Elsass reich gesegnet - die außer zur Markierung des Machbereichs häufig auch der historischen Verfälschung dienen? So verhält es sich mit dem Denkmal für Turenne, der Schlächter von Turckheim/Türkheim durch die Nachkommen seiner Opfer verewigt...

 

Auf einer Seite des Denkmals liest man die Widmung: Das Elsass den französischen Armeen. Angesichts der politischen und später militärischen Bedrohung von der anderen Seite des Rheins stellen die Franzosen hier betont ihre nationale Integrität zur Schau. Die Inschrift auf der Vorderseite des Obelisken lautet: A la gloire de Turenne également pleure des soldats et des peuples. Also gedenkt man hier nicht nur des Ruhms Turennes, sondern beweint auch die Soldaten und Völker, die der Marschall auf dem Gewissen hat.

 

Bei Straßburg überschreitet der Reichsadler den Rhein

 

Nach dem Blitzkrieg und -sieg gegen Frankreich im Juni 1940 gibt Freiburgs Bürgermeister Kerber hüben bereits im Dezember des gleichen Jahres ein Buch über das nun wieder kurzzeitig deutsche Elsass mit dem Titel: Das Elsaß: Des Reiches Tor und Schild heraus  [Kerb40].

 

 

Sexaginta milia Germanorum ultra Rhenum pulsa

 

Nachdem Turenne anschließend Sexaginta milia Germanorum ultra Rhenum pulsa*, kontrolliert Frankreich das Elsass [Schm99]. Einzig Hagnau hatte Ende 1674 seine Befestigungen auf eigene Kosten wieder hergerichtet. Deshalb gibt Louvois am 22. Dezember 1676 den Befehl, die Befestigungen der Stadt endgültig zu schleifen, die Einwohner zu vertreiben und die Stadt bis auf die Kirchen niederzubrennen. Dabei empfiehlt er dem Kommandanten vor Ort Montclar, qu’il ne paraisse pas que vous ayez l’ordre mais bien que vous ayez pris ce party-là de vous-même**, damit des Königs Ansehen nicht geschädigt wird. Unter dem Verbot zurückzukehren, flüchten die Vertriebenen nach Bischwiller und schreiben von dort einen Brief an den Kaiser, in dem sie ihre verzweifelte Lage schildern und um Schutz bitten [Volg09].

*60 000 Deutsche über den Rhein getrieben hat

**damit es nicht den Anschein hat, dass Sie Befehl bekommen haben, sondern, dass Sie diesen Teil selbst verursacht haben  

 

Leopold versucht, dem Hilferuf nachzukommen. Noch einmal rückt eine kaiserliche Armee 1677 ins Elsass ein, doch die Städte sind ausgeblutet. Beim Anrücken des Feindes legen die Franzosen am 24. Januar Weißenburg in Schutt und Asche.

 

 

 

 

François Marquis de Créqui
von Adam Frans van der Meulen

Belagerung und Einnahme Freiburgs durch François de Créqui (1677)

 

 Im Zuge der französischen Reunionspolitik warnen Flugblätter in Deutschland vor weiteren französischen Annexionen nicht nur von Lothringen und einem Teil der Niederlande, sondern auch von Rhein-, Mosel-, Ruhr- Lipp-, Mayn-, Tauber- und Neckar-Strom. Diese Warnung ist berechtigt, denn als Ende 1677 bereits die Friedensverhandlungen in Nijmwegen begonnen haben, schreibt Marschall François de Créqui nach Paris, er sähe eine gute Möglichkeit, Freiburg einzunehmen. Nach Zustimmung seines Königs schickt Créqui entgegen allen Kriegsbrauchs seine Truppen nicht in die Winterquartiere, sondern überschreitet überraschend am 8. November den Rhein, marschiert in Richtung Freiburg und steht am 9. November gegen 8 Uhr morgens vor der Stadt. Die Nachhut der französischen Truppen  mit 300 Reitern befehligt ein gewisser General Claude Louis Hector Duc de Villars. Vom Schlossberg aus betrachten bereits viele Neugierige mit bewaffneten und unbewaffneten Augen das Entfalten der Kavallerieregimenter und hinter diesen das Anmarschieren der Infanterie mit Stucken unter gemischten Gefühlen. Dann wurden alle Korporationen der Stadt zur Beihilfe nach ihren Kräften aufgefordert, die Studenten bewaffnet, der Befehl erteilt, Wasser zu schöpfen und die Gall- oder Ziehbrunnen zu richten und an die Besatzung Geld und Wein verteilt, der aber zu eignem Nachteil sehr mißbraucht worden ... Die Stimmung wurde bald eine kampfesfreudigere, aber Ruhe und Ordnung gewann dabei nichts ... diese erste Nacht wurde unter ziemlicher Unruhe verbracht und wer die Wirkung des Neuen kennt, versteht, was damit gesagt sein soll. [Damm83].

 

Am 10. November bestürmt Créqui die Stadt von drei Seiten. Am darauffolgenden Martinitag beginnt das Bombardement und eine Kugel schlägt just in dem Moment in die Martinskirche ein, als der Prior zum Beichtehören anlässlich des Patrociniums in die Kirche hinuntersteigt [Damm83]. Zu einer noch erfolgreicheren Beschießung der Stadt lässt Créqui à force de bras Kanonen auf den höchsten Punkt des Schlossbergs bringen.

 

Am 14. November muss nach tapferem Widerstand zunächst die Vorstadt Neuenburg aufgegeben werden, nachdem der Feind allein an einem Tag 1273 Stück 24-pfündige Kugeln verschossen hatte. Am 16. November kapituliert die Stadt und mit ihr das mit keinem Schuß beleidigte Schloß [Mich35] auf Anraten ihres Stadtkommandanten Georg Schütz von Pürschütz: Ich sehe, daß es unmöglich ist, die Stadt länger zu halten; wir müssen sie dem Feinde übergeben. Der Franziskaner Guardian Eggenstein, Beichtvater der Freiburger haute volée, schreibt über Schütz: Der alte Herr ist ganz unfähig und untüchtig. Es war in Wahrheit ein so armseliges Kommando, daß man es sich nicht einbilden, geschweige denn glauben kann, denn an den Stadtrat richtet der Kommandant die folgenden Worte: Ihr Herren, ich habe großes Mitleiden mit Euch; denn Eure Stadt wird in französische Hände kommen; der König in Frankreich ist ein barmherziger Herr, wird sie vielleicht nicht verbrennen; sollte es aber je geschehen, muß doch die Stadt bei dem Friedensschluß Ihro Kaiserl. Majestät wieder geben werden. Ihro Majestät, als ein gütiger Kaiser, werden alsdann auch schon wieder eine Gnad thun, den Schaden ersetzen, und Eure Privilegien vermehren [Damm83].

 

Die Franzosen sichern Schütz, seinen Offizieren und Mannschaften freien Abzug zu, doch die kaiserlichen Truppen ziehen in Unehre ab. Dafür hatten die Zurückgebliebenen die Folgen zu tragen: Die Güter des ganzen Breisgaues von den Landleuten, die nach Freiburg geflüchtet waren und die der Städter selbst fielen dem Sieger zu. 50 000 Scheffel Frucht und zweitausend Wagen Wein wurden abgeführt, und damit standen Landschaft und Stadt wieder einmal vor dem Nichts [Stra43].

 

Pater Feinlein zu Gengenbach kommentiert diese Ereignisse: So gelangte Freiburg ohne alle Noth in die Hände der Franzosen, zum größten Verderben des Landes. Der Herzog von Lothringen hatte sich nach Kräften angestrengt, mit seinen Truppen zu Hilfe zu eilen; allein kurz vor seiner Ankunft war die Stadt übergeben worden, gerade so, als ob man dieselbe absichtlich nicht habe entsetzt und befreit sehen wollen. Dass dabei Verrat im Spiel ist, wird nicht ausgeschlossen: Es ist anzunehmen, daß General Schütz mit verdächtigen Sachen umgegangen ist, weilen erstlich sei geheimer Sekretarius in französischen Diensten geblieben und sein gewester Adjudant gleichfalls französische Dienste angenommen ... ja alle seine Haushaltung ist französisch worden und was noch mehr ist, hab Herr General Schütz im Abziehen dem Marschall Créqui auch die Hände geküsset ...

 

Schütz wird in Innsbruck in Haft genommen und vor ein Kriegsgericht gestellt. Von dort schreibt er seinem Kaiser:  Ich bin ein 78 Jahre alter Mann und hatte zu einem solchen intrikanten Kommando nicht die gehörigen Kräfte. Wenn ich gefehlt, so wäre mir armen gefangenem Landsknecht eher Mitleiden, als strenge Justiz angedeihen zu lassen [Damm83]. In dem Untersuchungsverfahren wird der Greis freigesprochen. Leopold empfängt ihn anschließend und bescheinigt ihm: Er habe seine Pflicht sehr schlecht erfüllt und der Herzog von Lothringen könne nicht überall sein [Kopf70].

 

 

Sébastien Le Prestre de Vauban (1633 -1707)

 

Von 1677 bis 1697 gehört Freiburg der französischen Krone

 

Der von 1675 bis 1677 verschleppte und endlich im Februar 1679 ausgehandelte Nijmweger* Frieden ist eine weitere diplomatische Meisterleistung der Franzosen, als sie die Alliierten auseinander-dividieren und zunächst 1678 mit den Niederländern einen Separatfrieden schließen. Die Franzosen sehen das natürlich anders: En effet, c'était à l'avidité des Princes du Nord, que la France devait ses succès et qu'elle dut la dissolution de la ligue [Damm83].

*Im Volksmund Nimm weg! Frieden

In der Tat verdankte Frankreich seinen Erfolg der Habsucht der nordischen Fürsten und diese war an der Auflösung der Allianz schuld. Die Alliierten Dänemark, Brandenburg, Braunschweig und Münster erschwerten zur Freude Louis XIV mit ihren eigennützigen Einsprüchen  die Friedensverhandlungen zwischen Frankreich und dem Reich beträchtlich.

 

Anschließend diktiert Louis XIV Kaiser Leopold seine Bedingungen. Der Kaiser muss die Eroberungen Frankreichs im Elsass gutheißen: L’empereur et l’Empire nous ont cédé tous les droits sur la préfecture (le grand-baillage) des dix villes impériales … pour être unis et incorporés à perpétuité à notre Couronne [Vogl09]. Erst mit dem Vertrag von Nijmwegen ersetzt in der Dekapolis die Bourbonenlilie definitiv den Reichsadler. Einzig das stolze evangelische Straßburg bleibt beim Reich.

*Kaiser und Reich haben Uns alle Vogtrechte über die zehn Reichsstädte überlassen .. damit sie vereint auf ewig Unserer Krone einverleibt seien  

 

Louis XIV auf dem lit de justice
von Henri Testelin

 

Großmütig überlässt Louis Leopold die Entscheidung, ob er von seinen früheren Besitzungen lieber Freiburg  oder eher Philippsburg zurückhaben möchte. Als die kaiserliche Delegation auf diesen Vorschlag nur zögerlich reagiert, verlangen die französischen Verhandlungsführer, nicht nur die Stadt, sondern die Abtretung des gesamten Breisgaus, denn Freiburg, bisher Sitz der Regierung des Breisgaus und der kaiserlichen Oberbeamten, sei in Wahrheit die Hauptstadt dieses Landstrichs; letzterer bilde eigentlich nur ein natürliches Anhängsel zur Stadt und es sei ja herkömmlich, daß wo feste Plätze abgetreten würden, das dazu gehörige Land immer mit einbegriffen sei [Damm83]. Da behält der so erpresste Kaiser im Friedensvertrag lieber Philippsburg und verzichtet auf Freiburg samt den Dörfern Lehen, Betzenhausen und Kirchzarten.

 

Die Freiburger sind geschockt, da sie erfahren müssen, dass das alte Wort aut fides in orbe terrarum nulla, aut in Austriaca gente est* nicht mehr gilt. Nach den Bestimmungen des Friedensvertrages steht es jedem frei auszuwandern und viele Bürger machen davon Gebrauch. Ganz ergeben meint der fromme Leopold: Gott dem Allgütigen müsse man Dank wissen auch für die Prüfungen, die er uns sendet, und seine Hand küssen, auch wenn sie züchtige [Damm83].

*Auf Österreich oder auf sonst niemand ist Verlass

 

 Flugschriften, die im Reich kursieren, beklagen die deutsche Ohnmacht. Die Einnahme Freiburgs ermahne aller Teutschen Städte Einwohner, daß sie lieber den Tode wählen, und sich auf den letzten Blutstropfen wehren, als sich solcher unerträglichen Sclaverei unterwerfen sollen ... Die Kriegspropaganda läuft auf vollen Touren: Es haben die durchteufelten französischen Mörder und mehr als türkische Bluthunde die armen, elenden, unschuldigen Einwohner Ober- und Nieder-Teutschlands ohn allen Unterrschied geplaget, gequälet, gemartert, gepeiniget, gereckt, gestreckt, gefoltert, geschnüret, gerätelt, geschraubet, gesänget, geschmaucht, gedörret, gebraten, gebrannt, geköpfet, gespießet, zerschlagen, zerschmettert, zerfleischet, zerädert, zerdehnet, zerkerbet, zerzerret, zerrissen, zerstümmelt, zerhacket, zerfetzet, zerritztet, zerschlitzet, gehänket, ertränket, erschlagen, erschossen, erstochen, erhauen ... [Schm99]. Doch gleichzeitig machen sich die deutschen Patrioten Mut: die Teutsche Freyheit hängt nicht an dem verlorenen Freyburg ...

 

 

Sébastien Le Prestre de Vauban baut Freiburg zur Festung aus

 

 Nun besitzt Frankreich neben dem rechtsrheinischen Brückenkopf Breisach mit der Stadt Freiburg einen Vorposten mitten in den habsburgischen Vorlanden. Einst hatte der König verkündet je veux bien faire de la dépense aux choses dont je tire de l'aventage*, doch als auf seine Anweisung Vauban die Stadt zu einer modernen Festung ausbauen soll, wird dies in Frankreich nur als la dernière folie de Louis XIV verspottet. Die Franzosen denken an die hohen Kosten und ahnen wohl, dass die Stadt im Breisgau auf die Dauer nicht gehalten werden kann. Für die städtische Entwicklung Freiburg hat dieser letzte Schwachsinn des Königs Konsequenzen, die bis ins 19. Jahrhundert reichen werden.

*Ich will gern Geld ausgeben für Dinge, aus denen ich Nutzen ziehe

 

Um für die Festungsanlagen ein freies Schussfeld zu gewinnen, lässt Vauban, all das, was Kanoffsky nicht schon hatte niederlegen lassen oder was von den Vorstädten in den Kämpfen des Dreißigjährigen Krieges noch übrig geblieben war, einebnen. Zeit deme aber Freyburg durch den Nimmwegischen Frieden an die Kron Frankreich überlassen und von selber mit gänzlicher Demolierung der Vorstädt zu einer Festung gemacht worden, hat selbe von ihrem Reichtum und Ansehen vieles verlohren, doch gehören dahin noch etliche Dorfschaften und schöne Waldungen schreibt Johann Alphons Lugo [Klei87].

 

Büste Vaubans
von Antoine Coysevox

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Ausstellung im Wentzigerhaus
300 Jahre Vauban

Das beim Abbruch von Neuburg und Lehen sowie dem Vorort Adelshausen gewonnene Material wird zum Bau der neuen Befestigung verwendet. Vauban bezieht das untere Burghaldenschloss, le Vieux Château, in sein Festungwerk ein, indem er das oberhalb liegende kleine Fort, das der Volksmund wegen seiner Form Salzbüchsle nennt, zum Fort de l'Aigle ausbauen lässt. Dazwischen liegt La Chaise de L'Empereur oder, wie die Besatzer spöttisch sagen, le pot de chambre. Noch weiter den Hang hinauf folgt das Fort de l’Etoile. Den Abschluss der Befestigungen bildet das obere Schloss oder das Fort de St. Pierre.

 

Vaubans Meisterwerk: Rechts die Altstadt unter Einbeziehung der Schneckenvorstadt. Alle anderen Vorstädte sind geschleift. Man sieht deutlich den Industriekanal, der die beiden eingeschlossenen Stadtgebiete in etwa trennt. In der Mitte des Plans der Schlossberg mit seinen weitverzweigten Festungsanlagen.

In den Bauten auf dem Schlossberg sind zeitweilig bis zu 5000 französische Soldaten stationiert. Festungskommandant wird Marschall Villars.

 

Freiburg und seine Befestigungen um 1700. Links die Schwabentorbrücke, rechts die Brücke mit der Straße nach Basel. Auf dem Schlossberg die Stern Schantz und ganz oben das Fort de l'Aigle

Die Bürger müssen Schanzarbeiten leisten und doch liegt Louis das Wohlwollen der Freiburger am Herzen. So weist er seine Regierung an, die Eigentümer für die zum Festungsbau nötigen und enteigneten Grundstücke sofort zu entschädigen. Allerdings wiegen die gewährten finanziellen Leistungen die Zerstörungen bei Weitem nicht auf. Auch sonst leidet Freiburg unter der französischen Besatzung: Die vorderösterreichische Regierung zieht nach Waldshut um, und das Basler Domkapitel lässt sich in Arlesheim in der Schweiz nieder.

 

Der Handel Freiburgs mit dem Reich und mit Holland wird verboten, doch nach Protesten des Stadtrats dürfen schließlich einige Waren mit einem besonderen passeport des französischen Königs eingeführt werden, wie deutsche Bücher, Drogen für die Apotheker, Heringe, Stockfisch, Kabeljau, Steinbutt, Hochzeitskleider, Polierpaste und Schmirgel für den Gebrauch der Achatschleifer. Schwer lasten auch die zu zahlenden Abgaben auf der Stadt. Der Breisgau ist ruiniert und so werden aus den festgelegten Kontributionen immer häufiger Exekutionen, die in Konfiskationen enden. Jede Reise in österreichisches Gebiet muss genehmigt werden. Als die Frau des Freiburger Arztes Degermaier ohne Genehmigung ihre Verwandten in Konstanz besucht, wird sie bei ihrer Rückkehr verhaftet. Anschließend wird das Ehepaar ausgewiesen, so dass die Stadt plötzlich ohne ärztliche Versorgung ist [Kopf70].

 

 

Studium Gallicum

 

Auch die Universität leidet unter der französischen Besatzung, schreiben sich 1677/78 nur noch zwei Studenten ein. Die Pfründe aus den österreichischen Gütern bleiben aus. Die Stadt jedoch möchte den Universitätsbetrieb wieder aufnehmen, zumal die Habsburger vielleicht den Verlust Freiburgs vorausahnend 1676 eine Universität im sicheren Innsbruck gegründet hatten. Als aber der französische Stadtintendant Jacques de la Grange seinen Bruder Louis, den Abt aus dem elsässischen Münster, zum neuen Rektor bestellt und ihn vom Senat auf Lebenszeit wählen lässt, kommt es zum Eklat [Spec07]  Durch den ao 1679 geschlossenen Nimägischen Friden und dessen 5 Articul hat die Cron Franckreich ... ex jure cesso auf die Universitet und dern gefälle als ein dem Erzhaus Oesterreich zuständiges appertinens der Statt Freyburg zu greiffen angefangen. Doch die Universität vielmehres ein corpus ecclesiasticum als seculare seye, für sich selbsten bestehe, in dem Provincialsynodo zu Constanz als ein geistliches Corpus einen besonderen Stand ausmache und gleich nach denen Commendatorn des Teutschen Ordens allda Sitz und Stimme habe, zumahlen in utroque judicio keinen andern Richter, als den Bischoff zu Constanz erkenne, der Ursach denn auch die Cron Franckreich von ihren Begehren abgestanden und der Universitet nicht allein deren gefälle, so sie in dem Breysgau besizet, wider eingeraumet, sondern diesem Corpori Ecclasiastico per se subsistenti den freyen Auszug, gleich der hohe Stifft Basel in den 10 Articul erstbesagten Fridenschlusses verstattet worden, zugesagt hat, schreibt Leonard Leopold Maldoner [Well76].  

 

So weicht die deutsche Universität nach Konstanz aus, wo sie allerdings erst am 11. November 1686 den Unterrichtsbetrieb wieder aufnimmt. Die feierliche  Prozession, der hier das originale Zepter vorausgetragen wird, führt vom Münster in den Neuen Bau [Spec07].

 

König Ludwig XlV. wünschte jedoch auch eine Universität in seiner neuen Eroberung beizubehalten, wozu ihm zunächst die Jesuiten ihre Hand boten … Sie ließen ihren geschickten Unterhändler, Pater Migazzi, nach Versaille abgehen, wo er bei Hof bestens aufgenommen und reichlich mit Geld versehen wurde. So haben es meistens diese Väter dahingebracht, daß neben der deutschen Universität zu Constanz auch noch eine französische (Studium Gallicum) zu Freiburg errichtet und in diese die Gefälle von jener und ihren Stiftungen im Elsaß und Breisgau gezogen wurden. Wodurch sie nicht nur ein völliges Prädominium über die weltlichen Professoren, sondern auch noch andere Prärogative, die sie vormals nie gehabt und auch nie haben konnten, erhalten [Schr59].

Jesuitenkirche und Collegium an der Bertoldstraße

So  beginnen die Jesuiten mit beträchtlichen finanziellen Zuwendungen der französischen Krone, ihre Pläne zum Ausbau der Freiburger Universität zu verwirklichen. Louis' Beichtvater Père La Chaise hatte hier wohl des Königs Ohr. Als Dank für seine lebenslang geleisteten guten Dienste erhält der Jesuit ein prächtiges Landhaus vor den Toren von Paris, dort, wo sich heute der nach ihm benannte Friedhof befindet [Desc08]. Da darf sich die Stadt mit ihrer Unterstützung für die Hochschule nicht zurückhalten. Mit einer Dankadresse an Louis XIV beginnt die Universität mit dem zweisprachigen Studium Gallicum am 6. November 1684 wieder den Unterrichtsbetrieb. Zur Eröffnung beim feierlichen Einzug ins Münster trägt der Pedell dem Zug der Professoren in Ermangelung des Originalzepters einen mit Silber- und Goldblech verkleideten Holzstab, den eine Bourbonenlilie krönt, voraus [Spec10]. Bei den kirchlichen Feierlichkeiten, an denen trotz des anschließenden Festmahls nur 20 Studenten teilnehmen, hört man weder trompeten noch pauken noch etwan freuden und seitenspihl [Koll57]. Bei so geringem anfänglichen Interesse muss eifrig für ein Studium in Freiburg geworben werden:

 

 

Wappen der französischen Provinz Elsass, zu der Freiburg von 1677 bis 1697 gehört, am Alten Rathaus der Stadt

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Avertissement au Public.

 

Messieurs. Il n'est point necessaire de vous dire, comme quoy le Roy, apres avoir fait fortifier la ville de Fribourg en Brisgau cedée à Sa Majesté, par le dernier traitté de paix a aussi eû soin de restablir la très celebre, et ancienne Université du dit Fribourg puisque personne ne peut ignorer quel'on y regente publiquement par toutes les Facultez avec une application très particuliere il y a déjà quatre ans. Ce n'est que pour vous asseurer, que la discipline militaire ne scauroit estre observée avec plus d'exactitude qu'elle l'est au dit Fribourg, et que par ainsy vous ne scauriez envoyer vous Enfans en aucun lieu, pour estudier, ou ils soyent scurs, qu'en cette ville quoyque l'ou pretende vous faire accroire le contraire. C'est ce qui vous doit convier Messieurs a y envoyer vos Enfans, et les Escoliers a y aller en Foule, d'autant que l'air y est tres bon, que les vivres y abondent, et que les pensions y sont tres raisonables ...

 

Et qu'enfin outre les Estudes de quelque science que ce puisse estre, ils y pourront apprendre a méme temps, scavoir les Francois la langue Allemamde, et les Allemands la Francoise ensemble, plusieurs autres excercices y ayant des Maistres qui monstrent a une prise (prix) trés raisonable ... Qu'en outre il y a un avantage tres Particulier pour les Enfans Francois, qui est qu'ils pourront estudier, dans les petites Classes qu'ils scachent l'allemand ou non parceque les Maistres d'icelles expliquent et donnent les themes en Francois comme en allemand. Voila de quoy l'on estoit bien aise d'avertir le public pour qu'il n'en ignore.

 

Fait à Fribourg en Brisgau le troisième Januier 1688.

 

Der folgende deutsche Text der Einladung zum Studium in Freiburg ist keine direkte Übersetzung des französischen Textes, doch wird in beiden damit geworben, dass die Eltern wegen der anwesenden Garnison keine Angst um ihre Sprösslinge hegen müssen (auch wenn Studenten und Soldaten um die gleichen Rockschöße buhlen), dass die Studienkosten niedrig sind und die Studenten wohlfeil die jeweils andere Sprache lernen können.

 

Es wird männiglichen kund und zu wissen gethan, sonderlich aber jenigen auch außwertigen Eltern, welche verlangen, dass ihre Kinder nit nur allein in denen Studiis, welche bey diser allhiesigen uralten durchgehnd berühmten Universität durch alle Facultäten betändig florirt, und annoch floriren thun, und von Zeit zu Zeit man deren noch mehreren Florirung geflissen seyn werde, sich qualificirt machen, sondern zumahlen auch die Frantzösische Sprach neben anderen exercitiis von fechten und dantzen und solches alles in einem sehr geringen Preiss erlernen mögen, wie es dann auch specificirt folget ...

 

Zumahlen dises Orts Bequemlichkeit, Lustbarkeit, gesunde und frische Wasser und Lufft, Sonderung vermittelst der erbauten und noch täglich zu erbauenden Cazernen der Soldaten von denen Studenten, treffliche und schöne Ordre so wol des Tags, als zuff Nachts auf denen Gassen, und dass sich die ganze Zeit hindurch entzwischen selbigen einige Händel und Thätlichkeiten nit erzeigt, ohne das bekandt, welches dann absonderlich Ihnen denen ausswertigen Eltern zu Ihrem desto mehrerm Trost gereichen soll, dass Sie Ihrer studierenden lieben Jugend halber, ohne einige Sorg seyn und leben mögen [Maye00].

 

Freyburg im Breissgau, den 3. Jan. 1688

 

Bald studieren erneut Bürgersöhne aus nahen und fernen Städten in Freiburg [Kalc06]. Der 1682 begonnene Neubau einer Jesuitenkirche wird 1689 eingeweiht. Die Fertigstellung des gesamten Gebäudekomplexes an der Bertoldstraße dauert jedoch noch bis 1750.

 

 

Friedliche Reunionen im Elsass

 

 Auf der anderen Rheinseite im Elsass werden im Zuge friedlicher Reunionen* im Laufe der Jahre 160 weitere deutsche Städte französisch. So kommt der Sonnenkönig seinem Ziel einer natürlichen Rheingrenze Frankreichs immer näher.

*Selbst das rechtsrheinische Breisach ist Sitz einer französischen Reunionskammer

 

Als im September 1681 die Franzosen mit 35 000 Mann vor Straßburg stehen, ersucht die Freie Reichsstadt vergebens Kaiser und Reichstag um Hilfe. Der Ammeister Franciscus Reisseisen erinnert sich des Ultimatums des Kriegsministers Louvois: Wenn man sich nicht den anderen Tag morgens um 7 Uhren ergeben würde, so wär keine Gnad mehr vorhanden und würde die Stadt mit Feuer und Schwert in Grund verderben [Schi89]. Im Mittelalter noch hatte der gemeine Mann gesungen:

 

Straßburger Geschütz,
 Nürnberger Witz,
 Venediger Macht,
 Augsburger Pracht,
 Ulmer Geld
 bezwingt die ganze Welt*
 [Came14].

*Witz meint hier wohl technische Erfindungsgabe auch in der Kriegstechnik. Bei Augsburg hätte ich eher an Geld gedacht, was die Prachtentfaltung der Stadt natürlich nicht ausschließt

 

Aus einem französischen Kalenderblatt: Unterwerfung der Stadt Straßburg unter Louis XIV im Jahre 1681

 

 

Jetzt schweigen die Kanonen. Chancenlos gegen die Übermacht kapituliert die Stadt am 30. September. So kann der Kriegsminister seinem König melden: Sire, Strasboug est à vous. Im Nachhinein bezeichnen einige Franzosen die Eroberung Straßburgs gar als Befreiung (liberation), was offiziell Angliederung (rattachement) heißt, während man auf deutscher Seite von Annexion spricht [Witt02].

 

Da macht sich Louis XIV auf dem Weg nach Strasbourg, um dort persönlich das Münster, in dem man seit 1529 lutherische Gottesdienste abgehalten hatte, der katholischen Kirche zurückzugeben. Auf seinem Wege empfängt er am 14. Oktober in Sélestat die Stadträte von Straßburg, die vor ihm auf den Knien liegen. Sie müssen dem König huldigen und eine französische Garnison akzeptieren. Louis macht Straßburg umgehend zur Hauptstadt der französischen Provinz Elsass, zu der auch Freiburg gehört. 

 

Da ist die Empörung im Reich wieder einmal groß. Von deutscher Seite wird Straßburg, wie schon Freiburg vorher, vorgeworfen, sich nicht genügend defendiert zu haben und prompt mit einer Hure des französischen Königs verglichen:

 

Nur Straßburg wird allein
Die stolze Reichshur bleiben;
So lang die Welt wird sein,
wird man von Straßburg schreiben:
Die Dam am Rhein ist tod! -
Ist das nicht Schand und Spott?
[Schm99].

 

 während die Straßburger klagend singen:

 

Freiheit, Reichtum und Namen
ist alles nur Schabab
und liegt im Rhein beisammen
lebend in einem Grab.
Muss schweigen, muss verbeißen,
darf reden teutsch nit mehr.
O Rhein, tu mich hinreißen,
o dass ich nimmer wär!
Nicht mehr mich Straßburg nennet,
Strafburg muss heißen ich !
[Kipp40]

 

 

Louis XIV besucht Freiburg (1681)

 

 Nach dem Besuch in Sélestat steht die Inspektion der Festung Brisach und seiner Neuerwerbung im Breisgau auf dem Reiseprogramm Louis’ XIV. Von Breisach aus begibt er sich am 17. Oktober höchstselbst zum Essen mit dem ganzen Hof nach Freiburg, der letzten Eroberung im Kriege. Er wollte unterwegs nichts essen, weil die Dörfer zwischen Breisach und Freiburg vom Kaiser abhängen. In Freiburg hat Ihro Majestät mit dero königlicher Gemahlin und Herrn Sohn und Herrn Bruder samt ganzer Hofstatt hiesige Stadt besichtiget und dem Magistrat dero beständige königlichen Gnad allergnädigst versichert. Dort gab er allen Damen des Hofes zu essen und begab sich zur Besichtigung des Schlosses. Der Nebel war so dicht, dass man nichts sehen konnte [Kopf70].

 

Eine andere Quelle beschreibt den Besuch seiner Majestät wie folgt: Am 17. Oktober 1681 besuchte Ludwig XIV. persönlich Freiburg in Begleitung seiner Gemahlin, seines Bruders, des Herzogs Philipp von Orléans, und dessen Gemahlin, der berühmten Liselotte von der Pfalz, ferner des Kriegsministers Louvois und eines zahlreichen Gefolges. Vor dem Schwabentor war ein Triumphbogen errichtet, bei dem der Magistrat und die Geistlichkeit den König erwarteten. Um zwei Uhr nachmittags traf Ludwig XIV. in prunkvollem Wagen mit seinem Gefolge ein. Die Kutsche, von acht Pferden gezogen, wurde von seiner Leibwache, einer Abteilung Schweizer Garde, in prachtvoller blau und rot gestickter Uniform, Offizieren, Soldaten und zahlreichen Lakaien begleitet. Der König ließ durch den Königsleutnant Magistrat und Geistlichkeit seiner Gewogenheit und Gnade versichern und fuhr weiter nach dem für ihn bereitstehenden Quartier im „Basler Hof“. Die dortige Unterkunft gefiel aber dem König nicht, und er ließ sich sogleich wieder umquartieren. Nach eingenommenem Mahl setzte er sich bereits eine Stunde nach seiner Ankunft aufs Pferd, um die Festungswerke zu besichtigen und sich der Bevölkerung zu zeigen. Hierbei wurden die Geschütze dreimal gelöst. Währenddessen begab sich die Königin mit Gefolge in einer prachtvollen Karosse in die Franziskanerkirche, verrichtete dort ihre Andacht und wohnte der Vesper bei. Darauf speisten die Majestäten im „Basler Hof“, wozu der König die vornehmen Damen der Stadt eingeladen hatte. Abends war große Illumination. Nachts mußte absolute Stille herrschen, damit der König nicht gestört würde. Am nächsten Morgen bestieg Ludwig, der ein Frühaufsteher war, bereits um sechs Uhr zu Fuß den Schloßberg, um die dortigen Festungsbauten zu inspizieren, über deren Anlage er sich sehr befriedigt äußerte. Nach der Rückkehr nahmen er, seine Gemahlin und sein Gefolge am Hochamt mit Tedeum im Münster teil. Es folgte vor der Kirche eine offizielle Vorstellung des Magistrats, mit dem sich König und Königin huldvoll unterhielten, und um 10 Uhr reiste der König mit seinem Gefolge nach Breisach [Rick64].

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Prinz Eugen als Sieger über die Türken

 

 

Moritz Graf von Sachsen

 

 

Der Türkenlouis
Markgraf
Ludwig von Baden

 

 Die deutschen Lande, zersplittert politisch und im Glauben

 

 Wegen der andauernden äußeren Bedrohungen des Reichs beschließen Kaiser und Stände 1682 eine Reichsdefensionsverfassung, doch diese steht nur auf dem Papier, denn viele der deutschen Kleinfürsten sind dem maroden Reich abhold und neigen sich dem starken Frankreich zu. Die Norddeutschen unter der Führung Brandenburgs nehmen den konfessionellen Unterschied als Grund, den Kampf des habsburgischen Kaiserhauses gegen Frankreichs Hegemoniebestrebungen zu boykottieren.

 

Da aber keimt Hoffnung auf, denn zu jener Zeit sitzt in Rom Papst Innozenz XI. auf dem Stuhl Petri, der, zu Konzessionen in Glaubensfragen bereit, den nie ganz vergessenen Bestrebungen nach Wiedervereinigung mit den protestantischen Schwestern und Brüdern wohlwollend gegenübersteht. Kaiser Leopold unterstützt diese Bemühungen aus politischen Gründen, denn gegen die Türken ist ihm vor allem an der Versöhnung mit den evangelischen Christen in Ungarn gelegen. Außerdem hatte Louis XIV mit der Vertreibung der Hugenotten aus Frankreich den Großen Kurfürsten brüskiert, der daraufhin seine Glaubensgenossen mit offenen Armen im Brandenburgischen aufnimmt und sich politisch dem Reiche annähert.

 

Der evangelische Herzog Ernst August (1679-1698) für sein Haus Hannover beim Kaiser um eine neunte Kurwürde buhlend ist ebenfalls für die Überwindung der Glaubenstrennung. Ernst August beschäftigt an seinem Hofe mit Gottfried Wilhelm Leibniz, der sich schon in jungen Jahren mit der Überwindung der Glaubensgegensätze beschäftigt hatte, einen begeisterten Befürworter einer Versöhnung zwischen den Konfessionen. Leibniz nutzt seine Verbindungen nach Paris, um auch den französischen Klerus von den Gemeinsamkeiten im christlichen Glauben zu überzeugen. Schließlich aber muss er resigniert feststellen: Solch eine Verhandlung ist von niemand mehr als den Franzosen gehasset und gehindert worden, welchen alles zuwider, was zu Ruhe, Einigkeit und gutem Vernehmen in Teutschland dienen kann [Hirs01]. Wieder einmal scheitert ein hoffnungsvoller Ansatz zur Überwindung der Glaubensspaltung aus machtpolitischem Kalkül.

 

 

Die Türken vor Wien (1683)

 

Die Lage des Kaisers ist verzweifelt, als 1683 die Türken erneut, diesmal unter dem Oberbefehlshaber Großwesir Kara Mustafa, vor Wien stehen. Sultan Mehmed IV. hatte Leopold angekündigt: Wir sind im Begriffe, Dein Ländchen mit Krieg zu überziehen, damit Wir Dich köpfen können. Als am 13. Juli die Vorhut der Türken vor der Stadt anlangt, lässt, um freies Schussfeld zu haben, der Herzog von Lothringen, der damals noch auf der Praterinsel stand, … sofort die Vorstädte anzünden. Baron Christoph von Kuniz als kaiserlicher Botschafter im Türkenlager vor Wien klagt: Mit welchem Herzeleid ich unser liebes Vaterland ruiniert ansehen muss. Gleichzeitig berichtet er, dass die Wiener Hagelmörser de facto stattlichen Effekt getan und den Feind großen Schaden zugefügt hätten und deshalb wolle Kara Mustafa künftig den Unsrigen mit Minieren zusetzen [Puhl09]. Die erste Sprengladung, die in einem unter den Mauern Wiens vorgetriebenen Tunnel am 23. Juli explodiert, reißt mehr als hundert Menschen in den Tod.

 

Der Goldene Apfel, wie die Türken die Donaustadt nennen, fällt selbst nach einer dreimonatigen Belagerung nicht, auch wenn die Lebensmittel knapp werden. Doch auch die Belagerer leiden Hunger, denn Tartaren hatten die Umgebung verwüstet. Als am 12. September ein 75 000 Mann starkes Reichsheer aus kaiserlichen, polnischen, hessischen, fränkischen, schwäbischen, badischen, bairischen, und sächsischen Truppen unter dem Polenkönig  Jan III Sobieski, dem Herzog Karl V. von Lothringen, dem Kurfürsten Max Emanuel von Bayern Georg Friedrich Fürst zu Waldeck und  Johann Georg III. von Sachsen sich Wien nähert, war die ganze Stadt … auf die Wälle geeilt, und heiße Gelübde stiegen zum Himmel empor berichtet Oberstleutnant Hoffmann [Puhl09]. Nach zwölf Stunden erbitterter Kämpfe am Kahlenberg entscheidet schließlich Sobieski mit einem typischen Reiterangriff seiner polnischen Hussaria von den Höhen des Wienerwaldes her die Schlacht. Überstürzt flüchtet das Türkenheer, dessen Lager von den Entsatztruppen geplündert wird.

 

 

 

Kaiser Leopold eilt aus seinem Exil in Passau herbei und ist verärgert, dass der Polenkönig an der Spitze der siegreichen Truppen bereits vor ihm in Wien eingezogen ist, eine Ehre, die der Habsburger für sich beansprucht.

 

Nach diesem Erfolg brandet in den deutschen Landen eine Welle der Sympathie für Kaiser und Reich auf. Die Namen der siegreichen Feldherren Prinz Eugen von Savoyen, der edle Ritter, zusammen mit Moritz Graf von Sachsen, dem späteren Maréchal de Saxe, Kurfürst Max Emanuel von Bayern, der blaue Max, und Markgraf Ludwig von Baden, der Türkenlouis, sind in aller Munde.  Der Kaiser möchte die Gunst der Stunde nutzen und die Türken dauerhaft zurückdrängen. Doch als Leopold seinen Feldherrn Karl von Lothringen gegen Ofen (Buda) marschieren lässt, fehlt dieser im Westen. So akzeptiert der Kaiser 1684 einen zwanzigjährigen Waffenstillstand mit Louis, in dem er dem französischen König die bis 1681 erfolgten Reunionen und dazu den Besitz von Straßburg bestätigt.

 

 

3. Het Negenjarige Oorlog oder der Pfälzische Krieg  (1688 - 1697)

 

Kaiser Leopold nützt die Begeisterung im Reich über die Türkensiege 1686 zur Bildung der gegen Frankreich gerichteten Augsburger Allianz, der viele Reichsstände so auch Schweden und Bayern beitreten. In seiner Epoche der Maßlosigkeit fordert Louis XIV die Verbündeten heraus und fällt 1688 wie gehabt zunächst in die Vereinigten Niederlande ein und bricht anschließend den Waffenstillstand mit dem Kaiser, indem er Köln, die Kurpfalz, Mainz, Trier und erneut Philippsburg besetzt.  Flugschriften bezeichnen Louis XIV als der das Französische und das Heilige Römische Reich verderbende graussame Greuel und Abgott; das flagellum Dei*; Aller Unchristlicher Franzosen König [Schi89]. Hans Assmann von Abschatz reimt:

*Geißel Gottes

Nun ist es Zeit zu wachen
Eh Deutschlands Freyheit stirbt ...
Herbey, daß man die Krötten,
Die unsern Rhein betretten,
Mit aller Macht zurücke
Zur Son (Saône) und Seine schicke.

 

Da erfasst die Begeisterung der Siege gegen die Türken auch die Westfront, denn eine Große Allianz zwischen dem Kaiser, Spanien, Schweden, England, Holland, Savoyen, Brandenburg, Sachsen und Hannover bietet dem Sonnenkönig endlich die Stirn und beendet sein räuberisches Treiben. Doch der Sieg ist teuer erkauft. Unter dem Motto: Brûlez le Palatinat! praktizieren die französischen Truppen auf ihrem Rückzug das Prinzip der verbrannten Erde: Heidelberg deleta, sie schänden die Kaisergräber in Speyer und zerstören auch Mannheim, Philippsburg, Mainz, Koblenz und Worms mit seinem Reichskammergericht, so dass Bismarck später in seinen Gedanken und Erinnerungen schreibt: Der Besuch von Heidelberg, Speyer und der Pfalz stimmte mich rachsüchtig und kriegslustig [Loew02].

 

Louis hatte den Bogen überspannt. Der Philosoph, Pädagoge und Erzieher der Enkel des Königs François de Fénelon sagt es Louis ins Gesicht: Sire, en pleine paix Vous avez fait la guerre et les conquêtes prodigieuses. Vous avez établi une chambre de réunions, pour être tout ensemble juge et partie: c'était ajouter l'insulte et la dérision à l'usurpation et à la violence. Vous avez cherché dans la traité de Westphalie des termes équivoques pour surprendre Strasbourg. Jamais aucun de vos ministres n'avait osé, depuis tant d'années, alléguer ces termes dans aucune négociation, pour montrer que Vous eussiez la moindre prétention sur cette ville. Une telle conduite a réuni et animé tout l'Europe contre Vous. Ceux mêmes qui n'ont pas osé se déclarer ouvertement souhaitent du moins avec impatience Votre affaiblissement et Votre humiliation, comme la seule ressource pour la liberté et pour le repos de toute les nations chrétiennes* [Schi89].

*Sire, mitten im Frieden haben Sie Krieg geführt und beträchtliche Eroberungen gemacht. Sie haben eine Reunionskammer eingerichtet, um gleichzeitig Richter und Partei zu sein: das heißt der widerrechtlichen Aneignung und Gewalt Hohn und Spott hinzuzufügen. Sie haben im Westfälischen Vertrag nach Mehrdeutigkeiten gesucht, um Straßburg zu überrumpeln. Während all der Jahre hat es keiner Ihrer Minister gewagt, in einer Verhandlung, die Vertragsartikel aufzuweichen, um zu zeigen, dass Sie einen geringen Anspruch auf diese Stadt hätten. Ihr Verhalten hat ganz Europa gegen Euch aufgebracht. Selbst die, die nicht gewagt haben sich öffentlich zu erklären, wünschen wenigstens voller Ungeduld Ihre Schwächung und Demütigung als einzige Möglichkeit zum Frieden und zur Ruhe für alle christlichen Länder.

 

 

Der Frieden von Rijswijk (1697)

 

Im Frieden von Rijswijk 1697 darf Louis die spanische Freigrafschaft Burgund (Franche Comté), Lille und die im Elsass besetzten Gebiete einschließlich der freien Reichsstadt Straßburg behalten. Zurückgeben muss er Katalonien, die Pfalz, Lothringen sowie die Städte Breisach und Freiburg an Österreich und die Festungen Kehl und Philippsburg an das Reich. Die Rückgabe der Stadt Freiburg an die Habsburger wird in einer französischen Denkschrift über das Elsass jedoch nicht als Niederlage angesehen: Der König hat einige Plätze aufgegeben, die ihm nicht nützlich waren, aber er hat das Elsass und vor allem die Stadt Straßburg behalten. Vorteile und Nachteile werden ohne Sentimentalität auf der Waage der politischen Bedeutsamkeit gewogen, die Stadt Freiburg war dem König nicht nützlich genug, um ihre Rückgabe als Verlust empfinden zu müssen, sie ist in den Schoß des Reichs und die Obhut des Kaisers, der zugleich ihr Landesfürst ist, zurückgekehrt [Kopf70].

 

 

Pourquoi rendre Brisach?

 

Im Jahre 2007 schreibt Bernard Lebourg zur Rückgabe Breisachs in einem Artikel, dass der französische König ähnlich wie damals Kaiser Leopold in Nijmwegen vor eine Wahl gestellt wurde: On peut d'ailleurs se demander pourquoi rendre Brisach? En fait, il a été proposé à Louis XIV deux possibilités soit rendre Strasbourg, soit rendre Brisach. Le roi de France va préférer garder Strasbourg, et donner Brisach à la Maison impériale d'Autriche, lui offrant ainsi une merveilleuse tête de pont pour envahir ainsi l'Alsace* [Lebo07].

*Man kann sich übrigens fragen, warum gibt man Breisach zurück? In der Tat hatte man Ludwig XIV. zwei Möglichkeiten vorgeschlagen: Straßburg oder Breisach zurückzugeben. Der König zieht es vor, Straßburg zu behalten und Breisach dem österreichischen Kaiserhaus zu überlassen. Damit bietet er den Österreichern einen hervorragenden Brückenkopf, um von dort ins Elsass einzufallen

 

Das zurückgegebene Breisach als Habsburger Brückenkopf zur Invasion Frankreichs? Es liegt auf der falschen Rheinseite, Monsieur Lebourg! Als österreichischer Brückenkopf wäre nur Straßburg geeignet. Louis hat also im Interesse Frankreichs richtig entschieden. Der Frieden von Rijswijk bestimmt, dass von nun an der Schifffahrtsweg des Rheins die Grenze zwischen dem Reich und Frankreich bildet. Somit besiegelt der Vertrag endgültig den Erwerb Straßburgs und damit des Elsass durch Frankreich.

 

Vor allem die protestantischen Reichstände sind vom Rijswijker Frieden bitter enttäuscht, hatte doch Frankreich in letzter Minute noch eine Religionsklausel durchgesetzt, dass in den dem Reich zurückgegebenen Gebieten die katholische Religion beibehalten werden muss. Leibniz ganz Patriot kommentiert: Niemals ist vor das Reich ein mehr schändlicher friede gemacht worden [Hirs01].

 

 

Freiburg wiederum unter der nun nicht mehr ganz so milden Hand Österreichs

 

Doch im katholischen Freiburg ist der Jubel groß, als der Breisgau 1698 wieder an das Haus Österreich fällt. Die vorderösterreichische Regierung in Innsbruck bestimmt, daß der Friedensschluß zwischen dem Römischen Reich und der Krone Frankreichs mit großer Sollenität nicht nur in Innsbruck, sondern auch in allen Garnisonen und Festungen mit Lösung des großen Geschützes gefeiert werden soll [Iber36].

 

Doch man war am Hofe zu Wien höchst mißtrauisch geworden, und verstand es nicht, sich auch nur für den Augenblick zu bemeistern. Kaum war die neue Huldigungs=Feierlichkeit (den 18. Aug. 1698) vorüber so bestand das erste Geschäft der Kommission darin, mit einem Male sämmtliche Bedienstete der Stadt ihrer Aemter zu entlassen, neue Wahlen zu veranstalten, und einen Oberschultheißen aufzustellen, ohne welchen fortan keinen Rathssitzung gehalten werden durfte. Dieser, Herr von Greuth, war zum Glücke ein edler Mann, der die unverdiente Kränkung der Stadt wohl fühlte, und sich stets als ihren warmen Freund und Vertheidiger bewies. So sehr hatte man kleinlichten Anschwärzungen Gehör gegeben, daß die Stadt unter Anderm sogar den Vorwurf urkundlich widerlegen mußte, als hätte sich das Frauenzimmer zu Freiburg geneigter gegen die französischen, als nun gegen die österreichischen Truppen bewiesen* [Schr25].

*Sollten die Franzosen hier in wichtigen Bedürfnissen den Frauenzimmern gegenüber etwa freigiebiger als die Österreicher gewesen sein?  

 

 

Ausweisung eines französischen Tanzmeisters

 

 In Wien bleibt man ähnlich wie 1525, als die Stadt Freiburg im Bauernkrieg gezwungenermaßen einer christlichen Vereinigung beigetreten war, gegenüber den neuen Loyalitätsbekundigungen der Bürger zum Kaiser recht argwöhnisch. Ein französischer Tanzlehrer, der sich bei den österreichischen Offizieren großer Beliebtheit erfreut, wird ausgewiesen. Zusätzliche Einquartierungen allein in den Bürgerhäusern sorgen für Spannungen mit der neuen alten Obrigkeit, so dass sich macher Freiburger heimlich die charmanten französischen Besatzungstruppen an Stelle der österreichischen Soldaten zurückwünscht. Zudem häuften sich wegen der Garnison Klagen über unerlaubtes Jagen, Flurschäden in den Reben, Ausfischen der Gewässer, schlechte Zahlungsmoral, Schlägereien und Diebstähle, die das Zusammenleben belasteten [Spec10].

 

 

Une place pour opposer à Brisac

  

Die Rückgabe Breisachs, reißt eine Lücke im Festungsgürtel zum Schutze Frankreichs. Deshalb bekommt Vauban den Auftrag zum Bau von Neuf Brisac als une place pour opposer à Brisac. Die auf dem Reißbrett entworfene ideale Festung in der Ebene auf der linken Rheinseite ist Vaubans letztes großes Werk für seinen König. Tief gelegen und deshalb vom angreifenden Feind erst in Reichweite der Kanonen einsehbar erschließt sich auch heute die geometrische Form der Festung nur aus der Vogelperspektive. 

 

Geniestreich Vaubans: Fast unsichtbares Neuf Brisac

Während der Bauzeit verzögern die Franzosen die Rückgabe Alt-Breisachs mit immer neuen Argumenten. Erst nach drei Jahren und nach der Fertigstellung Neu-Breisachs erfolgt die Übergabe der Festung an das Reich am 1. April 1700.

 

Neuf Brisac aus der Vogelperspektive.
Die in westlicher Richtung vorgelagerte Zitadelle wurde nie gebaut.

Die Freude der Breisgauer über den Frieden mit Frankreich schlägt bald in Ernüchterung um, als Wien für die Garnisonen zu Freiburg und Breisach jährlich nicht weniger als 6000 Mutte harter Frucht, 300 Mutte Haber, 1000 Wagen voll Heu und Stroh, 20 000 Hand= und 6000 Fuhrfronen, dazu Brennholz, Palissaden, Matrazen und die Summe von 75 000 Gulden an Geld verlangt. Nach Vorhaltungen der Stände, dass das Breisgau vom Kriege her bis in den Grund hinein ruiniert sei, wird die Last vermindert [Bade82]. Und doch sind diese Anstrengungen bitter nötig, denn mit dem Spanischen Erbfolgekrieg steht die nächste Prüfung für die Region an.

 

 

 

 

Josef I. (1705-1711)
Nur sechs Jahre
 römischer Kaiser während des Spanischen Erbfolgekrieges

4. Der Spanische Erbfolgekrieg (1701 - 1713)

 

Kinderlos hatte der letzte habsburgische spanische König Carlos II kurz vor seinem Tode im Jahre 1700 den Enkel Louis' XIV, Philipp von Anjou, zu seinem Erben bestimmt. Begeistert ruft der spanische Gesandte Manuel Castelldosrius de Oms y de Santa Pau: Die Pyrenäen haben aufgehört zu bestehen. Wir bilden eine einzige Nation [Desc13]. Als jedoch der  französische König seinen petit fils den übrigen Europäern mit den Worten: Voici le Roi d'Espagne präsentiert, formiert sich die große Haager Allianz und es kommt zum Spanischen Erbfolgekrieg.

 

Für Leibniz geht es gegen Frankreichs Übermacht und um die Rettung des Protestantismus. In einem Gedicht beschwört er: Gott mit uns!

 

Es kommt auf Freiheit nun und aufs Gewissen an,
Da wagt das Leben selbst ein rechter Biedermann.
Es ist nach Gottes Rat, will er sich bei uns stellen,
So kann ein Strahl von ihm die große Rüstung fällen,
Uns soll's verloren sein, so bleibt das höchste Gut
Dem, der fürs Vaterland und Gott vergießt sein Blut
[Hirs01].

 

In der Tat: Der spanische Erbfolgekrieg ist eine mörderische Auseinandersetzung und eskaliert zu einem wahren Weltkrieg, der in den Niederlanden, Deutschland, Italien, Spanien sowie den französischen und englischen Kolonien geführt wird. Als der Reichstag 1702 Frankreich den Reichskrieg erklärt, schlägt sich Kurfürst Max Emanuel von Bayern offen auf die Seite der Franzosen. Diese überqueren bei Neuenburg kampflos den Rhein und verheeren die rechtsrheinischen Gebiete. Wiederum versagt die Verteidigung, sind den Habsburgern ihre oberitalienischen Besitzungen wichtiger als Vorderösterreich, welches für Wien, wie es spöttig heißt, nur die Schwanzfeder des Adlers darstellt.

 

 

Herr Marschall, Ihr müßt vor diesem Platze Eure Ehre verlieren

 

Louis hatte den Verlust der alten Festung Breisach nicht verwinden können. So stehen einer seiner Enkel, Le Petit Dauphin mit dem Titel Herzog von Burgund und Marschall Tallard Ende August 1703 mit einem Heer vor der Stadt. Als Festungsexperten haben die Herren Marschall Vauban dabei. So kommt es vor der Belagerung der Stadt es zu einem denkwürdigen Gespräch zwischen dem Herzog und dem berühmten Festungsbauer: Herr Marschall, Ihr müßt vor diesem Platze Eure Ehre verlieren, d. h. wir werden ihn nehmen, und man wird sagen, daß Ihr ihn schlecht befestigt habet, oder wir werden scheitern, und man wird sagen, daß Ihr mich schlecht unterstützt habet. Vauban antwortet diplomatisch: Euer Gnaden, man weiß, wie ich Breisach befestigt habe; man weiß aber nicht und man wird bald wissen, wie Ihr die Plätze, die ich befestigt habe, erobert [Iber36].

 

Markgraf Ludwig von Baden (der Türkenlouis) hatte dem Breisacher Festungskommandanten Graf Philipp von Arco befohlen, bis zu letzten Mann zu kämpfen. Während die Frannzosen in klassischer Manier Laufgräben anlegen, antwortet von Arco lediglich mit gelegentlichen Ausfällen.  Geschickt dirigiert Meister Vauban den Einsatz der französischen Geschütze und so gelingt es den Franzosen bald, dem Hauptgraben das Wasser abzugraben. Dafür sind durch Regen die Laufgräben aufweicht, so dass sie mit Faschinen (von lat. fasces: Reisigbündeln) gesichert werden müssen. Bei dieser Arbeit legt Marschall Tallard selbst Hand an, während die Verteidiger in Lethargie erstarren. Und so kommt es, wie es kommen muss. Am 6. September 1703 kapituliert die Festung Alt-Breisach. Beim Einzug der Franzosen werfen sich Graf von Arco und der stellvertretende Festungskommandant Marsigli vor dem Herzog von Burgund nieder, umarmen seine Stiefel und küssen ehrfurchtsvoll die Hand des Eroberers, wobei Marsigli schmeichelt: Que dans le malheur où il se trouvoit d’avoir perdu à L’empereuer, son maistre, une si importante place, il avoit la consolation de ne l’avoir rendue qu’à un tres grand Prince, et digne des plus grandes conquètes [Iber36].

*In seinem Unglück dem Kaiser einen so wichtigen Platz verloren zu haben, fände er Trost, die Festung an einen so großen Fürsten, der den größten Eroberungen würdig ist, übergeben zu haben.  

 

 

Breisach ist auf schändliche Weise verloren gegangen

 

Während Louis in Notre Dame zu Paris das Te Deum Laudamus singen lässt, erklärt Prinz Eugen: Ich kann nicht begreifen, wie es mit dieser so imposanten Festung geschehen und zugegangen ist. Es ist daher nicht unbillig, eine Untersuchung einzuleiten. Als Vorverurteilung ruft er aus: Breisach ist auf schändliche Weise verloren gegangen. Ein Kriegsgericht verurteilt Graf von Arco, den der Scharfrichter am 14. Februar 1704 auf dem Marktplatz von Bregenz enthauptet. Dem Grafen Marsigli zerbricht er dagegen nur den Degen und wirft ihn ihm zu Füßen.

 

 

Noch ein solcher Sieg für ihre Feinde, Sire, dann sind die alle erledigt!

 

Im gleichen Jahre setzt Tallard über den Rhein und führt unbehelligt von der in der Festung Freiburg stationierten kaiserlichen Garnison französische Truppen über den Schwarzwald, die sich am 17. Mai mit dem bayrisch-französischen Heer unter Kurfürst Max Emanuel in Villingen vereinigen. Das Kanonieren von den Wällen der Stadt mag Tallard auch bei seiner anschließenden Rückkehr an den Rhein nicht beeindrucken.  

 

Am 2. Juli treffen das französisch-bayrische und das kaiserliche Heer bei Donauwörth aufeinander. Die Schlacht endet mit leichten Vorteilen für die durch englische Truppen unter John Churchill dem frischgebackenen Duke of Malborough verstärkten Reichstruppen. Knapp zwei Wochen später am 13. August 1704 jedoch siegt die Armee der Haager Allianz unter Malborough und dem Prinzen Eugen  in der Schlacht von Höchstädt*, bei der 26 000 Mann den Heldentod sterben, über die Franzosen unter den Marschällen Tallard und Marsin. Am Abend nach der Schlacht meldet Prinz Eugen seinem Kaiser, dass der Allerhöchste dero gerechte kaiserliche und alliierte Waffen mit einer von unvordenklichen Jahren nie erhörten so vollkommnen großen Viktori gesegnet habe [Desc13].  Nach einem weiteren Pyrrhussieg der Allianz am 11. September 1709 bei Malplaquet gibt Eugen zu, dass wir sehr viel Menschen verloren haben und der uns bekannte Marschall Villars bemerkt zu seinem König:  Noch ein solcher Sieg für ihre Feinde, Sire, dann sind die alle erledigt! [Davi96].

*Bekannt in England als Battle of Blenheim für den Ort Blindheim in Bayern

 

 

Herr G.W.M. lasse sich diesem Anschlag rekommandiert sein

 

Das Kriegsglück hatte sich gewendet. Während sich die Franzosen über den Rhein zurückziehen, belagern die Kaiserlichen die Festung Landau. Es kommt zu einem Treffen zwischen dem Prinzen Eugen und dem Freiburger Kommandanten General-Wachtmeister Winkelhofen, bei dem sie einen Anschlag auf die Feste Breisach planen. Freiburger Spione, die in Breisach Champagner, Burgunder, Liköre und Zitronen kauften, hatten herausgefunden, dass Breisach nur über eine Besatzung von höchstens 700 Mann verfügt. Am 7. November 1704 schreibt Prinz Eugen an Winkelhofen: Der Herr G.W.M. lasse sich diesem Anschlag rekommandiert sein und denke umso mehr nach, die Sache ins Werk zu richten, als sich Derselbe andurch bei der ganzen Welt eine nicht geringe Glorie machen wird, gebrauche sich aber aller Praecaution, damit man sich nicht zuviel hazadiere [Iber36].  

 

Am Abend des 9. November verlassen die kaiserlichen Truppen Freiburg und kommen am folgenden Morgen gegen 5 Uhr im Nebel vor dem Tor Breisachs an. Nach Öffnung des Schlagbaums rollt die Vorhut verkleidet als Schanzbauern und Fuhrleute mit Wagen voll Heu und Stroh, unter dem sich weitere Soldaten und Waffen befinden über die Brücke des Hauptgrabens durch das Breisacher Neutor. Als der französische Offizier auf seine Frage, was diese Leute in Breisach wollten, keine Antwort erhält, schlägt er mit seinem Stock den nächsten Bauern und erwischt jedoch damit den Oberstleutnant Briglière des in Freiburg stationierten Bayreuther Regiments. Zornentbrannt greift der Geschlagene zu Waffe und eröffnet eine wilde Schießerei. Nach kurzem Gefecht ergreifen die Kaiserlichen die Flucht und dürfen später zu ihrem Trost erfahren, dass die Besatzung Breisachs mindestens 2500 Mann stark ist.

 

 

Sonst würden die Franzosen die hiesigen ruinieren
und man müßte mit Stillschweigen zusehen

 

In der Folgezeit unternimmt eine weiter verstärkte Besatzung Breisachs Überfälle auf die umliegenden Dörfer bis unter die Mauern der kaiserlichen Festung Freiburg. Zwischen Breisach und Freiburg zum Schutz der jeweils eigenen Bauern ausgehandelte Abkommen werden selten eingehalten. So mault der kaiserliche Feldzeugmeister: Ich verlange keineswegs mit der mir anvertrauten Postierung in solchen Traktat eingeschlossen zu werden, da die Franzosen vor der Nase diese armen Leute all des Ihrigen berauben. Ich ersuch alleinig nur die Freiheit, dass dies Attrapieren den französischen Juden und Untertanen auf gleiche Weise von uns beschieht, also traktieren und wegnehmen dörfte, denn sonst würden die Franzosen die hiesigen ruinieren und man müßte mit Stillschweigen zusehen [Iber36]. Das ist leichter gesagt, denn getan, beherrschen doch die französischen Truppen das Terrain. Es nützt auch wenig, dass Freiburg für seine Bauern Schutzgelder zahlt, um Plünderungen seitens der Franzosen zu verhindern.

 

Gebiet zwischen Colmar und Freiburg nach Nicolas de Fer, königlicher Geograph um etwa 1710

 

 

Alt-Breisach linksrheinisch?

 

Im Jahre 1689 hatte Louis XIV 50 000 Livres zum Hochwasserschutz, d. h. für den Bau von Dämmen am linken Rheinufer, bereitgestellt. Diese Schutzmaßnahmen führten dazu, dass bei Überschwemmungen der Fluss seinen Lauf weiter nach Osten verschob. Beim großen Hochwasser im Frühjahr 1711, als lediglich noch die Festung aus dem alles umfließenden Wasser ragt, schlägt der französische Festungskommandant Reignac vor, den Rhein östlich an Breisach vorbeizuleiten.  Die Idee findet in Paris keine Unterstützung, doch später hat es von französischer Seite immer wieder Pläne und sogar mehrere Versuche gegeben, den Fluss umzuleiten und so entsprechend dem Vertrag von Rijswijk die Stadt wieder an Frankreich zu bringen [Volk07].

 

Verschiebung des Rheins in der Gegend von Breisach zwischen 1700 und 1838 um 1,5 km nach Osten  und mögliche östliche Umleitung des Flusses [Volk07]

 

 

 

 

Louis Hector de Villars

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Reichsfreiherr

Ferdinand Amadeus Harrsch

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Freiherr

Franz Ferdinand von Fahnenberg

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Wappen der Freiherrlich Mayer von Fahnenbergschen Familie nach dem Adelsdiplom vom 27. Februar 1715 [Stöh13]

Erneute Belagerung und Einnahme Freiburgs durch Louis Hector de Villars

 

 Am 11. April 1713 schließen England, Holland, Savoyen und Portugal mit Louis den Frieden von Utrecht. So steht das Reich allein gegen Frankreich. Am 19. September erscheint ein französisches Heer unter Louis Hector de Villars vor Freiburg. Die Stadt ist dank Vauban eine der stärksten Festungen in Deutschland und doch ist die Lage prekär, denn Villars, von 1693 bis 1697 Gouverneur von Freiburg, kennt alle Stärken und Schwächen der Anlage. Zudem stehen den etwa 150 000 Angreifern nur 8000 Verteidiger gegenüber.

 

Seit 1706 steht die Stadt unter dem Kommando des Reichsfreiherrn Ferdinand Amadeus von Harrsch. Der hatte einen französischen Einfall fürchtend die zum Teil unfertigen Vaubanschen Festungsanlagen ergänzen und ausbessern lassen. Auch ordnet er an, die Mühlen, Häuser, Garten-Häuslein und Gärten umb die Stadt müssen eingerissen werden; item ist das Spital und die Kürch in der Vorstadt Wiehre zu sprengen und der Rest anzuzünden [Jung03].

 

Beim Anrücken der Franzosen befiehlt Prinz Eugen, Befehlshaber der Reichstruppen, dem österreichischen Festungskommandanten, dass er sich bis auf die letzte Extremität defendieren solle. Harrsch darauf: Ich werde mit Gottes Beistand die Stadt nie anders als durch Sturm verlieren, sodann aber soll es erst in den beiden Schlössern recht angehen, allwo man mich und meine Garnison Stück für Stück mit Minen heraussprengen muss [Albe20b]. Die Stadt verfügt nur über begrenzte Vorräte. Harrsch - nomen est omen - befiehlt deshalb, die brodtlose, mit Weyb und Kinder beladene Haushaltung hinaußzueschaffen [Haum01].

 

Der Angriff auf die Stadt wurde den 29ten mit 60 Bataillons eröffnet; zugleich griffen 40 Bataillons das obere Schloß an. Villars hatte sein Hauptquartier zu Zähringen. Die Ausfälle der Belagerten waren zahlreich und sehr heftig, wiewohl im Ganzen von geringer Bedeutung. Stadt und Schloß hatten nur zwölf Stücke brauchbaren Geschützes, mit welchen sie den, seit dem 10. Oktober aufgeführten acht und vierzig Kanonen, und zehn Mörsern des Feindes antworten konnten [Schr25].

 

Belagerung Freiburgs durch Villars am Predigertor mit dem dahinter liegenden Dominikanerkloster:
Gemälde von Jean-Baptist Martin (©Augustinermuseum).

Man erfährt Einzelheiten über der Dauerbeschuss der Stadt in einer zum Druck nicht freigegebenen Relation:

 

Von der Statt und Vöstung Freyburg im Breyssgau, wie nemlich dieselbe
von der Königl. Frantz. Armee Ao. 1713 den 19. Septbr. infestiert, Belagert vnd
volgends den 1. Novembr. darauff von diesen Königl. Truppen eingenommen worden seye

 

In Summa, so grausamblich das Canonieren beym Tag, so entsezlich erknallten die Bomben bey der Nacht. Auf fleissiges Annotieren hat mann letztlich befunden, daß auf die Statt alleinig ethwas über 40 000 Canons gelöst vnd 11 324 Bomben auf die Basteyen, Rampar vnd Statt ohne der Schlösser, losgebrennet wordten seyn ... So ist auch sehr remarquabel, daß eine Bomben in die Kirchen der Societet Jesu durch ein nideres Fenster bey dem Altar des hl. Ignatii eingefahren, zersprange vnd thäte gar geringen Schaden. So fiele auch sonsten 4 andere Bomben auf das einfache Gewölb der Kirchen, keine schlagte durch, ruinierten also nur ethwas am Tachwerkh (Dachwerk). Diß Collegium Soc. Jesu stundte alß ein Frontespicium so wohl gegen dem obern Schloß, alß gegen der Attaque vor dem Lämmer- vnd Prediger-Thor, vnd jedoch wurdte es nicht vil beschädiget, da indessen die Jesuiter-, Egel- vnd Predigergasse vnd deren Haüsser fast gänzlich ruiniert waren; ja auch das praeciose Münster-Gebäw müste viles erleyden vnd manchen aufgehawten Kunst-Stein fallen lassen, dann an disem wurdten nicht nur allein die auswendtige Zieraden theilß herunter geschossen, sondern jnnwendig wurdte das gewölb beym Chor-Altar vnd bey der grosen Kirch-Thüren durchgeschlagen; item, ein kunstreicher steinerner Schwib-Bogen bey der grosen Orgel daselbst wurdte von denen Stuckh-Kugeln entzwey gebrochen, sogar eine grose Saüle bey der Kirch-Thüren muste durch Gewalt der Stuckchen den Boden küssen ... die Bomben thäten entsetzlichen Schaden an denen Haüssern, so nächst am Rampar gelegen, theilß wurdten gänzlich zertrümmert, andere grausamlich ruinirt. Eine füele in dem obern Schloß in des Obristen vnd Commendanten von Duminique Keller vnd machte 66 Saum Wein zu nichten [Albe00].

 

Die Kämpfe ziehen sich hin. Am 15. Oktober geht ein chiffriertes Schreiben an den Prinzen Eugen: Der Feind hat den 14. Oktober die Contereskarpe von Freiburg genommen mit 2 Bataillons, 2000 Todte ohne die Blessierte, den 17. Stillstand auf zwei Stund begehrt zu Begrabung der Todten, General Weitersheib in der Contereskarpe gefangen. Nun ist Wasser im Graben (in den Laufgräben der Feinde) so hoch und die Approchen meist eine Inundation. Duminique (der Kommandant des Oberen Schlosses) halt sich auch wohl, hat schon 6 Tage Posto in des Feindes Approchen. Der halbe Teil der Garnison Freiburg ist todt, krank, blessiert. Morgen will der Feind Bresche schießen, somit Holz im Feur die Defension haben mueß … [Breh39].

 

 

Daß Pardon-Zaichen auf die Bresche gesteckht

 

Da der Festungskommandant, Feldmarschall=Lieutenant von Harsch zu Ende des Monats (Oktober) sah, daß er die Stadt nicht weiter zu vertheidigen im Stande sei, ließ er den 11ten d.f.M. (Nov.) Morgens sämmtliche Behörden zu sich kommen, und eröffnete ihnen, daß er sich mit der Besatzung in die Schlösser zurückziehen, aber keine, mit seinem Dienst unverträgliche Uebergabe schließen werde. Sollte es auf das Aeußerste kommen, so möge jedes Haus, so gut es könne für sich akkordieren. Natürlich verbreitete sich bei dieser Erklärung der größte Schrecken, welcher um so mehr wuchs, da zugleich die Nachricht kam, der Feind bereite sich zum Sturme. Niemand wußte sich zu helfen, die Abgeordneten der Behörden zerstreuten sich, ohne einen Beschluß gefaßt zu haben; zurückgelassenen Soldaten warfen ihre Gewehre weg, und fiengen an zu plündern; gefangenen Franzosen brachen, da sie sich von ihrer Wache befreit sahen, aus dem Stockhause, und durchliefen mit gräßlichem Geschrei die Straßen; schaarenweise flohen die Bürger aus ihren Häusern in die Kirchen, bei den Altären Schutz zu suchen. Selbst im gewaltigen Münster war das Gedräng so groß, daß kaum noch Platz für den Priester und die Leviten am Hochaltare übrig blieb.  

 

Nur ein einziger Mann, Stadtschreiber Mayer, verlor in dieser allgemeinen Verwirrung und Bewußtlosigkeit seine Besonnenheit nicht [Schr25]. Was Mayer in seiner Besonnenheit tat, darüber berichtet die Relation: Vnbeschreiblich ware die Confusion. Die Franzosen stunden auf der Breche, Niemand thate kein Resistent vnd Niemand ware da, von den Miltarischen, der zu accordiren verlangte, welches dann ein grausames Geschreü vnd Tumult von so vilen Burgern, Frawenzimmern vnd anderen veruhrsachte. Denn jedermann sache die Gefahr deß Sturmß, nach welchem alles maßacriert wordten were, wann nicht zu allem Glückh annoch zur rechten Zeith in Nahmen der Löbl. Statt dero H. Statt-Schreiber Franziscus Ferdinandus Mayer Juris utr. Doctor etc. mit dem weisen Accords-Zeichen* /welches von einem Burger Nahmens Lucas Norbert Wiest getragen/ vnd vnder wehredem Scharschieren deß so wohl groben alß kleinen Geschützes auf der Breche eylends angelangt wäre. Auf solches Erblickhen haben die Franzosen gleich ihren fernern March eingestellet vnd gefragt: was das bedeüte, daß keine Offiziers noch Commandant zum Accordieren vorhanden, worauff obbemelter H. Statt-Schreiber alles dises knyeliegend referiert, was in der Statt vorgegangen, und benebens vor die Burgerschaft aller unterthänigst gebetten, daß dieselbe von der bevorstehenden Plinderung möchte befreuet werdten, vnd dises wurdte von Marquis de Vilars versprochen [Albe00].

 * zwei weiße Fahnen vom Bildhauer Norbert Wüst getragen

 

Übergabe Freiburgs im Lager der Franzosen. Stadtschreiber Mayer liegt nicht auf den Knien, sondern verbeugt sich vor Villars, der den Marschallstab in der Hand hält. Ganz im Hintergrund liegt Freiburg mit den Aprochen, den Laufgräben in Richtung der befestigten Stadt. Im Mittelgrund die Geschützbatterien [Stöh13].

 

 

Je suis bien fâché, d'avoir été attrapé comme cela

 

In der Tat ist es unerhört, dass eine Zivilperson eine Stadt übergibt. Der Stadtrat war schon mehrmals beim Festungskommandanten wegen einer Übergabe vorstellig geworden und hatte bereits vorsorglich zwei weiße Fahnen anfertigen lassen. Einige Quellen besagen, dass Harrsch dem Stadtrat die Liberté überließ, Chamade schlagen zu lassen (sich zu ergeben). In seinem Tagebuch schreibt er allerdings, dass er, wie es Brauch war, einen Tambour zu Villars schicken wollte, doch da unterdessen die Populance zwei weiße Lumpen ausgesteckt, die man vermeinete, Fahnen von mir zu sein ... gerieht [Villars] in großen Unwillen und sagte: Je suis bien fâché, d'avoir été attrapé comme cela* [Weng03].

*Ich bin schwer sauer, dass man mich so reingelegt hat.

 

So hätte Harrsch die Übergabe der Stadt an die Franzosen durch den zivilen Stadtschreiber auch als Verrat ansehen können, doch ein Dreivierteljahr später stellt der Festungskommandant Herrn Mayer nicht nur einen Persilschein, sondern ein hervorragendes Zeugnis seiner possedierendten guethen Experienz und Tauglichkeith aus: Ich Ferdinand Graff von Harsch, Ihro Röm. Kay., auch Königl. Kathol. Mayest. General Feldt Zeügmeister und Hoff Kriegß Rath, auch würklich bestattigter Commendant der Statt und Vöstung Freyburg etc. Thue hiemit auf beschehene Requisition wahrsteürlichen und von Billigkeits wegen attestieren: ... gleichwie dann ermelter Herr Mayer mir von anfangs an und währendt, auch in der letzten stundt der Belagerung ahn die Handt gegangen und gegenwehrtig gewesen, also zwar, daß selbiger öffters nicht ohne Leib- und Lebenß-Gefahr sich zue mir begeben, und auff mein Erforderen geziemendt erschienen, demnechst pro bono Publico et Patriae daß Pardon-Zaichen auf die Bresche gesteckht, vermittelß er Stattschreyber nicht geringe Prob seiner possedierendten guethen Experienz und Tauglichkeith dem Publico zue dienen, auch seiner intrepidität, vornemblich aber seiner Österreich. Treü und allerunderthänigisten Devotion ahn Tag gelegt, einfolglichen von männiglichen solchen Ruehm erworben, daß in belohnliche consideration gezogen zue werdhen, wohl meritiere, allermaßen ein solches alß eine in ipsa notorietate bestehende Sach under fürauftrückhung meines Gräffl. Insiegelß willfährlichist beurkunden wollen.

So beschehen Wienn den 31ten Aug. 1714,

Graff v. Harrsch [Albe03].

 

So erhebt im Jahre 1715 Kaiser Karl VI. (1711-1740) den Retter Freiburgs für seine mutige Tat in bewährter habsburgischer Manier mit Adelspatent vom 27. Februar 1715 unter Verleihung des Ehrennamens von Fahnenberg zum recht Edel gebohrnen, Wappen- Lehens- Turnir-Genossen und rittermäßigen achtschildigen Edelmann, der somit nicht als Dr. Mayer, sondern als Freiherr von Fahnenberg in die Geschichtsbücher eingeht [Stöh13].

 

 

Les douceurs de Villars

 

Vom Einzug der siegreichen Franzosen in die Stadt berichtet der Herzog von Richelieu: Als ich Freiburg betrat, begegnete mir ein Schauspiel, welches mich zu Thränen rührte. Der ganze Magistrat, Weiber, Greise und Kinder flehten uns auf den Knieen um Erbarmen an. Villars versprach ihnen das Leben, von der Plünderung und Brandlegung aber sollten sie sich mit einer Million loskaufen. Zugleich ließ er dem Commandanten [Harrsch] sagen, wenn auch nur ein Flintenschuß falle, so werde kein Einwohner verschont bleiben. Derselbe möge seine Kranken und Verwundeten selbst verpflegen.

 

Harrsch erwiederte hierauf von seiner verschanzten Höhe herab, er könne sich nimmer vorstellen, daß die christliche Religion es erlauben sollte, so viele arme Unglückliche durch Mangel an Verpflegung umkommen zu lassen. Als Antwort aber schickte ihm Villars ganze Wagen voll Kranker, Verwundeter, Sterbender mit dem Bescheide, daß sofern die Schlösser nicht übergeben würden, alle Weiber Greise und Kinder, wenn er selbige nicht aufnehme, sollten dem Verhungern preisgegeben oder erschossen werden.

 

Diese kriegerische Grausamkeit mißfiel aber dem Könige und seinem Hofe; man nannte sie spöttisch nur les douceurs de Villars. Und die Freiburger Damenwelt war dadurch so empört, daß einige Heroinnen davon schwuren, der Marschall solle nicht anders sterben, als von ihrer Hand [Bade82].

 

Stadt Freiburg 1713. Plan der Vaubanschen Festung

 Friedrich von Uffenbach ein Patriziersohn aus Frankfurt, der 1713 in Straßburg Rechte studiert, besucht das Feldlager Marschall Villars und die Stadt Freiburg am Tag ihrer geordneten Übergabe und schreibt: Die Gassen wir all wohl regulirt und gar wohl bebauet fanden, so daß uns der Ort recht wohl gefiel. Die Häuser waren nicht viel versehret, indem ein großes Jesuitenkloster, so längs der Breche gestanden, vieles aufgehalten . . . Von der gingen wir nach dem Schwabentor, welches auch dasjenige ist, dadurch man auf das Schloß gehet. Dieses war halb zu und wurde inwendig mit teutscher, auswendig aber mit französischer Guarde bewachet, die gar freundlich miteinander redeten und tranken, auch teutsche Officiers in die Stadt ließen . . . Von hier gingen wir nach dem Münster oder der Hauptkirche, so von ebendem Werkmeister gebauet sein soll, der das zu Straßburg aufgebauet hat. Es ist ebenso zierlich und künstlich, aber lang nicht so groß und nicht viel beschädigt, außer daß hier und dar einem Heiligen der Kopf abgeschossen worden. Wir trafen allhier zwei Kapuziner an, die uns mit sich in ihr Kloster führten, allwo, gleichwie in allen anderen Kirchen und Klöstern, alles voll teutsche Blessirte lagen, deren 1800 Mann in der Statt zurückgeblieben. Diese waren alle ausgezogen und lagen miserabel ohne Hülf und Gelt da, klagten auch sehr über das harte Verfahren des Commendanten Harschen. Nachdem wir . . . die Nasen voll Gestanks hatten, gingen wir nach der Attaque oder Breche. Diese sahe nun ziemlich verlästert, aber doch noch in solchem Stande, daß sich der Commendant noch acht Tage hätte halten können, wenn nicht die Bürgerschaft und Clerisei ihn fußfällig umb das Sacrament willen gebeten; zu accordiren. Er hatte auf allen Bastionen drei bis vier Abschnitte mit Holz und Räder gemacht, auch die alte Stattmauer, so hinter dem Wall gelegen, vier Schuhe erhöhet, befestiget und mit Canonen besetzet; auf dem Wall stunden noch etliche dreißig schöne große Canonen, so aber teils demontirt und alle hart vernagelt waren, gleichwie die mortiers, so noch zurückgeblieben. Nachdem wir uns lange genug umbgesehen, die schöne reguläre und neu gebauete Fortification der Festung bewundert hatten, so gingen wir wieder nach unsern Pferden hinaus, die wir nicht in die Statt nehmen dörfen . . .

 

 

Ein Schlachten war's gewesen

 

Die Festung oberhalb der Stadt hielt dem Ansturm der Franzosen noch bis Mitte November stand. Als am 16. November der Befehl Prinz Eugens zur Übergabe eintraf, wurde am nämlichen Tage die Capitulation unterzeichnet, und am 17ten ein Theil der Festungswerke der Schlösser von den Franzosen besetzt - 867 Kranke und Verwundete blieben, unter kaiserlicher Bedeckung, in der Stadt zurück; die übrige Zahl der lange und heftig belagerten Garnison, über 5000 Mann, zog am 20ten in größter Parade, mit fliegenden Fahnen, klingendem Spiel und brenneden Lunten, mit vier geladenen Kanonen und zwei Mörsern, aus der Festung.

 

Der Marschall Herzog von Villars, welcher, nach seiner eigenen Angabe, vor Freiburgs Mauern 15 000 Todte und Verwundete verloren, die  Prinzen von Bourbon und Conty, die ganze französische Generalität, erwarteten diese Heldenschaar unweit des Predigerthors, und beeiferten sich um die Wette, ihren tapferen Feinden die höchste Achtung zu bezeigen [Feuc37]. Bevor die verbliebenen kaiserlichen Truppen ehrenvoll in Richtung Villingen und Rottweil abziehen, umarmt Villars den Verteidiger Harrsch mit den Worten: Ihrer Standhaftigkeit, mein lieber Bruder, ist selbst die Übermacht zur Huldigung verbunden [Bade82].

 

Der Stadt wurde eine Kontribution von einer Million Franken auferlegt, zur Lösung der Glocken aber wurden zwanzigtausend Reichstaler verlangt. Für jeden Mann der Garnison wurden täglich ein Maß Wein, zwei Pfund Brot, ein Pfund Fleisch gefordert. Wenn es der Stadt auch gelang, die Summe von einer Million auf dreihunderttausend' Franken und den Betrag von zwanzigtausend Reichstalern auf neuntausend herabzusetzen, so war doch das Elend, daß den einzelnen betraf, noch groß genug. Den Damen und Offiziersfrauen wurde alles weggenommenen und ihnen nicht einmal Brot und Wasser zugebilligt. Den Bürgern wurde bei hohen Strafen verboten, den Bedauernswürdigen Brot zu verkaufen. Viele von ihnen sind aus Mangel an Ärzten, Verbandszeug und Medikamenten zugrunde gegangen. Die Kälte nahm gegen Mitte November so zu, daß bei dem gänzlichen Mangel an Brennholz nur die Kräftigsten den Winter überstanden. Ein von der Stadt aufgestelltes Verzeichnis mit dem von der Bürgerschaft erlittenen Schaden gibt ihn mit 350  000 Gulden an, ein Betrag, der gewiß nicht zu hoch veranschlagt ist, wenn man bedenkt, daß auf Festung und Stadt innerhalb von 26 Tagen mehr als vierzigtausend Kanonenkugeln und über elftausend Bomben herabfielen. Das Geld zum Loskauf der Stadt und der Glocken wurde teils durch Einsammeln bei der Bürgerschaft eingebracht, teils auf die Stadtgüter aufgenommen, Endlich brach nach der Belagerung und dem Abzug der feindlichen Armee noch eine Seuche unter dem Horn- und Zugvieh aus, so daß mancher Ort, der 500 Stück und mehr auf die Weide getrieben, kaum noch vier oder fünf übrig hatte [Stra43].

 

Dagegen kommentiert ein Zeitgenosse die Belagerung von 1713 weitaus unedler: Nicht eine Schlacht, ein Schlachten war's gewesen. Freiburgs Stadtschreiber Mayer beklagt die völlige Erschöpfung der Stadt, deren Einwohnerzahl aus kaum noch fünfhundert, großentheils verarmten Bürgern besteht [Bade82].

 

Weitere Folgen der Belagerung beschreibt der uns bereits bekannte Johann Alphons Lugo: Als anno 1713 die Stadt Freyburg von den Franzosen belagert und eingenommen worden, hat die Universität ihren Sitz nacher Constanz überleget und allda ihre Schullen eröffnet, welcher Ort, so mitten in dem Landen liegt, zur Aufrichtung einer hohen Schule viel bequemer als ein Gränz-Festung zu seyn scheinet.

 

 

Der Frieden von Baden wurde am 7. September in Baden im Aargau abgeschlossen und bereinigte einige Unstimmigkeiten des Rastatter Friedens.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Friedrich der Große

 

Zurück zum 30-jährigen Krieg

 

 

 

 

Der Frieden zu Rastatt (1714)

 

Den anschließenden Frieden von Rastatt (1714) verhandeln Villars und Prinz Eugen. Der Vertragstext vom 6. März 1714 ist nicht mehr lateinisch abgefasst, denn Französisch löst nach und nach Latein als lingua franca der Diplomaten ab. Es kommt zu einer Teilung des spanischen Erbes.  Philipp V. (1700-1746) behält das Königreich Spanien und die überseeischen Kolonien, während der Habsburger Kaiser Karl VI. die italienischen (Neapel, Mailand, Mantua, Sardinien) und niederländischen (das heutige Belgien) Besitzungen der spanischen Habsburger bekommt.  Diese versucht Österreich zur Arrondierung seiner Territorien gegen das von kaiserlichen Truppen besetzte Bayern zu tauschen, doch Dank der überlegenen französischen Diplomatie werden nach Reichsacht und Exil für Max Emanuel dem Herzog Kurfürstenwürde und Land restituiert. Als die Stände Prinz Eugen zum Verhandlungserfolg gratulieren, spottet er: Wenn der Himmel in den Deutschen, statt ihrer Pedanterien, einmal den Sinn der Eintracht und Vaterlandsliebe erwecken würde, alsdann wollte auch ich den Reichstag beglückwünschen.

 

Louis XIV behält seine Erwerbungen, einzig Freiburg, Breisach sowie Kehl werden dem Reich restituiert. Zu den Gewinnern des Spanischen Erbfolgekrieges dagegen zählen Savoyen, welches Sizilien erhält, das Vereinigte Königreich, das seine Herrschaft mit dem Erwerb Gibraltars in Übersee festigt und ausbaut, sowie Preußen, welches als Königreich betätigt wird.

 

Louis XIV aber hatte sein Land ruiniert. Spätestens als man in Versailles darangeht, das Tafelsilber einzuschmelzen, bekennt der König:  Ich habe den Krieg zu sehr geliebt.

 

 

Abkehr von der jesuitischen Bildungsdoktrin

 

Unter großem Jubel der Freiburger Bevölkerung rücken am 18. Jänner 1715 österreichische Truppen unter dem Kommando des Grafen* Harrschs in die Stadt ein. Bei der finanziellen Bilanz der kriegerischen Auseinandersetzungen ist die Stadt der große Verlierer: Die Berechnung der ganzen Schuldenlast wies im Jahre 1717 über 500,000 fl. (Gulden) aus, die Additionalschulden (welche gemeinschaftlich mit den Ständen zu tragen waren) nicht einmal mitgerechnet; da ohnehin die städtische Ausgabe um mehr als 5000 fl. die Einnahme überstieg. Noch nie hatte die Lage Freiburgs einen so sehr traurigen Anblick gewährt [Schr25].

*Kaiser Carl VI. bewies, wie sehr er mit dem Benehmen des Gouverneurs während dieser Belagerung zufrieden war, indem er (17. Juli 1714) Harrsch in den Grafenstand erhob, von Neuem in seinem Gouvernement bestätigte, und ihn zum Feldzeugmeister ernannte [Feuc37]

 

Wieder einmal  kehrt die Universität aus ihrem erzwungenen Konstanzer Exil nach Freiburg zurück. Der Historiker Dieter Speck schreibt über den damaligen Zustand der Hochschule: Die Freiburger Universität war nach den Jahren des zweifachen Exils und der Rückkehr dringend reformbedürftig, sollte die Hohe Schule eine Überlebenschance haben. Die breisgauischen Landstände, also außerhalb der Universität stehende Kräfte, gaben daher Impulse und finanzierten die Reformen. Die protestantischen Universitäten in Halle und Göttingen waren damals in aller Munde, da sie dem Adel Bildungsangebote offerierten, die dieser für seine Söhne und deren Ausbildung benötigte: moderne Fremdsprachen, höfisches Benehmen, Tanzen und Fechten für die künftige Karriere in Diplomatie und Militär. Dies konnten manchmal Ritterakademien, aber fast nie Universitäten bieten. So entwickelte der auf sich gestellte vorderösterreichische Adel quasi als Vorposten Habsburgs und des Reichs am Oberrhein die Idee, Lektorenstellen für neue Disziplinen und Fachrichtungen zu finanzieren, um so die Universität zu modernisieren. Im Zentrum standen 1716 die Reformen der Juristischen Fakultät, der die Stände Lehrkanzeln in Naturrecht und Geschichte stifteten, die es sonst nur an protestantischen Universitäten gab. Darüber hinaus sollten Extraordinariate für Zivil- und Kriminalprozess, Zivil- und Militärarchitektur, öffentliches Recht und Lehensrecht eingerichtet werden, die in Deutsch und nicht mehr in Latein unterrichtet werden sollten. Tanz- und Fechtmeister sowie Sprachmeister für Französisch und Italienisch, sollten das Angebot abrunden. Diese Initiative ergänzte der kaiserliche Befehl, das philosophische Grundstudium von drei auf zwei Jahre abzukürzen, was eine Abkehr von der jesuitischen Bildungsdoktrin darstellte.  

 

Die kaiserlichen Anordnungen, die nur für Freiburg Gültigkeit besaßen, wie auch der Zusammenhang mit der Einführung der neuen Fächer legen es nahe, an ein erstes Versuchsfeld für Bildungsreformen zu denken. Freiburg bot sich als halbjesuitische Universität wegen ihres desolaten Zustandes und der geographischen Lage zwischen den protestantischen Universitäten Heidelberg, Tübingen, Straßburg und Basel an. So kann man die kaiserlichen und landständischen Initiativen durchaus als Vorstufe der späteren theresianischen und josephinischen Reformen ansehen. Die vorderösterreichischen Reformansätze gelangten vom Westen in den Osten nach Wien, um schließlich eine Generation später wieder von Wien aus in den Westen getragen zu werden. Die ersten entscheidenden Impulse gingen von den Ständen aus, die die an Ritterakademien üblichen Fächer an der Universität zu etablieren versuchten [Spec10].

 

 

Die Bilanz Kaiser Leopolds I.

 

Bei allen Verlusten, die das Reich in diesen schwierigen Zeiten erleidet, und bei aller Sorge um seine habsburgische Hausmacht muss man dem Kaiser zugestehen: Leopold I. wurde zum Kaiser des Westfälischen Friedens, und wenn schon nicht zum Mehrer, so doch zum Bewahrer des Reichs [Schm99]. In den 47 Jahren seiner Regierung betreibt er eine kontinuierliche habsburgische Politik, die in den begrenzten Möglichkeiten der damaligen Zeit ein Maximum für das Reich und seine Hausmacht erzielt. Mit viel politischem Geschick bindet er die mächtigen Stände des Reiches an sich. Dem blauen Max, dem Kurfürsten Max Emanuel von Bayern gibt er seine Tochter zur Frau [Tu felix Austria nube!] und gaukelt ihm so die Anwartschaft auf das spanische Erbe der Habsburger vor. Der Kaiser erhebt 1692 den Herzog von Braunschweig-Lüneburg aus dem von vielen Seculis her berühmten, und um das Heil. Röm. Reich durch sehr ersprießliche Dienste hoch-meritierten Hauß (Welfenhaus) in den Rang eines neunten Kurfürsten von Hannover. Das neue Erzamt Ernst Augusts ist das eines Erzbannerträgers [Rose09].

 

Kurfürst Friedrich August von Sachsen [der Starke] (1697-1733) konvertiert zum katholischen Glauben und wird mit Leopolds Hilfe 1697 zum König von Polen gewählt. Schließlich darf sich Kurfürst Friedrich III. (1701-1713) im Jahre 1701 zwar nicht zum König von Brandenburg doch immerhin zum König in Preußen krönen. Daneben führen der wachsende Einfluss und die Ressourcen der Habsburger zu einer Rückkehr einer Reihe von Landesherren in den Schoß der Alten Kirche. Schließlich erreicht Leopold 1708, dass ihm als König von Böhmen wieder Sitz und Stimme in den kurfürstlichen Gremien eingeräumt werden [Stol06].

 

Im Jahr 1714 besteigt Kurfürst Georg Ludwig von Hannover als George I. (1714-1727) den britischen Thron. Zwar wird das deutsche Kurfürstentum zwischen Weser und Elbe nicht Teil Großbritanniens, doch ist für Frankreich der britische Übergriff auf den Kontinent ein Stein des Anstoßes und für einige Historiker der Beginn eines zweiten Hundertjährigen Krieges bis zur Niederlage Napoleons im Jahre 1814 [Stub03].

 

This page was last updated on 05 März, 2016